söldner im 12oder 13 jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Hannes, 1. Dezember 2016.

  1. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Danke fürs verständniss.

    Ich freue mich sehr in diesem forum angemeldet zu sein und meine ideen und fragen mit euch zu teilen.

    Ich werde mir die bücher holen und die artikel lesen.
    Aber ich hätte noch ein paar fragen die man vielleicht nicht ihn jedem buch findet wo es mir auch darum geht wie ihr euch als geschichtsinterresierte und experten das so vorstellt.
    So rein hypothetisch eine söldner truppe von 30-50 mann die von burgherr zu burgherr zogen um sich bei diesen zu verdiengen zum Beispiel bei fehden.
    Oder die als handelstrosswächter arbeiteten oder banditen und raubritter jagten.
    Wie könnte ihre ausrüstung ausgesehen haben? Wahrscheinlich benutzten viele zum schutz ein gambason oder?
    Hatten diese truppen ein lager ein heimatdorf wo sie ihre waffen reparierten?
    Gab es in solchen truppe militärische ränge ?
    Söldner waren meist kriegsveteranen oder?
    So das sind ein paar fragen die mir schnell einfallen ich hoffe ihr könnt sie beantworten.
    Es ist alles ernstgemeint es würde mich wirklich interessieren.
    Vielleicht habt ihr lust mit mir darüber zu diskutieren.
    Würde mich freuen hoffe es ist alles verständlich.
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Zur Ausrüstung vielleicht erstmal Liliane und Fred Funcken, Historische Waffen und Rüstungen Ritter und Landsknechte vom 8. bis 16. Jahrhundert, München 2014. Durch viele bunte Bilder anschaulich. Burgen, Geschütze, Heraldik und begrenzt auch die Organisation werden zusätzlich angesprochen. Allerdings keine Söldnerorganisation. Nicht zu teuer kaufen, im Netz findet man es in der Regel günstig.

    30-50 Mann wären für einen einfachen Burgherrn wohl schon etwas viel. Ein oder zwei Dutzend sollten vom Gefühl her eher passen.

    Bei allem solltest du bedenken, dass man auch im Kleinen Krieg mit 20-30% Verlust auf 3 Monate rechnen sollte. Nicht nur durch Gefechte, auch Unfälle und Krankheiten kamen vor. In jener Zeit waren die Verluste durch Krankheit höher als die durch Gewalt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dezember 2016
  3. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Verluste durch Krankheiten waren sogar die Mehrheit. Bei der Royal Navy im 18. Jahrhundert waren deutlich mehr Leute durch Krankheiten, Verletzungen und auch Unfällen gestorben als im Gefecht. Aus dem Kopf heraus etwa 10% im Gefecht.

    Es wird in Romanen meist von Wundbrand geredet, zurecht. Es gab aber genug andere Erkrankungen, wie die Ruhr durch mangelnde Hygiene, Wundstarrkrampf (Tetanus) oder Skorbut auch an Land, bei schlechter Versorgungslage. Bei verdorbenem Getreide Mutterkorn...
     
  4. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Okay danke danke.

    Wahrscheinlich hatten solche Truppen auch einen eigenen waffen schmied oder?
    Hatten solche Truppen sowas wie eine Operations Basis? Ein Ort an dem sie sich zurück zogen wenn sie nicht für irgend einen Herrn unterwegs waren? Wenn man mit 20 bis 30 Prozent Verlusten rechnen musste wie rekrutierte die Truppe neue Mitglieder?
    Solche söldner Truppen bestanden meist wohl auß Männern auß der mittel oder unterschicht?
    Ich weiß es wird sich nicht alles mit Sicherheit beantworten lassen mich würde einfach auch eure Meinung interresieren wie ihr euch das vorstellt. Ihr habt ein besseres Bild von dieser Zeit
     
  5. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Lies erst mal die ganzen verlinkten Wikipedia-Artikel und Threads. Auch Duby und Borst solltest Du zur Kenntnis nehmen.

    Deine Fragen sind so, als ob jemand fragt, welche Uniform die Soldaten zur Zeit Napoleons trugen. Man kann sie so einfach nicht beantworten.

    Dir geht es um eine kleine Truppe ohne Macht und Geld. Die hatten keine Basis. Wenn sie umherziehen hätten sie sie nicht nutzen können. Auf den Burgen oder in den Städten gab es Schmiede.

