Wer war in einer mittelalterlichen Stadt ausgeschlossen?

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Cyberbob, 13. Juni 2011.

  1. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Da hier ja häufiger vom Henker gesprochen wurde, wie oft war der denn gefragt?
    Waren Folter und Hinrichtungen was "alltägliches" oder waren das besondere Ereignisse, von denen man noch wochen- oder monatelang erzählte?

    Ich meine jetzt keine Ausnahmesituation wie Kriege, sondern den normalen Alltag.
     
  2. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

    Hinrichtungen waren schon so etwas wie Spektakel in der Stadt. Man konnte damit das Volk amüsieren und zugleich abschrecken. Noch wichtiger war für den Henker selbst, dass er die Hinrichtung auch gut machte. Man erwartete von ihm, dass er dem Delinquenten einen schnellen und möglichst schmerzfreien Tod beschaffte, und nicht etwa mit dem Richtschwert erst noch zwei mal die Schultern traf, bevor der Verurteilte dann endlich erlöst wurde. Denn ein Henker, der sein Handwerk nicht verstand, war kein guter Henker.
    Ich kenne Bilder, etwa historische Holzschnitte, bei denen Hinrichtungen dargestellt werden, und wo man riesige Menschenmassen sieht, die diesen beiwohnen, vor allem, wenn es sich um sehr bekannte Deliquenten handelte. (Siehe zum Beispiel dieses Bild von der Hinrichtung der Wiedertäufer von Münster: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/MuensterHinrichtungTaeufer.jpg )
    Wie oft der Henker gefragt war, hing ganz davon ab, wie oft Todesurteile zu vollstrecken waren, was ja seine Hauptaufgabe war. Ob er auch gefoltert hat weiß ich jetzt gar nicht mehr, aber ich meine, dass das vorrangig Aufgabe seiner Angestellten oder der des Gerichts war... wie gesagt, ich muss noch einmal nachsehen. In früheren Zeiten, war es oft so, dass man Henker nur für eine kurze Zeit in Anstellung nahm, und er dann weiterzog und dort angestellt wurde, wo man ihn gerade brauchte. Es gab dann später aber auch fest angestellte Henker, die auf Lebenszeit in einer Stadt arbeiteten. Es kam durchaus auch vor, dass eine Stadt einem anderen Ort ihren Henker auslieh, wenn der Ort keinen eigenen Schararfrichter hatte. So weit das, was ich noch im Kopf habe, ich müsste noch einmal in meine Unterlagen schauen, um das alles zu vertiefen und zu bestätigen, also für diese Angaben keine Gewähr ;)
     
  3. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Also musste ein Henker gleichzeitig auch noch als Bader oder Chirurg arbeiten, weil er sonst ein sehr unregelmäßiges Einkommen hatte?
    Schneller, schmerzfreier Tod, das kam wohl auf das Urteil an.
    Wenn ich mir diese Strafansammlung http://www.geschichtsforum.de/f51/strafen-im-mittelalter-3642/ ansehe, war das sehr grauselig.
    Immer, wenn ich von sowas höre oder lese, frage ich mich, wie man sowas fertigbrachte.
    Ein Henker hatte auch noch Knechte? Da war er ja doch nicht ganz unten auf der sozialen Leiter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2011
  4. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

