Zahnlos in der Arena?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Nergal, 2. März 2011.

  1. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Mal in einer Dokumentation gehört dass den Leuten die zu Damnatio ad Bestias verurteilt wurden, die Zähne gezogen wurden, damit sie die Raubkatzen nicht verletzen konnten.

    Stimmt das?
    habt ihr einen Link bzw. Buchtip dazu?
    habe im www wieder nichts brauchbares gefunden.
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Klar und zur Strafe mussten sie noch den Text für eine Nebenrolle auswändig lernen.

    Wenn Raubtiere verletzt wurden, dann geschah das wohl eher, weil sie sich mit Artgenossen um die Überreste eines Raubtiergelages, z. B. um einen Brocken Christ balgten.

    Da Raubtiere recht teuer waren und sich die Kosten durch steigende Nachfrage und schrumpfende Wildbestände eher steigerten, machte es durchaus Sinn, Kampftiere sparsam bzw. mehrfach zu verwenden.

    Manche Raubtiere trugen offenbar individuelle Namen und manche avancierten gar zu Publikumslieblingen. So erwähnt Junkelmann eine Bärin mit dem Namen Misericordia- die Barmherzige.

    In zeitgenössischen Texten und auf bildlichen Überresten sind die Opfer in der Regel gefesselt.

    Martial berichtet in einem Epigramm von einem Verurteilten, der an ein Kreuz gefesselt von einem Bären zerfleischt wurde. Auf dem Mosaik von Szliten. Sind Verurteilte an Pfähle gebunden oder gefesselt stehen auf Karren, während man Löwen und Leoparden auf sie hetzt.

    In einer Szene kämpfen ein Bär und ein Stier/ Auerochse, die mit einer Kette verbunden sind, während ein nackter Verurteilter offenbar versucht, diese zu lösen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. März 2011
    3 Person(en) gefällt das.
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wie stellst Du Dur das eigentlich vor? Der Löwe wird wohl kaum stillhalten, damit der Verurteilte ihn beißen kann.
     
  4. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Habe mit einem Freund gesprochen der sowas zum Hobby hat.
    Er hat gemeint das gelesen zu haben, und fand auch gleich das Buch dazu.

    Handbuch des nutzlosen Wissens
    von Hanswilhelm Haefs
    bei dtv
    seite 52

    Dort steht man habe die Zähne raugebrochen und die Arme gebrochen.


    Wie glaubhaft das nun ist weiß ich nicht.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine Quelle ist dort wohl nicht zufällig angegeben?
     
  6. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Ein verzweifelter Mensch in Todesangst ist zu vielem fähig. Aber das mit den gezogenen Zähnen ist mir auch neu und erscheint wenig glaubwürdig.

    Ich bin etwas unsicher. Wird der Christ an sich den Bestien angeboten, oder muß man nicht bestimmte Verbrechen dafür begangen haben?
     
  7. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Das ist sein Hobby???
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    In der Anweisung Mark Aurels über den Umgang mit den Christen in Lugdunum hieß es, dass römische Bürger geköpft werden sollten, Nichtrömer den Tieren vorgeworfen. Da reichte also das Christsein offenbar. Die Strafe wurde aber auch für andere Verbrechen angewendet, z. B. für Geldfälschung.
     
  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    LOL.
    @Nergal fange mal tapfer damit an einem Löwen die Zähne zu ziehen.
     
  10. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Selbst wenn er stillhielte ginge es nicht. Der Mensch hat keine Fangzähne, um ein Tier aufzubrechen. Nicht umsonst arbeiten Metzger/Fleischhauer mit scharfen Messern. Eigentlich ist der Mensch ein Aasfresser. So etwas wie ein Raubtier ist er erst, seit er über scharfe Schneidwerkzeuge verfügt.
    Fangzahn ? Wikipedia
     
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ich kann mir nur vorstellen, dass sich das auf eine Stelle bei Sueton beziehen könnte, in der steht, dass Cajus Caligula Zuschauer ,aus Mangel an Verurteilten, den Raubtieren vorwerfen ließ. Zuvor ließ er ihnen die Zungen herausschneiden, damit sie ihn nicht öffentlich verfluchen konnten.
    Ein Mensch kann mit seinem mickrigen Zähnen wahrscheinlich die elastische Haut einer Raubkatze kaum durchdringen. Bei einem Bären würde er nur in dichtes Fell beißen. Ich denke, dass der Autor des Buches Unfug geschrieben hat.
     
  12. tela

    tela Aktives Mitglied

    Bis zu den großen Christenverfolgungen im 3. Jh. reichte es für eine Verurteilung schon aus, wenn man Christ war.

    Ob die Arena dann aber auch das normale Strafmaß war, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
     
  13. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Nein, sondern skurille Sachen aus der Geschichte, und halt foltergeschichten etc.
    Ich bin auch so ähnlich drauf aber eben im Bereich Waffen.
    Habe auch vor ein Buch über die merkwürdigsten Waffen der Weltgeschichte zu schreiben :)
     
  14. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    es gibt ja allerlei literarische Gattungen, aber was ist eine Foltergeschichte???
    hm... könntest mal von Kafka "in der Strafkolonie" lesen
    ...ansonsten gab es da ein Franzosen, adelig, zeitweilig in der Bastille inhaftiert, aber was der so schrieb... :pfeif::pfeif:

    da empfiehlt sich von Arno Schmidt "griechisches Feuer" als Anregung, wie man merkwürdige Waffen gekonnt beschreibt
     
  15. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ich nehme an, dass die Tiere den Einsatz ohnehin nicht überlebten. Es dürfte ziemlich schwierig gewesen sein, sie nach ihrem Mahl einfach wieder einzufangen und aus der Arena zu schaffen. Da werden wohl die Bestiarii oder Bogenschützen den Rest besorgt haben, was zugleich eine weitere makabre Showeinlage darstellte.
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Da wäre ich nicht so sicher. Die Tiere waren nicht billig, ein Tiger muss ein Vermögen gekostet haben.
     
  17. Minotaurus

    Minotaurus Neues Mitglied

    Außerdem war eine solche Fangaktion in einer Arena sicher wesentlich leichter zu bewerkstelligen als in freier Wildbahn. Noch dazu, wenn die Tiere satt waren.
    Hat schon mal jemand einen satten Löwen beobachtet?

    Ansonsten halte ich die Ausgangsfrage für völligen Quatsch, denn für ein solches "Festmahl" dürfte es ziemlich unerheblich gewesen sein, ob der Verurteilte vorher noch Zähne hatte oder nicht.
     
  18. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Wenn man sich aber die Zahlen der getöteten Tiere ,unter Titus oder Trajan anschaut, so war man da nicht knauserig. Tiger waren sicher mit das Teuerste, was man aufbieten konnte aber die waren wohl auch nicht so häufig vertreten. Da die meisten Spiele ohnehin mit Tierhetzen verbunden waren weiß ich nicht, weshalb man zwischen Löwen, die Verurteilte verspeisen und Löwen, die getötet werden sollten unterschieden haben soll.
     
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    ...und sich um einen Brocken Christ stritten. Dafür hat @Scorpio 3x grün verdient.
     
  20. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Der Grund warum wir keine Mordinstrumente bei uns tragen liegt daran das wir das seit Jahrhunderten selbst herstellen.

    Der Mensch ist seit jeher ein Raubtier.
     

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