Die sowjetischen Uboote während der Kuba-Krise

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von thanepower, 19. November 2015.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Hi, vielen Dank für diese Darstellung. Interessanterweise geht Fitzpatrick in "On Stalins team" in der "Conclusion" auf diese Problematik ein.

    Der traditionelle Narrativ - und Lewin steht für diese Sichtweise - ging von einem klassischen "Alleinherrscher" aus und es wurde sein Charisma, der Kult um seine Person und seine administrative Omnipotence und -präsenz in den Vordergrund gerückt. "Stalin war es" in etwa so wie der auch beliebte Narrativ "Hitler war es".

    In dieser Sichtweise aus dem KK wurde seinen "cronies", der "Entorage", dem "Clan" oder den "Fraktionen" (wie Lenin sie noch im Rahmen des "faction-ban" benannt hatte) lediglich ausführende Funktionen zugewiesen und das eigenständige Machtpotential übersehen.

    Diese Sichtweise ist in der neueren Geschichtsschreibung einer Revision unterzogen worden, die an den Begriff des "Roten Hofes" von Simon Sebag Montefiore anknüpft. Bei Montefiore ist allerdings die Dimension der kollektiven Herrschaft nicht vertieft worden.

    Die veränderte Sicht wurde maßgeblich durch Chlewnjuk "Das Politbüro. Mechanismen der Macht in der Sowjetunion der dreißiger Jahre" angestoßen. Seine Analyse legte offen, dass die "Magnate" Stalin`s ihre spezifische Machtbasis aus dem sowjetischen Regierungsapparat und der Parteiorganisation ziehen konnten.

    Es war zudem Arch Getty, der Lewin kritisierte und ausführte: "pointing out that the inner circle members were powerful politicians in their own right, ....they collectively ran the country, with Stalin intervening by letter and telegram only on minor issues (Fitzpatrick, S. 272)

    Ab ca. 2005 schloss sich Chlewnjuk zunehmend der Sicht von Arch Getty an und sah weiterhin in Stalin den Diktator - als unumschränkter letzter Entscheider - aber er schrieb: "We can identify the formation of quasi-collective mechanisms of decision-making as evidence of the emerging oligarchisation of power in the last years of Stalin`s life" (zitiert in Fitzpatrick, S. 272)

    In diesem Sinne wies der Modus operandi, über den die administrative Arbeit im Kreml organisiert wurde, so der Konsensus von Wheatcroft, Chlewnjuk, Arch Getty und Fitzpatrick Parallen in den Abläufen auf, wie sie für westliche Regierungschefs und ihre Kommunikation mit ihren Fachministern auch zu erkennen sind. (Fitzpatrick, S. 273)

    Dieses Modell erklärt deutlich angemessener die komplexen administrativen Anforderungen, die an die Regierung eines so großen Reichs wie der UdSSR gestellt waren.

    Für diese "administrative" Erklärung der Zusammenarbeit zwischen Stalin und seinem inneren Zirkel sprechen beispielsweise auch die Quellenbelege, wie beispielsweise die Korrespondenz von Stalin mit Kaganovich. Und es wird deutlich, wie pragmatisch und trivial die Probleme waren, die das tägliche Geschäft definiert haben.

    In diesem Sinne geht die aktuelle Sicht von einer oligarchischen Herrschaftsstruktur im Kreml unter Stalin aus, ohne seine zentrale Dominanz als finaler Entscheider - so er entscheiden wollte - in Frage zu stellen.

    Link Fitzpatrick
    https://books.google.de/books?id=HAIACQAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=on+stalins+team&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=on%20stalins%20team&f=false

    Link zur Stalin Kaganovich Correspondence
    https://books.google.de/books?id=x3s8o6KL-HkC&printsec=frontcover&dq=the+stalin+kaganovich+correspondence&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwik0o2Oh-DQAhWMDCwKHTyWB0kQ6AEIHTAA#v=onepage&q=the%20stalin%20kaganovich%20correspondence&f=false
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Dezember 2016
  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Thane, das wär wirklich einen eigenen Threat wert.
     
  3. hatl

    hatl Premiummitglied


    Entscheidungsgewalt über Nuklearwaffen

    ..
    Ich bin über ein seltsames Dokument gestolpert.
    http://nsarchive.gwu.edu/nsa/cuba_mis_cri/621027 Ciphered Telegram No. 20076.pdf
    Am 27. Oktober wird eine chiffrierte und geheime Nachricht von Moskau nach Kuba gesendet.
    Der Absender ist der Verteidigungsminister der UdSSR, der Empfänger der Oberbefehlshaber der sovietischen Streitkräfte auf Kuba.
    '.. wir bekräftigen entschieden, dass es Dir nicht gestattet ist Nuklearwaffen … ohne Befehl aus Moskau einzusetzen.

    Bestätige den Empfang.'
    ..würde ich mal so aus der Übersetzung übersetzen.
    Ja war es ihm denn vorher gestattet? Oder bestand Gefahr, dass er solches annimmt?
    Oder hat man sich nur noch einmal vergewissert, dass der stressgeplagte „Comrade PAVLOV“ keinen Mist baut?
    Wie war die Autorisierung des Einsatzes von sovietischen Nuklearwaffen im Krisengebiet organisiert?

    Thane hat vorher schon darauf hingewiesen und silesia mit Savranskaya,
    die speziell die Frage der Autorisierung des Einsatzes der 4 Foxtrott Nukleartorpedos mit dem Ergebnis beleuchtet, dass die betreffenden Dokumente nicht zugänglich seien und man es nicht wisse.

    Schade, schade.
    Mei, manchmal besteht die Erkenntnis in der Einsicht des eigenen Unverständnisses.
    Auch wenn es schwerfällt.
    Dabei wär das grad so eine spannende Frage.
     

Diese Seite empfehlen