    Naja, aber wenn du zum Tod durch das Schwert verurteilt wurdest, dann erwartest du ja, dass es schnell vorbei ist, und ich denke das war auch nicht im Sinne des Gerichtes, dass derjenige dann unnötig leidet wenn der Henker n paar Mal danebenhaut.... es war ja auch Bestandteil der Ausbildung zum Henker, dass man übte, den Schlag richtig zu setzen, etwa an Leichen von Verbrechern oder an Schweinsköpfen.
    Ich habe gerade noch einmal nachgelesen (Bei IRSIGLER, Franz u. LASSOTTA, Arnold: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker. Randgruppen und Außenseiter in Köln 1300-1600), dort wird berichtet, dass die Folter nicht vom Henker, sondern von seinen Knechten oder dem Büttel (Diener) des Greven (oder vicecomes), der wiederum vom Erzbischof der Stadt Köln eingesetzt wurde, durchgeführt wurde. Ich weiß natürlich nicht, wie es andernorts war. Über die Henkergesellen ist allerdings nicht viel bekannt, bei Irsigler/Lassotta steht, dass die Gesellen wohl auch als eine Art Stadtpolizei dienten, die Gesinde herauswarf. Das war auch eine der vielen weiteren Aufgaben des Henkers selbst.
    Im Aufsatz von Gisela Wilbertz (aus dem bereits genannten Sammelband von Bernd-Ulrich Hergemöller, hier Ausgabe 1994), lässt sich nachvollziehen, wie breit das Tätigkeitsspektrum des Henkers war (zusammengefasst):
    - Bettler aus der Stadt verweisen
    - Gerichtliche Vorladungen überbringen
    - Gefangene in seinem Haus verwahren
    - Gerichtssitzungen eröffnen
    - Verhaftungen vornehmen
    - Strafvollzug.
    Später kam auch noch die Aufgabe der Aufsicht über die Prostituierten der Stadt dazu, er war allerdings NICHT der Hurenwirt. Die Prostitierten entrichteten eine Abgabe an ihn, was laut Wilbertz eine Art Besoldungserhöhung darstellt.
    Der Henker lebte auch nach Wilbertz nicht außerhalb der Stadt, sondern manchmal auch mitten in ihr, dass es am Stadtrand zu finden war, kam daher, dass er dort oft das Verlies für die Gefangenen hatte, und ein Turm in der Stadtmauer ist ja weitaus stabiler als andere Gebäude der Zeit.
    Die medizinische Tätigkeit der Henker ist vor dem 16. Jh. nach Wilbertz noch nicht belegt, aber sie führt auf, dass einige Henker wohl mit Chirurgen verwandt waren oder von ihnen abstammten. Es gab seit dem 16. Jh. auch Henker, die diesen Beruf ganz aufgaben und nur noch als Chirurg arbeiteten. Allerdings sahen es natürlich die "ehrbaren" Ärzte nicht ganz so gerne, wenn Söhne von Henkern diesen Beruf ergreifen wollten.
    Zudem ist noch wichtig zu sagen, dass Henker zur späteren Zeit auch noch das Amt des Abdeckers übernahmen. Die beiden Berufe hatten zunächst nichts miteinander zu tun und entwickelten sich getrennt voneinander, der einzige Berührpunkt war eben das Verscharren von Leichen der Hingerichteten oder von Selsbtmördern. Mit der Wichtigkeit des Strafvollzugs rückten die beiden immer näher zusammen, bis der Abdecker schließlich dem Henker unterstellt. Wenn Henker auf Lebenszeit eingestellt wurden, so beinhaltete dies auch meist die Abdeckerprivilegien. Dadurch konnte der Henker eben seine Finanzen noch ein wenig aufbessern, und außerdem hatte er dann noch einige Gehilfen mehr in Form der ihnen unterstellten Abdecker.
    Also bestand die Arbeit des Henkers nicht nur daraus, Menschen zu Tode zu bringen, sondern enthielt noch einige andere Facetten.
     
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  5. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich habe da gerade eine Verständnisfrage. Das mittelalterliche Strafrecht ist doch an der Sühne ausgerichtet. Eine mittelalterliche Hinrichtung ist damit doch auch immer eine Sühnestrafe und hatte oft auch abschreckenden und sprechenden Charakter. Der Henker war damit nicht nur für die Hinrichtungen mit dem Schwert zuständig (mWn war die Hinrichtung mit dem Schwert doch in überwiegenden Teilen des Reiches ohnehin adeligen Delinquenten vorbehalten, dementsprechend wenige Scharfrichter mit der Befähigung zur Hinrichtung mit dem Schwert - oder überhaupt mit einem Schwert - gab es doch auch), sondern wird, auch eher die drastischeren Hinrichtungsformen praktiziert haben. Kann es denn nicht sein dass es in diesem Zusammenhang eben auch solche und solche Henker gab? Wie sah es mit den öffentlich Verrichteten Schandstrafen aus? Verrichtete die der Henker, oder ebenfalls seine Knechte/Gesellen?

