Romische Dodekaeder

Dann ist's doch einfach, einen sinnvollen und nachvollziehbaren wissenschaftlichen Bericht als Quelle anzugeben.

Fernsehsendungen aus obskuren (= besser gleich den Bildschirm dunkel lassenden) Privatsendern oder tantrische, esoterische oder sonstwie raunende Videos sind's nicht.

Der Verzicht auf Video-Links ist eine der Errungenschaften des Geschichtsforums.
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An manche Themen wagt sich diie Wissenschaft nicht heran. Da wird man nur in der grauen Zone fündig. Man kann sich zumindest eine eigene Meinung bilden. Und warum nicht diskutieren?
 
Ich finde leider keine wissenschftlich fundirten Quellen, die sich mit alten keltisch-römischen Ritualen befassen. Und um diese geht es
 
Ich finde leider keine wissenschftlich fundirten Quellen, die sich mit alten keltisch-römischen Ritualen befassen. Und um diese geht es
Bei Youtube wirst du diese nicht finden, aber vielleicht in Marburg oder Wien, wo es Fachbereich für Keltologie gibt. Und auch anderswo in gut sortierten Universitätsbibliotheken. Und du musst nicht einmal dorthin fahren. Du kannst einfach mal über Institutshomepages gehen und schauen, wer dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt ist und die Namen bei Academia.edu eingeben, da wirst du wahrscheinlich wissenschaftliche Artikel finden. Und darin Literaturangaben, worüber du an weitere Keltologen kommst. Da findest du dann auch seriöse und fundierte Beiträge über keltische Rituale. Und wenn die historiographischen oder archäologischen Quellen nichts hergeben, dann geben sie eben nichts her, das muss man dann einfach akzeptieren. Das ist in jeder Wissenschaft so: Daten sind die Grundlage, können keine Daten erhoben werden, dann gibt es auch keinen wissenschaftlichen Output und das wird dann nicht durch Geschwurbel ersetzt.
 
Ich finde leider keine wissenschftlich fundirten Quellen, die sich mit alten keltisch-römischen Ritualen befassen. Und um diese geht es

Worum geht es hier?
In diesem Thread geht es um römische Dodekaeder.

Falls Du Dich wirklich für keltische Rituale interessierst, hätte ich einen Tipp: Die schriftlichen Quellen hat Andreas Hofeneder ediert. Das Buch heißt "Die Religion der Kelten in den antiken literarischen Zeugnissen" und hat drei Bände mit zusammen über 1600 Seiten. Das könntest Du mal durchgehen. Das kostet auch viel Zeit, aber man findet unglaublich viele Informationen und Anregungen, über die man nachdenken, sich eine Meinung bilden und diskutieren kann.
 
Zumindest ein Exemplar könnte zur Klärung beitragen: "Auf einem 1982 in Genf gefundenen, in Blei gegossenen und mit Silberblech überzogenen Exemplar ist auf jeder Fläche eines der zwölf Sternkreiszeichen in lateinischer Sprache beschrieben." Das weist auf astrologisch-astronomischen Gebrauch hin. Der Silberblech-Überzug setzt besonderes handwerkliches Geschick voraus und machte das Stück teuer, nur für einen kleinen Personenkreis zugänglich.
 
Zumindest ein Exemplar könnte zur Klärung beitragen:
Diese These hat auch @Sonter nicht sehr überzeugend vertreten. Der Genfer Dodakeader, der im Gegensatz zu den übrigen kein Hohl- sondern ein Vollkörper ist, unterscheidet sich in Größe, Material und Fundumständen erheblich von den übrigen, die einzige Gemeinsamkeit, ist, dass es sich auch um einen Zwölfflächner handelt.

"Auf einem 1982 in Genf gefundenen, in Blei gegossenen und mit Silberblech überzogenen Exemplar ist auf jeder Fläche eines der zwölf Sternkreiszeichen in lateinischer Sprache beschrieben." Das weist auf astrologisch-astronomischen Gebrauch hin.

Ich verstehe noch immer nicht. Dass ein Jahr 12 Monate hat, wussten die ollen Römer. Das ein Monat rund um 30 Tage hat, wussten sie auch. Dazu brauchten sie kein kompliziertes Gebilde herstellen, wie einen Dodekaeder, um das davon abzulesen.
[...]

