Straßenreinigung

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Dackelhasser, 20. April 2019.

  1. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Alleine wegen der benötigten Mengen halte ich das für äußerst unwahrscheinlich.
     
  2. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Beschäftige Dich mal mit den Schwierigkeiten, Wasser über eine auch nur kurze Zeit sauber zu halten. Auf einem Schiff hat man genau diese Problem auch.
    Eine andere Möglichkeit ist abkochen, benötigt aber reichlich Brennmaterial und ist daher teurer als Dünnbier.
     
  3. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Meines Wissens wurde das Wasser häufig mit etwas Essig versetzt (Essigwasser), was nicht nur erfrischender, sondern eben auch desinfizierend war.
     
  4. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Bier wird auch gekocht. Dabei wird die Stärke im Getreide in Zucker umgewandelt, der wiederum der Hefe als Nahrung dient. Das ist sogar noch aufwendiger, weil man neben dem Brennmaterial auch noch das Getreide benötigt.
    Mal bisschen Mathe: Stadt mit 1000 Einwohner x 2 l Bier pro Tag sind 2000 l Bier. Für 100 l benötigt man heute 21 kg Gerste (Die Zahlen habe ich aus einem Bierbrauerforum.) Um die Hälfte verdünnt (Dünnbier) wären das 200l pro 21 kg Gerste. Also für unsere 1000 Leutchen 210 kg Gerste pro Tag!!!! Auf ein/zwei kg mehr oder weniger kommt es nicht an, denke ich mal.
    Ziemlich viel jedenfalls für die Erträge in der damaligen Landwirtschaft.


    Und wenn jeden Tag jemand vor die Stadt zur nächsten sauberen Quelle geschickt wurde, hatte man auch sauberes Wasser. Klar ist das aufwendiger als der Wasserhahn aus der Wand.
     
  5. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

  6. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Gerste im Bier darf aber nicht nur als Kostenfaktor verbucht werden, sie trägt auch zur Ernährung bei.
    Die Versorgung mit Getränken im Mittelalter war in großen Städten sicherlich problematisch. Wobei mir ein entweder oder zu verkürzt ist. Der normale Bürger hat nicht Wasser oder Bier getrunke, er hat Wasser und Bier getrunken. Die Wasserversorgung aus Brunnen ist nicht so einfach wie man es sich vorstellt, ziemlich leicht werden die Zuflüsse ins Grundwasser mit Keimen verseucht. Es macht daher schon einen großen Unterschied ob wir den mittelalterlichen Kölner oder einen mittelalterlichen Dörfler versorgen wollen.
     
  7. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Dir liegt hier ein Verständnissproblem vor. Dünnbier heißt einfach nur, das es dünner vom Ansatz her war. Sprich man hat für die Stammwürze einfach weniger Malz genommen. Und nicht später das Bier mit Wasser verdünnt. So kann man das ganze Wasser abkochen, durch die Erzeugung der Stammwürze. Und einige Kräuter, wie Hopfen haben auch noch eine stabilisierende Wirkung. Und wer sagt denn, das das Bier 2 bis 2,5 Vol. % haben muss? Es geht auch weniger. Hefe arbeitet auch nur so lange, bis die Nährstoffe vergoren sind. Dann ist Feierabend.
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die waren in China und anderen Gegenden Asiens noch im 20. Jahrhundert weit verbreitet.
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das stimmt nicht! Auch in Europa wurden menschliche Fäkalien zur Düngung genutzt, nur konnte man kein einträgliches Gewerbe daraus machen. In Europa gehört Milch zu den Grundnahrungsmitteln, und man nutzte (und nutzt auch heute noch) den reichlich anfallenden Kuhmist als Dünger.
    In Ostasien gab es keine Milchwirtschaft. Ein gut ausgestatteter Landwirtschaftsbetrieb hielt sich 1 Ochsen als Arbeitstier. Das reichte nicht, um die Felder zu düngen. Daher waren die Großstädte unverzichtbare Düngerlieferanten, und es lohnte sich auch, die Ware über weitere Strecken zu transportieren.

    Japan und China sollte man nicht unbesehen in einen Topf werfen (und China ist sehr groß und kulturell vielfältig). Manche Gegebenheiten sind vergleichbar, andere eben nicht.
    In Japan zog (und zieht) man sich die Schuhe aus, weil es (im Gegensatz zu China) keine Stühle gab und man sich auf den Boden setzte.
    Nach meinem Eindruck wurden im fraglichen Zeitraum in China keine so rigorosen Standards durchgesetzt wie in Japan.

    Geht mir auch so.
     
  10. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Die besagten Unterschuhe gab es auch in Europa. In Deutschland hießen sie Trippen. Ob von daher der Trippelschritt kommt kann ich jetzt nicht sagen, aber währe nicht ausgeschlossen.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Trippe
     
  11. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Da fällt mir in diesem Zusammenhang noch eine Frage ein; gab es professionelle Wasserträger bzw. -händler, die vielleicht in Zünften oder Gilden organisiert waren?
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wasserträger kenne ich eigentlich nur aus dem arabischen Raum, von Jordanien bis Marokko. Häufig mit eigenen Trachten ausgestattet.

    Im 19. Jhdt. wurde noch im Winter Eis gebrochen (in wärmeren Ländern im Gebirge) und stangenweise in Felsenkellern eingelagert (Straßennamen wie Am Eiskeller zeugen z.T. noch davon), das war der vormoderne Kühlschrank, da sich im Keller das Eis bis in den Sommer hielt.
     
  13. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Und bei Kühlkellern für Bier schließt sich wieder der Kreis...
     
    El Quijote gefällt das.
  14. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Wobei ein Mangel an Wasserträgern vielleicht daraug hin deuten könnte, dass man doch städtische Brunnen verwendet hat.
     
  15. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Ein Mangel an Wasserträgern bedeutet, dass kein Bedarf an so einem Beruf vorlag. Alle konnten sich ihr Wasser selber holen bzw. hatte eigene Leute, die so etwas unter anderem machten.
    Aber so war es nicht. Bis ins 19. Jahrhundert gab in Europa verbreitet Wasserträger und Wasserverkäufer.
     
  16. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Man denke an den legendären Hamburger Wasserträger ("Hummel, Hummel" - "Mors, Mors")...
    Hans Hummel (Hamburg) – Wikipedia
     
  17. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Neulich ist mir eine zum Thema passende Buchrezension untergekommen:

    https://www.recensio.net/rezensione...uer-historische-forschung/44-2017/4/issue.pdf

     

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