    Und zum Thema Abdecker und Totengräber: das sind doch beides unehrliche Berufe, genauso wie der Henker eben auch, ich denke soweit gehen wir d'accord, oder? Das führt zwar nicht automatisch zu einem räumlichen Ausschluss aus der Stadt, aber sehr wohl zu einem Ausschluss aus der städtischen Gesellschaft (und ich bin ehrlich gesagt der Überzeugung, dass es bei der einleitenden Frage genau darum geht - jetzt kann ich es ja sagen, da wir aufgrund des zeitlichen Abstandes kaum mehr Gefahr laufen dürften, hier irgendwelche Hausaufgaben zu machen :D)
     
  6. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Hinrichtung mit Schwert = adligen vorbehalten hört man allerdings oft. Allerdings wie sieht es dann mit der "traditionellen" Hinrichtung auf dem Richtblock mit der Axt aus? Dabei musste vermutlich noch genauer gezielt werden oder? Wer schonmal Menschen die aus der Stadt kommen und "Landferien" machen wollten gesehen hat und krampfhaft versuchten mit einer Spaltaxt etwas zu treffen weiß wovon ich rede. Aber ich werde Th. mal Beine machen denn hierfür interessiere ich mich nun auch^^
     
  7. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

    Also meines Wissens nach gab es nicht einen Henker, der für Enthauptungen zuständig war, einen der für Rädern zuständig war, und einen der für das Hängen von Menschen zuständig war.
    In dem von mir bereits erwähnten Buch von Irsigler/Lassotta, bzw in den Notizen, die ich mir dazu gemacht habe, habe ich gefunden, dass es wohl Aufzeichnungen darüber gibt, bei welchen Todesstrafen der Henker was stellen musste... so besorgte er beim Verbrennen Heu, Pfosten und Seile, während der bereits erwähnte Greve das Stroh beisteuerte, zum Sieden stellte der Henker die Leiter und teilte sich die Kosten für den Kessel mit dem Greven. Sein Schwert, welches, wie schon richtig gesagt zur Hinrichtung von Bürgermeistern, Ratsherren und Patriziern verwendet wurde, war eine Sonderanfertigung auf Stadtkosten. Allerdings scheint es auch hier Ausnahmen gegeben zu haben, was die Ausführung der Hinrichtung anging, denn die Autoren berichten von einem Fall, wo ein Delinquent die "Ehre" hatte vom städt. Schwertträger enthauptet zu werden, der sich wohl auch zu den Knechten des Henkers zählte. Allerdings war dies ein Verwandter des Verurteilten, der beim Schlag so nervös war, dass er den Kopf nicht richtig abtrennen konnte und der Henker selbst dies erledigen musste, der gerade noch dessen Ausbilder war. Es scheint also auch Ausnahmen gegeben zu haben, aber ich habe gerade nur dieses Beispiel zur Hand, und kann so keine genaueren Angaben machen.

    Da kann ich wieder nur auf Irsigler/Lassotta zurückgreifen... sie schreiben, dass man eben bei sowas genau zwischen zwei Halswirbeln treffen muss, was oft dadurch erschwert wird, wenn der Delinquent sich wehrte oder nicht stillhielt, wobei dann diejenigen, die ihn festhielten auch in Gefahr gerieten, einen Hieb abzubekommen. Noch schlimmer war es anscheinend, wenn der Verurteilte den Henker vor dem Schlag direkt ansah, und der Henker Angst hatte, vom "Bösen Blick" getroffen zu werden, auch das ließ so manche Hinrichtung scheitern.


    Wie ich dort auch gelesen habe, konnte so mancher Henker auch zum "Superstar" mutieren, wenn er besondere Fähigkeiten aufwies, etwa wenn er zwei Leute gleichzeitig mit einem Hieb enthauptete, Massenhinrichtungen zu Revolutionszeiten wurden zu "Volksfesten"... So grausam dieses Spektakel auch war, es begeisterte die Leute.
     