Ich hatte ja in meinem drittletzten Beitrag darauf hingewiesen, dass der Genfer Dodekaeder, den du als "Schlüssel" für die Entschlüsselung der Funktion der Dodekaeder ansiehst, erhebliche Unterschiede zu den anderen Dodekaedern aufweist. Der hat etwas von einem Spielwürfel. [...] Dodekaeder ist ja zunächst nur einmal eine geometrische Form ("12-Flächner"), insofern ist der echte Dodekaeder, den wir in Genf haben, etwas anderes als die Hohlstücke mit Knäufen, die bisher in diesem Thread diskutiert wurden. darauf bist du gar nicht eingegangen. Wenn du meinst, dass dieser der Schlüssel für die Erklärung der anderen sei, müsstest du ja auch erklären, warum mein Einwand, der auf die Unterschiede zwischen diesem und den anderen nichtig ist.Anhang anzeigen 23883

Kommen wir nun also zum Genfer Dodekaeder und den Sternkreizeichen.
Ich ignoriere wohlweislich, um es nicht unnötig weiter zu verkomplizieren, dass Sternkreiszeichen und Monate nicht identisch sind.

Die Tierkreiszeichen sind
Steinbock Capricornus
Wassermann Aquarius
Fische Pisces
Widder Aries
Stier Taurus
Zwillinge Gemini
Krebs Cancer
Löwe Leo(nis)
Jungfrau Virgo
Waage Libra
Skorpion Scorpio
Schütze Sagittarius

Schauen wir uns jetzt noch mal den Genfer Dodekaeder an:

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Da können wir etwa die Folge Gemini - Cangri - Leo - Aries - Taurus ausmachen. Alles in derselben Horizontallinie. Auf Aries folgt Taurus, und auf Gemini folgt Cancer und darauf folgt Leo, das ist soweit richtig. Aber Aries folgt leider nicht auf Leo, dazwischen liegen sieben Tierkreiszeichen. Wir stellen fest: mal "berühren" sich aufeinander folgende Tierkreiszeichen, mal nicht. Ergo, keine selbsterklärende Systematik. Anstatt also die zwölf Monate oder die zwölf Tierkreiszeichen auswendig zu lernen, was - zumindest bzgl. der Monate - jedes Grundschulkind kann, einen komplizierten dodekaedrischen Kalender erstellen, dessen Funktion nicht sofort eingängig ist, bringt genau welche Erleichterung?


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Materialaußen Silber (mit geringem Kupferanteil),
innen Blei
Bronze
Größe3,5 cm4 – 11 cm
Äußeres Erscheinungsbild12 Tierkreiszeichen auf den glatten Flächenverschieden große Öffnungen, wobei immer die beiden gegenüberliegenden Öffnungen gleich groß sind
Knubbel an den Extrempunkten
Füllungmassiv, Bleiinnen hohl
Fundumständeim Fußboden der Empfangshalle des Bischofssitzes (Anschüttung, offensichtlich „Müll“)
  • oft vergesellschaftet mit Münzhorten
  • in einem Fall Grabbeigabe
Funktionspielemäßiges Wahrsagen?unbekannt, Thesen gibt es einige
  • Zepter
  • Kerzenständer
  • Messinstrument
  • Strickliesel
  • Arbeitsmuster von Feinschmieden
  • Münzmessgerät
 
Na, dann lies mal nach. Und lass den Fernseher aus. Da brauchst Du gar nicht nach Großbritannien gehen:
  • Gallo-römische Umgangstempel im Rheinland
  • Matronenkult
  • Römische Kulte in keltischer Tradition
Wissenschaftliche Lit:
Klaus Kortüm, Nachleben. Keltische Traditionen in römischer Zeit, in Dirk Krausse u.a., Die Kelten in Baden-Württemberg (2025), S. 240-266.

Zudem gibt es auf dem Brandsteig, der Übergang vom Oberen Kinzigtal im Schwarzwald zum Oberen Gäu, beispielsweise ebenfalls einen gallo-römischen Umgangstempel.
 
Nachdem ich erstmals ein Foto sehe, ist die versilberte Bleikugel kein besonderes Kunstwerk. Parallelen zum Hohlkörper müssen nicht zwingend bestehen.
 
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