Zeitliche Abgrenzung Früh-, Hoch- und Spätmittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von timotheus, 3. Juni 2005.

  1. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo miteinander,

    in verschiedenen Diskussionen ist mir aufgefallen, daß manchmal nicht immer Klarheit über die drei hauptsächlichen Epochen des europäischen Mittelalters (Frühmittelalter, Hochmittelalter, Spätmittelalter) herrscht. Das Interessante, was mir anhand verschiedener Literatur auffiel, ist dabei, daß es auch unter Historikern keine ganz eindeutigen Festlegungen zu geben scheint. Zwar werden anhand einschneidender Zäsuren die drei Epochen voneinander schlüssig abgegrenzt, doch es werden mitunter verschiedene Zäsuren als besonders bedeutsam angesehen :grübel:

    Sicher kann man das Ganze auch vereinfachen, und an den Beginn möchte ich deshalb noch einmal die von mir bereits in anderen Beiträgen genannte Einteilung anhand bestimmter Jahrhundertwenden setzen:

    Frühmittelalter 500 - 1000
    Hochmittelalter 1000 - 1300
    Spätmittelalter 1300 - 1500

    Diese Einteilung ist logischerweise
    1. nahezu vollkommen willkürlich
    2. viel zu undifferenziert
    3. deshalb auch nur eine sehr sehr grobe Abgrenzung der Epochen.

    Von daher mag eine solche Abgrenzung der Epochen zwar eine Orientierung (damit man weiß, über welche Zeiten man spricht) und auch hilfreich sein, damit Diskussionen nicht vom eigentlichen Thema weg gehen, aber im Grunde genommen handelt es sich bei der o.a. Grobabgrenzung meinerseits doch eher um ein Hilfskonstrukt als um eine fachliche Grundlage. Deshalb möchte ich in diesem Thema diese Abgrenzungen doch etwas präzisieren... :winke:

    Ich fange mal an und stelle hier ein, was ich dazu gefunden habe bzw. aus eigener Erfahrung (Schule etc.) noch in Erinnerung habe, allerdings lerne ich genausogern auch immer noch etwas hinzu ;)

    In diesem Sinne

    Timo
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2005
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Beginn des (Früh-)Mittelalters

    Es ist sicherlich unbestritten, daß sich das Mittelalter (genauer: das Frühmittelalter) an die Antike anschließt. Hier aber gibt es bereits verschiedene Angaben, die einigermaßen voneinander abweichen :grübel:

    Ich nenne als "Startpunkte" (eigentlich unsinnig, da ja eine Epoche nicht von einem Jahr aufs andere in die nächste übergeht) einmal nur diejenigen, welche in der Schule vermittelt wurden bzw. werden:

    1. Variante:
    Das Mittelalter beginnt mit dem Auslösen der Völkerwanderung durch den Hunnensturm - ergo 375 (Merkzahl "Drei-sieben-fünf, die Hunnen machen sich auf die Strümpf'").

    2. Variante:
    Das Mittelalter beginnt mit dem endgültigen Untergang des Weströmischen Reiches bzw. des Todes von Odoaker - ergo 476 oder 493, wobei man dann auch streiten kann, welches der beiden Ereignisse nun das Einschneidendere in historischer Sicht ist.

    3. Variante:
    Das Mittelalter beginnt eigentlich erst mit der Gründnung des Frankenreiches unter Chlodwig I. - ergo 486.

    Mit 2 & 3 wären wir dann wieder nahe am "Startpunkt" meiner Grobeinteilung vom Anfang (um 500); endgültige Klarheit bringt aber auch das nicht...
     
  3. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Abgrenzung der drei Epochen gegeneinander

    Quelle Fischer Weltgeschichte - Mittelalter und Frühe Neuzeit - Band 1 bis 3

    Fischers Weltgeschichte betrachtet das Ganze in einem gesamteuropäischen Kontext.

