Technologische Entwicklung im mittelalterlichen Europa.

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von CorneliusScipio, 10. Mai 2014.

  1. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Gaudi soll dieses für die Sagrada Familia und für die Kirche im Parque Güell gemacht haben. Von letzterer gibt es eine rekonstruktion des Modells.
     

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  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das Kettengewölbe würde ich auch eher mit Gaudi als mit dem Mittelalter in Verbindung bringen.
     
  3. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Na, das Kettengewölbe als "analoges Rechenmodell" funktioniert jedenfalls hervorragend und ist den Bauformen nach dem Baumeister bekannt gewesen
     
  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Bdaian,

    das von Dir verlinkte Bild zeigt das Grundprinzip sehr gut!
    Ob das schon im fraglichen Zeitraum angewendet wurde, wäre interessant zu wissen.
    Ich würde vermuten es war so.
    (Mehr als eine Vermutung ist es leider nicht.)
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das Kettengewölbe oder "Catenaria" ist m.W. zwar in der Renaissance wissenschaftlich untersucht und von Huygens, Leibniz und Bernouill berechnet worden, war aber schon lange vorher bekannt. Es gibt auch mittelalterliche Brücken mit Kettenbögen (z.B. anliegend Puente la Reina, erbaut im 11. Jahrhundert über den Arga in Navarra).

    Die Formen aus den Bauwerken Gaudis sind eine Mischung aus gotischen Kreuzgewölben und Spitzbögen und Kettenbögen aus dem Jugendstil (Modernisme). Die (rekonstruierten) Modelle sind, wie man sehen kann, aus Seilen mit Gewichten, die Form die sich ergibt, ist etwas anders als eine reine Kettenlinie.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 29. Juni 2014
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    M.W, gibt es keinen Beweis dafür. Es sind zwar einige wenige Bauzeichnungen und ein paar Modelle aus Holz aus dieser Zeit erhalten, jedoch kein Hinweis auf ein solches Modell aus Seilen oder Ketten.

    Das sollte jedoch auch nicht verwundern da dieses vermutlich ein strenges Berufsgeheimnis der Baumeister gewesen sein wird. Da die Formen sich jedoch mit diesen Modellen eindeutig rekonstruieren lassen und sonst keine Berechnungsmöglichkeiten bekannt sind, ist stark davon auszugehen, dass man so vorging.
     
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das Behängen der Ketten- oder Seilkonstruktionen mit Gewichten ist eine Verfeinerung der praktischen Simulation.
    Die mathematische Kettenlinie dagegen ist eine komplizierte und exakte Beschreibung einer nicht gegebenen Idealisierung der Bauten.

    Geht man von einer möglicherweise vorher (im MA) durchgeführten praktischen Simulation aus, so stellt sich die Frage, inwiefern man die realen Verhältnisse auf ein maßstäblich kleineres Modell übertragen konnte.
    Denn daraus ergeben sich ja erhebliche Verzerrungen.
     
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Dann war es auch in der Antike bekannt. Die Römerbrücke bei Aspendos ,in der heutigen Türkei.
    Eurymedonbrücke (Aspendos) ? Wikipedia
     
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    Bdaian,

    es wär aber auch denkbar, dass das andere Zeug einfach zusammengeklappt ist, und deshalb nur das erhalten blieb, was wir heute so bewundern.
    :)
    Es wäre auch denkbar, dass es eine Leistung einer sich herausbildenden Intuition war.
    Sicher ist nur, dass Gebäude, die den Naturgesetzen nicht entsprachen, einstürzten.
    (Und naheliegend ist es anzunehmen, dass ein Rückblick nicht ohne Färbung durch den eigenen Zeitgeist vorgenommen wird.)
     
  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Offensichtlich. Und während bei einem Rundbogen die tasächliche Parabel innerhalb des Materials verläuft und von der ideellen Form deutlich abweicht, also eine eher statisch etwas ungünstigere Form darstellt, ist ein Spitzbogen eigentlich eine Kettenlinie mit einer zusätzlichen Punktlast in der Mitte, und dabei eine recht große Annäherung zwischen der statisch günstigsten und der tatsächlichen Form.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 30. Juni 2014
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    jein
    die Trinkwasserversorgung wurde dort, wo die nötigen finanziellen Mittel vorhanden waren, teilweise mittels römischer Aquaedukte und deren Nachbauten, häufiger mit der "Wasserkunst" reguliert.
    Brückenbau scheint man gekonnt zu haben: im dt. Museum München ist ein Modell einer mittelalterlichen Brückenbaustelle zu besichtigen und erläutert.
    Heizungsanlagen: erstaunlicherweise gibt es ein mittelalterliches hypocaustum um Refektorium des Klosters Bebenhausen, ebenso soll es ein Hypocaustum auf der Wartburg geben.
    Straßenbau und Schiffe: keine Ahnung.
    Opus Cementum scheint im Ma. nicht verwendet worden zu sein.
    Auch die berühmten aufwändigen Thermen gab es nicht mehr.
     
