Schwächen der Weimarer Verfassung?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von prolimit, 19. November 2005.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    @moderatores,

    könnte sich eine(r) von Euch erbarmen und die Zentrumsparteidiskussion vom Thema abspalten? Wobei ich das Problem einsehe, wo die Zentrumspartei im Forum einzuordnen ist, das sie ja in mehrere Teilforen passen würde. ich schlage aber vor, sie im Teilbereich WR zu belassen. Diesen Beitrag bitte ich zu löschen.

    El Quijote
     
  2. Brecht

    Brecht Neues Mitglied

    Aber die Seite ist trotzdem gut, man die Literaturlage ist ja sehr sehr umfangreich. Das werde ich wohl kaum mal schnell überblicken können. Gibts hier wen, der sich schon intensiver mit dem Thema befasst hat und den Forschungsstand mal kurz reflektieren könnte?
     
  3. Arne

    Arne Premiummitglied

    Die Zentrumspartei war meines Wissens immer eine Partei, bei der die katholische Konfession im Vordergrund stand. Die Wählerschaft gehörte zwar überwiegend zum bürgerlichen Lager, man richtete sich aber programatisch an alle Katholiken.
    Ziel war in der "politischen Mitte" (deswegen Zentrum) die Interessen der Katholiken zu vertreten. Im Wikipedia-Artikel wird erwähnt, daß sich nach dem Krieg CDU und Zentrum getrennt entwickelten, weil Adenauer manchen alten Zentrumsfunktionären zu rechts war.
    Ich meine, daß die Aufstellung einer neuen, christlichen Partei nach dem Krieg vor allem deshalb wichtig und letztendlich erfolgreich war, weil der Konfessionsunterschied überbrückt wurde.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. November 2005
  5. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    zum Zentrum in Rheinland-Westfalen :

    Der größte Teil der Gewerkschaftsführer innerhalb des Zentrums kam aus den rheinischen Regionen, damit wurde der Tatsache Rechnung getragen, daß die übergroße Mehrheit der Zentrumsstimmen aus der Arbeiterschaft stammte. Die wichtigsten Führer der christl. Arbeiterbewegung waren in Rheinland-Westfalen zuhause. Der Wähleranteil des Zentrums lag im Gebiet von Nordrhein- Westfalen doppelt so hoch wie im Reichsgebiet und schwankte zwischen 1919 ( 40,6 %) und 27,8 % (1930) Der jeweilige Stimmanteil lag in erster Linie an konfessionellen Gegebenheiten, so gelang es dem Zentrum auch in den konfessionell stark durchmischten Industriezentren wie Bochum ,Gelsenkchn,
    Duisbg, Essen regelmäßig stärkste Partei zu werden. Insgesamt vielen in diesen Gebieten soziostrukturelle Unterschiede nicht so sehr ins Gewicht.
    In den kath. Industriestädten Bocholt,Bottrop, Krefeld, Mönchengldb. War der Stimmanteil des Zentrums dreimal so hoch wie in den evang. Geprägten Industriestädten Barmen/Wuppertal,Mühlheim,Remscheid und Solingen.


    Quelle : „Arbeiterbewegung an Rhein+Ruhr“ Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Rheinland -Westfalen, herausgeg. Von Jürgen Reulecke, Hammer- Verlag
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2005
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  6. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Seres,

    das Zentrum gibt es heute noch in NRW. Es hat aber schon seit undenklichen Zeiten die 5%-Hürde nicht geschafft.
    Tatsache bleibt, dass viele Zentrumspolitiker nach dem Kriege die CDU gründeten. Darunter neben Adenauer auch Ernst Lemmer und Jakob Kaiser.:grübel:

    Lieber benny,
    wenn du so willst, dann sind alle anderen Parteien, außer der SPD nicht demokratisch, weil sie alle für das Ermächtigungsgesetz gestimmt haben, einschließlich der vielen liberalen Parteien und des ersten Bundespräsidenten Heuss, der als Reichstagsabgeordneter ebenfalls für das Ermächtigunggesetz gestimmt hat.:(
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. November 2005
  7. Benny1985

    Benny1985 Neues Mitglied

    Ja das glaube ich jetzt imemrnoch.

    Ihr wollt mir doch nicht ernsthaft erzählen dass das Zentrum aus purer Angst für das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat.
    Denn schon ein paar Tage zuvor hatte die Führung des Zentrums nach Verhandlungen mit Hitler die Zustimmung des Zentrums festgesetzt.
    Ich will das den Leuten ja nicht vorwerfen .. es war wirklich eine mutige Tat der SPD Abgeordneten gegen das Ermächtigungsgesetz zu stimmen.
    Jedoch wenn das Zentrum wirklich demokratisch gewesen WÄRE hätten sie trotz der aufmarschierten SA Truppen gegen das Gesetz stimmen können.