  8. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Apropos Massenbegeisterung. Einige der Hinrichtungen in China die zu Beginn der 2000er wurden ebenfalls im Internet übertragen (ob Live oder nicht weiß ich nicht, der Stream stammte zumindest von einer staatlichen Quelle). Die Motive hierfür dürften wohl ähnlich sein wie im MA. /OT
     
  9. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Der Henker hieß so, weil er für das henken, also aufhängen, zuständig war.
    Erhängen ? Wikipedia
    Er hieß aber auch Scharfrichter, weil er auch für das Enthaupten zuständig war.
    Scharfrichter ? Wikipedia
    Es war aber derselbe (evtl. mit Gehilfen). Denn, auch wenn noch die Vollstreckung der diversen Körperstrafen noch hinzu kam, so viel gab es dann doch nicht zu tun, dass das auch noch hätte aufgeteilt werden müssen.

    Bader waren sie nicht noch zusätzlich. Sonst hätten die "ehrenhaften" Bürger die Leistungen der Bader nicht in Anspruch nehmen können - womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären.
     
  10. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Ich denke der Begriff Henker wird in diesem Thread nur benutzt weil er ohnehin als Synonym für alle Personen die Hinrichtungen durchgeführt haben benutzt wird und bedarf daher keiner Erklärung mehr, was die weiteren Aufgaben angeht hat man hier ja denke ich bereits einen guten Überblick. Das Hauptproblem ist vermutlich dass man, wie so oft, versucht die Fragestellung verallgemeinernd für einen zu großen Zeitabschnitt angeht, aber das scheint sich gerade ja auch (langsam) zu entschlüsseln
     
  11. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

    Genau so meinte ich das, mein Satz klang n bisschen komisch ;)
     
  12. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  13. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich meine das aber ein bisschen anders :D (liegt an mir, ich drücke mich heute schon den ganzen Tag unklar aus, sorry :red:) Es gab zumindest in der Frühen Neuzeit Henker die auf die Hinrichtung mit dem Schwert spezialisiert waren und in diesem Zusammenhang so zu sagen "Henkersreisende" waren. So wurde bspw. Anne Boleyn durch einen solchen spezialisierten Henker hingerichtet. Auch für die durch das Schwert hinzurichtenden aufständischen Adeligen im Zusammenhang mit dem Prager Fenstersturz wurden "Schwert-Henker" angefordert.

    Nachdem es auch im Mittelalter weit verbreitet war, dass das Schwert nur Adelige bekommen, gepaart mit den Schilderungen zum Ansehen der "Schwert-Henker" einschließlich der Heruasforderungen der Tätigkeit, die du, @Theophano, geschildert hast, hat sich mir schlicht die Frage aufgedrängt, ob es zur Hinrichtung mit dem Schwert bereits im Mittelalter eine gewisse Spezialisierung gab. Das würde auch die sich implizit darstellende Abstufung in der Ehrlichkeit der einzelnen Hinrichtungstätigkeiten erklären. Oder nehme diese Abstufung nur ich als solche war und diese Art der Abstufung war explizit so nicht beabstichtigt?
     
  14. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

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  15. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das ist schwer zu sagen. Statistiken kenne ich keine. Das Problem ist auch, dass aus dem Mittelalter nur kaum schriftliche Quellen vorhanden sind, welche ein vollständiges Bild von der Hinrichtungspraxis liefern.

    Abhängig ist die Menge der Hinrichtungen doch sehr von der Stadt. Wie groß ist die Stadt? Ist sie eventuell ein Verwaltungs-/Regierungssitz, wo möglicherweise die Hinrichtungen der ganzen Umgegend durchgeführt wurden?
    Aus dem 18.Jh. kenne ich ein paar Zahlen. Da hatte ein Scharfrichter (auch Nachrichter genannt) innerhalb seiner ganzen Karriere über zig Jahre nur 20 bis 30 Hinrichtungen. Ich kann aber nochmal nachschauen, ob ich genauere Zahlen finde, ist jetzt nur aus dem Gedächtnis. Man muss aber selbst, wenn man so summarisch die Häufigkeit kennt, bedenken, dass es immer wieder spezielle Anlässe gab, wo dann 5-6 und mehr Leute, bspw. einer Räuberbande in einem Jahr enthauptet wurden. Dann hatte der Scharfrichter offenbar in manchem Jahr keine oder nur ein-zwei Hinrichtungen.

