Hannibals Raffinesse

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Cornelius Nepos, 12. Dezember 2010.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied


    Die Panik brach vor allem im Volk aus, und es musste natürlich irgendwie beruhigt werden, notfalls durch außergewöhnliche Maßnahmen. Wäre der Senat auch in Panik geraten, hätte er wohl den Frieden gesucht.
     
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Der Senat ergriff ja durchaus außergewöhnliche Maßnahmen, in dem er beispielsweise Kriminelle rekrutierte. Der Senat hat alles Maßnahmen ergriffen, um der erwarteten Belagerung Roms zu begegnen; ob man Hannibal in so einem Falle aber standhalten würde, da konnte sich auch der Senat ganz gewiss nicht sicher sein; nicht nach den verheerenden Niderlagen der vergangenen Jahre.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied


    Sicher sein konnte er sich natürlich nicht. Aber es ist doch auffällig, dass der Senat nicht einmal im ersten Schrecken nach Cannae die beiden Scipio-Brüder mit ihren Heeren aus Spanien zurückrief.
     
  4. Hamilkar19

    Hamilkar19 Neues Mitglied

    ja ravenik
    das ist für mich ein grund anzunehmen dass der senat bereits kalkulationen aufgestellt hatte, was im falle einer belagerung passieren würde--> nämlich dass hannibal rom selbst nicht hätte einnehmen können, daher der weitere versuch iberien aus den händen der barkiden zu reißen
     
  5. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Eine Belagerung Roms wäre das Beste gewesen, was den Römern hätte passieren können: Sie hätten Hannibal an einem Fleck gehabt, und er hätte die Überlegenheit seiner Reiterei und damit seine Überlegenheit als Feldherr nicht ausspielen können. In einer großangelegten Belagerung zählt all das nicht mehr, sondern Zahl, Motivation, Versorgung, und in allem waren die Römer ihm mindestens ebenbürtig.

    Risiko und Zeitfaktor machten es für die Karthager unmöglich, diese Situation nachhaltig zu ändern; dazu war die römische Lage im eigenen Land immer noch viel zu gut, trotz Abfall einiger Bundesgenossen. Und wie das verlief zeigt es: Hannibal konnte Capua nicht rettten, weil er nur im Stande war, die Römer in offener Feldschlacht zu besiegen, nicht aber in einer befestigten Stellung.
     
  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Das ist natürlich alles reine Spekulation.
     
  7. Hamilkar19

    Hamilkar19 Neues Mitglied

    aber auch die logischste spekulation turgot
    wie bereits reinecke erwähnte wären ihm die römer weit überlegen gewesen
    er hätte vom belagerer genauso gut zum belagerten werden können
    was aber hannibal nicht riskieren wollte
    nach der schlacht von cannae standen rom weitere 700 000 kampffähige männer in italien zur verfügung, welche sie in kürzester zeit mobilisiert hätten
    :)
     
  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Zwei Anmerkungen hierzu:

    Es hätte Monate in Anspruch genommen, ehe Legionen aus Spanien auf italienischen Boden hätten eingreifen können.

    Hannibal hätte im Falle einer Belagerung Roms, sein Konzept sah ja bekanntermaß0en anders aus, sicher entprechende logistische Vorbereitungen getroffen. Hierzu wäre ein entsprechender Nachschub aus Spanien und karthago unabdingbar geworden. Schweres Belagerungsgerät hätte hannibal auch von seinen Truppen bauen lassen können.
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Der Nachschub aus Spanien und Karthago hätte sich aber nicht auf zusätzliche Truppen beschränken können, sondern es wäre vor allem eine regelmäßige Lebensmittelzufuhr nötig gewesen. Außerdem hätte man Hannibal wohl ein paar Belagerungsingenieure und Facharbeiter schicken müssen. Ich bezweifle, dass seine spanischen und gallischen Söldner so ohne Weiteres in der Lage gewesen wären, komplizierte Belagerungsmaschinen zu bauen.

    @ Hamilkar19: Auf 700.000 Kampffähige kommt man aber allenfalls, wenn man diverse Bundesgenossen miteinrechnet. Die Römer selbst hatten nur noch etwa 140.000 erwachsene Männer, von denen natürlich auch nicht alle kampffähig waren. Trotzdem erscheint mir 700.000 zu hoch gegriffen, da ja etliche Bundesgenossen vor allem in Süditalien abgefallen waren. Woher hast Du die Zahl?
     
  10. Hamilkar19

    Hamilkar19 Neues Mitglied

    wenn ich mich recht erinnere war das von Klaus zimmermann: karthago
    :)
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Weißt Du zufällig, worauf er sich bei seiner Angabe stützt?
     
  12. Hamilkar19

    Hamilkar19 Neues Mitglied

    das weiß ich leider nicht mehr genau
    nachschlagen ist auch schwer, da das buch meinem latein lehrer gehört
    :S
    ich werde ein wenig recherchieren
    :)
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eine Kriegslist Hannibals, die hier in diesem Thread soweit ich ihn überblicke noch nicht genannt wurde, überliefert Livius:
    immissis ab Hannibale qui habitu Italico gnari Latinae linguae iuberent consulum uerbis quoniam amissa castra essent pro se quemque militum in proximos montes fugere
    Also Hannibal schickte Leute in italischer Kleidung, welche das Lateinische beherrschten, um angeblich im Auftrag der Konsuln den Soldaten zu befehlen sich in die Berge zu zerstreuen, da das Lager erobert sei.
    Allerdings scheinen die Römer sich nicht lange davon haben beeindrucken lassen, denn sie vertrieben die Karthager wieder aus ihrem Lager, mit Feuer und töteten viele:
    sed eam celeriter cognitam fraudem oppressamque magna caede hostium; elephantos igni e castris exactos
     
  14. Udo Grebe

    Udo Grebe Mitglied

    Römische Wehrkraft

    Romans and Campanians 273 000
    Latins 85 000
    Samnites 77 000
    Apulians 56 000
    Lucanians 33 000
    Abruzi peoples 34 000
    Etruscans 54 000
    Umbrians 22 000
    Bruttians 40 000
    Greeks 40 000

    Diese Zahlen beziehen sich auf den römischen Census von 225 BC aus dem Buch von P.A. Brunt, der die römsichen Censuslisten ausgewertet und analysiert hat. So kommt man tatsächlich auf ungefähr 700 000 wehrfähige Männer in Italien.



