"Stammvater" Europas?

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von LadyAlienor, 19. Februar 2007.

  1. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Die Trojaner waren sicherlich auch deshalb als Urahnen so "gefragt", weil sich (laut Aeneis) auch die julisch-claudische römische Kaiserfamilie nach der Legende auf sie zurückführte.
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Was in allen Fällen immer unterschlagen wird, ist die Fortdauer von Dynastengeschlechtern in weiblicher Linie. Man liest ja stets, dass das Geschlecht in männlicher Linie ausgestorben sei - z.B. Ottonen, Salier, Staufer, Luxemburger und zahllose andere - doch leben sie natürlich in den meisten Fällen in weiblicher Linie fort.

    In jüngerer Zeit ist das bei den meisten regierenden Häusern anders, d.h. seit Töchter in die normale Erbfolge eingebunden sind, regierende Herrscherinnen werden und somit den Dynastennamen weitertragen. Der Ehemann ist dann lediglich "Prinzgemahl" wie Elizabeths II. Ehemann Prinz Philipp.
     
  3. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Du hast recht! Die Ottonen stammten über die heilige Mathilde vom Herzog Widukind ab; dessen Stammvater Wodan war. Aber wir sprechen hier ja auch von dem Stammvater Europas, der Tochter des Agenor, König von Tyrus in Phönizien und Nachkomme Poseidons.
    Die Familie der Julier führte sich auf den Iulus zurück. Iulus ist ein anderer Name für Ascanius, den Sohn des Aeneas. Auf ihn führten Caesar und das julisch-claudische Herrscherhaus ihre Abstammung zurück. Die Aeneis von Vergil erzählt eine Gründungssage des römischen Reiches.
     
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Unterschlagen wurde nichts (eher hinzugedichtet siehe Troya-Legenden). Es ist aber nun mal so das die Zugehörigkeit zu einer Familie über die männliche Erbfolge definiert wurde. Jedoch war sich der mittelalterliche Adel, egal ob hoher oder niederer, auch über verwandschaftliche Beziehungen seitens seiner Mütter stehts bewusst. Oftmals hatte es gar großen Einfluß auf die Geschichte.

    das berühmteste Beispiel:
    Den Anspruch auf die französische Krone leitete Eduard III. von England über seine Mutter, Isabella von Frankreich, her. Freilich unter bewusster Ignorierung der französischen Thronfolgeregelungen. Die Folge war der hundertjährige Krieg.

    Die Prakmatische Sanktion Kaiser Karls VI. stand da wohl am Anfang dieser Entwicklung. Jedenfalls nannten sich seine Enkel aus dem lothringischen Herzogshaus fortan "Habsburg-Lothringen". Dann waren da die russischen Zaren aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp bis 1917, wengleich mit Zarin Elisabeth (+1761) die letzte Romanow gestorben ist. Die Kinder Elisabeth II. tragen übrigens den Namen Mountbatten-Windsor.

    Was jedoch neu daran ist, ist der Ausschluss angeheirateter Ehegatten vom Thron. Im Mittelalter war es üblich das der Ehemann der Erbin eines Königreiches eine Mitkönigskrone trug und im Namen seiner Frau deren Erbreich regierte. Das kam besonders in den Kreuzfahrerstaaten oft vor. Oder im Königreich Sizilien wo Kaiser Heinrich VI. die Königskrone im Namen seiner Frau annahm. Der wohl letzte Herrscher der durch eine Ehe an eine Krone gelangte war Wilhelm III. von Oranien der durch seine Frau, Maria II. Stuart, König von England und Schottland wurde.
    Und die letzet Ausnahme war Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha (+1885), der durch seine Ehe mit Maria da Glória, König von Portugal wurde. Der musste jedoch seine Krone niederlegen nachdem seine Frau 1853 gestorben ist.

    Allerdings ist auch hier zu sehen, dass auch weiterhin der Dynastiename sich an der männlichen Linie orientiert oder die Namen der Erbin mit dem ihres Prinzgemahls vereint werden (Habsburg-Lothringen, Romanow-Holstein, Mountbatten-Windsor,...).
     
  5. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Philipp II. strebte wohl deshalb zu Beginn der Herrschaft Elisabeths vergeblich eine Heirat mit ihr an. Elisabeth blieb unvermählt die jungfräuliche Königin. Der erste englische Tudor-König Heinrich VII., der väterlicherseits von Lord Rhys, einem beliebten walisischen Herrscher, abstammte, führte seinen Anspruch auf den Thron über seine Mutter Margareth Beaufort auf den im Jahr 1377 gestorbenen König Eduard III. Plantagenet zurück.
     
