Werwolf in Gevaudan

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Siegesknecht, 25. Mai 2006.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das Tier, das in Versailles ausgestellt wurde und für dessen Erlegung Ludwig XV. eine Prämie bezahlte, war zweifellos ein Wolf. Die Angriffe im Gevaudan gingen aber weiter. Augenzeugen und Überlebende die "das Tier" zu Gesicht bekommen hatten, beschrieben die Bestie als wolfsähnlich mit zotteligem, rötlichem Fell. Es gab zu dieser Zeit im Gevaudan und anderen Provinzen Wölfe, und die meisten hatten zuvor Wölfe gesehen. Es war aber nicht die Rede von einem Wolf, sondern von einem Tier ähnlich einem Wolf. Was es exakt für ein Tier war und was die Hintergründe für die Angriffe war, ob möglicherweise ein menschlicher Serientäter beteiligt war, wird wohl niemals völlig geklärt werden können. Sicher ist jedenfalls, dass für die meisten bestätigten Attacken ein Raubtier verantwortlich war.

    Die meisten Autoren halten es für am wahrscheinlichsten, dass es sich um einen Wolfshybriden handelte. Zuweilen wird die These vertreten, dass es sich um eine Hyäne oder eine Raubkatze handelte. Hyänen, gefleckte wie gestreifte haben schon Menschen getötet und auch verzehrt. Weitaus gefährlicher sind Fleckenhyänen, die alles andere, als feige Aasfresser sind. Streifenhyänen gelten in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets als Aasfresser und feige. In Indien gibt es eine Redensart, dass die gestreifte Hyäne vor ihrem eigenen Schatten Angst hat. Es sind aber aus den 1920er Jahren Attacken vor allem auf Kinder bekannt geworden, und in Anatolien trieb ebenfalls in den 1920ern eine menschenfressende Streifenhyäne ihr Unwesen, deren Opfer vor allem Kinder und Frauen waren.

    Maneater und Mankiller sind unter Wölfen sehr selten, weitaus seltener, als bei Tigern, Leoparden, Löwen, Eisbären, Nil- und Leistenkrokodilen. Dennoch hat es in früheren Jahrhunderten immer wieder solche Fälle bei einzelnen Wölfen zuweilen bei einem ganzen Rudel gegeben. Wolfshybriden sind weitaus aggressiver als Wölfe und sie haben häufig kaum Scheu vor Menschen. In der Bundesrepublik sind die Auflagen für Zucht mit Wolfshybriden so hoch, dass sie praktisch unüberwindbar sind, in den USA war es eine Zeitlang relativ leicht, Hündinnen von Wölfen decken zu lassen.
     
  2. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    ich war ja schon öfter im Gevaudan, wo es übrigens auch einen schönen Wolfspark nördlich von Marvejols gibt und dort beschäftigt man sich natürlich ausführlich mit der Erforschung dieser lokalen Geschichte, so im Museum von Saugues.
    In den örtlichen Quellen und Berichten wird die Größe des Tieres hervorgehoben (die eines einjährigen Rinds) ein Trittsiegel wurde wohl vermessen und war 16,2 Zentimeter lang. Das Tier wurde mehrfach gesehen und weist nach den Beschreibungen nicht die charakteristischen Merkmale eines Wolfes auf.Hier sei auch auf den "Rapport Marin" verwiesen
    Die Vermutungen gehen daher auch in Richtung in Richtung eines Hybriden bzw. eines exotischen Raubtieres ,das aus einer damals gerade in Mode gekommenen Menagerie stammt. Die Anzahl und Auswahl der Opfer (ca 100 mädchen,Frauen und Kinder) und die Art der Tötungen (einige Opfer wurden verstümmelt bzw. enthauptet/gezielte Angriffe ) deuten auf ein dressiertes Tier hin, das auf Anweisung tötete.
    Im übrigen gab es in dieser Zeit auch weitereRaubtier-Angriffsserien änlichen Ausmasses in anderen Gebieten Frankreichs,z.B. im Limousin 1698 bis 1700.
     
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  3. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    Dazu gibt es eine sehr gute Doku vom ZDF aus dem Jahre 2003 ui diesem thema. Wer auf Youtube nach bestia von Givaudon googelt.stößt schnell auf diese Doku.

    mfg
    schwedenmann
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke auch, dass man davon ausgehen kann, dass es sich bei "der Bestie" nicht um einen Wolf handelte. Wölfe waren zu dieser Zeit noch relativ häufig im Gevaudan, und die Bevölkerung kannte Wölfe, die meisten hatten schon mal Wölfe gesehen. Private Menagerien, in denen zuweilen auch exotische Tiere gehalten wurden, waren nicht selten, und dazu kam die gr0ße Beliebtheit von Tierhetzen und Hundekämpfen, für die es in vielen europäischen Städten Arenen oder "Bear Gardens" gab, in denen solche Veranstaltungen stattfanden. Im Englischen hat sich der Ausdruck erhalten, dass es wie in einem "Bear Garden" zugehe und der im Österreichischen oder Bayrischen verbreitete Ausdruck "Hetz" für Freude, aber auch Tumult geht zurück auf die Existenz so einer Arena im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts.
    Hyänen, Flecken- und Streifenhyänen sieht man äußerst selten in westlichen Zirkussen und Varietés. In Westafrika aber gibt es eine Reihe von Gauklern, die dressierte Tüpfelhyänen halten und mit ihnen auftreten. Theoretisch wäre es sicher möglich, eine Hyäne abzurichten. Gleiches gilt auch für Wolfshybriden. In Europa sind Züchtung und Haltung von Wolfshybriden an hohe Auflagen gebunden. In den USA war das dagegen relativ leicht möglich. Vor etwa 30 Jahren wurden in den USA häufig zunächst Huskies und Schäferhunde, später alle möglichen Rassen mit Wölfen gepaart-und zwar nicht nur von den üblichen Verdächtigen aus dem Rotlichtmilieu. Wolfshybriden erfordern eine große Sachkenntnis vom Halter, und mit zunehmendem Alter entwickeln Wolfshybriden oft eine große Aggressivität und sind dann kaum noch zu kontrollieren. Viele Halter entsorgten ihre Wolfstölen dann einfach in die Wildnis. Teilweise mit fatalen Folgen. Wolfshybriden haben keine Scheu vor dem Menschen, es kam schon häufig zu Attacken auf Menschen und Hunde.

    Halbverwilderte Hunde, wie man sie in Indien und anderen Staaten des Nahen Ostens häufiger sieht, sind keinesfalls zu unterschätzen. Bei einem Türkeiaufenthalt als Grabungshelfer wurden wir gewarnt, alleine das Camp zu verlassen. Nahe den Ruinen des Men-Heiligtums-einer altphrygischen Mondgottheit wurden wir von ca. 30-40 Kötern regelrecht belagert, nachdem zwei oder drei aus unserer Gruppe so unvernünftig waren und die Hunde gefüttert hatten.
     

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