  13. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Hallo Galeotto: Das ist die Brücke von Cangas de Onis. Die wird im Volksmund zwar als "puente romano" bezeichnet, ist tatsächlich jedoch mittelalterlich, eventuell auf einem antiken Vorgängerbau errichtet.

    Aber die Form war eindeutig bekannt, wie man an der Eurymedonbrücke erkennen kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juni 2014
  14. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Nein, im Mittelalter kuschelte man sich lieber ,mit mehreren Leuten in einen Holzzuber=) Die Araber und die Osmanen hatten allerdings anspruchsvollere Badehäuser als die Europäer.
    Auch Kanalisationen, wie sie in der Antike schon vorhanden waren, sind bis in die Neuzeit ein Fremdwort. Im Mittelalter bevorzugte man die Windspülung bei Toiletten und ließ die Hinterlassenschaften einfach in die Natur plumpsen. An Hygiene hatte die Antike schon gewaltig die Nase vorn.
     
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    gewiß -- aber ebenso gewiß ist, dass zu keiner Zeit in der Antike alle römischen Bürger ihre Notdurft mit Wasserspülung beseitigen konnten (schätzungsweise entleerten sich maximal 20% der Bevölkerung so, wie es im berühmten antiken Klo in Sumelocenna (ein herrliches Museum übrigens!) machbar war) :rofl:
     
  16. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Nutzen konnten es alle. Im öffentlichen Raum gab es ausreichend große Latrinenanlagen. In den Insula-Wohnungen gab es in den Etagen weder fließend Wasser noch WC oder Fußbodenheizung und natürlich kraxelten die Römer nachts nicht aus der sechsten Etage nach unten um ein wassergespültes Örtchen zu verwenden. Da musste auch der Nachttopf herhalten und es gibt genügend antike Autoren, die sich über die nächtlichen Geschosse beschwerten, wenn die Leute ihre Nachtgeschirre, einfach aus den Fenstern entleerten. Aber im Gegensatz zum Mittelalter gab es eine, für alle Nutzbare Infrastruktur, auch wenn sie nicht alle aufsuchten.
     
  17. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Hygiene im Römischen Reich ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juni 2014
  18. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Heute pinkeln auch noch Leute an Häuserecken obwohl wir fast alle ein WC besitzen. Die Römer konnten aber auch die, von den Walkern aufgestellten Gefäße benutzen. Die Latrinen von Ephesos waren, wenn ich mich recht entsinne, gleich neben einem öffentlichen Gebäude und unweit vom Theater gelegen. http://static.panoramio.com/photos/large/63900623.jpg

    Auch bei staatlichen Institutionen waren für die Bediensteten Toiletten vorhanden wie hier in der Kaserne der römischen Feuerwehr. http://ehlers-hh.de/rom/image/ostia/ostia3.jpg
    Das findet man in keiner mittelalterlichen Burg, nicht einmal in einem Palast.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juni 2014
  19. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Habe ich das richtig verstanden, die Walker stellten Gefäße auf, um den Wertstoff Urin einzusammeln. Urin ? Wikipedia



    Urin, Harnstoff ist neben seinen mehr städtischen Anwendungen als Reinigungs-, Walkmittel, in erster Linie ein hervorragender Dünger. Im frühen Mittelalter landete der Inhalt des Nachttopfes wahrscheinlich gleich auf dem Misthaufen, denn es gab nur wenige Haushalte, die nicht mit der Landwirtschaft verbunden waren. Die mittelalterlichen Burgen hatten doch meist dieses balkonartige Kämmerchen in der Mauer, wo die Hinterlassenschaften im Burggraben landeten.

    Durch die letzten Beiträge interessiert mich allgemein, wie generell in städtischen Kulturen der wertvolle Harnstoff sowie menschliche Fäkalien in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wurden bzw. ob sie irgendwo ungenutzt als Abwasser abgeleitet wurden.
    Z.B. landeten die Latrineninhalte Roms alle im Tiber?

    OT Möchte den Thread nicht kapern, lohnt dafür ein eigenes Thema (Wirtschaftsgeschichte) oder gibt es das schon?
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juni 2014
  20. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das war ein Grund dafür, dass kein Vermieter gern eine Walkerwerkstatt in seiner Insula haben wollte. Die Wohnungen darüber waren, wegen des unanständigen Geruches nur schwer zu vermieten. Auch der Handwerker selbst, der den ganzen Tag in den Urintrögen, mit den Beinen herumstampfte, dürfte den scharfen Duft nie wieder losgeworden sein. Ein, im wahrsten Sinne des Wortes, anrüchiger Job.
    Vermutlich war der strenge Geruch, einer frischgewaschenen Toga auch ein Grund dafür, dass vornehme Römer eine Vorliebe für Duftwässerchen hatten.
    Über einer Senatsversammlung ,in der die Herren in blütenweißen Togen zusammensaßen, dürfte immer ein gewisser Pissoirduft in der Luft gelegen haben.
     

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