Verbündete Frankreichs vor dem Zweiten Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Marlon, 9. Oktober 2012.

  1. Marlon

    Marlon Mitglied

    Hallo,

    meine Frage ist, mit wem war Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg verbündet?
    Ich habe in einem Text etwas von "Frankreichs osteuropäische Klientelstaaten" gelesen. Wer waren diese und warum wird hier die Bezeichnung "Klientelstaaten verwendet?

    Viele Grüße
    Marlon
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Weisst du, wie Hitler den 2.Weltkrieg begann, und was dann als Reaktion darauf geschehen ist? Dann hast du schonmal Frankreichs Verbuendeten Nr.1.
    Ob das nun ein "Klientelstaat" ist bzw. was damit gemeint sein soll, muss ich allerdings erst mal offen lassen.

    Gruss, muheio
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was war das für ein Text?
     
  5. Marlon

    Marlon Mitglied

    Ein Text aus dem Schulbuch "Buchners Kolleg Geschichte" (S. 442).
    Von dem Historiker Hermann Graml.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Für die europäische Situation war die Idee der kollektiven Sicherheit ein wichtiger Gedanke, um eine militärische Revision europäischer Grenzen zu verhindern (vgl. auch die Rolle des Völkerbunds).

    Dieser Idee lag die Außenpolitik Frankreichs zwischen dem WW1 und dem WW2 zugrunde, die darauf abzielte das wirtschaftlich starke Deutschland in ein "System der umfassenden Bedrohung", sprich einem potentiellen Mehrfrontenkrieg einzubinden und somit zukünftige revisionistische und auch hegemoniale Ansprüche Deutschlands im Keime zu ersticken.

    Vor diesem Hintergrund ist die Bündnispolitik Frankreich zu interpretieren. Und aus diesem Grund waren Polen, die Tschechoslowakei und auch die UdSSR wichtige Verbündete vor dem WW2.

    http://www.1000dokumente.de/pdf/dok_0020_fra_de.pdf
     
  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Zu berücksichtigen ist aber auch, das Frankreich sehr schnell nach Ende des Ersten Weltkrieges mit seiner gegen das Deutsche Reich gerichteten Bündnispolitik begann. Man beschritt die gleichen Pfade, die sich eben nicht als tauglich erwiesen, wie am Vorabend der Urkatastrophe des 20.Jahrhunderts.

    Frankreich war auf der Suche nach der absoluten Sicherheit, die es nicht gab und gibt, und als die USA sich "verweigerten" verfiel man wieder den alten Ideen.
     
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  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Graml hat tatsächlich den Ausdruck Klientelstaaten mehrfach in seinen Publikationen, allerdings ohne nähere Nachweise, verwendet.

    Die wohl gemeinten Staaten sind oben schon genannt worden. Noch ein Hinweis:
    http://www.geschichtsforum.de/f67/balkanentente-1934-a-11316/

    Frankreichs "Eindämmungspolitik" für das Deutsche Reich ist nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, der an der Westfront 4 Jahre auf französischem und belgischem Boden stattfand, nachvollziehbar. Das Deutsche Reich unter Hitler betrieb in den 1930ern eine Wirtschaftspolitik in Richtung Südosteuropa, die auf eine "ökonomische Penetration" unter Erlangung von politischer Kontrolle hinauslief. Erfolgreich war das zB in Ungarn, ebenfalls ein Kandidat von Revisionsinteressen zum Ersten Weltkrieg. Frankreich bewies insoweit frühzeitig strategische Weitsicht, allerdings wiederholten sich diese deutschen "Balkaninteressen" teilweise zum Kaiserreich und waren auch von der deutschen Rohstofflage her absehbar.

    Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die französischen Versuche, ein "Ost-Locarno" zu verwirklichen. Dieses scheiterte mit den Weimarer Regierungen u.a. an der Akzeptanz der Grenzverschiebungen nach dem Ersten Weltkrieg (also an dem auch die Weimarer Republik verfolgten Revisionismus im Osten), mit Hitlers "Rauminteressen" waren solche erweiterten "Ostpakt-Pläne" unter Einbeziehung von Deutschland zur Friedenssicherung ohnehin nicht zu machen.

    Ein weiterer wichtiger Entstehungsfaktor der französischen Politik zu diesen "Klientelstaaten" war die Feindschaft und die Spannungen mit der UdSSR, sowie die französisch-englischen Spannungen in den 1920ern (die insoweit wichtig waren, als Frankreich der scheinbar "sichere" Bundesgenosse GB gegen ein revisionistisches Deutsches Reich abhanden zu kommen schien). An der Rheinland-Militarisierung zeigte sich später, wie wenig man noch abgestimmt zur Sicherung der Friedensordnung reagierte.

    Frankreich blieb also wenig anderes übrig, als sich ost- und südosteuropäische Bundesgenossen zu suchen.
     
  9. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Frankreich war in der unmittelbaren Nachkriegszeit bemüht von Großbritannien und den USA quasi eine Garantie für den Fall eines deutschen Angriffs zu erhalten. Fragt sich, womit sollte das Deutsche Reich Frankreich eigentlich angreifen. Die Herren in Paris waren da schon ein wenig paranoid.

    Nachdem Wilson abgewählt worden war, die USA mit Berlin einen Sonderfrieden abgeschlossen hatten, wurde man in Paris nervös. Der Ökonom Keynes bezeichnete Versailles als karthagischen Frieden und Llyod George hatte mittlerweile auch erkannt, dass die Verträge nicht das Gelbe von Ei waren. Man fühlte sich allein gelassen. Die Franzosen glänzten in der Nachkriegszeit mit einer starren, unbeweglichen Politik, anstatt die Hand zur Versöhnung zu reichen und somit frühere sicherheitspolitische Lösungen mit dem Deutschen Reich als Partner zu erreichen.
     
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