    Hier werden folgende Zäsuren als wichtig erachtet:

    Die Wende vom Früh- zum Hochmittelalter liegt im Umfeld des Abendländischen Schismas von 1054 (katholisch vs. orthodox), des beginnenden Investiturstreites (Canossa 1077) und dem Konzil von Clermont 1095, nach welchem der 1. Kreuzzug beginnt.
    Die Wende vom Hoch- zum Spätmittelalter liegt im Umfeld der Krisen des 14. Jahrhunderts: Einleitung des Niedergangs der Ritterheere durch die Schlacht bei Morgarten 1315, die Hungersnot im Abendland 1315/17 und - natürlich - der Pestepidemie 1348/49.
     
  4. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Es geht natürlich auch ganz ausführlich, und selbst diese Abgrenzungen sind durchaus sinnvoll...

    Quelle dtv Atlas Weltgeschichte Band 1

    ACHTUNG!!!
    Um Mißverständnissen vorzubeugen: die Regionen sind meistens mit den heutigen Begriffen benannt - ich weiß selbst, das es bspw. vor 911/19 noch kein Deutschland gab...
    Anm.: Um mir nicht die Finger wundzutippen, habe ich hier abgekürzt - FMA=Frühmittelalter, HMA=Hochmittelalter, SMA=Spätmittelalter

    "Deutschland"
    FMA
    Beginn 375 (Völkerwanderung)
    Ende 911 (Auflösung des Ostfränkischen Reichsteils im Magyarensturm)
    HMA
    Beginn 919 (Deutsche Reichsgründung und König Heinrich I./Ottonen)
    Ende 1268 (Untergang der Staufer)
    SMA
    Beginn 1273 (Ende des Interregnums, König wird von Kurfürsten gewählt)
    Ende 1493 (Entdeckung Neue Welt durch Columbus)

    Frankreich
    FMA
    Beginn 375 (Völkerwanderung)
    Ende 987 (Untergang der Karolinger im Westfränkischen Reichsteil)
    HMA
    Beginn 987 (Beginn der Herrschaft der Kapetinger)
    Ende 1270 (Tod Louis IX. d.Hl.)
    SMA
    Beginn 1285 (Philippe IV. "der Schöne")
    Ende 1498 (Tod Charles VIII.)

    England
    FMA
    Beginn um 450 (Landung der Angeln, Sachsen und Jüten)
    Ende 1066 (normannische Eroberung)
    HMA
    Beginn 1066 (Guillaume I. "der Eroberer" engl.König)
    Ende 1272 (Tod Henry III.)
    SMA
    Beginn 1272 (Edward I.)
    Ende 1485 (Tod Richard III. und damit Ende der Rosenkriege)

    Byzanz
    FMA
    Beginn 395 (Teilung des Römischen Reiches und damit eigenständige Entwicklung des "griechischen" Reichsteils)
    Ende 867 (Tod Michael III./ Ende der Phrygischen Dynastie)
    HMA
    Beginn 867 (Basileos I./ Beginn der Makedonischen Dynastie)
    Ende 1204 (Eroberung und Plünderung Konstantinopels im 4. Kreuzzug)
    SMA
    Beginn 1204 (Lateinisches Kaiserreich und Zersplitterung)
    Ende 1453 (Eroberung Konstantinopels/ Ende des Byzantinischen Reiches)

    Skandinavien
    FMA
    Beginn um 500 (Ansiedlung der Nordgermanen in Dänemark)
    Ende um 900 (erste Reiche unter Großkönigen und Übertritt zum Christentum)
    HMA
    Beginn nach 900 (erste Königreiche Dänemark(935), Norwegen(900) und Schweden(995))
    Ende 1280/1290 (Anpassung der Rechtsformen analog zu denen im westlichen Europa)
    SMA
    Beginn nach 1300 (1319 Magnus Eriksson erster schwed.-norweg. Unionskönig)
    Ende 1523 (Ende der Union von Kalmar)

    Für die lateinischen (Kreuzfahrer-)Staaten des Orients gibt es nur das HMA - dieses dauert von 1099 (Eroberung Jerusalems) bis 1291 (Fall von Akkon).

