Wilhelm II. und die SPD

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Sandro, 24. Mai 2012.

  1. Sandro

    Sandro Neues Mitglied

    Hey,

    Habe mal ein paar fragen.


    Wie standen die eigentlich in Beziehung zu Wilhelm II., bzw welche Rolle spielten sie im wilhelminischen Reich?
    Eigentlich hatten sie doch nur steigende Wahlergebnisse.. wurden aber trotzdem von Wilhelm II. nicht gern gesehen.
    War dort sonst noch etwas bedeutendes?
    Im ersten Weltkrieg kam es ja dann zur Spaltung der SPD aufgrund der Burgfriedenspolitik oder?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Mai 2012
  2. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Das ist ein mächtiger Wust an Fragen.

    Wilhelm war schon wegen seiner inneren Einstellung für "Ordnung und Sitte" gegen die "gottlose" SPD.
    Allerdings wollte er auch ein Kaiser aller Deutscher, also auch der armen sein. Deshalb wurden unter seiner Herrschaft zahlreiche soziale Reformen erlassen. Hauptgrund dieser war allerdings, der SPD das Wasser abzugraben.

    Kurze Aufzählung:

    1889: Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni (für Arbeiter)
    1890: Aufhebung des Sozialistengesetzes
    1890: Gründung von 31 Versicherungsanstalten – Vorläufer der Landesversicherungsanstalten
    (LVA)
    1891: Auszahlung der ersten Renten an dauernd Erwerbsunfähige und an Arbeiter über 70 Jahre
    1891: Arbeiterschutzgesetz vom 1. Juni (23. Novelle zur Reichsgewerbeordnung) mit Frauenschutz,
    eingeschränkter Nachtarbeit, Sonntagsruhe und Kinderschutz
    1891: Einführung der staatlichen Gewerbeaufsicht
    1891: Zulassung freiwilliger Arbeiterausschüsse in Betrieben
    1891: Verbot der Sonntagsarbeit in Industrie und Handwerk
    1892: Novellierung des Krankenversicherungsgesetzes mit Erweiterungen der Versicherungspflicht
    (Ausweitung auf Familienangehörige)
    1895: Verbot der Sonntagsarbeit für das Handelsgewerbe.
    1899: Invalidenversicherungsgesetz
    1901: Förderung des Arbeiterwohnungsbaus
    1905: Arbeiterausschüsse werden in Bergbaubetrieben zur Pflicht
    1908: Höchstarbeitszeit, keine Nachtarbeit für Frauen und Jugendliche
    1911: Reichsversicherungsordnung (RVO)
    1911: Einführung der Hinterbliebenenrente
    1911: Versicherungsgesetz für Angestellte
    1911: Hausarbeitsgesetz (Regelung der Heimarbeit)
    1916: Herabsetzung des Renteneintrittsalters für Arbeiter von 70 auf 65 Jahre
    1916: Herabsetzung des Renteneintrittsalters für Frauen auf 60 Jahre
     
  3. Sandro

    Sandro Neues Mitglied

    Damit verfolgte er ja einen ähnlichen Kurs wie Bismarck oder?
    Auch Bismarck versuchte durch eine Sozialgesetzgebung der SAP das Wasser abzugraben.
    Unterschied hier ist ja eigentlich nur, dass Wilhelm II kein Sozialistengesetz einführt.
     
  4. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Die SPD stand, zumindest theoretisch, in fundamentaler Opposition zum politischen System des Kaiserreichs. Sie lehnte die monarchische Ordnung ab und forderte die Errichtung einer demokratischen Republik. Dies kam in einer Reihe von praktischen und symbolischen Handlungen zum Ausdruck: Die Sozialdemokraten stimmten prinzipiell sowohl im Reichstag wie in den Parlamenten der einzelnen Länder gegen das Budget, da dieses auch Ausgaben für das Militär vorsah ("Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!"). Die SPD-Abgeordneten verweigerten auch das zur Eröffnung des Reichstags ausgebrachte Hoch auf den Kaiser. Nach dem Ende des Sozialistengesetzes 1890 konnte die SPD ihren Stimmenanteil bei jeder Reichtagswahl mit Ausnahme der von 1907 steigern und wurde 1912 erstmals stärkste Partei im Reichstag.

    Allerdings begann die strikte Oppositionshaltung gegen Ende des Kaiserreichs allmählich zu bröckeln. Schon im Erfurter Parteiprogramm von 1891 stand einer im Wesentlichen marxistischen Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung einer Reihe von konkreten Tagesforderungen (allgemeines, gleiches Wahlrecht im ganzen Reich, Achtstundentag) gegenüber. Diese Spaltung zwischen radikaler Theorie und reformistischer Praxis trat immer deutlicher zutage. Die theoretische Begründung für eine pragmatische Realpolitik wurde als Revisionismus bezeichnet, ihr Haupttheoretiker war Eduard Bernstein. Diese Entwicklung stieß allerdings auf den energischen Widerstand der Parteilinken.

    Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 setzte sich der pragmatische Kurs durch, die SPD stimmte im Reichstag einstimmig für die Kriegskredite (die Minderheit in der Fraktion beugte sich der Parteidisziplin, Karl Liebknecht blieb der Abstimmung fern). Bei den späteren Abstimmungen stimmten jedoch eine wachsende Zahl von Sozialdemokraten gegen weitere Kriegskredite. Sie wurden deshalb aus der Fraktion ausgeschlossen und organisierten sich schließlich 1917 als USPD. Bereits im Frühjahr 1915 hatte sich auf Initiative von Rosa Luxemburg die „Gruppe Internationale“ gebildet, die nach den von ihr herausgegebenen „Spartakusbriefen“ später „Spartakusbund“ genannt wurde und die Keimzelle der KPD bildete.
     
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