Warum nicht gleich so? Frankreich und der Kolonialkrieg in Indochina.

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von Griffel, 4. Januar 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Ich gebe zu, diese überlegung, war eine abstrakte. Aber ich wollte Sie dennoch mal eingebracht haben.
    Der Gegensatz zwischen China und Sowjetunion, begann ja "offiziell" Anfang der 60iger jahre.
     
  2. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ich für meinen Teil habe auch überhaupt nichts dagegen mal spielerisch über andere Perspektiven nachzudenken. Nur in dem Fall, würde ich favorisieren, das auch in verschiedene Richtungen zu tun.

    Und auch, wenn es den Gegensatz China-Sowjetunion in der Realität erst nach Stalin in virulenter Weise gab, so wird man doch unterstellen dürfen, dass sich Stalin möglicherweise hin und wieder Gedanken über die längerfristigen Auswirkungen seiner Politik gemacht haben wird?
    Nun war es sicherlich aus Stalins Sicht logisch in China Mao und Konsorten zu unterstützen, weil ein "rotes" China oder vielleicht auch ein geteiltes China, er konnte ja, als diese Politik begonnen wurde nicht wissen, was einmal dabei heraus käme, für die Sowejtunion, zumal bei Stalins immer währender Paranoia vor einem "kapitalistischen Block", in jedem Fall besser zu verkraften war, als ein "weißes" China mit Anlehnung an die USA.

    Aber sich für diese Option zu entscheiden, bedeutet ja nicht, dass man nicht möglicherweise auch mal über Folgeprobleme nachgedacht hätte.
    China, selbst ohne Taiwan, sind bereits zu Stalins Zeiten über 400 Millionen Einwohner und damit, was Manpower angeht, doppelt so stark wie die UdSSR. Die Mandschurei allein bietet hinreichend Rohstoffe um zumindest eine starke Montaniindustrie, relativ schnell ins Werk zu setzen, in Teilen stehen dort bereits Industrieanlagen aus der japanischen Kolonialzeit, die übernommen werden können.
    Dann sind da weiterhin noch die modernisierten Wirtschaftsstrukturen, die die europäischen Kolonialmächte in den sgn. "Treaty Ports", siehe ("Ungleiche Verträge") aufgebaut hatten und die mit dem Ende des 2. Weltkriegs, Konkong ausgenommen, China zufielen.
    Hinzu kommen die Strukturen, die die Briten und Franzosen, etwa in Sachen Eisenbahn und anderer Formen der Protoindustire in ihren ehemaligen Einflussphären in China entlag des Yangtsee und in den Südprovinzen hinterlassen hatten.

    Mit anderen Worten, China hatte trotz der Verluste durch Welt- und Bürgrerkrieg enorme Manpowerreserven aufzubieten, was für eine Industrialisierung nicht groß auf Rohstoffzufuhr aus dem Ausland angewiesen und einige relativ moderne Industrieanlagen, die man nachbauen konnte und die natürlich halfen eine industrielle Entwicklung anzuschieben, waren vorhanden.

    Wie schnell, wenn auch nicht unbedingt effizient und menschenfreundlich, man eine geplante Industrialisierung betreiben kann, hatte die Sowjetunion unter Stalin doch selbst bewiesen. Als die Bolschewiki 1922 den Bürgerkrieg in Russland gewonnen hatten, regierten sie ein Land, dass größtenteils agrarisch organisiert und in weiten Teilen noch immer von nicht alphabetisierten Bevölkerungen bewohnt wurde. Das Transportsystem war unzureichend, die Verluste durch den Krieg wogen schwert und man war international isoliert.
    30 Jahre später, ist dieses Land eine veritable Weltmacht, im Bereich der Hochtechnologie (auch wenn hier die Entwicklunges des Krieges und die Folgen natürlich eine Rolle spielen), durchaus in der Lagen mit den atlantischen Mächten schritt zu halten und gesamtwirtschaftlich in der Lage, jede einzelne verbliebene Europäische Macht, inklusive des British Empire in den Schatten zu stellen.