    Außerdem habe ich nie behauptet dass die CDU gleiche Wurzeln wie das Zentrum hat (zum Beispiel viele Gründungsmitglieder) aber trotzdem ist die CDU dadurch noch lange Nachfolgerpartei.
    Die CDU hatte keinen katholischen Leitfaden.
    Und auch wenn das Zentrum mit ihrem Neustart in der BRD keine Chance hatte zu regieren heißt das ja noch lange nicht dass es eine andere Partei ist.

    Und nochwas wieso spricht man denn von der Weimarer Republik von der Republik ohne demokraten buw Republikaner, enn alle liberalen Parteien ja doch so demokratisch waren?
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2005
  8. Seres

    Seres Neues Mitglied

    Hallo heinz,
    das Zentum ist zur letzten Bundestagswahl auch angetreten. Meiner Meinung nach beruft sich diese Partei zu unrecht darauf, die älteste Partei Deutschlands zu sein.

    Nach dem Krieg hat kein Zentrumspolitiker die CDU mitgegründet, da das Zentrum, wie alle Parteien, die nicht ins Exil gingen, 1933 sich selbst aufgelöst worden sind ;) Wenn, dann waren das ehemalige Zentrumspolitiker (*haarspalt*)

    De facto wurde das Zentrum 1945 gegründet, da Johannes Brockmann fand, dass der Kurs der CDU zu weit nach rechts steuerte. Das zumindest behauptet das Zentrum selbst von sich.

    Grüßle,
    seres
     
  9. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Benny,
    ich glaube schon, dass das Zentrum aus lauter Angst vor den Nazis dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt hat.
    Die Weimarer Republik hatte nicht genug Demokraten, außer der SPD nur die vielen kleinen liberalen Parteien und das Zentrum doch in weiten Teilen. :rolleyes:

    Lieber Seres,
    Du hast recht. De facto waren es ehemalige Zentrumspolitiker, wie Adenauer, Lemmer und Kaiser, welche die CDU gründeten.
    Grüße
    heinz
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. November 2005
  10. Seres

    Seres Neues Mitglied

    Huhu Benny,

    das Zentrum hat für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, da es hoffte, auf Hitler einen Einfluss haben zu können, ihn quasi an der Hundeleine führen zu können. www.zentrumspartei.de dort unter Geschichte.

    Die Weimarer Republik ist insofern eine Demokratie ohne Demokraten, da das DR damals öfters per Notverordnung nach Art. (§?) 48 Verfassung regiert wurde, dieser aber nur für Notfälle u.ä. vorgesehen war. Der Präsident war dadurch, ohne einer weiteren Legitimation zu bedürfen, sozusagen ein demokratischer Diktator, oder meinetwegen Ersatzkaiser.
     
  11. Benny1985

    Benny1985 Neues Mitglied

    Ansichtssache. Es gibt in der Geschichte wie wir wissen mehrere Ansichten von einer Handlung. Natürlich hatte die Zentrumspartei Angst vor den SA-Trupen, aber dies kann nicht der einzigste Grund gewesen sein.


    Du glaubst doch nicht ernstaft dem was da steht :p
    Erstens ist die Quelle von der Zentrumspartei selber .. ist doch klar dass die sich aus der Verantwortung ziehen wollen.
    Zweitens , glaubst du wirklich dass die Zentrumsmitglieder ernsthaft glaubten Hitler an der "leine" zu führen?
    Die NSDAP war mit Abstand die stärkste Fraktion im Reichstag das darf man nicht vergessen. Hitler war Reichskanzler ... es war doch offensichtlich dass wenn sie dem Ermächtigungsgesetz zustimmen, Hitler in seiner Macht nur gestärkt wird.
    Wer dann noch ernsthaft glaubt er, könne einen so charismatischen Mann wie Hitler (soll jetzt nicht rechtsradikal sein, Hitler hatte einfach Charisma), an der Leine führen scheint nicht wirklich objekitv zu denken.
     
  12. Mercy

    Mercy unvergessen

  13. Seres

    Seres Neues Mitglied

    Und du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sich die Abgeordneten des Zentums durch Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz wollten, dass sie ihre Partei auflösen müssen? Wenn das Zentum doch so undemokratisch war, warum nannte es sich nicht einfach NSDAP? ;)

    Die Beweggründe liegen im Verborgenen. Zudem war der Kanzler sowieso nur Marionette des Präsidenten...
     