    Große Söldnertruppen mögen anders organisiert gewesen sein.

    Die Bezeichnungen Mittel-, Ober- und Unterschicht sind für die damalige Zeit problematisch. Es kam sicher vor, dass sich Adlige Söldneranden anschlossen. Insbesondere als Anführer. Ob das schon im 13. Jh. so war, kann ich nicht sagen.

    Es gab und gibt immer genügend Leute, die den Söldnerberuf ergreifen. Hilfreich ist ein guter Ruf der Söldner. Äh, sagen wir lieber ein erfolgversprechender Ruf. Die Bewerber mussten ihre Ausrüstung mitbringen und zeigen, dass damit umgehen, also Fechten und schießen konnten. Da gab es zu allen Zeiten Betrugsversuche. Feste Formen bildeten sich erst im Laufe der Zeit heraus. Belege aus der Zeit habe ich nicht, aber es war vorher und nachher so.

    Lies Dich erst ein. Zu fragen mag bequem erscheinen, aber wir können nicht ausführlich genug antworten.

    Es gab mal einen Autor, der überlieferte Namen von Orten recherchierte. In seinem Roman benutzten dann selbst die bildungsfernsten Bösewichte lateinische Namen. Ihm war wohl nicht aufgefallen, dass im Mittelalter die wenigsten Latein sprachen.

    Lies Dich also lieber ordentlich ein. Zumindest die peinlichen Fehler kannst Du dann vermeiden.
     
  6. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Okay werde nach und nach Alles durchlesen.

    Ja richtig mir ging es um eine kleine Truppe Söldner.
    Okay danke erstmal für die antworten und für die Geduld.
    Danke
     
  7. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Hallo Hannes, ich wollte Dir wirklich keinen Ärger machen, oder dich überführen, natürlich war die Ähnlichkeit der Fragestellungen offensichtlich.
    Mein Eindruck ist, dass du ein Szenario im Kopf hast, eine Idee, und in der Geschichte genau dieses Szenario suchst. Vielleicht ist das Geschichtsforum nicht der richtige Ort, sondern eine Schreibwerkstatt, zum Beispiel bei deiner örtlichen VHS, in der dir geholfen wird, zu deiner Geschichte zu kommen:
    1. Was ist deine Rahmenhandlung -> zum Beispiel eine abenteuerliche Reise mit verschiedenen Stationen -> Erarbeitung eines Ausgangspunkts
    2. In welche Landschaft, in welches historische Szenario bettest du diese Geschichte ein? -> Entscheidung für eine Region, Landschaft, usw. Gut ist es, eine Landschaft zu kennen, du willst Geschichte lebendig machen, Ortskenntnisse sind nützlich
    3. Welches Ziel steuert dein Roman an, was ist sein Grundmotiv? Hartgesottene Überlebenskünstler, waffenerprobt von Kindesbeinen an, käufliche Glücksritter, die ihren Anteil am Wohlstand suchen, und daran scheitern / oder erfolgreich sind, oder von den wirklich historischen Mächten instrumentalisiert und geopfert werden, gebraucht, aber verachtet, mißtraut, aber gesucht?

    Ich denke, wenn du dies in Begleitung erarbeitet hast, kann dir das Geschichtsforum in Detailfragen besser helfen, ich erinnere mich an einen tollen Thread zu einem Hannibalcomic, da begleitete das GF die Autorin durch die Planung und Gestaltung des Comics und der Geschichte.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Autorin ist natürlich ihres Zeichens auch Latinistin gewesen. Der Comic ist im Übrigen veröffentlicht, ich hab ihn schom im Laden gesehen.
     
  9. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Nein kein Problem des passt schon.
    Ich bin sehr dankbar für alle eure antworten.

    Ich will nicht nerven mit meinen Fragen.
    Und lese faul will ich auch nicht sein.
    Mir geht es einfach um eine kleine Truppe Söldner kampferprobter überlebenskünstler die nicht reich sind und keine große macht haben. Ich weiß in Filmen und Romanen wird das oft romantisiert dargestellt. Aber mir gefällt eben die Vorstellung rauer abgewetzter kämpfer die von Auftrag zu Auftrag ziehen.
    Zb von einem burgherrn wegen einer Fehde oder die banditen jagen und ausschalten die seit Wochen die Händler überfallen oder eine Truppe Reisende von A nach B eskotieren.
    In den links ist meist von großen schlachten und Feldzügen die rede und von bedeuteten Personen. Deshalb habe ich gemeint mir ist eure Sicht der Dinge wichtig und wie ihr euch das vorstellt. So werde auch die restlichen links jetzt lesen. Danke nochmal.

