Die Serie hat im Grunde viel von einem B-Film, was v.a. den Aufwand an Statisten und Ausstattung anbelangt, auch wenn er/sie damals 3 BAFTA-Nominierungen erhielt. Ich habe mich auch gefragt, ob darüber hier mal gesprochen wurde. Im Grunde geht die Serie, die von der Gesamtlaufzeit eher ein Film ist (174 min.), so lose mit der Hauptfigur Casanova um, dass man beinahe davon sprechen kann, man habe den Namen und Motive aus seinen Memoiren genommen und das einer frei erfundenen Welt übergestülpt.
"Casanova" P1*
UK 2005 Sheree Folkson
Handlung: Der greise Casanova (Peter O'Toole) lebt zurückgezogen und missachtet 1798 von den Dienstboten auf Schloss Dux. Er ist dabei seine Memoiren auf riesigen Papierbögen [sic.!] niederzuschreiben. Da begegnet er der aus Italien stammenden Edith (Rose Byrne), die aus Not als Dienstbotin in Böhmen arbeiten muss [sic.!] und eigentlich die Tochter eines Bürgermeisters ist. Die ein wenig bigotte Edith bittet Casanova ihr seine Lebensgeschichte zu erzählen, obwohl ihr Vater ihr fast alles schon vorgelesen hat [??? sic.!].
Dann erleben wir den jungen Casanova, der als Einzelkind [sic.!] von seiner Mutter (Dervla Kirwan) allein in Italien zurückgelassen wird. Ohne Geld beginnt er als junger Mann (David Tennant) so zu tun, als sei er Advokat, Arzt und weiß Gott nicht alles, womit er nicht nur Geld scheffelt, sondern trotz seiner linkischen Art auch die Frauen verzaubert [???]. Nur die vorwitzige Henriette (Laura Fraser), die aus den Slums der Stadt stammt, wo sogar Straßenkot für die armen Leute zu deren Erniedrigung auf die Straße geschüttet wird, obwohl es den in Venedig garnicht geben kann [sic.!], scheint sich nicht von ihm um den Finger wickeln zu lassen, da sie den Fürsten Grimani (Rupert Penry-Jones) heiraten muss, um nicht nur sich, sondern auch ihre Familie zu retten. Nachdem sich Casanova beinahe mit dem Kastraten Bellino (Nina Sosanya), der sich als Frau entpuppte, vermählt hätte, kommt er unverhofft zu einem Vermögen, da er den Geistlichen Bragadin (Freddie Jones) vor dem sicheren Tod bewahrt, als er sich als Arzt betätigt. Nun könnte er Henriette heiraten, wird aber unvermutet von den lustigen Wachen der Stadt verhaftet und in die Bleikammern geworfen, weil ihn Grimani verschiedener Delikte bezichtigt. Daraus gelingt ihm die Flucht, aber er muss nun zusammen mit seinem schwarzen Diener Rocco (Shaun Parkes) Italien verlassen und geht nach Paris, um dort durch den venezianischen Gesandten vielleicht eine Begnadigung zu erlangen.
Die Serie ist im Prinzip gefilmtes Theater. Denn selbst in den Straßenszenen sieht man selten mehr als 8-10 Personen und auch die Festsäle, die man in Venedig und anderswo auftrieb wirken praktisch leer, da man offensichtlich für Komparsen und auch Möbel kein Geld hatte. Bewusst tragen die Figuren eher märchen- oder theaterhafte Kostüme denen praktisch alle Details fehlen und die aus modernen Materialien gefertigt sind - z.B. die Hemden die aussehen wie aus modernem Stoff für Blusen. Die Stadtwachen (???) von Venedig haben beispielsweise Morione und so Rüstungen wie eine Veralberung der Papstgarde von 2005.
Typisch für solche Produktionen sieht man im Theater/der Oper kein Publikum, man sieht aber auch nichtmal Bühnenmaschinerie oder ein Stück, das aufgeführt wird, sondern eine einzelne Person steht auf einer leeren Bühne und trällert ein Lied.
Der Cast ist sehr inkonsistent. Während Peter O'Toole ja wirklich als junger Mann regelrecht berühmt für seine zahlreichen Affären in Hollywood war, scheint David Tennant als Verführer extrem unglaubhaft, da er einfach nicht dieselbe Ausstrahlung wie dieselbe Figur im Alter hat, sondern einfach wie ein Trottel wirkt, der zufällig die Gunst der Menschen gewinnt. Man fragt sich, warum Menschen von Stand ihm zuhören, wenn er kaum 2 zusammenhängende sinnvolle Sätze rausbringt.
Es ist natürlich geschickt für das Drehteam, dass Venedig jeden Tag um bestimmte Uhrzeiten faktisch leer ist und in diesen Zeitfenstern hat man gefilmt. Da keine finanziellen Mittel vorhanden waren, sieht man aber auch keine Aufnahmen in der Totalen vom Canale Grande oder dergleichen.
Manche Szenen sind selbst in dem Komödienkosmos der Serie nicht plausibel, etwa wenn Rocco einfach so Casanova in den Bleikammern besucht. Wie ist er dahin gekommen und wenn er dahin kommt ohne weiteres, warum kommt dann Casanova nicht genauso leicht raus?
Man fragt sich, ob Peter O'Toole vielleicht das ganze Geld bekommen hat und darum für Statisten oder sonstwas kein Geld mehr da war. Die Miniserie hatte damals trotz oder wegen der erstaunlichen spießigen Darstellung von Sex und Gender relativ viel Zuspruch. Vielleicht ist es auch einfach was anderes, wenn man die Albernheiten portioniert auf 50 min. pro Folge anschaut und sie sind dann nicht so leicht abgedroschen?
4 von 10 fehlenden Gondeln.
* In der Erstausstrahlung ein Dreiteiler, aber auch als Zweiteiler auf dem Streamingmarkt.