  14. Benny1985

    Benny1985 Neues Mitglied

    Ich hab nie gesagt dass sie wollten dass ihre eigene Partei aufgelöst wird.
    Evtl haben sie gedacht dass wenn sie diesem Gesetz zustimmen, sie als kleine Opposition weiter im Reichstag sitzen dürfen das kann natürlich sein.
    Aber das Argument dass sie Hitler an dder Leine führen wollten ist einfach unsinnig (Begründung steht in meinem vorherigen Post).

    Ja der Kanzler war lauf der Verfassung eigentlich nur eine Marionette des Reichspräsidenten, aber zu dieser Zeit kann ich auch dieses Argument nicht mehr gelten lassen.
    Hindenburg war einfach schon zu alt. Die letzte Zeit seiner Amtsperiode hatte er keinen klaren Überblick mehr darüber was in dieser Zeit abgelaufen ist.
    Von daher war Hitler evtl offiziel eine Marionette Hindenburgs aber in der Realität war Hindenburg nichts weiter als ein alter Mann der sich zum sterben zurückgezogen hatte. Und das wussten die Zentrumsabgeordneten ganz genau.
     
  15. hyokkose

    hyokkose Gast

    Es könnte aber durchaus sein, daß noch zu diesem Zeitpunkt Illusionen verbreitet waren, wie sie Franz von Papen noch kurz zuvor geäußert hatte:

    http://www.bpb.de/themen/I2FWNH,9,0,Zerst%F6rung_der_Demokratie_1930_1932.html
     
  16. Benny1985

    Benny1985 Neues Mitglied

    In der Quelle steht ja selber "kaum glaubblichen Realitätsverlust".
    Gut vielleicht glaubte von Papen wirklich das war er sagte, doch dass alle Zentrumsabgeordneten dies glaubten kann ich nicht glauben.
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Was oft übersehen wird, Hitler hatte im Oktober 1932 den Auftrag zur Bildung einer Koalitionsregierung mit DNVP und Zentrum, die eine handlungsfähige Mehrheit im Reichstag gehabt hätte, von Hindenburg bekommen.

    Er musste den Auftrag unverrichteter Dinge zurückgeben. Aber nicht das Zentrum hatte sich geziert, sondern die DNVP. Hugenberg hatte eine Aversion gegen Hitler, die er, noch, nicht überwinden konnte.


    Grüße Repo
     
  18. Arne

    Arne Premiummitglied

    Soweit ich weiß, sind die Historiker eigentlich recht eindeutig in der Auffassung, daß die bürgerlichen Parteien anfangs tatsächlich glaubten einen Reichskanzler Hitler kontrollieren zu können - besser als in der Opposition. Ich schätze mit dem Ansatz, daß man einen ewigen Meckerer am besten kaltstellt, wenn man ihn mit in die Verantwortung zieht.
    Das deckt sich mit Mercys, Hyos, Seres Postings und auch dem Rückblick auf der Seite der Zentrumspartei. Vielleicht sollte man das ganz einfach akzeptieren.
    Ob das nun klug war, oder sie sich da falsche Hoffnungen gemacht haben, ist ein anderes Stück Papier....
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zustimmung Arne.

    Was bleibt ist die Frage wie und warum sich die bürgerlichen Regierungsmitglieder ruck-zuck überspielen und ausbooten ließen.
    Dazu habe ich bisher, mindestens für mich, keine überzeugende Antwort gelesen.

    Den Grund für das Scheitern der Weimarer Republik würde ich viel eher in der Inflation 1923 als in Verfassungsfragen sehen.
    Es ist ein beispielloses Verhalten einer Regierung, dass weite Kreise der Bevölkerung schlicht und ergreifend enteignet wurden, während weder Großkapital noch Arbeiterschaft groß davon betroffen waren.
    Das wurde während der Boom-Jahre 1924-1929 etwas unter den Teppich gekehrt, aber mit der Weltwirtschaftskrise kam das wieder voll hoch.

    Damit war ein widersinnige Situation entstanden, eine demokratische Republik, die insbesondere vom Bürgertum abgelehnt wurde.
     
  20. Brecht

    Brecht Neues Mitglied

    Lieber Repo,

    ich bin nun kein Wirtschaftswissenschaftler, aber ich gehe davon aus das die Inflation 1923 und die Weltwirtschaftskrise ZWEI unterschiedliche Krisen waren. Dein Posting klingt aber eher so, als das du von einer Krise ausgehst, die nur unterbrochen ist. Eine interessante These, kannst du die vielleicht ein wenig mehr fundieren?
     

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