Gibt es ein "ältestes" Volk Europas? Welches wäre das?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Calibra, 16. Juni 2008.

  1. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Das ist völlig unbestritten. Zwar gab es zahlreiche Versuche, das Baskische einer Sprachfamilie anzuschließen, jedoch blieb das erfolglos.

    Das ist eine Hypothese, die vielfach vertreten wird. Ich habe dazu eine ganze Reihe von Texten zitiert, deren Verfasser diese Meinung vertreten.

    Theo Vennemann ist der Meinung, dass vor 7000 Jahren in weiten Teilen Europas Sprachen gesprochen wurden, die zu einer Sprachfamilie gehören, deren letzte Überlebende die baskische Sprache sei. Erst nachdem sich die indogermanischen Sprachen im 3. Jahrtausend v. Chr. in Europa ausgebreitet hatten, dominierten diese die Sprachlandschaft Europas.

    Ich kann allerdings nicht glauben, dass Europa von nur einer Sprachfamilie beherrscht wurde. Bestimmt gab es zahlreiche sehr unterschiedlich Sprachen. Dass Baskisch - bzw. sein sprachlicher Vorläufer - der Rest einer vorindoeuropäischen Sprache sein könnte, ist zumindest eine plausible Hypothese.

    Das ist denkbar. :)
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Gerade kommt mir so ein Gedanke.

    Das Baskische wurde ja schon mit mehreren Sprachen in Verbindung gebracht, was dann wieder aus verschiedenen Gründen verworfen werden müsste. Aber wenn wir davon ausgehen, dass das Baskische z.B. viel aus dem Keltischen, Lateinischen, Iberischen, Punischen und welche Sprachen sonst in Betracht kommen einfach aufgrund von Kontakten aufgenommen hat, müsste doch vor der Zuordnung der Baskischen Sprache zu einer Sprachfamilie stehen, diese ähnlichen Bestandteile nach und nach auszusondern, um schauen, was dann übrig bleibt. Also zunächst was im Mittelalter dazu kam: Französisch, Provencalisch [Wie kriege ich den Haken an das c?], die Spanischen Sprachen/Dialekte, die Sprache der Inselkeltischen Einwanderer. Dann natürlich was an Latein, Phönizisch (und damit auch Hebräisch) sowie Griechisch erinnert. Erst dann könnte man doch schauen, wie sehr die Ähnlichkeiten zu Kelten oder Iberern wirklich sind.

    Hat man etwas in diese Richtung schon versucht und ist es aufgrund des Kontaktes zur gleichen Sprachfamilie zu Unterschiedlichen Zeiten (z.B. für die Keltische Sprachfamilie) überhaupt erfolgversprechend?

    Jedenfalls kann ohne eine solche Analyse doch wohl nur ein Zufallstreffer zum Ziel führen, der dann aber wohl wieder auf Unmöglichkeiten stoßen wird. Oder liege ich da komplett falsch?
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Soweit ich den Wiki-Artikel verstehe, versuchen die Verwandtschaft mit anderen Sprachen schon Philologen (auch selbst ernannte) schon seit längerem nachzuweisen. Das Resultat bisher: nix

    Baskische Sprache – Wikipedia

    Haken reinschrauben, dann paßt es schon. Alternativ kann man auch ALT +0231 drücken: ç
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das bestreitet niemand.
    Mit dem Alter einer Sprache hat das nichts zu tun.
    Wer keine Geschwistern oder Vettern hat, ist deswegen nicht älter als jemand, der aus einer kinderreichen Familie stammt.

    "Abspaltung" ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck - es handelt sich um eine lange Entwicklung. Wenn wir aber von "Abspaltung" reden wollen, dann hat sich das Baskische nachweislich von einer Vorgängersprache, nämlich dem Aquitanischen, "abgespalten".

    Wenn man den Fehler vermeidet, das Baskische mit seinen Vorgängersprachen gleichzusetzen, dann sollte meine Argumentation eigentlich verständlich sein.

