Spielfilme angesiedelt im 18.Jh.

Was ist der beste Film zum Thema 18.Jahrhundert?

  • Barry Lyndon (1975)

    Stimmen: 19 23,5%
  • Gefährliche Liebschaften (1988)

    Stimmen: 15 18,5%
  • Jefferson in Paris (1995)

    Stimmen: 1 1,2%
  • Der letzte Mohikaner (1992)

    Stimmen: 19 23,5%
  • Rob Roy (1995)

    Stimmen: 3 3,7%
  • King George - Ein Königreich für mehr Verstand (1995)

    Stimmen: 5 6,2%
  • Revolution (1985)

    Stimmen: 4 4,9%
  • Farinelli (1994)

    Stimmen: 2 2,5%
  • Marie Antoinette (2006)

    Stimmen: 1 1,2%
  • Amadeus (1984)

    Stimmen: 12 14,8%

  • Umfrageteilnehmer
    81
Er verspricht Camille mit ihr in ein neues Leben aufzubrechen. Doch sein Versuch bei seiner schwarzen Stiefmutter [sic.!] (Colette Dala Tchantcho) alles vom Erbe bekommen soll.
Soll heißen: Doch sein Versuch bei seiner schwarzen Stiefmutter etwas von seinem Erbe abzubekommen scheitert, da ihr Sohn alles bekommen soll.

Die Handlung ist schon so wirr, dass ich sogar beim Schreiben durcheinander komme. Später muss ein Sohn seiner Stiefmutter vorkommen, die dann auch auf imdb als "Vicomtesse" gelistet ist. Also ist sein Vater nur ein Vicomte und sein Großvater ist der Comte? Wenn es noch einen Comte gibt, warum unterstützt er nicht das Erstgeborenenrecht? In welcher Welt soll das überhaupt funktionieren?
Wir mussten an das Beispiel von General Dumas (1762-1806) denken. Bei ihm war es ja auch so, dass sein weißer Vater ihm eine Karriere gestattete. Aber im Frankreich des 18. Jh. war das als Sohn einer Sklavin auch mit einem mächtigen Vater schwer und wie soll das im Fall von Valmonts Vater ablaufen?
Es ist ja auch in der Serie offenbar nicht so, dass es ein Colourblind-Casting gibt. Ansonsten gibt es ja auch den Sklaven bzw. Diener der Marquise de Merteuil, den ihr Mann scheinbar von Saint-Dominique mitgenommen hat. Vielleicht wurde er dann in Frankreich freigelassen. Es wirkt nur sonderbar, weil es vereinzelt z.B. in der Oper im Bankett Schwarze gibt, die dann auch einfach wie Herrschaften mitdiskutieren. Vielleicht sind die anderen Leute Abolotionisten?
 
Einen ganz interessanten Film, den ich vorher noch nicht kannte, sah ich kürzlich auf YT:

"Robinson darf nicht sterben" 1957. Die literarische Vorlage stammt von Friedrich Forster, der das gleichnamige Drama bereits 1942 veröffentlichte.

Der Plot ist schnell erzählt. Der berühmte Autor Daniel Defoe steckt in Schwierigkeiten. Einst Berater von König Georg II. August ist er beim König in Ungnade gefallen. Seine Bücher wurden verboten, da es einfach zu viele Seeleute gab, die Robinsons Vorbild nacheiferten. Seitdem schlägt sich Daniel Defoe (Erich Ponto) mehr schlecht als recht durch, und er ist noch dazu mit seinem einzigen Sohn Tom (Horst Buchholz) heillos zerstritten. Defoe wohnt bei Mrs. Cantley (Magda Schneider) zur Untermiete, und zu seinen größten Fans gehört eine Gruppe von Jugendlichen, die in einer Baumwollspinnerei arbeiten müssen und denen Defoe seine Geschichten erzählt.

Defoes Sohn Tom steckt ebenfalls in Schwierigkeiten, und er landet wegen seiner Schulden im Gefängnis. . Maud Cantley (Romy Schneider) liebt Tom und glaubt an ihn, sie möchte eine Versöhnung zwischen Vater und Sohn erreichen. Um Tom aus dem Gefängnis auszulösen bietet sie sich selbst als Bürgin und als Ersatz an. Der alte Defoe, verärgert über seinen Sohn weigert sich, seinem Sohn zu helfen, es kommt zum Zerwürfnis, und Tom stiehlt seinem Vater das Kostbarste, was Daniel Defoe noch besitzt: Das Originalmanuskript von Robinson Crusoe. Tom verhökert das kostbare Manuskript für einen Schleuderpreis an einen Trödler und geht mit einigen zwielichtigen Typen seiner Wege.