    Ach ja könntet ihr vielleicht einen guten historischen Roman empfehlen wo es um söldner und kämpfer geht?
    Die uhtred saga von bernard cornwell hab ich schon gelesen.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Problem ist, dass in den historischen Quellen die Leute der zweiten und dritten Reihe gerade noch vorkommen, die "kleinen Leute" aber so gut wie gar nicht. Was es gab, das waren die Santiagopilger. Der Begriff Santiagopilger wurde zeitweise als Euphemismus für Banditen verwendet, weil Kriminelle häufig als Sühnehandlung auf Pilgerschaft geschickt wurden. Man erhoffte sich dabei wohl eine Lösung des Problems, indem die Kriminellen selber unter die Räuber fielen oder aus sonstigen Gründen einfach nicht zurückkehrten; jedenfalls sollten die Monate, welche die Pilgereschaft auf jeden Fall dauern würde, Gras über die Sache wachsen lassen. Aber so etwas wie Blackwater oder Executive Outcomes darfst du dir für das MA nicht vorstellen.
     
  11. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Das kommt ganz auf die Zeitstellung an, einige Bücher sind Dir im Laufe der Threads schon genannt worden, die Anabasis https://de.wikipedia.org/wiki/Anabasis_(Xenophon) 4. Jahrhundert v.Chr., ich fand das sehr Buch spannend, es ist sicher ungewohnt für unsere modernen Lesegewohnheiten, aber genau dieses Altertümliche macht einen Teil der Faszination der Geschichte aus.
    Dann den von mir schon genannten Roman Salammbo von Flaubert, https://de.wikipedia.org/wiki/Salambo der im 3.Jahrhundert v.Chr. spielt. Es geht um den Söldnerkrieg in Karthago.
    Im Mittelalter angesiedelt ist Baudolino von Umberto Eco, zwar keine Söldner, aber eine Gruppe Freunde, die zusammen zahlreiche Abenteuer bestehen im 12./13.Jahrhundert n.Chr. - https://de.wikipedia.org/wiki/Baudolino - ich finde den Roman auch inspiriert von Mandeville https://de.wikipedia.org/wiki/Jehan_de_Mandeville .
    Ein späterer Zeitraum, 17.Jahrhundert, der 30jährige Krieg, wird vom Simplicissimus abgedeckt: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_abenteuerliche_Simplicissimus es ist keine Beschreibung eines reinen Söldnerlebens, aber eine abenteuerliche Lebensreisebeschreibung eines Überlebenskünstlers (der auch Söldner wird) in einer extrem unsicheren und gewalttätigen Lebenssituation.
    Moderne historische Romane genau zu deiner Themenstellung fallen mir nicht ein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Dezember 2016
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  12. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Im 11. Jhrhdt. spielt in Süditalien von Ulf Schiewe die sogenannten Normannensaga. Dabei geht es um die Eroberung durch die Normannen. Gerade der erste Band dürfte für Dich interessant sein, da einige Normannen, schlecht bewaffnet, nach Apulien aufbrechen.
    Nur ohne Verbindung zu großen Ereignissen, wirst Du es schwer haben für Leser interessant zu sein.
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Nicht nur über die kleinen Leute, sondern auch über kleine Konflikte ist oft kaum etwas bekannt. Hier gab es z.B. eine Fehde zwischen dem Busdorf-Stift in Paderborn und den Herren von Drewer. Wir wissen davon nur aus der Urkunde, die die Fehde beilegte. Die Herren von Drewer hatten dem Kloster einen Hof geschenkt. Nun aber beanspruchte das Stift zwei Höfe. Die Ursache ist hier recht leicht zu sehen. Die Herren von Drewer hatten den Hof geteilt, um die Einkünfte nicht vollständig zu verlieren. Eine damals durchaus übliche Vorgehensweise. Aus welchen Gründen das Stift das in diesem Fall nicht akzeptierte, ist nicht bekannt. Das beide Höfe bestehen blieben kann man nur aufgrund späterer Verhältnisse vermuten. Vollkommen unbekannt ist, ob es zu Fehdehandlungen kam und worin diese bestanden. Die beiden Brüder von Drewer waren übrigens -zumindest zur Zeit der Fehde- keine Ritter, sondern Knappen.