  6. LadyAlienor

    LadyAlienor Gesperrt

    @Horst

    jetzt bin ich doch etwas verwirrt.
    Wie kann Wodan der STammvater von jemanden sein, das ist doch ein Gott, den es nie wirklich gab.
    Und poseidon auch, war der nicht der Gott des Meeres oder so?
    da bringst du mich jetzt doch etwas durcheinander:grübel:
     
  7. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Gregor von Tours legt der Königin Chrodichilde eine Erklärung, die ganz aus spätaltertümlich-christlichen Vorstellung geflossen ist, in den Mund: Der König bekam nun von der Königin Chrodichilde den ersten Sohn. Sie wollte ihn taufen lassen, und drang deshalb unaufhörlich in ihren Gemahl und sprach: "Nichts sind die Götter, die ihr verehrt, denn sie können sich und andern nicht helfen. Sie sind nämlich ein Gebilde aus Stein, Holz oder Erz. Und die Namen, die ihr ihnen beigelegt, gehörten einst Menschen an, nicht Göttern ... (Greg.Tur. lib. 2 cap 29).
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    türlich, alles Vettern und Basen von mir.:cool:
    Was glaubst Du, warum meine Tochter Julia heißt?
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    In der Mythologie sind die Götter den Menschen recht ähnlich, also zT rechte Schwerenöter. Insbesondere die griechischen Sagen lesen sich deshalb recht unterhaltsam. Wenn Göttervater Zeus mal wieder in "liebe entbrennt".

    Aber tröste Dich, in Stammtafeln wie oben angeführt steht so mancher Name einer Person die es nie wirklich gab.

    Zitat Joinville:
    Es gibt aber auch ein Beispiel aus dem Hochmittelalter, natürlich wieder die Welfen. Eigentlich müssten die ja Este heißen.
     
  10. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Beliebt wurde der Name als Vorname durch William Shakespeare`s Romeo und Julia.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Julia

    Oder: ... wie Jupiter selbst, der allerschmutzigste Eheschänder, der Männer schändete, Weiber, die ihm blutsverwandt waren, beschimpfte und mit seiner eigenen Schwester in Blutschande lebte, wie sie selbst sagt, sie sei „des Gottes Schwester und Gattin zugleich“ (Worte der Juno in Virgils Äneide I, 46, 47) (Greg.Tur. lib. 2 cap 29).
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Stimmt für alle anderen, aber doch nicht für mich. Das ist doch bei uns eine Sache der Tradition!:cool:

    Ein schlimmer Finger! Aber der spiegelbildliche griechische Zeus, das "Beilager" in Gestalt eines Stieres zu suchen und finden ist auch hart.=)
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Herleitung der Abstammung eines Herscherhauses von halbfiktiven Heroen oder Göttern hatte noch im Zeitalter des Barocks Aktualität. So beschäftigte sich Leopold I. mit Genealogie und bezahlte einen Stab von Historikern und Genealogen, die dank zahlreicher Nachforschungen die Abstammungslinie des Kaisers über zahlreiche Heilige und Heroen bis auf Noah zurückführen konnten.
     
  13. LadyAlienor

    LadyAlienor Gesperrt

    Eigentlich lässt sich das nicht mehr genau feststellen wer von Karl abstammt und wer nicht, bei all dem durcheinander, der da in den Jahrhunderten entstanden ist.
    Sie sollten Karls Knochen mal für einen Gentest freigeben, und jeder in Europa, der gerne möchte, könnte sich testen lassen, wäre sicherlich die einfachste Methode.
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast


    Jeder Mann, genau gesagt.

    Vorausgesetzt, die Knochen sind echt und noch für DNA-Analysen geeignet.
     
  15. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Wie läßt sich diese Tradition mit deinem Nick-Namen vereinbaren?

    Der Stier ging in einer stillen Bucht der Insel Kreta an Land, was Theokrit so schildert: Und die Gestalt nahm wieder der Gott, die ihm eigen gehöret, löste den Gurt ihr, und Horen bereiteten für sie das Lager, und die eben noch Mädchen, sie ward rasch Gattin Kronions, und als Mutter gebar sie ihm Kinder am nämlichen Ort (Europa in Bildern, R. Kiesel, Salzburg, 1976).

    Poseidon und Zeus stammen aber nicht von Noah ab, sondern von dem Titanen Kronos, dem jüngsten Sohn des Uranos und der Gaia. Nach der Theogonie des Hesiod, einem sagenhaften Bericht über die Herkunft der Götter, gebar Gaia (die Erdgöttin) den Himmel (Uranos), die Berge, das Meer und von Uranos befruchtet u.a. die Titanen (Brockhaus-Enzyklopädie).
     