Inzwischen begeben sich die Jugendlichen auf die Suche nach Tom Defoe. Die Jugendlichen Ben, Jim und Charly hatten eigentlich vor, auf einem Schiff anzuheuern, um der Arbeit in der Baumwollspinnerei zu entfliehen. In der Kaschemme von Carlton Heep (Gustav Knuth) werden die Jugendlichen endlich fündig, und mit dem Kampfruf "Robinson darf nicht sterben!" überwältigen sie Tom und verschleppen ihn in den Hyde Park, wo sie ihm das Unrecht seiner Tat deutlich machen.

In der Zwischenzeit trifft Maud, ohne ihn zu erkennen, auf den König, der ihr und ihren Freunden eine Audienz gewährt. Die Jugendlichen schleppen den gefesselten Tom vor den König zu erreichen, der sich bereit erklärt, Tom noch eine Chance und auch genug Geld zu geben, um das Manuskript zurückkaufen zu können. Robinson Crusoe oder besser das Manuskript des berühmten Romans wird von der Krone angekauft, Vater und Sohn versöhnen sich, der König verspricht, etwas gegen Kinderarbeit unternehmen zu wollen, und auch Daniel Defoe, der tragisch in Vergessenheit zu geraten drohte, muss sich keine Sorgen mehr machen und darf Schloss Kidbroodge als Altenteil nutzen.

Das gleichnamige Drama von Friedrich Forster fand seinerzeit wohlwollende Kritiken, u. a. von Gerhart Hauptmann, und auch die Verfilmung von 1957 wurde positiv aufgenommen. Die Tragik, eines alternden, fast in Vergessenheit geratenen Autors, die rührende Anhänglichkeit der Jugendlichen das wurde schon etwas sentimental erzählt, und die latente Sozialkritik an Missständen wie Kinderarbeit wurde sicher etwas entschärft.

Der Film funktioniert aber, ich habe ihn mir ganz gerne angeschaut. er hat eine interessante Geschichte, es geht um ein Manuskript, und es geht um die Wirkmächtigkeit einer guten Geschichte, die stärker ist als alle Widerstände. Die Jugendlichen aus den Slums von London könnten bildungsferner kaum sein. Das ist kein literaturgeschichtlich bewandertes Publikum, das sind keine Leser die den Feuilleton verfolgen, aber ein Publikum, das die Qualität einer guten Geschichte intuitiv erfasst und das diese Geschichte um jeden Preis retten will.
Diese Geschichte aber nimmt man ihnen ab.
Der Streifen macht Spaß weil er eine ganze Reihe guter Schauspieler versammelt: Erich Ponto, Joseph Offenbach, Gustav Knuth, Elisabeth Flickenschild, Siegfried Lowitz, Gerd Lüders treten auf, einige wie Mario Adorf standen damals noch am Anfang ihrer Karriere. Ebenso wie Romy Schneider und Horst Buchholz und andere, die zeigten, was sie konnten.

Insgesamt ein Film, der streckenweise vielleicht etwas sentimental wirkt, der dann aber doch weit mehr Tiefe hat als die meisten Produktionen aus dieser Zeit, den man sich durchaus ein zweites Mal ansehen kann, ohne das man abschaltet.
 