    Dies war nun eine unbedeutende Fehde. Aber selbst zum schon genannten berühmten Benglerbund ist nicht nicht wirklich viel bekannt.

    Aber ich hatte schon einmal geschrieben, dass Du ab einem gewissen Punkt sowieso von der Realität abweichen musst. Vielleicht machen sich Deine Söldner so verdient, dass ein freigewordenes Burgmannslehen statt es neu zu vergeben den Söldnern überlassen wird. Eigentlich unrealistisch, aber auch wieder nicht undenkbar. Was uns heute als Widerspruch scheint, muss es nicht im Mittelalter gewesen sein. Nur wären die Söldner dann an den Umkreis ihrer 'Basis' gebunden, könnten sich nicht mehr gegen den Stadtherrn wenden und Konflikte mit der Stadt wären naheliegend.

    (In späterer Zeit wurden Burgmannslehen einfach in Meiergüter umgewandelt, wenn sie an bürgerliche gegeben wurden, oder die Städte selbst in ihren Besitz kamen. Jedenfalls im Paderborner Raum. Oder es wird einfach erstmal die Nutzung überlassen. Was daraus wird, ergibt sich schon irgendwann und Du müsstest es nicht wirklich thematisieren.)

    Solch ein Burglehen reichte oft nicht allein aus, um einem Ritter ein standesgemäßes Leben zu ermöglichen. Deine Söldner blieben also arm, zumal es ja mehrere waren. Ein Burglehen konnte ein kleines Fachwerkhäuschen umfassen, um im Ernstfall einen Platz zum Schlafen zu haben, aber auch einen recht großen Hof mit festem Haus oder regelrechter Burg. Ursprünglich hatte der Inhaber in der Stadt präsent zu sein, später nur im Ernstfall, bevor auch diese Verpflichtung wegfiel. Auch die zugehörigen Güter könnten unterschiedlich groß sein. In Salzkotten war einer der drei Burgmannssitze der Herren von Krevet mit 241 Morgen, die von einem Meier (=Pächter, in diesem Fall Hörige, wenn ich mich recht erinnere,; es gab auch freie und Leibeigene Meier) bewirtschaftet wurden, 1 Schafstall mit entsprechender Triftberechtigung, Fischerei- und Jagdrechten, Anteilen an der Trift in verschiedenen Allmenden und 2 Gehölzen ausgestattet. Das war aber schon eines der größeren Burglehen und mit einem Hof samt "Burgplatz" in der Stadt. (In Salzkotten gab es keine Burg, wohl weil der Kölner mit dem Paderborner Bischof um das Befestigungsring stritten. Anscheinend war ursprünglich auf dem Burgmannshof der Herren von Krevet eine solche geplant.)

    Warum führe ich das soweit aus? Wenn Du realistisch bleiben willst, brauchst Du einen Grundstock an Wissen über die Zeit. Wir helfen immer gerne weiter, aber das können wir nicht ersetzen. Die erwähnte Latinistin und Künstlerin hatte schon viel Vorwissen, da ging es weitgehend um Spezialfragen.

    Da bleibt die Empfehlung viel darüber zu lesen. Das heißt nicht, dass Du nicht fragen sollst, nur waren die obigen Fragen nicht wirklich zu beantworten.

    Arno Borst versucht die ganze Gesellschaft und auch die, die außerhalb der Gesellschaft standen zu erfassen. Daher dürften die Lebensformen im Mittelalter Dir gut weiterhelfen.

    Duby zeigt recht gut das Spannungsfeld von Krieg und Frieden auf, in dem sich Deine Söldner bewegen. Sein Schwerpunkt liegt in Frankreich, was aber nicht sehr schlimm ist, da es im heutigen Deutschland von Region zu Region variieren könnte. Eine interessante Frage ist also, wo Deine Söldner unterwegs sein sollen.