    1.
    Das arme Gesinde und was sagte dazu die Herrschaft desselben? ;):D

    2.
    Wie sah das denn bei den Selbstmördern generell aus? Ich weiß, dass Selbstmord recht direkt nach Mord als eines der schlimmsten Verbrechen galt. Mich würde da interessieren, wie da die Strafen aussahen. Wurden die versuchten Selbstmörder, welche man vielleicht vor dem Selbstmord bewahrte, danach hingerichtet oder war es eher die Regel, dass man sie begnadigte?


    Zu Hinrichtungen mit Schwert oder Galgen:
    Wie häufig kam denn im Mittelalter die "Begnadigung" zum Schwert vor? Aus der FNZ ist mir das mehrfach untergekommen.
    Räuber (wie der Seeräuber Störtebeker) wurden ja i.d.R. offenbar enthauptet.

    @ alle
    Vielleicht interessant, sich da mal durchzuklicken: Scharfrichterhaus ? Wikipedia
    Leider ist das Scharfrichterhaus in Görlitz, dass ich persönlich gesehen habe, aus dem 17.Jh. und daher für diesen Thread nicht so relevant. Mir wurde allerdings die Lage so erklärt, dass der Scharfrichter u.a. recht nahe der Hinrichtungsstätte wohnen sollte. Im Falle von Görlitz lag diese außerhalb, nördlich der Stadt auf einer Anhöhe. Nur wirklich prominente Personen wurden auf einem der Marktplätze der Stadt hingerichtet. Das Scharfrichterhaus liegt an der schmalen Gasse, welche durch das Finstertor (einem der vielen Vorstadttore) direkt zum Richtplatz führte. Auf den alten Stadtansichten war die Perspektive oft so gewählt, dass man auch den Galgen auf dem Hügel erkennen konnte (gehörte ja zu einer wichtigen Stadt dazu).
     
  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Galgenberge gibt es doch noch zu Hunderten als Flurnamen. In Wismar ist das der heutige Friedhof, allerdings hat man auf jüngeren Stadtplänen die Bezeichnung aus Pietätsgründen dezent weggelassen.
    "Promis" köpfte man in der Tat auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, so zwei Ratsherren 1427, weil sie bei einer Flottenaktion gegen Dänemark kläglich versagten. Noch heute ist an der Stelle eine Gedenktafel im Pflaster.
     
  18. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Ich habe mal vor langer Zeit in einem Buch über das 14./15. Jhdt in Süddeutschland gelesen, dass mitunter Deliquenten bzw. deren Hinrichtung in benachbarte größere Städte verkauft wurden, weil man die Kosten für die Hinrichtung nicht aufbringen konnte/wollte und weil sich die größeren Orte dadurch eine gute Einnahme durch Schaulustige versprachen.
    Leider kann ich nicht mehr mit dem Buchtitel dienen.
     
  19. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

    Hm, damit kenn ich mich nicht aus, ich weiß nur, dass es verpönt war, einen Selbstmörder nach seiner Tat etwa vom Strick abzuschneiden oder ihn auch nur zu berühren, denn sie waren nach Ansicht der Zeit mit dem Makel der Sünde behaftet, und wenn man sie anfasste ging es auf einen selbst über. Genau so verhielt es sich damit, wenn man beispielsweise den Kopf eines Enthaupteten, der von der Bühne fiel, aufzufangen und zurückzuwerfen, denn damit pfuschte man in die Sphäre des Henkers rein und konnte sich somit selbst den Makel der Unehrlichkeit zuziehen ( es gibt ein Beispiel aus Köln von Irsigler/Lassotta, wo ein Fassbinder genau das tut und dann aus der Zunft geworfen wird). Fand man also einen Selbstmörder, musste man zunächst den Henker oder Abdecker rufen, der sie dann mitnahm. Wie man dann Gerichtlich mit ihnen verfuhr, weiß ich nicht, aber es gibt ja, glaube ich, die Vorschrift, dass Selbstmörder in ungeweihtem Boden beerdigt werden, und das is schon ne harte Strafe, neben der, dass man am Tag des Jüngsten Gerichts nicht wieder aufersteht sondern in der Hölle schmort.
     
  20. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 5. Juli 2011

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