Wieso nutzten die Germanen nicht römische Bauwerke?

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Skald, 24. März 2009.

  1. friloo

    friloo Mitglied

    Meiner Meinung nach passte es einfach nicht zur Lebensweise der Germanen, die überwiegend Landwirtschaft betrieben. Wie schon mehrfach erwähnt holten sie sich die "Rindviecher ins Haus", so ein Stall voll Kühe (da reicht ein kleiner Stall mit 5-6 Kühen) hat eine enorme Heizwirkung. Im 19. Jahrhundert wurde noch so gebaut, das die Schlafzimmer über dem Kuhstall lagen. Bin selbst auf so einem Bauernhof geboren und auf einem kleineren (genauso gebauten) aufgewachsen. Meine Oma konnte, als die Landwirtschaft aufgegeben worden war, ihr Schlafzimmer nicht mehr nutzen, es war einfach zu kalt darin.

    Übrigens wurden nur Rinder und Pferde "im Haus" untergebracht. Die liefen natürlich nicht im Wohnzimmer rum aber es war unter demselben Dach und der Stall war durch das Haus erreichbar. Im Winter war die Verbindungstür oft offen um die Kuhwärme ins Haus zu lassen.

    Das diese Bauweise germanischer Höfe sehr alt ist und schon zur Römerzeit praktiziert wurde ist bekannt. Damals waren die Häuser nicht aus Stein und nicht mehrstöckig aber Kuhstall und Wohnung waren unter einem Dach.

    Warum sollte man bei dieser Lebensweise sich an eine fremde Lebensweise gewöhnen und auch noch Arbeitskräfte für Beschaffung von Holz und Befeuerung der Bodenheizung bereitstellen?

    In meinem Geburtshaus (für damals ein großer Hof) gab es genau 3 Öfen. Der Hauptofen wurde von der Küche aus befeuert, wirkte im Wohnzimmer (hieß damals Stube) als Kachelofen und beheizte als Kachelofen auch noch den Gang (heute würde man Flur sagen), der 2. Ofen war der Küchenherd und einen 3. Ofen gab es im Bad zur Heiswasserbereitung zwecks Körperreinigung. Das heiße Wasser für die Küche wurde in einem Nebenfach des Küchenherds (im Schäpfle) nebenbei mit erwärmt.

    So ähnlich sparsam werden auch unsere Vorfahren gedacht haben, für den Wohnbereich brauchten sie wohl nur den Küchenherd, 1. weil die Häuser kleiner waren, 2. lief da kein Mensch im Winter zuhause mit nem T-Shirt rum. Wenns hochkam hatten die vielleicht 15°C in der Bude, das waren sie gewöhnt.
     

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