    Du solltest Dich auch allgemein in die Zeit einlesen. Alltag, Baukunst, allgemeine Geschichte, evt. auch Kunst der Zeit dürftest du in einem Roman berühren müssen. Bei dem Thema solltest Du Dich auch mit der europäischen Fechtkunst beschäftigen. Fechten bezieht sich dabei nicht nur auf Schwerter, sondern auf das Kämpfen mit den üblichen Waffen. Ich schaue mal, was ich zu den Themen empfehlen kann. Da ich nur von mir ausgehen kann, dürften auch die Empfehlungen anderer interessant sein.
     
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  14. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Hallo liebes forum.

    Vielen vielen dank für die ganzen infos und die hilfe total super danke das ihr euch so mühe macht.
     
  15. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Im Prinzip ganz "einfach"!? An Deiner Stelle würde mir jetzt angesichts der vielen guten Ratschläge und Hinweise der Kopf brummen.:confused:

    Ich meine, dass es notwendig ist, Zeit und Raum einzugrenzen, mindestens bezüglich des Ausgangspunkts. Beispiel: erste Hälfte des 13. Jh. in Ostwestfalen mit der Chance, die Handlung nach Südhessen oder Italien zu entwickeln. Nur mit einer solchen ungefähren Festlegung kann man zielgerichtet nach verwertbaren Fakten suchen. Der Versuch, das ganze Spektrum an Erscheinungsformen von "Söldnern" durchzumustern, dürfte aussichtslos sein, da kommt man 'vom Hölzken aufs Stöcksken' oder auf die 47 Ronin (oder auf die Wanderhuren).

    Und zwar eben über eine stärker eingegrenzte Zeit, nicht über die von 1100 bis 1300.

    Grundstockmäßig kann ich noch empfehlen:
    - Daniel Robert Kramer: Das Söldnerwesen (2010), bes. Kap. 4: Die freien Kompanien
    - John France (Ed.): Mercenaries and Paid Men (2008), bes. Kap. "Methodologie, Definitionen, Probleme"
    - Hunt Janin with Ursula Carlson: Mercenaries in Medieval and Renaissance Europe (2013), die aber eher größere Haufen im Blick haben
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2016
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  16. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ja, eine Eingrenzung wäre hilfreich. Ich zögere schon den ganzen Tag mit Literaturempfehlungen. Zum Einen habe ich mir das Mittelalter nach den Staufern nicht mit Handbüchern oder Übersichtskarten erarbeitet, was ich immer noch für praktikabler halte, da es einfach mehr in die Breite geht. Zum anderen wäre eine Eingrenzung von Vorteil. Wenn nicht räumlich und örtlich vielleicht thematisch? Späte Staufer? Interregnum? Beginn der kleinen Eiszeit? Regionale Fehden? (Aus welcher Ecke kommst Du? Das mir Beispiele aus Ostwestfalen auf die Zunge stolpern, liegt ja auch an an dem unmittelbaren Bezug.)

    Wir kennen auch Deine Vorbildung nicht. Was hast Du schon über das Mittelalter gelesen?


    Ein Beispiel: Zweihandschwerter kamen erst im 13. Jh. auf und Einhandschwerter blieben noch länger bestimmend. Johannes Liechtenauer, auf den die Deutsche Fechtschule und das Federfechten zurückgehen lebte im 14. Jahrhundert, vielleicht in der Jahrhundertmitte. Natürlich ist die Fechtkunst älter, er hatte nur eine große Nachwirkung. Und die Vermittlung des Know-how änderte sich, nicht unwichtig für Söldner. Die Zedel (Zettel) Liechtenauers waren Merksprüche für Eingeweihte, erst später ging es um Verbreitung der Kenntnisse erfolgreicher Fechtmeister.
     
  17. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Habe meine Bücher jetzt nicht zur Hand.
    Werde aber nachsehen und es euch dann schreiben.
    Denke das es nicht wahnsinnig viel sein wird. Werde aber nachschauen sobald ich Zuhause bin.
    Was ich sicher zu hause habe ist Söldner leben im mittelalter von Gerry Embleton.

    Erste Hälfte des 13 jahundert hört sich ganz gut an denke ich.
     