    Ich verstehe, was Du meinst, die Bezeichnung "älteste" Sprache ist trotzdem fehl am Platz. Eine Sprache wird nicht jünger, wenn ihre Sprecher den Wohnort wechseln.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Keltiberer sind eine Erfindung von Strabon, der die in Zentralspanien ansässigen Völker so bezeichnete. Was wir heute als Keltiberer bezeichnen, sind (linguistisch) keltische Stämme, die in Zentralspanien lebten, haben aber mit den Iberern im Grund nichts zu tun. Streng genommen müssten wir also von Iberokelten reden, eben weil es Kelten und keine Iberer waren.
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    ... auf meine Argumente überhaupt nicht eingehen.
    Hast Du irgenwo ein seriöses Zitat, in dem mit überzeugenden Argumenten dargelegt wird, warum das Spanische jünger sein soll als das Baskische, das Lateinische jünger als das Aquitanische? Hast Du nicht, da helfen auch Tante Wiki und Werbetexte nicht.


    Dann muss Dir wohl Deine Erinnerung einen Streich spielen. Bis vor kurzem ist es Dir nicht nur um das Alter des baskischen Volkes, sondern sehr wohl auch um das Alter der baskischen Sprache gegangen.

    Beitrag 42:
    Beitrag 46:
    Beitrag 68:
    Beitrag 71:
    Aber wenn nun die Frage nach dem "Alter" der baskischen Sprache vom Tisch ist, soll es mir recht sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. November 2017
  7. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Danke für den handwerklichen Tipp. Das funktioniert bei mir nur nicht.

    Das mit den diversen Versuchen hatte ich ja schon in meinem Post erwähnt. Mir ging es um das bewusste Ausblenden dessen, was aus bekannten Sprachen stammt. Somit hilft die Antwort dazu nicht weiter.
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das gehört doch eigentlich zum grundlegenden Handwerkszeug der Vergleichenden Sprachwissenschaft. Außer Lehnwörtern müssen auch Onomatopoetika und Lallwörter außen vor bleiben.

    Um diese zu identifizieren, muss man sich natürlich sehr in die Sprache reinknien. Und da wurde bei vielen Hypothesen geschlampt, auch von Leuten, die es eigentlich besser wissen sollten.
    Ich möchte noch einmal auf Silesias Literaturtipp hinweisen:
    "Towards a History of the Basque Language" (Hrsg. José Ignacio Hualde, Joseba Lakarra, R. L. Trask), Amsterdam/Philadelphia 1995
     
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  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ja, das ist so ziemlich die Antwort, die ich mir erhoffte.
     
  10. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Vollkommen OT:
    Bei Windows ALT + 128 (auf dem Nummernblock gleichzeitig) -> Ç (hat nach dem hundersten Fingerbruch und wilden anderen Zeichen irgendwann mal bei mir geklappt)
    ALT + 135 -> ç (klappt bei mir gar nicht) - ich habe den Buchstaben schlicht kopiert.
    C mit Haken (Cedille) auf der Tastatur eingeben - so geht's
     
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  11. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Danke, dass geht. Alt+0231 ist dann das kleine ç, Alt-135 auch das kleine ç. (Alt-231 ist aber die Thurisaz-Rune: þ.)

    (Es reicht, wenn Du Alt gedrückt hältst und die Ziffern nacheinander eingibst. Mir hat es geholfen, den Ziffernblock anzustellen...)

    @ Topic: Ich habe mal einen Thread zu Keltiberern und Lusitaniern gestartet. Zumindest bei den Lusitaniern, wenn nicht bei beiden, gibt es ja auch ein vorzeitiges Dunkel.
     
  12. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ziffernblock ist eigentlich immer an bei mir. Vielleicht sollte ich ihn mit den Fingern und nicht mit der Stirn bedienen....:)
     
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  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ja, die ist vom Tisch.

    Wann sich Baskiosch aus uns unbekannten Vorgängersprachen herauskristallisierte, ist nicht zu beantworten.
     

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