    Stark davon abweichend ist die Geschichtsschreibung des islamischen Orients, wo man von Muhammad (570 - 632) bis zum Ende der Abbasiden von Bagdad (1258) von FMA spricht, die Zeit der "Fremdherrschaften" (Mameluken, Mongolen) gilt dort als HMA, der Beginn der Osmanischen Herrschaft bezeichnet zugleich den Beginn des SMA, welches danach bis ca. 1660 andauert.

    Nichtzuletzt gibt es im östlichen Europa noch die russische "Sonderabgrenzung":
    FMA beginnt 882 (Begründung der Kiewer Rus durch Oleg d. Weisen) und endet 1245 (Beginn der Mongolenherrschaft).
    HMA ist die Zeit der mongolischen (Fremd-)Herrschaft.
    SMA beginnt 1325 (Ivan I.; mit ihm beginnt Aufstieg und Expansion des Großfürstentums von Moskau) und endet 1613 (Thronwirren werden durch die Dynastie Romanov beendet).

    Die Abgrenzung des Mittelalters an sich ist also schon schwierig, weil von Region zu Region unterschiedlich; wenn es dann in die Epochen geht, wird es noch differenzierter. So sind auch die "Jahreslücken", die manchmal auftreten, zu erklären.

    !!!
    Für das deutsche Hochmittelalter ist übrigens das Jahr 919 als "Beginn" nicht ganz eindeutig, da die Herrschaft der Ottonen einen Konsolidierungsprozeß darstellt, so daß man als Ausgangspunkt - wahrscheinlich sinnvoller - den Beginn der Herrschaft der Salier ansetzen müßte (1024).
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2005
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Und noch eine weitere Abgrenzung habe ich gefunden, dann belasse ich es vorerst dabei ;)

    Quelle Holle Universalgeschichte

    Frühmittelalter
    Aufstieg, Blüte und Verfall des Frankenreiches unter den Merowingern und Karolingern
    Beginn Mitte des 5. Jahrhunderts mit der Herrschaft der Merowinger
    Ende 919 mit der Königserhebung Heinrich I.

    Hochmittelalter
    Das Abendland im Zeichen von Kaisertum und Papsttum
    Beginn nach 919
    Ende 1272 mit Erlöschen des staufischen Geschlechts(Tod des Kaisersohns Enzio)

    Spätmittelalter
    Zerfall der abendländischen Einheit
    Beginn nach 1272
    Ende mit dem Zeitalter der Entdeckungen sprich Columbus

    Wobei hier auch Unterschiede in den Abgrenzungen zwischen politischen und soziokulturellen Aspekten gemacht werden. Interessant ist hier, daß es sich nur auf das Heilige Römische Reich bezieht, und wieder der "Streitpunkt", ob das Hochmittelalter nun mit Ottonen oder doch erst mit Saliern beginnt :grübel:

    Mich würde nun interessieren, ob es noch weitere Abgrenzungsmöglichkeiten gibt... :fs:

    Dank & Gruß

    Timo
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2007
  6. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Aber ist das denn wirklich ein Problem? Oder ist es nicht vielmehr ganz natuerlich? Ich meine, dass machen Deine nachfolgenden Beitraege doch klar, eine allumfassende Einteilung von Epochen (das kann man wohl ganz generell sagen) mit scharfen zeitlichen Abgrenzungen kann es doch eigentlich gar nicht geben und sollte es auch nicht geben, da eine solche Denkweise viel zu starr und verallgemeinernt waere.

    Vielmehr muss man eine soclhe Einteilung immer aus dem Kontext heraus und regional individuell festlegen. Die Entwicklung von politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Epochen verlaeuft oft nicht parallel, sondern zeitversetzt, mal eilt das eine vorraus, mal das andere und regional kann es dann wieder ganz anders aussehen.

