Was hat Wilhelm II. mit dem 1. Weltkrieg zu tun

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Gast, 4. Juli 2004.

  1. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Du hast recht lieber Timotheus, man sollte hierbei den Schlieffen-Plan nicht vergessen, dessen Ausführung bewußt die Neutralität von Belgien verletzte :( .
     
  2. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    erstaunlich finde ich vor allem die blauäugigkeit, mit der seine majestät in den krieg zog. offen zutage trat diese naivität und schlampigkeit schon, als er am 1.8.1914, auf nachrichten einer angeblichen neutralitätswilligkeit großbritaniens den angriff im osten bei defensivem verhalten im westen befohlen wollte und vom generalsstabschef moltke aufgeklärt werden musste, daß hierfür keinerlei vorbereitungen getroffen worden seien.
    wie kann es sein, daß der oberbefehlshaber der truppen, das staatsoberhaupt willhelm II. nicht weiß, daß außer angriff im westen nichts vorbereitet ist? naiv und schlampig!

    erstaunlich ist auch, daß der generalsstab unter moltke, anders als z.b. noch unter waldersee und auch unter schliefen selber zum schliefen-plan, -rascher und vernichtender angriff im westen bei defensive im osten- kein alternativkonzept mehr parat hatte. schlampig!

    es gibt sicher gute gründe für die behauptung, willhelm sei am ausbruch des weltkrieges schuld gewesen. die alleinige schuld trifft ihn aber wohl nicht. es gibt darüber hinaus sehr triftige gründe für die behauptung, er habe völlig verantwortungslos und schlampig gehandelt, wie übrigens sein genaralsstab auch, ebenso wohl der kanzler bethmann hollweg. ich weiß nicht, welcher vorwurf der schärfere ist.

    ponzelar

    p.s.
    @mercy: dem link auf das abschlusskapitel aus willis büchlein konnte ich nicht widerstehen. überraschendes schreibt er ja nicht, wirklich wissenswertes habe ich aber auch nicht erwartet. naja, da ein online-zugriff auf das werk anders wohl kaum zu erhalten ist, war der link auf die internet-seite der rechtsradikalen zeitschrift "staatsbriefe" des wissenschaftlichen fortschrittes wegen sicher angebracht.

    guck mal hier: http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=82037&postcount=2
     
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Der Anteil Wilhelms II. am Ausbruch des 1. Weltkriegs wird meines Erachtens vielfach zu hoch veranschlagt. Natürlich muss man einräumen, dass die zunehmende Verschlechterung der außenpolitischen Beziehungen des Deutschen Reichs nicht nur eine Folge der verfehlten Flottenpolitik war, die Wilhelm systematisch fördertre, sondern auch seiner unbesonnenen Reden und Taktlosigkeiten, die im Ausland Misstrauen gegenüber Deutschland weckten.

    Wilhelms Verhältnis zu den Reichskanzlern Hohenlohe-Schillingsfürst, Bülow und Bethmann Hollweg war geprägt durch seine unrealistischen absolutistischen Vorstellungen, wohingegen er dem Rat seiner persönlichen Umgebung wie z.B. Eulenburg sehr bereitwillig folgte.
    Nach der Daily-Telegraf-Affäre 1908 trat Wilhelm jedoch politisch zunehmend zurück, während die Bedeutung des von ihm verhöhnten Reichstags stieg.

    Wilhelm blieb jedoch immer noch politisch entscheidend, denn vor allem erreichte seine Flottenpolitik in den Jahren nach 1908 maßgebliche Bedeutung für die eingeengte außenpolitische Position des Deutschen Reichs. Ob er dies freilich ohne Zustimmung des Generalstabs hätte durchsetzen können, ist fraglich. Vermutlich waren hier die Interessen beider Agierender deckungsgleich.

    Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde Wilhelm immer mehr durch die Oberste Heeresleitung - vor allem Hindenburg - einerseits und den Reichstag andererseits entmachtet.

    Deutschlands außenpolitisches Desaster ist also wohl den verschiedenen Torheiten Wilhelms zuzurechnen. Sein Anteil am Ausbruch des 1. Weltkriegs ist - so meine ich - nicht größer oder kleiner als der anderer Staatsmänner, besonders wenn man die vertrackte Automatik der Bündnisverpflichtungen bedenkt. Hier hätte wohl ein Bismarck gefehlt, um die Fallstricke der Bündnisse zu entwirren.
     
  4. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Den Rückversicherungsvertrag würde ich nicht überbewerten, denn der Annäherungsprozess zwischen Frankreich und dem Zarenreich war schon im vollen Gange und nicht mehr aufzuhalten. Alexander war hinsichtlich der Verlängerung auch nicht wirklich sicher und musste von Giers entsprechend überzeugt werden.

    Bismarck hat mit dem Lombardverbot an der Berliner Börse im Jahre 1887 den Franzosen einen großen Gefallen getan. Seine Methode Außenpolitik zu betreiben, Zuckerbrot und Peitsche, war an ihrem Ende gelangt. In diesem Zusammenhang wird auch vom System der Aushilfen gesprochen.
     

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