Ich habe den Film auch mal gesehen. Für die damaligen Verhältnisse ganz OK. Mit Daniel Defoe und v.a. "Robinson Crusoe" wird natürlich total naiv umgegangen. Es wird so getan, als ob er Roman ein Kinderbuch wäre, das begeistert. Mein Sohn hat vor einer Weile mal das ganze Buch gehört als Hörbuch und meinte auch, dass es unglaublich ist wie Defoe jegliche Dramatik laufend rausnimmt, wenn es mal droht spannend zu werden. Dann fängt Crusoe wieder Betrachtungen über Gott anzustellen oder aber der Part mit den Meuterern besteht zu einem großen Teil aus dem Aushandlungsprozess, dass der Kapitän sich den Weisungen Crusoes unterwirft. Von daher ist hier in dem Film der Hype um "Robinson Crusoe" eher der Hype um das, was Menschen in den 1950ern über das Buch dachten, vielleicht weil extrem gekürzte Fassungen (mein Bruder hatte auch sowas), wo die langweiligen Passagen weggelassen werden, einen völlig anderen Eindruck von dem Werk hinterließen. Defoe - das muss ich dazu sagen - war aber mit diesem spröden, journalistischen Erzählstil durchaus nicht allein. Auch die "Insel Felsenburg" von Schnabel ist sperrig und seltsam moralisierend. Dennoch denke ich, dass es einfach so ist, dass "Robinson Crusoe" in der Originalfassung kein Buch ist, was damals die Kinder begeisterte und entsprechend ist der Film in der Grundaussage fragwürdig. Obendrein werden die anderen Werke von Defoe wie "Roxana" und "Moll Flanders", die damals mindestens einen ähnlichen Stellenwert hatten, weil sie der Aussage der Botschaft zuwider liefen, ignoriert und auch, dass Defoe bis ins hohe Alter literarisch aktiv war.
 
Auch die "Insel Felsenburg" von Schnabel ist sperrig und seltsam moralisierend. Dennoch denke ich, dass es einfach so ist, dass "Robinson Crusoe" in der Originalfassung kein Buch ist, was damals die Kinder begeisterte
weder Schnabel noch Defoe hatten diese Romane als "Kinderbücher" konzipiert ;) nebenbei zur Insel Felsenburg: davon war Arno Schmidt begeistert
 
Ich habe den Film auch mal gesehen. Für die damaligen Verhältnisse ganz OK. Mit Daniel Defoe und v.a. "Robinson Crusoe" wird natürlich total naiv umgegangen. Es wird so getan, als ob er Roman ein Kinderbuch wäre, das begeistert. Mein Sohn hat vor einer Weile mal das ganze Buch gehört als Hörbuch und meinte auch, dass es unglaublich ist wie Defoe jegliche Dramatik laufend rausnimmt, wenn es mal droht spannend zu werden. Dann fängt Crusoe wieder Betrachtungen über Gott anzustellen oder aber der Part mit den Meuterern besteht zu einem großen Teil aus dem Aushandlungsprozess, dass der Kapitän sich den Weisungen Crusoes unterwirft. Von daher ist hier in dem Film der Hype um "Robinson Crusoe" eher der Hype um das, was Menschen in den 1950ern über das Buch dachten, vielleicht weil extrem gekürzte Fassungen (mein Bruder hatte auch sowas), wo die langweiligen Passagen weggelassen werden, einen völlig anderen Eindruck von dem Werk hinterließen. Defoe - das muss ich dazu sagen - war aber mit diesem spröden, journalistischen Erzählstil durchaus nicht allein. Auch die "Insel Felsenburg" von Schnabel ist sperrig und seltsam moralisierend. Dennoch denke ich, dass es einfach so ist, dass "Robinson Crusoe" in der Originalfassung kein Buch ist, was damals die Kinder begeisterte und entsprechend ist der Film in der Grundaussage fragwürdig. Obendrein werden die anderen Werke von Defoe wie "Roxana" und "Moll Flanders", die damals mindestens einen ähnlichen Stellenwert hatten, weil sie der Aussage der Botschaft zuwider liefen, ignoriert und auch, dass Defoe bis ins hohe Alter literarisch aktiv war.

Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen, und ich muss sagen, dass mich einige Literaturverfilmungen stark beeindruckt haben. Als ich den ZDF-Abenteuervierteiler Robinson Crusoe das erste Mal sah, kann ich nicht viel älter als drei oder vier gewesen sein.

John Hustons Moby Dick hat mich neugierig gemacht, auch den Roman zu lesen. Da war ich erst sieben, und erst Jahre später wurde mir bewusst, dass das gekürzte Jugendausgaben waren. Es war eine gute Jugendausgabe, eine gute Übersetzung, die sich auf das eigentliche Handlungsgerüst des Romans beschränkte. Mit den essayartigen Einschüben Melvilles wäre ich damals allerdings überfordert gewesen.


