- Die primäre Beobachtung, von der ich ausgehe, ist rein visueller Natur und lässt sich direkt am Manuskript prüfen:
1. Botanische Anomalien: Es gibt im botanischen Teil zahlreiche Darstellungen von sogenannten Chimären-Pflanzen (z. B. Folio 67v2), die anatomisch exakt die Merkmale historischer Wurzelpfropfungen und Veredelungen des 15. Jahrhunderts zeigen (wie abgesetzte Pfropfrisse und unnatürliche Gewebeübergänge).
Wo du bei einem zweidimensionalen Bild, dass von jedem unbegabten Zeichner stammen kann, kaum mehr als Umrisslinien, die mit Farbe ausgefüllt werden, anatomisch exakte Merkmale (Pfropfrisse, Gewebeübergange) erkennen willst, ist mir schleierhaft.
2. Kosmologische Anomalien: In den astronomischen/kosmologischen Kreisdiagrammen finden sich mathematische Asymmetrien, die systematisch von einer klassischen 12er-Teilung abweichen.
Die Frage ist halt, ob das überhaupt etwas zu bedeuten hat. Du bist die ganze Zeit auf der 13 herumgeritten. Ich finde 12er (mehrheitlich), 8er, 17er.... Da scheint doch an und für sich keine Systematik hinterzustecken.
Ich möchte noch mal auf den "Text" rekurrieren: Würde es sich um einen "wissenschaftlichen Text" handeln, müsste man noch annehmen, dass die Buchstabenverteilung der einer natürlichen Sprache entspräche. Aber das tut der "Text" ja bekanntermaßen nicht. Vielleicht haben die "Buchstaben" tatsächlich einen Sinn, aber vielleicht hat der Schreiber in einem solchen Fall auch seitenweise
wau miau wa miau wau miau geschrieben. Das ist zumindest plausibler, als bei Sternenkarten, die keine sind und Pflanzendarstellungen, die keinen echten Pflanzen entsprechen von einer "alchemistischen" Geheimschrift über die Pflanzenveredelung in bestimmten Mondphasen zu raisonieren.
Meine daraus abgeleitete Arbeitshypothese lautet schlicht: Das Manuskript codiert das technologische und naturphilosophische Wissen um biologische Veredelungszyklen.
Und genau da liegt das Problem:
- Das Manuskript ist offensichtlich in keiner Sprache geschrieben worden, dagegen spricht die Buchstabenverteilung.
- Es war nicht lesbar. Also für wen war das teure Pergament geschrieben?
- die Darstellungen sind doch eher dürftig/naiv (schau dir mal PrachtHSS aus dieser Zeit an, was da für Darstellungen von Menschen und Pflanzen möglich sind, von deren Präzision ist das naive Rumgekleckse im Voynich-Manuskript meilenweit entfernt)
- die Pflanzen entsprechen keinen realen Pflanzen, auch mit der Hilfshypothese, dass man es mit Pflanzenveredelungen zu tun habe, nicht
- die Sternendarstellungen sind vielleicht ganz hübsch anzusehen, aber total naiv
Da bleibt kein Raum für die von dir gebildeten Hypothesen. Deine Hypothesen sind schon dadurch falsifiziert, dass sie keine faktische Grundlage haben.
Und dann kommen noch die unzulässigen Hilfshypothesen hinzu.
Der Verweis auf die zeitgenössische Alchemie und den Konflikt mit den dogmatischen Kalendermodellen der Kirche war kein Bauen von Hilfshypothesen, sondern der Versuch, diese visuelle Beobachtung historisch zu kontextualisieren.
Dieser Satz ist inhaltlich so falsch, dass ich gar nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll. Eine Beobachtung, die Unsinn ist, kannst du auch nicht "historisch kontextualisieren". Hast du irgendwo einen Nachweis für alchemistische Kalender, die abweichen vom "dogmatischen" der Kirche? Die Alchemisten haben doch letztlich auch nur den bestehenden Kalender gedeutet, versucht Mond- und Sonnenphasen oder Sternbilder in ihre praewissenschaftlichen Versuche einzubinden (letztlich ist die Alchemie ja nichts anderes, als Chemie,
vor Einführung einer systematischen Wissenschaftstheorie, also irgendwo zwischen Chemie, aber
noch ohne die Etablierung eines wissenschaftlichen Apparats, und Magie)
Jede Hypothese braucht einen plausiblen historischen Rahmen, um überhaupt falsifizierbar zu sein.
Aber gerade daran mangelt es ja. Da ist nix historisch plausibel. Hilfshypothesen, du hast dich ja sogar dahin verstiegen, das Manuskript zu einem Arbeitsheft für den Eigenbrauch zu erklären. Das ist das Gegenteil von plausibel.