Wählerzustimmung zur NSDAP 1932 nach Bevölkerungsgruppen

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von firei, 27. Mai 2013.

  1. firei

    firei Neues Mitglied

    Hallo liebe Gemeinschaft,

    Warum haben relativ viele Selbstständige (31%) und Arbeiter (26%) bei der Wahl 1932 nationalsozialistische Parteien gewählt,
    aber relativ wenige Angestellte und Beamte (12%)?

    Idee: Die Arbeiter waren nationalistisch orientiert, haben für ihre Partei gestimmt, von denen sie geglaubt haben, dass sie etwas "bewegen": Diese sollte möglichst radikal sein.
    Die Angestellten/Beamten war das eher egal, da sie eh gut verdienten und "schiebten" eine ruhige Kugel.

    Ist das richtig so? Kann man das so sagen?
    Dankeschön für die Beiträge.:)
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Woher hast du diese Zahlen?

    Die Arbeiter waren die Hauptzielgruppe der NSDAP-Propaganda. Ab 1928 richtete sich die Wahlpropagade immer mehr an die Arbeiter. So wurden Arbeiter gezielt vor den Fabriktoren angesprochen und die Arbeitslosen vor den Arbeitsämtern. Ebenso wurden die Plakate an die Bildsprache der Sozialstischen angepasst. Darauf waren vor allem arbeitsspezifische Probleme wie etwa Arbeitslosigkeit oer der Lohn tematisiert. Auch das Vokabular der marxistischen Parteien wurden übernohmen. So wurde zum Beispiel bei den Juliwahlen ein Plakat mit den Worten "Wir Arbeiter sind erwacht, wie wählen Nationalsozialisten" verfasst. Bei den Reichtsagswahlen vom November 1932 kam dann das Plakat mit dem Schlagwort "Arbeit und Brot" zum tragen.

    Wie du siehst wurden die Arbeiter gezielt angesporchen-

    Ich weiss nicht was du unte reinem Angestellten verstehst. Denn zwei Drittel der Angestellten waren im tertiären Wirtschaftsesktor (sprich Handel, Verkehr, staatlichen Verwaltung oder in privatem Dienstleistungsbetrieben beschäftigt. Wer war nun ein Angestellter, das heisst nicht gleich Beamter, als Angestellter galt jemand der der Versicherungspflicht in der Reichsanstalt für Angestelltenversicherung unterlag. Hier findet man alles vom kaufmännischen Kommissiongehilfen bis hin zum Geschäftsführer der IG Farben.
    Das die Angestellten weniger NSDAP wählten hat doch nichts damit zu tun, dass sie eine ruhige Kugel schoben. Sozialgeschichtliche Forschungen haben ergeben, dass im Durchschnitt der Angestellte weniger hart von der Weltwirtschaftskrise betroffen war, als der Arbeiter.

    Zu den Beamten

    Hier kann man die NSDAP Parteistatistik zu Rate ziehen und dann sieht man, dass schon vor dem 1. Sept. 1930 diese Berufsgruppe überrepräsentiert war als Parteimitglieder. Da kann man davon ausgehen, das die wohl NSDAP gewählt haben.

    Quelle: Jürgen W. Falter: Hitlers Wähler. Beck Verlag.

    (Wenn du dich ernsthaft mit dem Wahlverhalten beschäftigen möchtest, dann solltest du dieses Buch lesen.)
     
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  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die meiste Zustimmung fand die NSDAP im Mittelstand und dort vorzugsweise bei kleinen Angestellten und Beamten, bei Rentnern sowie Selbstständigen wie Handwerkern u.a. Es handelte sich dabei vielfach um Bevölkerungsgruppen, die durch Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit vom sozialen Abstieg bedroht waren. Größere Zustimmung fand die Partei auch unter den Bauern aufgrund spezieller Förderprogramme im Sinne der "Blut-und-Boden-Ideologie" (Reichserbhofgesetz u.a.).

    Unterdurchschnittlich schnitt die NSDAP hingegen bei den Industriearbeitern ab, die traditionell der SPD und KPD verhaftet waren. Ferner war die Wählerschaft bei Protestanten größer als bei Katholiken und dementsprechend im Norden stärker als im Süden präsent.

    http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2008/9/chapter/HamburgUP_Schlaglichter_Hitler.pdf

    Detaillierte Analysen zur Wählerschaft und zu Berufsgruppen in der NSDAP sind allerdings umstritten, besonders auch was das Wahlverhalten der Arbeiterschaft angeht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2013
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    So wurde das noch 1988 gesehen. Der verlinkte Vortrag Borowskys hat jedoch den Abschluss der Arbeiten von Falter (1991) nicht berücksichtigen können, und er verrät auch etwas vorsichtig-holprigen Umgang mit dessen Regressionsanalysen.

    Die von Ursi erwähnte umfangreiche Analyse Falters ist herrschende Meinung, schon deswegen :winke:, weil nichts Vergleichbares und somit nichts Neues mehr nachkam (von Regionalstudien mit lokalen Besonderheiten mal abgesehen).
     

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