    Starre Epochen Abgrenzungen braucht man nur als Hilfsmittel in bestimmten, nicht inhaltlichen Zusammenhaengen. Zur Kapitelunterteilung in einem Buch, zur Abgrenzung von Kursen an der Uni oder in der Schule. Diksutiert man aber ueber die Geschichte selbst, dann muss man etwas flexibler sein.
     
  7. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    "Aber ist das denn wirklich ein Problem? Oder ist es nicht vielmehr ganz natuerlich? Ich meine, dass machen Deine nachfolgenden Beitraege doch klar, eine allumfassende Einteilung von Epochen (das kann man wohl ganz generell sagen) mit scharfen zeitlichen Abgrenzungen kann es doch eigentlich gar nicht geben und sollte es auch nicht geben, da eine solche Denkweise viel zu starr und verallgemeinernt waere."

    Ja, richtig, zumal die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter keine ist, die von den Zeitgenossen so empfunden oder an bestimmte Ereignisse geknüpft wäre, sondern eine, die sich die Forschung ausgedacht hat. Und da spielt eine gewisse Systematik schon eine Rolle.
    Deine erste Einteilung (FMA 500 - 1000, HMA 1000 - 1300, SMA 1300 - 1500), wäre auch die, die ich spontan für Deutschland runtergebetet hätte. Von daher finde ich, dass deine Einteilung in Länder sehr interessante Sachen zeigt: besonders bei Byzanz - setzt sich da nicht die "Antike" auch noch bis ins hohe Mittelalter fort (kaum verändertes System, weiterhin hoher Zivilisationsgrad, einige seit Justininian unveränderte Einrichtungen)? Oder Italien - was noch in deiner Liste fehlt - kann man in Italien von einem Spätmittelalter sprechen, angesichts der zivilisatorischen Entwicklungen im 15. Jahrhundert, die schon sehr früh in die Neuzeit weisen?
    Ein weiterer interessanter Ansatz, über den ich las und der mir gut gefällt, ist, dass Mittelalter schon in der Herrschaftszeit Konstantins anzusetzen. Zwar würde das noch mehr Verwirrung stiften, doch es ist m.E. unbestreitbar, dass einige Entwicklungen im spätrömischen Kaiserreich direkt ins Mittelalter weisen.
     
  8. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Bei Byzanz spricht man deshalb auch besser von Früh-,Mittel-und Spätbyzantinischer Epoche. Übrigens genau in den Zeiten, die timo genannt hat.

    Im Falle von Italien würde ich das Frühmittelalter sogar erst nach dem Tod von Theoderich ansetzen, der eigentlich noch zur Spätantike gehört. Das Frühmittelalter Italiens setzt dann mit den Justinianischen Gotenkriegen ein und geht bis zur Kaiserkrönung von Otto I. Das Hochmittelalter umfasst dann die Epoche der Ottonen, Salier und Staufer, in Süditalien ist dies die Zeit des Endes der Byzantinerherrschaft und des Normannenreiches, welches dann an die Staufer fällt. Das Spätmittelalter Italien zu definieren fällt dann tatsächlich schwer, weil hier Spätmittelalter und Renaissance fast nahtlos ineinander übergehen. Politisch hat man aufgrund der Zersplitterung nur noch wenig Anhaltspunkte.
    Kulturell bezeichnet man beispielsweise schon Giotto (1267-1337) als Vater der Renaissance.
    Etwa 1420 muss man wohl das Ende des Spätmittelalters und des Beginn der Renaissance in Italien ansetzen. Das deckt sich etwa mit der wiederhergestellten Einheit der Christenheit, der Rückkehr der Päpste nach Rom und dem Aufstieg der Medici.
     
