Streitwagen und ihre Bedeutung für die Kriegskunst

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Scorpio, 11. September 2017.

  1. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Es muss ja auch das knowhow da sein. In einer Gesellschaft in der Metall- und Holzverarbeitung nebst Tierzucht und -Pflege schon im zivilen Sektor tief verankert sind mag sowas angehen. Verfügt man darüber nicht, nützt alles Geld nichts. Streitwagen waren mit Sicherheit sehr anspruchsvolle Bastelprojekte angesichts der Anforderungen an das Material und die Verarbeitung.
     
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  2. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    OK, ich hatte es bei den Ressourcen dazu gepackt, aber richtig, das kann auf Material und Arbeitskosten aufdröseln.
    Ich glaube kaum, dass diese verfügbar gewesen wäre. Denn die oben von mir angegebenen 60 kg für einen Pferderücken erlauben keine besonders kräftigen Kämpfer. Und moderne Jockeys kämpfen eher schlecht... ;)
     
  3. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Für die damaligen Großmächte dürfte das aber nur kurzfristig ein Problem gewesen sein. Denn ohne Know How limitiert sich ja schon der Wunsch nach mehr bzw. es stellt sich nicht die Frage nach Investitionen.

    Gerade in Kriegszeiten wird man schnell vom Gegner gelernt haben und selbst wenn man zu Anfang noch nicht so geschickt war, wir reden hier nicht von der Erfindung des Porzellans.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ich lese allgemein, dass der Streitwagen in mykenischer Zeit als Kriegswaffe eingesetzt wurde, nicht nur als Transportmittel.
    Erst später, in archaischer Zeit dienten sie „vor allem als Prestigeobjekt“:

    „Ein weiteres Element, das als mykenisch angesehen wird, sind die Streitwagen und ihr Einsatz in der Schlacht (…) Während in mykenischer Zeit mit Steitwagen gekämpft wurde, dienten sie in archaischer Zeit vor allem als Prestigeobjekt und wurden bei Wagenrennen oder Begräbnissen genutzt.“
    Medien der Geschichte – Antikes Griechenland und Rom

    „Daß der Kampfwagen in jener Epoche in der Tat eine bedeutsame Rolle als Kriegswaffe spielte, steht auf Grund der knossischen und pylischen Linear-B-Kampfwagenverzeichnisse, in denen bis zu 400 Wagen aufgezählt und beschrieben werden, außer Zweifel.“
    (Joachim Latacz, Kampfparänese, Kampfdarstellung und Kampfwirklichkeit in der Ilias, bei Kallinos und Tyrtaios, München 1977, S. 216f.)

    Auch in der Ilias finden sich Stellen, wo vom Streitwagen aus gekämpft wird. Im achten Gesang schildert Homer sogar zwei gegnerische Streitwagen in voller Fahrt. Diomedes' Wagen wird von Nestor gelenkt, Hektors Wagen von Eniopeus. Diomedes schleudert den Speer, verfehlt aber Hektor und trifft stattdessen den Wagenlenker.

    115 Jene dann traten zugleich in das rasche Geschirr Diomedes'.
    Nestor fasst' in die Hände die purpurschimmernden Zügel,
    Schwang dann die Geißel zum Lauf; und bald erreichten sie Hektor.
    Ihm, wie er grad' andrang, entsandte den Speer Diomedes;
    Und er verfehlt' ihn zwar; doch dem wagenlenkenden Diener,
    120 Jenem Eniopeus, dem Sohn des erhabnen Thebaios,
    Als er hielt das Gezäum, durchschoss er die Brust an der Warze;
    Und er entsank dem Geschirr, und zurück ihm zuckten die Rosse,
    Fliegendes Laufs; ihm aber erlosch der Geist und die Stärke.
    Hektors Seele durchdrang der bittere Schmerz um den Lenker;

    http://www.gottwein.de/Grie/hom/il08de.php
     
  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Verwendung als Kriegswaffe und Jahrhunderte später als Prestigeobjekt ist durchaus logisch. Beim Pferd ist doch auch so, vor 200 Jahren war die Kavallerie noch eine gute Waffe und den Aufwand wert. Vor 100 Jahren war es den Aufwand nicht mehr wert und heute wird nur noch bei Paraden geritten.
    Ein Pferd mit Reiter ist geländegängiger als ein Streitwagen, aber es dauerte bis die Pferde entsprechend gezüchtet waren.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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