Ich muss dabei vor allem an das Buch Genesis denken. In der Erzählung von den Patriarchen spielen Träume oft eine wichtige Rolle, auf Jakob und die Himmelsleiter hat
@Traklson ja schon verwiesen, aber Träume spielen auch eine wichtige Rolle in der Geschichte von Josef und seinen Brüdern.
1. Josef träumt, dass sich elf Sterne vor ihm verneigen. Der Traum trägt zum Zerwürfnis bei zwischen Josef und seinen Brüdern, die ihn in eine Zisterne werfen und in die Sklaverei verkaufen.
2. Josefs Träume im Gefängnis, der Traum des Hofkonditors, der Traum des Mundschenks. Der Mundschenk kommt frei, der Bäcker wird hingerichtet.
3. Pharaos Traum von den sieben fetten und den sieben mageren Kühen. Der Schenk erinnert sich, dass der Kalfaktor damals im Knast die Träume akurat richtig gedeutet hat. Josef deutet Pharaos Traum als eine bevorstehende Hungerkatastrophe, und er wird Wesir, um Maßregeln dagegen zu ergreifen.
Auch in der Ilias spielen Träume eine wichtige Rolle. Heeresgruppenchef Agamemnon glaubt, dass er den Superhelden mit den Allüren einer Diva nicht braucht, um Troja zu erobern. Um die Griechen so richtig in die Bredouille zu reiten, schickt Zeus Agamemnon einen verhängnisvollen Traum. Im Traum hat er schon triumphiert, er wandelt ohne Achill weit und breit über die Ruinen von Troja.
Er hat aber anscheinend nicht das Seminar Massenpsychologie für Anfänger besucht. Als er eine zündende Rede halten will, hat er auf einmal eine Meuterei seiner heimwehkranken Landser auf dem Hals.
Träume spielen auch eine wichtige Rolle im Werk Shakespeares. Calpurnia hat üble Träume und warnt Caesar vor den Iden des März.
In Macbeth irren Macbeth und Banquo nach der Schlacht, die Macbeth gewonnen hat, über die Heide, und sie treffen dort auf drei Hexen.
Die Hexen grüßen Mabeth als Thane of Glamis, Macbeths gegenwärtiger Titel
als Thane von Cawdor, der Thane von Cawdor hat König Duncan verraten und Macbeth erbt seinen Titel.
Zuletzt grüßen die "Weird Sisters" Macbeth als künftigen König.
Die Hexen grüßen Banquo, (den Ahnherren der Stuarts) als Stammvater zukünftiger Könige, nicht so glücklich wie Macbeth, doch glücklicher in Zukunft.
Der Traum vom Königtum ist es, der den Helden, den Ehrenmann Macbeth verführt, ihn zum Schurken werden lässt. Die Weissagung der Hexen motiviert Macbeth zum Mord an Banquo und seinem Sohn.
Macbeth hat Skrupel, doch Lady Macbeth drängt ihn zur Tat, zum Königsmord und beruft sich auf Träume.
Träume und das Bewusstsein der Schuld sind es, die Lady Macbeth schließlich in den Wahnsinn treiben.
Die Träume und Weissagungen der Hexen führen zu Macbeths Tat und zu seinem Sturz. Sie wiegen ihn aber auch in falscher Sicherheit. Erst wenn der Wald von Birnam auf sein Schloss Dunsinam vorrückt, muss er sich Sorge machen und keinen fürchten, der vom Weib geboren wurde (außer Macduff, der per Kaiserschnitt zur Welt kam.
Der Traum ein Leben ist ein Stück von Franz Grillparzer. Anton Bruckner vertonte zu Grillparzers 100. Geburtstag Träumen und Wachen.
Gibt es nicht auch von Franz Schubert ein Stück, das "Träumereien" heißt?
Schließlich was wären die USA ohne den "American dream", diese sehr amerikanische Vorstellung des "Strebens nach Glück", pursuit of happiness wie es in der Präambel der Unabhängigkeitserklärung heißt.
In Mark Twains Huckleberry Finn ist der American dream die Antriebskraft der Protagonisten, ein entlaufener Sklave und ein degradierter Weißer sind auf der Flucht, suchen nach dem Glück. Was ihnen begegnet, das ist eher der American nightmare, sie treffen Lynchmobs, die Grangerfords und die Sheperdsons die sich bis aufs Blut befehden, obwohl keiner mehr den Grund der Fehde angeben kann, die Camp Meetings, die ungebildeten Hillybillys, die sich einem "Nigger" wie Jim überlegen fühlen und die Gauner, den "König" und den "Herzog", kaum ein Autor hat jemals überzeugender den American Dream beschworen und gleichzeitig auch dessen Verneinung.
In diesem Zusammenhang muss natürlich auch Martin Luther Kings große Rede "I have a dream" erwähnt werden.
Den Traum, das Unterbewusstsein das faszinierte Ende des 19. Jahrhunderts auch die Medizin und die neu entstehende Psychologie.
Die Traumdeutung war ein Werk von Siegmund Freud, das 1899/1900 veröffentlicht wurde.