"Vater Philipp" Synonym für Arrest, Arrestzelle?

Scorpio

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Aus Erzählungen von meinen Großeltern habe ich immer wieder den Ausdruck "Vater Philipp", der saß bei "Vater Philipp" gehört.
Mein Opa war eigentlich gelernter Stellmacher und wurde 1936 Berufssoldat. Auf einem Truppenübungsplatz lernte er meine Oma kennen, die da Sekretärin war.
Der Ausdruck muss im Wehrmachts- Soldatenjargon zumindest gebräuchlich gewesen sein.

Ich habe den Ausdruck aber sonst niemals gefunden, etwa im Lexikon der Wehrmacht. Ich habe auch absolut nichts darüber gefunden, ob das nur eine regionale Bezeichnung war, auch nichts wo der Begriff herkommt, ob er aus dem Wehrmachtsjargon stammt, oder ob da vielleicht noch Relikte aus der Landknechtszeit im Spiel war, soweit ich weiß, wurde mancherorts der Profoss von den Landsknechten mit "Herr Vater" angesprochen.

Wie gesagt, ich habe im Internet nichts dazu gefunden, nun würde mich interessieren, ob irgendjemand den Ausdruck schon mal gehört hat und Auskunft dazu geben kann.
 
hier meine Netzfunde für "Vater Philipp als Ausdruck für Gefängnis":



daraus:
Vermutlich stammt aus dieser Zeit auch die regional volkstümliche Umschreibung für jemanden, der in die Strafanstalt musste, "...zum Vater Philipp gehen".
 
hier meine Netzfunde für "Vater Philipp als Ausdruck für Gefängnis":



daraus:

Danke, wieder was dazugelernt!
Da wäre ich bei Rotwelsch- und Jenisch vielleicht eher fündig geworden als im Lexikon der Wehrmacht. Aus Wörterbüchern der Gaunersprache aus dem 18. Jahrhundert kannte ich das nicht.
 
Lehr-Escadron-Kaserne in Berlin.


Siehe auch die Quelle Spiegel vom 1977.

Nur stimmt halt nicht, was da steht:

"Sie wurde von 1817 bis 1818 gebaut und war einer der ersten Backsteinbauten Schinkels. Wohnhaft war dort der Platzmajor Philipp, der dem Gebäude seinen Namen gab.

Platzmajor in Berlin, zuständig für die Oberaufsicht über die Staatsgefangenen und arretierten Soldaten und wohnhaft in dem Gebäude war bis 1839 kein "Philipp", sondern Friedrich Carl Ludwig von Gontard:

"Im Range eines Capitains trat er den Dienst als Platzmajor des Obersten Militärbefehlshabers der Residenzstadt Berlin an. Seine Aufgabe bestand darin, den täglichen Dienst der Truppen zu regeln und zu beaufsichtigen. Weiterhin übte er die Oberaufsicht über die Staatsgefangenen und arretierten Soldaten aus und leitete das Büro der Kommandantur am Zeughausplatz 1. Dem Adreß- Calender von 1818 zufolge hatte es Gontard inzwischen zum Oberst- Lieutenant gebracht und wohnte in der Königstraße 37. Zuvor – 1807 – hatte er Quartier am Alexanderplatz 43 bezogen, während er von 1821 bis zu seinem Tod in der Lindenstraße 36 wohnte."
 
Der "Röhrich" schreibt:
"Angeblich soll ein Unteroffizier namens Johann Philipp, der seit 1818 Arrestaufseher der Potsdamer Garnison war, Anlaß zu dieser Namensgebung gewesen sein."
Literaturangabe: H. Meyer: Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten (Berlin 1904); vermutlich wird man auch da eine nachprüfbare Quellenangabe vergeblich suchen.
 
Literaturangabe: H. Meyer: Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten (Berlin 1904); vermutlich wird man auch da eine nachprüfbare Quellenangabe vergeblich suchen.

Keine Quellenangabe, der ominöse "Johann Philipp" wird hier nicht einmal erwähnt.
Sicher ist also nur, dass der Ausdruck anno 1904 in Berlin gebräuchlich war.

Im Vorgängerband von 1882 findet sich der Ausdruck noch nicht: Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten
 
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