Die Gesellschaft dachte, Männer und Frauen müssen sich optisch klar unterscheiden.
Das durchaus.
Die Hose stand für die Stärke des Mannes.
Und bereits hier biegst du völlig falsch ab.
Die Hose ist als Kleidungsstück in erster Line zunächst mal schlicht und ergreifend nützlich. Im Besonderen im Kontext mit dem Reiten und mit verschiedenen Formen von Arbeit, die verlagen, dass man sich bewegt und bei denen es nützlich ist, wenn man eng anliegende Kleidung hat, die nicht dauernd irgendwo hängen bleibt.
Die Hose dürfte vor allem in dem Maße zu einem typisch männlich konnotierten Kleidungsstück geworden sein, in dem Frauen aus Rollen und Tätigkeiten, in denen Kleidung mit solchen Eigenschaften bedurfte, ausschieden.
In vielen Städten und Ländern gab es klare Vorschriften. Schulen, Ämter und Restaurants erlaubten keine Hosen für Frauen. In Paris gab es sogar ein historisches Verbot aus dem Jahr 1800, das erst im Jahr 2013 offiziell aufgehoben wurde.
Ja, in den letzten 2 Jahrhunderten war das so.
Allerdings wäre es ein Fehler von diesem Umstand aus darauf schließen zu wollen, dass dies schon immer so gewesen wäre.
Vieles von dem, was wir als Rollenbilder aus dem letzten Jahrhundert kennen, ist erst im Zuge des 18. und 19. Jahrhunderts entstanden.
Die Trennung Mann = alleiniger Ernährer der Familie, Frau = zuständig für Kindererziehung etc. z.B.
Das entstand ja erst in dem Moment, in dem zum einen die Produktivkraft durch Maschinen so groß wurde, dass auf die Mitarbeit der Frauen zur Erwitschaftung des Lebensunterhalts sukzessive überhaupt verzichtet werden konnte, während gleichzeitig zumindest Alphabetisierung und elementare Bildung tatsächlich zum Standart wurden, die es zur Voraussetzung machte, dass in dieser Hinsicht Erziehungarbeit geleistet werden musste.
Für einen heute, oder vor ein paar Jahrzehnten geborenen Menschen mag die Kernfamilie mit dem allein berufstätigen Vater als ein Relikt aus uralter Zeit erscheinen, realitäter hat sich das aber erst seit 200 Jahren einigermaßen durchgesetzt.
Und dürfte auch damals weniger mit einem Dünkel zu tun gehabt haben, nachdem es eine männliche Rolle sein, die Familie zu ernähren als viel mehr damit, zum einen die Frauen vor gefährlichen Arbeiten zu schützen (Verhältnisse in der frühen Industrialisierung) und die Erziehungsarbeit zu leisten, die nötig war um Kindern eine Zukunkunft zu ermöglichen, die nicht mehr dadurch gesichert wurde oder werden konnte, halt den väterlichen Hof, oder das entsprechende Flurstück vererbt zu bekommen.
Denn das stand vielen Ex-Kleinbauern, die die Agrarrevolution, die Industrialisierung und der Abbau des Feudalsystems ruinierte, nicht mehr zur Verfügung.
Für gewöhnlich erweist sich bei diversen Sozialkonventionen, von denen gern behauptet wird, dass dies und das immer schon so gewesen sei, dass sie im Gegenteil nach historischen Maßstäben eher jung sind und auf das 18. oder 19. Jahrhundert zurückgehen.
Die weibliche Physiognomie (die körperlichen Merkmale und Proportionen) spielte historisch ebenfalls eine große Rolle dabei, warum Frauen keine Hosen trugen. Das patriarchalische Gesellschaftsbild nutzte biologische Unterschiede, um soziale Verbote zu begründen.
In meinen Augen viel zu sehr in modernen und ideologischen, zu wenig in praktischen Kategorien gedacht.
"Patriarchat" ist keine wirklich sinnvolle Argumentationskategorie im Rahmen einer Ständegesellschaft, in der Kleidervorschriften nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, Berufs- und Religiöse Gruppen etc. praktiziert wurden.