  9. da Pery

    da Pery Neues Mitglied

    das ende des Spätmittelalter wäre auch in dem sinne interessant weil daran die neuzeit anknüpft... d.h. dass das ende des mittelalters von dem anfang der neuzeit bestimmt wird...

    bei uns in der geschichtlichen fakultät in dresden werden dafür die daten 1555 augsburger reli-frieden oder 1648 westfälischer frieden/ ende des 30. krieges als fixpunkt genommen...

    drum dessen geht bei uns die mittelalterliche geschicht (die fakultät) bei den themen bis zu diesen zeitpunkten...
     
  10. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Laien-Leo persönlich hätte das ehrlich gesagt etwas früher "verzeitet". So in etwa Mitte 15.Jahrhundert, Beginn 16. Jahrhundert. (Wegen der technischen Innovationen, Entdeckung Amerikas, Reconquistaende etc...)
     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo,

    freut mich, daß Ihr das Thema zumindest nicht für ganz überflüssig haltet; leider konnte ich noch nicht eher antworten :winke:

    @manganite:
    Natürlich ist das kein Problem i.d.S., und ich habe auch persönlich kein Problem damit.
    Daß es ein Hilfsmittel ist, hast Du vollkommen richtig bemerkt, denn das sehe ich ganz genauso - aber eben eines, daß mE nach ab und an bemüht werden muß, wenn "wir moderne Menschen" über diese Zeiten sprechen.
    Die Spezifik regionaler und zeitversetzter Unterschiede ist mir ja auch seinerzeit beim Durchlesen des dtv Atlas deutlich geworden.
    Daß es bei den meisten Dikussionen mehr Flexibilität erfordert und derartige Abgrenzungen dann eher stören, ist ebenso klar; dennoch ergeben sich nach den genannten Zäsuren schon einige signifikante Veränderungen (z.B. Politik & Gesellschaft im HRR nach dem Interregnum), welche mitunter in Diskussionen wieder eine Rolle spielen.

    @Ashigaru & Andronikos:
    Klar; die Menschen jener Zeit empfanden es nicht so: sie wußten ja nicht einmal, daß sie im Mittelalter lebten, da dieser Begriff ja erst in der Neuzeit geprägt wurde.
    Deine Hinweise bezüglich Italien sind richtig, und diesen Betrachtungsraum habe ich bspw. ausgelassen, weil dort meiner Meinung nach die Antike viel weiter nachreicht und die Renaissance um einiges früher einsetzt als im "Rest" des westlichen Europas.
    Konstantin d. Gr. als "Startpunkt" des Mittelalters - klingt auch interessant; würde vor allem von kirchengeschichtlichen und -politischen Geischtspunkten her sogar Sinn machen.

    @da Pery:
    Interessant, den 30-jährigen Krieg kannte ich nämlich bislang immer als Endpunkt der Renaissance - und die Zeit danach ist dann die absolutistische (Barock-)Ära (sorry für diese Handmade Bezeichnung). Und mit der Renaissance beginnt ja bekanntlich normalerweise bereits die Frühe Neuzeit...

    @alle:
    Der Ausgangspunkt bzw. die Intention war ja wirklich nicht, daß ich jetzt unbedingt in jedem Thema oder jedem Beitrag im Komplex "Mittelalter" darauf "herumreiten" will, sondern vielmehr, daß eine Orientierung manchmal ganz nützlich bzw. eine gewisse Systematik schon relevant sein kann.
    Und eben weil man sich über die Zäsuren selbst in der Fachwelt nicht ganz einig ist, habe ich dies hier einfach einmal aufgeworfen ;)

    Auf jeden Fall vielen Dank für Eure Beiträge; die waren allesamt äußerst aufschlußreich :hoch:

    Dank & Gruß

    Timo
     
  12. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Aber wir wissen genau, dass wir in der Neuzeit leben oder doch in der 'Postmoderne'... Irgendwie schon verrueckt, oder?
     