  16. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Der Titane Iapetos war der Vater des Prometheus. Prometheus bildete nach späteren Überlieferungen aus Lehm den ersten Menschen. Nach der Darstellung in der ersten Tragödie des Aischylos hatte er das von Zeus zum Untergang bestimmte Menschengeschlecht gerettet, indem er ihm das Feuer und die Kultur brachte. Er war der Vater des Deukalion. Deukalion war der Stammvater der Hellenen. Die Hellenen waren ursprünglich ein in Süd-Thessalien ansässiger griechischer Stamm, dessen Name um 700 vor der Zeitrechnung auf alle Griechen überging. Mit seiner Gemahlin Pyrrha rettete Deukalion (vgl. bibl. Noah) sich in einem hölzernen Kasten aus der Sintflut, als Zeus das Menschengeschlecht vernichten wollte. Auf seinen Wunsch, neue Menschen erschaffen zu können, wies Zeus ihn und Pyrrha an, Steine hinter sich zu werfen, aus denen Männer und Frauen hervorgingen. Der sagenhafte Stammvater der troischen Könige wird auf Dardanos zurückgeführt. Die Trojaner werden deshalb auch häufig Dardaniden genannt. Dardanos war nach der Ilias der Sohn des Zeus. Äneas, der Sohn des Anchises und der Aphrodite, war in der Ilias der Führer der Dardaner, einer der tapfersten Helden Trojas. Äneas rettete nach Vergils Aeneis seinen Vater Anchises und seinen Sohn Ascanius aus der brennenden Stadt und kam nach langer Irrfahrt nach Italien (Brockhaus-Enzyklopädie).
     
  17. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Wo wir schon mal bei der griechischen Mythologie sind sollten wir auch mal den Vater Europas, Agenor, erwähnen.:pfeif:
     
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Na ja, :rotwerd: räusper, räusper, die Urmutter der schönen Helena soll auch schon ein ganz lecker Mädchen gewesen sein, nun und unser Repo war auch ein strammes Mannsbild......
    und so behauptet eben die Überlieferung ....

    Jedenfalls war das so, und wer das Gegenteil nicht beweisen kann, soll still sein.
    Hier zählen nur Beweise!:motz:
     
  19. Horst

    Horst Neues Mitglied

    Die griechische Sage aus Homers Zeiten erzählt von Europa, der Tochter des Agenor – Stammvater der Phönizier – und Schwester des Kadmos, die Zeus - Stammvater der Franken - in Gestalt eines Stiers nach Kreta entführte und dort mit ihr die Söhne Rhadamanthys, Minos und Sarpedon zeugte. Diese Entführung ist fester Bestandteil der abendländischen Kunstgeschichte geworden.
    Das Wort »Europa« ist bereits in altertümlichen Quellen zu finden. Die Wurzel »ereb« verweist auf das Dunkle, die Gegend, wo die Sonne untergeht, das »Abendland«. So nannten es die an der kleinasiatischen Küste lebenden Phöniker. Die Griechen gebrauchten das Wort für das gestaltlose nördliche Land der »Barbaren«. Der Begriff war in der lateinischen Christenheit nicht unbekannt, blieb aber vage und wurde nur selten verwendet. Die Leitbilder des Mittelalters hießen christianitas und ecclesia. Die ›Geburt des Abendlands‹ bleibt aber mit Karl dem Großen verknüpft, obwohl von europäischem Bewußtsein in der karolingischen Zeit noch kaum etwas zu spüren war. Die Karlsverehrung wurde fester Bestandteil geschichtlicher Rückbesinnung und verbreitete sich durch Bildnisse. In Erinnerung an das von Karl dem Großen geschaffene christlich-abendländische Reich wird alljährlich in Aachen für Verdienste um die Förderung der europäischen Einigung das Bildnis Karls des Großen, den „Vater Europas“ (Paderborner Epos), verliehen.

    Quelle: http://209.85.135.104/search?q=cach...&hl=de&ct=clnk&cd=7&gl=de&lr=lang_de&ie=UTF-8
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2007
  20. Dein "Schneeballsystem" hat denselben Pferdefuß wie die Schneeballsysteme, mit denen man angeblich reich werden kann: Das exponentielle Wachstum überschreitet rasch alle realexistierenden Grenzen. Hättest du bis zum Jahr 800 zurückgerechnet, wäre eine Zahl "rechnerischer" Vorfahren herausgekommen, die auf den ersten Blick als abstrus erkennbar gewesen wäre. Wenn man wissen will, ob man tatsächlich zum erlauchten Kreis der Nachfahren Karls, die es möglicherweise noch gibt, gehört, muss man sich schon die Mühe machen seine Ahnengalerie konkret zurückzuverfolgen. Die Abkürzung über ein Rechenexempel führt in die Irre.
    Damit aber keine Missverständnisse entstehen: Den Leuten, denen es wichtig ist, die Freude zu machen, sie könnten vielleicht von Karl abstammen, ist natürlich gänzlich harmlos und soll von mir nicht in einen moralischen Topf mit irgendwelchen Abzockern geworfen werden.
     

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