    Überträgt man das auf das Jahr 215 ergibt sich folgendes.

    Etwa 100 000 sind in den grossen Schlachten gegen Hannibal bereits gefallen. Etwa 220 000 hat Rom bereits in seinen verschiedenen Armeen moblisiert. Dazu gibt es eine unbekannte Zahl von Soldaten, die Rom in verschiedenen Garnisonen in verbündeten Städten stehen hatte.


    Die obige Liste verdeutlicht, dass sich ein grosser Teil der "700 000" im Jahre 215 bereits nicht mehr unter Kontrolle Roms befand. Namentlich Bruttier, Lukaner, alle Samniten außer einem Stamm, Teile der Apulier (Arpi, Herdonia), die Capuaner, sowie die süditalischen Griechen hatten sich mit Hannibal verbündet.

    Die tatsächlich noch vorhandene potentielle Wehrkraft Roms war also viel geringer. Diese Zahlen verdeutlichen auch, wie sehr Hannibal die Wehrkraft Roms bereits geschädigt hatte.



    Wahrscheinlich haben die Römer ihr Rekrutierungspotential fast vollständig ausgeschöpft. Die Römer im 2. Punischen Krieg sind nie über 23 Legionen hinausgegangen, haben sogar nach 211 Ihre gesamte Truppenzahl wieder reduziert.
     
  15. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    Hannibals Raffinesse lag in seiner Stärke als Taktiker, seine Schwäche allerdings in der Gesamtstrategie.
    Während er allenthalben als großer Stratege gesehen wird, da er durch den strategischen Plan über die Alpen zu maschieren und Rom in seinem eigenen Gebiet zu schlagen, liegt genau darin sein Problem. Denn die Strategie ist nicht aufgegangen. Roms Bündnissystem war nicht zu zerschlagen und ein neues Bündnissystem gegen Rom unter Führung Hannibals kam nicht zu stande. Rom hat die Schlachten verloren aber sich nicht die Bedingungen diktieren lassen.
    Hannibal hat vermutlich die gänzlich anderen Führung des Staatswesens und des Bündnissystems von Karthago und Rom unterschätzt. Karthago wäre mit der gleichen Strategie zu schlagen gewesen.
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Macht denn der Umstand, dass seine Strategie nicht aufgegangen ist, den Strategen gleich zu einem schlechten seines Berufszweigs?
     
  17. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    Das ist eine berechtigte Frage.
    nein wahrscheinlich nicht, denn es leigt ja keine Strategie auf der Hand die deutlich bessere Chancen hatte. Das es so nicht geklapt hat und Rom sich so verhält wissen wir ja nur weil Hannibal es versucht hat.
    Ich denke er war ein guter Stratege, nur gegen den falschen Feind.
     
  18. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Ich denke, das Hannibal Rom schlicht falsch eingeschätzt hatte.

    Nach den ungeschriebenen Regeln der Antike, hätten die Römer spätestens nach der furchtbaren Niederlagen von Cannae eigentlich um Frieden nachsuchen müssen. Nur die römische Staatsführung war entschlossen, lieber ihren Staat untergehen zu lassen, als einen Frieden zu unterschreiben, den sie nicht selbst diktiert hatten.
     
  19. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    Ja so in etwa meinte ich das.
    Es war aber nicht ganz abzusehen das es so kommen würde. Auf der anderen Seite war Rom zu der zeit eben die einzige Macht die nicht hellenistisch geprägt war, das machte den Unterschied. Der ist Karthago offenbar entgangen. Auf der anderen Seite hat sich Rom wahrscheinlich unwissentlich in die Position manövriert. Sie haben im ersten ounischen Krieg, sagen wir mal etwas überreagiert und sehr drastische Forderungen aufgestellt. Das war ihnen im Nachhinein bewusst und sie werden damit gerechnet haben, das daher auch Hannibal nur zu sehr harten Bedingungen Frieden anbieten würde. Es ging um alles oder nichts, gefühlt.
    Gibt es eigentlich tatsächliche überleiferte Friedensangebote von Hannibal? Oder war das sein Fehler, einen Vernichtungssieg zu wollen wo ein guter Friede zu Gunsten Karthagos drin gewesen wäre.
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Wie kommst du denn auf die Idee, das Hannibal einen "totalen" Sieg wollte, der mit der Vernichtung der Römer enden sollte. Hannibal strebte meines Wissen nach die Gleichberechtigung als anerkannte Großmacht an und genau dazu hätten sich die Römer niemals bereitgefunden.

    Des Weiteren habe ich Zweifel, das die Römer sich auch nur flüchtige Gedanken über die harten Friedensbedingungen nach dem 1.Punischen Krieg machten. Im Gegenteil, sie haben die prekäre innere Lage der Karthager nach Friedenschluss brutal ausgenutzt, um die Friedensbedingungen weiter zu verschärfen. Selbst Polybios, sonst ausgewiesener Fan der Römer, verurteilt dieses Vorgehen Rom scharf.
     

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