Den Roman Robinson Crusoe erst als Erwachsener gelesen, da war mir allerdings auch bewusst, dass Robinson Crusoe und Gullivers Reisen alles andere als Kinderbücher oder Jugendbücher waren.
Lemuel Gulliver ist aber auch fast eine Art Anti-Robinson. Der eine gründet am Ende eine Kolonie, der andere kann die ganze Menschheit und die Zivilisation nicht mehr ertragen. Weil er vernunftbegabt ist, aber alle Züge des Yahoos in sich trägt, wird er aus der Republik der vernunftbegabten Pferde vertrieben und entwickelt sich zum Misanthropen der zuletzt selbst die eigene Familie verstößt und sich nur in der Gesellschaft von Pferden und seinem Reitknecht wohlfühlt.

Weder Defoe, noch Swift, und auch nicht Autoren von Abenteuerliteratur wie Jack London, Melville, B. Traven waren alle keine Jugendbuchautoren.

Erst im 19. Jahrhundert entstand überhaupt erst das Genre des Kinder- und Jugendbuchs.
Einen Autor wie Joachim Ringelnatz aber hätten die meisten Kinder geliebt, sie hätten ihn geliebt wie ich als Kind Autoren wie Janosch oder Astrid Lindgren geliebt habe, weil sie kindliche Leser respektierten, weil sie mir keine zuckersüße Scheiße angedreht haben, weil sie ihr Publikum Natürlich ist es hilfreich, wenn man Leute hat, die einen ein bisschen darin unterstützen, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden, guten Stil von schlechtem zu unterscheiden. Als Kind hätte ich nicht sagen können, warum mir Janosch und Lindgren gefielen, Enid Blyton und ihre Nachahmer aber weniger, obwohl das durchaus spannende Geschichten waren. Meine Oma hat etwas von Literatur verstanden, nachdem sie mir ein paar Fragen gestellt hat, wusste ich auch, warum.

Das Handlungsgerüst von Robinson Crusoe: Seefahrt, Aufbruch in neue Welten, in tropische Gewässer, wo Piraten, Sklavenhändler, Kannibalen und wilde Tiere, wo sozusagen die Welt sich noch im Urzustand vor der Abfassung des Gesellschaftsvertrags befindet.
Das diese Welten nicht idyllisch ist, das sagt ja Robinson Crusoe, den ja nicht nur Abenteuerlust aus dem beschaulichen York an die Berberküste lockte, er ist eine Art Merchant Adventurer, aus seinem ersten Seeabenteuer hat er zumindest so viel Profit erwirtschaftet, um eine Plantage kaufen zu können.
Aber dass die Robinson-Geschichte wirkt, dass die Robinson nacheifern wollen, dass sie Daniel Defoe lieben, weil er es ist, der sich auf eine Ebene mit ihnen begibt, nicht aus Charity, sondern als ein Autor, der es mit seinem letzten und seinem treuesten Publikum zu tun hat, der dieses Publikum liebt und die ihn lieben, es sind nicht akademisches Publikum begeistern konnte, halte ich zwar für eine naive Perspektive
aber am Ende geht der Film doch auf, man nimmt es ab.

Daniel Defoe hat, ähnlich wie James F. Cooper immer wieder mal Passagen die etwas zähflüssig sind, aber beide waren schon große Erzähler, und Defoe war zuzeiten auch recht erfolgreich. Der Robinson Crusoe hat im 18. Jahrhundert eine solche förmliche Flut von
Publikationen nach sich gezogen, dass ein eigenes literarisches Genre, die Robinsonade entstand.

Sicher ist die Vorstellung, dass ein Autor und sein Werk, von seinen letzten und treuesten Fans gerettet wird, sehr unrealistisch, aber letztlich geht es im Film ja auch um die Frage was ist Kunst/Literatur wert? Was ist der Wert eines Manuskripts? Was bringt sie ein, was kostet sie? Um Literatur/Kunst zu schaffen, sind ja eine Menge Dinge nötig, die alle Geld kosten: Einmal die Rohstoffe, die ein Maler, Bildhauer, braucht, um Skulpturen, Statuen, Gemälde etc. herzustellen und natürlich auch Lebenshaltungskosten: Wohnung, Heizung, Licht, Lebensmittel, Medikamente.
So gesehen hat der Streifen durchaus eine zeitlose Aktualität.
 
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