Veleda

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Nationalheldin, 22. Juni 2011.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wann und aus welchem Anlass soll ein Triumphzug stattgefunden haben, auf dem man sie hätte mitführen können? Ist das eine reine Vermutung von Dir?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, es handelt sich um ein Vermutung, zu erkennen an der Formulierung "näher liegender ist".
    Argumente für einen Triumphzug:
    - Gaius Rutilius Gallicus war ein Vertrauter Vespasians, außerdem Pontifex Maximus.
    - Die zitierte Stelle aus der Germania (VIII): Vidimus - wir sahen.*
    - Eine weitere Stelle aus der Germania (XXXVIII) in der Tacitus klagt:
    "... inde proximis temporibus triumphati magis quam victi sunt - von da an hat man bis in jüngster (wörtlich nächst(liegend)er) Zeit mehr Triumphe (über sie) gefeiert, als sie besiegt".




    *Die Übersetzungen sind sich relativ uneinig, wie die zitierte Stelle eigentlich zu interpretieren ist:
    "Ja, die Germanen meinen sogar, den Frauen sei eine gewisse Heiligkeit und eine seherische Gabe zu eigen [...] Wir haben unter dem göttlichen Vespasian die Veleda gesehen..."
    (Arno Mauersberger)
    „Die Germanen glauben sogar, Frauen wohne etwas Heiliges und Seherisches inne. Daher achten sie auf ihren Rat und hören auf ihren Vorschläge. Wir erlebten es zur Zeit des verewigten Vespasian, wie Veleda bei vielen lange als göttliches Wesen galt. Doch schon vorher haben sie Albruna und mehrere andere Frauen verehrt, aber nicht aus Unterwürfigkeit und als ob sie erst Göttinnen aus ihnen machen müssten.“
    (Übersetzung aus dem Wikipediaartikel "Schicksalsfrau")
    Eine englische Übersetzung sieht das genauso:
    "We saw that, under the deified Vespasian, Veleda was for a long time considered a divinity by many"
    (Herbert W. Benario)
    Wenn man diese Variante der Übersetzung zugrunde legt - die unterschiedlichen Möglichkeiten werden sich durch die fehlende Interpunktion ergeben - dann ist diese Stelle als Argument dafür, dass Tacitus die Veleda gesehen habe, oder dass sie in einem Triumphzug vorgeführt worden sei, natürlich völlig fehlinterpretiert.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Moment! Er war zwar Pontifex, aber nicht Pontifex maximus. Pontifex maximus war der Kaiser selbst.

    Diese Stelle wird normalerweise als Seitenhieb auf die Germanenkriege des Domitian interpretiert, der bekanntlich erst 81 Kaiser wurde und etwas später mit seinem Krieg gegen die Chatten begann. Möglich wäre es aber natürlich, dass Veleda nach ihrer Gefangennahme 77 mehr als 5 Jahre aufbewahrt und dann im Triumphzug vorgeführt wurde, derartiges war auch in der Vergangenheit schon vorgekommen (Vercingetorix). Seltsam wäre es freilich gewesen, dass Domitian eine Frau mitschleppt, die zur Zeit seines Vaters und Vorvorgängers gefangen wurde.
    Leider liegen uns für die Kaiserzeit keine Triumphalfasten vor, sodass wir nicht sagen können, ob Vespasian oder Titus nach 77 noch über Germanen triumphierten. Ich halte das aber nicht für wahrscheinlich, der Bataveraufstand war lange vorbei, und die Besetzung des Dekumatlandes scheint nicht so sonderlich spektakulär gewesen zu sein.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie ausgeführt, das vidimus ist eh unsicher zu interpretieren. Das einzige was sicher ist, ist, dass Tacitus i.d.R., wenn er von sich selber spricht, nicht den Plural benutzt.
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Der Name ist, wie ich bei Roland Schuhmann lese, keltisch zu deuten. Die Zusammenfassung lautet:

    "Es hat sich gezeigt, daß die Namen der bei Tacitus, 'Germania' c. 8,2 genannten Seherinnen Aurinia (so die korrekte Namensform) und Veleda nicht aus dem Germanischen zu erklären sind. Der Personenname Aurinia besteht aus einem Erstglied Aur-, das in mehreren Personennamen vorkommt und mit lat. aurum 'Gold' gleichzusetzen ist, während -inia ein gallisches, Personennamen bildendes Suffix darstellt. Veleda dagegen ist wahrscheinlich ein rein keltischer Name, der genau mit a[lt]ir[isch] fili- 'Dichter' (< 'Seher') übereinstimmt, dessen problematisches -d- ist dabei entweder lautlich aus dem Germanischen infolge einer Lenisierung bedingt durch die Akzentposition oder rein graphisch aus dem Lateinischen zu erklären.
    Was die Namenträgerinnen angeht, so ist festzuhalten, daß nach Ausweis dieser beider Namen, in älterer Zeit in der Germania Frauen mit keltischen Namen bei germanischen Stämmen als Seherinnen wirkten."

    Roland Schuhmann, Aurinia und Veleda - zwei germanische Seherinnen? In: Beiträge zur Namenforschung Band 34 Heft 2 (1999), S.131-143
     
    Carolus gefällt das.

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