  13. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Ich würde mal fast behaupten wollen, dass nachfolgende Generationen unsereins nicht mehr in die "Neuzeit" schieben werden. Irgendwie gabs mir da in den letzten 100 Jahren zuviel Erfindungen und Veränderungen.
     
  14. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Also doch die "Postmoderne" :)
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Sicher ist das verrückt :cool:
    Wir meinen, daß wir in der "Postmoderne" leben - obwohl auch das manchmal wohl Ansichtssache ist :grübel:
    Aber zurück zum Mittelalter: ich denke, der Ausgangspunkt dieser Abgrenzung einzelner Epochen - oder von mir aus auch Sub-Epochen(?) - ist darin zu sehen, daß man irgendwie schon richtig erkannt hat und demzufolge charakterisieren bzw. abgrenzen kann:
    Frühmittelalter = die Zeit der Herausbildung der Gesellschaft des Mittelalters und ihre Konsolidierung
    Hochmittelalter = die hohe Zeit der "klassischen abendländischen" Gesellschaft des Mittelalters
    Spätmittelalter = die Zeit der vollen Blüte dieser Gesellschaft, ihre Krise und schließlich ihr Niedergang
    Auch das ist natürlich wieder mit eigenen Worten recht vereinfacht und pauschalisiert ausgedrückt :S
     
  16. da Pery

    da Pery Neues Mitglied

    es geht ja auch um eine einteilung im sinne der historischen teilwissenschaften...

    im grossen und ganzen teilr man (zumindest an den unis von leibzig und dresden) grob in:

    Alte Geschichte
    Mittelalterl. Geschichte
    sowie Neuere und Neuste Geschichte

    dazu kommen die sonder histor. teilwissenschaften (wie wirtschafts- und sozialgeschichte, technik ge., landesgeschichte etc.pp.)

    die 3 oben genannten hist. teil-wissenschaften begründen auch die großen institute/ fakultäten...
    wobei dann die epochen noch unterteilt werden können... bei der alten geschichte können jedoch noch eine prähist. vorgesetzt werden... aber das je nach lust und laune...



    die frage ist hierbei welche fixpunkte man wählt... kunstepochen wie du... oder eher schlachten bzw. kriege... oder wechsel von herrscherhäuser... große männer oder frauen... und dies dürfte sicherlich von land zu land und kultur zu kultur unterschiedlich sein...

    für uns dürften wohl mitteleuropäische fixpunkte am maßgebenden sein... drum dessen weiss ich nicht ob ein ital. thema so interessant ist...
     
  17. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ende des (Spät-)Mittelalters

    Nun ja, da Pery, ich fand diese "Festlegung des Endpunktes" des (Spät-)Mittelalters ja insofern interessant, weil gewöhnlich oftmals andere Ereignisse angesetzt werden, die z.B. mit Kunstepochen gar nichts zu tun haben. Ich habe mich mit "Renaissance" und "Barock" da selbst ein wenig drauf eingeschossen; vielleicht hätte ich sagen sollen "Zeitalter der Glaubensspaltung" sowie "Absolutismus" ;)

    Hier auf jeden Fall noch die mir bekannten "Eckpunkte":

    1. Variante
    Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg und damit verbunden eine Revolutionierung der Verbreitung von Schriften - ergo um 1450

    2. Variante
    Die Entdeckung der Neuen Welt durch Columbus (bereits angesprochen) - ergo 1492/93

    3. Variante
    Luthers Thesenanschlag, der den Beginn der Reformation darstellt und damit eine kirchengeschichtlich bedeutsame Zäsur ist - ergo 1517
     
  18. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Variante 4:

    Der Tod von Kaiser Maximilian (dem letzten Ritter), der als letzter Herrscher des Spätmittelalters betrachtet werden kann, auch von seinem Selbstverständnis her und der Beginn der Herrschaft von Kaiser Karl V. also 1519, was auch fast mit der Reformation zusammenfällt.

