Wiener Kongress - Bewertung und Vergleich mit Versailler Vertrag

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von Johanna33, 5. Mai 2014.

  1. Johanna33

    Johanna33 Neues Mitglied

    Hallo :)
    ich bin neu hier im Forum. Ich bereite im Moment meine Präsentation für meine Abiturprüfung in Geschichte vor. Das Thema ist der Wiener Kongress und ich bin auch schon ziemlich weit. Ich hätte zu zwei Sachen aber eine Frage. Würde mir sehr helfen wenn ich da ein paar Denkanstöße bekommen könnte.

    1. Ist durch den Wiener Kongress eine Gelungene Neuordnung Europas entstanden?

    2. Unter was für Gesichtspunkten kann ich den Wiener Kongress mit dem Versailler Vertrag vergleichen??

    Lg Johanna
     
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Eine Möglichkeit wäre, wie man jeweils mit den Verlierernationen umgegangen war.
     
  3. excideuil

    excideuil unvergessen

    Der letzte Satz in Duchardts Buch [1] ist:
    "Aber wann können Friedenskongresse überhaupt jemals alle Hoffnungen erfüllen?"
    Die Fragestellungen impliziert, dass es an den Ergebnissen des Wiener Kongresses manches zu kritisieren gab/gibt. Dennoch bleibt, dass - bezogen auf die hist. Situation - ein beachtliches Ergebnis erzielt wurde: ein viele Jahrzehnte haltendes Gleichgewicht zwischen den Großmächten.
    Insofern ist die nachnapoleonische Neuordnung Europas gelungen.

    Der Weg dahin brauchte lange Monate. Ausgangspunkt war die Niederlage Napoleons und die damit notwendige Neuverteilung der franz. beherrschten Gebiete. Sofern nicht bereits im Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 niedergelegt, sollte dies in Wien stattfinden. Die Alliierten (GB, Rußl., Österre. und Preußen) behielten sich vor, dies unter sich - ohne Frankreich - zu tun. Im Verlauf des Kongresses wurde deutlich, dass die 4 sich nicht einigen konnten (Polen, Sachsen), eine 5. Großmacht zur Lösung der Konflikte nötig wurde. Um die Jahreswende 14/15 roch es gar nach einem neuerlichen Waffengang. Damit kam Frankreich - als Verlierer - wieder ins Spiel und ein für alle Großmächte akzeptables Ergebnis konnte erzielt werden.
    Ich bin kein Experte des Versailler Vertrages. Turgots Beitrag verstehe ich daher so, dass das Deutsche Reich von den Verhandlungen ausgeschlossen war, während Frankreich im April/Mai 1814 in der Person Talleyrands am Verhandlungstisch saß und einen sehr maßvollen 1. Friedensvertrag für Frankreich aushandeln konnte.

    Für den Wiener Kongress galt dies nicht. Z.B. dem König von Sachsen - als Verlierer - wurden die Bedingungen zum Erhalt seines Königreiches diktiert.

    Auch für Frankreich sollte es nach der Rückkehr Napoleons von Elba härter kommen. Auch hier erfolgte mehr oder minder ein Diktat, welches Talleyrand nicht akzeptierte. Allein der duc de Richelieu, sein Nachfolger und ein Vertrauter des Zaren, konnte marginale Erleichterungen erwirken.

    Insgesamt halte ich aber für schwierig, den Wiener Kongress mit dem Versailler Vertrag vergleichen zu wollen. 1814/15 war mit Ausnahme von GB keiner der Vertreter der Großmächte an innenpolitische Zwänge wie öffentliche Meinung, Parlament oder die Notwendigkeit, wiedergewählt zu werden sondern an ihren Monarchen gebunden. Damit mussten nicht maximale Einzelforderungen im Vordergrund stehen.

    Grüße
    excideuil

    [1] Heinz Duchardt: Der Wiener Kongress: Die Neugestaltung Europas 1814/15, C.H. Beck, München, 2013, Seite 120
     
  4. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Definiere "gelungen".
    Und was ist "neu" an der Ordnung Europas? Vergleiche das Ergebnis mit dem Anfangszustand. Wo ist der Anfangszustand? 1783? 1789? 1792? 1803? 1805? 1809? 1812?
    Stichworte "Heilige Allianz", "Metternich", "Biedermeier", "Kotzebue", "Hambacher Fest", "Monroe Doktrin"

    Bedeutung für die (europäischen) Großmächte. Bedeutung außereuropäischer Mächte. Rolle für Verfassung sowie innenpolitische Stabilität der von der Friedens(un)ordnung betroffenen Länder, "Selbstbestimmungsrecht der Völker". "FRIEDENSordnung"? Ggf. ist auch zu betrachten, in welchem gesamtpolitischen Rahmen der Wiener Kongress bzw. der Versailler Vertrag standen und durch wen oder was die einzelnen Delegationen (nicht) legitimiert waren.

    @1 und 2: "Völkergefängnis"
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Mai 2014
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  5. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Du hast mich vollkommen korrekt verstanden.
     
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  6. Johanna33

    Johanna33 Neues Mitglied

    Danke erstmal , hat mir auf jeden Fall gut geholfen :)
    Ich bin nun dabei meine Präsentation fertigzustellen und überlege was ich für ein Bild auf das Deckblatt setzte. Das Thema ist der Wiener Kongress und die Frage ob die Neuordnung gelungen war oder nicht. Ich hab überlegt einfach ein Bild von dem verhandelnden Mächten zu nehmen oder eine Karikatur. Hat jemand vielleicht eine bessere Idee? :)
     
  7. excideuil

    excideuil unvergessen

    Zu Bildern zum Wiener Kongress gibt es eine große Auswahl:

    wiener kongress - Yahoo Suche Bildsuchergebnisse

    Deine Idee, ein Bild der Mächte zu wählen, die verhandelt haben, klingt vernünftig, weil dieses Bild:

    WK 8 Mächte.jpg

    sowohl die Vertreter der 5 Großmächte abbildet als auch die der 3 anderen Staaten (Spanien, Portugal, Schweden), die den 1. Pariser Friedensvertrag unterzeichnet haben, der den Wiener Kongress einberief.
    Zumindest wissen solltest du, dass die abgebildete Versammlung so nie stattgefunden hat.

    Mein Favorit ist eine Karikatur, und dies nicht nur, weil weniger Personen sichtbar sind:

    WK Karikatur.jpg

    Hier wird nicht nur der "tanzende Kongress" karikiert sondern auch ein paar Probleme des Kongresses dargestellt:

    Ganz links Fürst Talleyrand, der kühl auf seine Chance wartet, dann der eher sachliche Lord Castelereagh, es folgen die tanzenden Monarchen Franz I., Alexander I. und Friedrich Wilhelm III., dann der um seine Krone bangende/sich klammernde Friedrich August I. von Sachsen. Zuletzt die (springende) Republik Genua, die ihre eigentlich zugesagte Unabhängigkeit verliert und Sardinien zugeschlagen wurde.

    Grüße
    excideuil
     

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