Reichskanzler in der Weimarer Republik

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Paula13, 24. September 2014.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Hier ein guter Überblick über die Wahlen und Ergebnisse während der Weimarer Republik:
    Das Deutsche Reich im Überblick

    @Moderation: Kann bitte die Überschrift korrigiert werden bei dem Wort Weimar, Danke.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Nutzung von Artikel 48 liegt mW weiter zurück, und zwar schon 1921/25.

    1926 oder 1928 wurde dieses auf den Juristentagen diskutiert, die teilweise eine Ausweitung der Nutzung, bis hin zu einem nicht gewollten "Missbrauch" diskutierten.

    Genau das trat ein. MaW: es gab durchaus ernstzunehmende Stimmen, dass diese "Praxis" wie 1930/33 realisiert eben nicht mit der Funktionstrennung in der WV ursprünglich beabsichtigt war. Einwände dagegen kippte allerdings das RG.

    Artikel 48 "entwickelte" sich erst im Verlauf der WR. Ergo wirkte hier ein Problem der Gewaltenteilung mit, nämlich eine sich positionierende Judikative, die "mitmachte".

    Diese Entwicklung ist beachtenswert, weil sie den Praxisvergleich der Verfassungssysteme verbiegt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. September 2014
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    D. h. wenn die im Parlament vertretenen Parteien von selber auf die Idee kommen, Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen zwecks Regierungsbildung zu führen, muss er nicht. :)
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Hitler stand nicht als Vizekanzler zur Verfügung, weshalb erste Gespräche im Dezember 1932 scheiterten. Erst beim berüchtigten Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder konnte ein Durchbruch erzielt werden. Man konnte Hindenburg davon überzeugen, dass ein Reichskanzler Hitler inmitten eines konservativen Kabinetts mit nur wenigen Ministern der NSDAP gezähmt und "eingerahmt" werden könne.

    Das war dann die Geburtsstunde des Dritten Reichs.
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die ersten Gespräche waren im November 1932. Hitler beanspruchte die Kanzlerschaft. Hindenburg am 21. November 1932 zu Hitler:

    „Wenn ich auf diesen Ihren Gedanken eingehe, so muß ich verlangen, daß ein solches Kabinett eine Mehrheit im Reichstag hat. Deshalb ersuche ich Sie als den Führer der stärksten Partei festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen Sie für eine von Ihnen geführte Regierung eine sichere, arbeitsfähige Mehrheit mit festem, einheitlichen Arbeitsprogramm im Reichstag haben würden. Ich bitte Sie um Ihre Antwort bis Donnerstagabend.“
    "Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik" Online "Nr. 224 Aufzeichnung des Staatssekretärs Meiss..." (1.95:)
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Geschichte hat gezeigt, dass sowohl Reichspräsident Hindenburg und seine Kamarilla als auch die zugezogenen Wirtschaftsbosse bei hrer Annahme, Hitler "einrahmen" und "zähmen" zu können, einen dramatischen Fehler begingen. Die für die parlamentarische Arbeit konstruierte Verfassung hat die Tendenzen zum parlamentarischen Chaos ebenso gefördert, wie das Anwachsen extremer Parteien von links und rechts, was die Arbeit im Parlament zusehends blockierte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. September 2014
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Art. 48 war eigentlich nur für wirkliche Ausnahmesituationen vorgesehen. Bei zunehmender Handlungsunfähigkeit des Parlaments entwickelte sich daraus dann die Gepflogenheit, dieses Recht des Reichspräsidenten für eine Ersatzgesetzgebung zu instrumentalisieren.

    Häufig unbeachtet bleibt die Tatsache, dass der Reichstag Notverordnungen aufheben konnte, was meines Wissens zweimal drohte. Hindenburg kam dem durch Auflösung des Parlaments zuvor.
     
  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Es gab schon im August 1932 Verhandlungen zwischen Hindenburg und Hitler. Diese wurden allgemein als schwere Niederlage Hitlers verstanden, der sich fortan auch weigerte persönlich mit Hindenburg zu verhandeln.

    Ende November 1932 erfolgte abermals eine Absage Hindenburgs an Hitler.

    Hitler verlangte nämlich auch die präsidialen Vollmachten gemäß Artikel 48 der Weimarer Verfassung. Darüber hinaus wollte er auch zumindest das Innenressort; aus durchsichtigen gründen. Er wollte die ganze Macht und diese nicht wieder abgeben.Das begriff selbst Hindenburg.
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ja, richtig!
    Bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli wurde die NSDAP erstmals stärkste Partei.
    Am 13. August erörterte Hindenburg mit Hitler die Frage einer Regierungsbeteiligung der NSDAP. Verhandelt wurde nicht viel, die Besprechung dauerte 20 Minuten:

    "Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik" Online "Nr. 101 Aufzeichnung des Staatssekretärs Meiss..." (2.102:)

    (Davor hatten Gespräche zwischen Hitler und von Papen und von Schleicher stattgefunden.)
     

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