  18. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Müssen es denn unbedingt Söldner sein, oder könntest Du Dich auch mit sonstigen Abenteurern anfreunden? Die erste Hälfte des 13. Jhdts. würde sich dafür nahezu perfekt anbieten: Die diversen "fränkischen" Fürstentümer und Herrschaften, die auf dem Boden des einstigen byzantinischen Reiches gegründet wurden. Oder auch die Anfänge des Deutschen Ordens im Baltikum. In beiden Fällen gab es für Abenteurer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und neuem Erwerb einiges zu tun und zu holen.
     
  19. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Und warum Wähler Du eigentlich immer die unwahrscheinlichsten Zeiten? 14. Und 15. Jahrhundert wäre für eine kleine Söldnertruppe besser.

    Und warum dürfen sie keinen Status haben? Das ist vollkommen unrealistisch. Ohne Anführer geht so eine Gruppe unter. Es gab genug arme Ritter, die zum 'Abenteurerleben' verdammt waren. Als Ministeriale galten sie im 13.Jh. meist nicht mal als Adelige. Ein Sohn, der nicht erbt und sich mit Kriegsdienst über Wasser hält, ohne ein Lehen zu erlangen und dabei ein Gefolge um sich gescharrt hat. Den einen Herrn mag das kriegerische Gefolge abschrecken, ihn mit einem Lehen auszustatten, dem nächsten ist er zu ehrlich, oder er will ihn vom Töchterchen fernhalten. Oder er weiß zuviel.

    Es gäbe unendlich viele Szenarien.

    1208 wurde König Philipp von Otto von Wittelsbach ermordet. Der Welfe Otto IV. wurde als Herrscher anerkannt, Reichshofmarschall Heinrich von Kalden erschlug Otto von Wittelsbach persönlich in einem Seicher oder einer Scheune an der Donau. Beatrix, die junge Tochter Philipps musste Otto IV. heiraten, um Frieden zwischen Staufern und Welfen zu erreichen. Kurz nach der Hochzeit starb sie, oder brachte sich um. Damit war die Versöhnung gescheitert. In dem Zusammenhang hat man auch zu Propagandazwecken Dichtung von Walther von der Vogelweide anfertigen lassen. Nach dem Mord war die Königin Irene auf die Burg Hohenstaufen geflohen, wo sie an einer Fehlgeburt starb.

    Jetzt stell Dir den Armen Ritter vor, dem der König eine Chance gibt, dem dann vor seiner Nase der Hals aufgeschlitzt wird, wie bereitwillig er das Angebot annimmt, den Reichshofmarschall zu unterstützen, Walther von der Vogelweide zwingt das Nibelungenlied zu erdichten, umdie ich meine 11jährige Königstochter gegen Darüber sprechen zu bewegen, den Welfen zu heiraten. Der Junge Ritter stellt und erschlägt den Wittelsbach und überlässt den Ruhm dem Reichshofmarschall. Dann wird er nach Italien geschickt, um die Gesandtschaft zu schützen, die die Heiratserlaubnis wegen zu näher Verwandtschaft beim Papst erwirken soll. Dabei gibt es Mordanschläge auf unseren Helden. Heinrich von Kalden will den Mitwisser loswerden. Schließlich hilft er der mittlerweile 14jährigen Beatrix ihren Tod vorzutäuschen und unterzutauchen. Wie Heinrich von Kalden starb ist unbekannt. Vielleicht hatte da der Held auch die Finger im Spiel, um Jahre später wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Dazwischen könnte er Friedrich Ii. gefolgt sein. Oder so ziemlich überall hingelangt sein.

    Dazu haben sich bestimmt schon unzählige Pennäler Geschichten ausgedacht. Ich meine, es gäbe sogar einen Roman dazu, kann mich aber nicht mehr genau erinnern. Andere hier werden sich besser erinnern. Wir haben damals fast schon wie bei einem Wettbewerb Geschichten darum Ranken lassen.

    Diese Geschichte mag abgegriffen sein, und nicht das, was Du suchst. Aber warum suchst Du kein anderes Ereignis und lässt Dir Deine Helden daraus erwachsen?

    Aus der Ermordung Philipp von Schwabens können wir ja mal einen Forumsroman machen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2016
  20. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Eine ähnliche Geschichte über einen Adeligen der sich mit seinem König wegen einer Mordgeschichte überwirft und deshalb sein Glück als Söldner im Grenzgebiet suchen muss gibt es bereits:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Cantar_de_Mio_Cid
     

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