    Von diser Warte aus gesehen, wäre, wenn wir in Kategorien von "was-wäre-wenn" denken und darüber hinaus Stalin mal nicht als einen ideologischen Hitzkopf auffassen, der er nicht war, sondern als einen etwas paranoiden, grundsätzlich in defensiven Bahnen (was mit nichten meint, dass er politisch immer rein defensiv gehandelt hätte), aber durchaus längerfristig strategisch denkenden Charakter auffassen, mMn durchaus zu hinterfragen, inwieweit es in Stalins Handlungslogik gepasst hätte, in China kein zukünftiges Problem zu sehen, sondern es für dauerhaft kontrollierbar zu halten?

    Die anderen genannten Probleme bleiben bestehen.

    Die Sowjetunion war selbst weitgehend ausgepowert und brauchte einen Großteil ihrer noch vorhandenen Kräfte um die eigene Stellung in Europa zu festigen, also ging der Großteil dessen, was nicht demobilisiert wurde, erstmal dahin.

    Dann ist bis 1949 der Bürgerkrieg in China der bis hier hin oder vielleicht 1950 erstmal noch Ressourcen band und darüber hinaus es bis hier hin unmöglich gemacht haben dürfte, Waffen aus der Sowjetunion nach Indochina zu verbringen, immerhin Mao und Konsorten saßen ja zunächst in der Mandschurei und im Norden.
    Das Gerät hätte also durch feindliches Gebiet geschafft werden müssen, hätte man es durch den chinesichen Südn bringen wollen.
    Angesichts der Flottenüberlegenheit der Briten und Amerikaner im Pazifik, wäre der Seeweg nicht denkbar gewesen, da hätten die Westmächte sehr einfach eine Blockade errichten können.

    1950 ging dann der Koreakrieg los.
    Wenn wir mal voraussetzen, dass die Kräfte der Sowjetunion, die ja auch erstmal einiges an Wiederaufbau leisten musste, begrenzt waren und der Transport von Waffen nach Indochina ohnehin logistisch schwierig war, könnten wir uns an dieser Stelle auch fragen, welches der beiden Probleme für die Sowjets denn wichtiger gewesen wäre? Korea oder Vietnam?

    Und da würde ich persönlich einfach mal meinen, dass für die Sowjets Korea interessanter war, zumal dieser Krieg, den Kim Il Sung mit Maos Unterstützung da anfing, ja durchaus auch schieflaufen konnte und wenn der schief lief und die Chinesen gegenenenfalls doch kalte Füße bekommen und die Nordkoreaner im Stich gelassen hätten, sich die Perspektive eines unter amerikanischer Protektion stehenden, bis an die sowjetische Grenze ausgedehnten gesamtkoreanischen Staates ergeben hätte.

    Insofern der Status der Sowjetischen Pufferzone in Ostasien damit auf dem Spiel stand, erscheint es mir eigentlich logisch, dass was an Verfügungsmasse vorhanden war, sinnvoller dafür in Reserve zu halten war, diese Pufferzone in jedem Fall zu erhalten oder auf ganz Korea auszudehnen, anstatt in größerem Umfang in einen spekulativen Erfolg des Viet Minh zu investieren, der direkt eigentlich nur Frankreich getroffen hätte, dessen Zeit als Großmacht ohnehin erkennbar abgelaufen war, der logistisch schwer zu bewerkstelligen gewesen wäre und im Hinblick auf strategische Positionen wahrscheinlich eher China, als der Sowjetunion zu gute gekommen wäre.
     
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  3. Griffel

    Griffel Mitglied

    Das stimmt natürlich auch!:cool: So groß und mächtig die SU auch war! Sie musste während des WKII enorme Verluste an Menschen und Material verkraften. Das bleibt natürlich nicht in den Klamotten hängen. Von der Infrastruktur mal ganz zu schweigen.
     

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