    Letztlich ist es wohl sowieso die Kombination verschiedener, parallel ablaufender Entwicklungen.
     
  19. da Pery

    da Pery Neues Mitglied

    Variante 4: hmmm... naja die frage nach dem letzten ritter is ne sache für sich... un eigentlich ein eigener streitpunkt... :D drum wäre es schon ein wenig glatteis auf dem du dich begibst...

    Variante 3: nach am ehesten ein thema... wobei ja 1555 und 1648 direkt daraus resultieren und die fortführung bzw. das ende bilden...

    Variante 2: da beginnt ein noch größeres und dunkleres kapitel... für mich teifstes mittelalter

    Variante 1: reale Buchdruck beginnt auch erst später... und 1450 ist wie varainte 2 ganz finster...


    irgendwas aufklärerisches wäre doch ganz nett... sooo hm hobbes, spinoza, descarte oder bodin... :rolleyes:
     
  20. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Das mit der gleichbedeutenden Verwendung von "finster" und "mittelalterlich" ist wieder eine ganz andere Sache und hat ebenfalls schon zur Genüge Stoff für Historikerwerke wie auch für Diskussionen hergegeben.
    Ich persönlich tendiere ja stark zu der Ansicht, daß die Kombination aus mehreren (wenn nicht gar allen) der genannten Punkte die Wende vom (Spät-)Mittelalter zur (Frühen) Neuzeit ausmacht.

    Die Entdeckung - eigentlich ja Wiederentdeckung - der Neuen Welt durch Columbus (und einige andere bedeutende Seefahrer, welche leider oftmals an der Stelle unterschlagen werden) brachte eine Erweiterung der bis dahin bekannten Welt. Diese Entdeckungen (zumindest von Spanien und Portugal aus) wie die sich anschließende Conquistadorenzeit wurden - wie Leo als weiteren Punkt anfügte - wiederum durch den "erfolgreichen" Abschluß der Reconquista möglich. Oder bringe ich da jetzt etwas durcheinander?

    Der endgültige Untergang der Ritterheere (ein langwährender Prozeß) führte auf militärischem Gebiet zu tiefgreifenden Veränderungen.

    Der Beginn der Reformation - wie schon erwähnt - brachte kirchengeschichtlich und kirchenpolitisch eine neue Entwicklung. Hier muß noch hinzugefügt werden, daß es neben Luther noch andere bedeutende Reformatoren gab (z.B. Calvin), und ebenso, daß die Reformation räumlich doch relativ begrenzt blieb. Schließlich blieben Länder wie Spanien, Portugal und Italien von ihr doch eher unberührt...

    Die Entwicklung des Buchdrucks (natürlich nicht festzumachen am Jahr 1450, sondern wieder als Prozeß) muß dann sicher im Kontext der frühkapitalistischen Entwicklung betrachtet werden. Das wiederum führt zu einem weiteren Aspekt, den ich bisher ganz unterschlagen hatte, und den man auch gewiß nicht an einer Jahreszahl festmachen kann: die im 15. Jh. erfolgte starke Entwicklung von Handel und Gewerbe. Beides gab es zwar - im Gegensatz zum Druck mit beweglichen Lettern - bereits vorher, jedoch nahm es zur besagten Zeit einen bis dahin nicht gekannten Aufschwung.

    Von daher denke ich, daß es eher das Zusammenwirken mehrerer Faktoren macht bzw. das Wirken bestimmter dieser Faktoren in unterschiedlichen Bereichen und Gebieten.

    Danach wäre der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit dann schon um das Jahr 1500 auszumachen (übrigens ein Kompromißjahr, auf welches sich wohl verschiedene Historiker geeinigt haben). Daß die Einteilung im Sinne der Historischen Teilwissenschaften da weitaus stärker differenziert, liegt auf der Hand...

    Dennoch lasse ich mich gern auch korrigieren, sofern dies nicht stimmt :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2005

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