Lutz Walther: Varus! Varus!

Bockstein

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In meinem Reclamheftchen "Varus Varus,Antike Texte, kommt in der Einleitung folgende Textstelle vor(keine antike Textstelle, sondern vom Verfasser der Einleitung (Seite 28): "geriet der römischeLegat Aulus Caelius Caecina, nachdem er gemeinsam mit Germanicus die menschlichen und tierischen Überreste der Varusschlacht in Massengruben beigesetzt hatte, im Spätsommer oder Herbst des Jahres 15 n.Chr. auf dem Weg vom Landesinnere zur Emsin in einer Gegend, in der Jahre zuvor lange Knüppeldämme über unwegsame, wasserreiche Flächen...."

"auf dem Weg vom Landesinnere zur Ems", ich war bisher davon ausgegange n, daß sich Caecina und Germanicus beide. schon an der Ems befanden, und Caecina von da aufbrach.War Germanicus schon an der Ems und Caecina auf dem Weg zur Ems?Dann müßte man die pontes longi des Caecina zwischen Landesinnere und Ems verorten.Den Verfasser der Einleitung finde ich nicht.
 
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Tacitus - unsere einzige Quelle für diesen Sachverhalt - äußert sich klar: Germanicus führte das Heer an die Ems zurück. Erst dort teilte er es: Die Legionen schiffte er ein (sinngemäß: er brachte sie mit der Flotte zurück, wie er sie herbeigeschafft hatte) und Caecina und Pedo bekamen ihre jeweiligen Befehle.
Das Problem ist, dass man leicht überliest, dass es sich um vier und nicht lediglich um drei Objekte handelt.
 
Flotte, 4 Leg germanicus, 4 Legionen Caecina, Pedo, Tacitus ist klar.......der Verfasser der Einleitung war der Täter, aber warum?
 
Flotte, 4 Leg germanicus, 4 Legionen Caecina, Pedo, Tacitus ist klar.......der Verfasser der Einleitung war der Täter, aber warum?
Weil er offensichtlich nicht von Tacitus ausgeht und dem, was dieser tatsächlich schrieb, sondern von der Diskussion, ob Kalkriese (ein) Schauplatz der Varusschlacht oder Schauplatz der Schlacht an den pontes longi gewesen sei. Es geisterte vor 30 Jahren auch mal die Idee herum, dass beide Schlachtfelder sehr nah beieinander gelegen, sich vielleicht sogar geschnitten hätten.
 
eine weitere Textstelle der Einleitung:"doch Tacitus läßt Germanicus sechs Jahre später von Westen kommend das Schlachtfeld aufsuchen"Annalen I 60f).
Daß Germanicus von Westen kommt, habe ich in den Annalen nicht gefunden..
Und wenn er von Westen kommt, müßte er dann nicht auf das erste Dreilegionenlager stoßen?

weitere Textstelle: "Eindeutig scheint aber anhand der archäologischen Funde zu sein,daß die Marschrichtung der bei Kalkriese bekämpften Legionen von Ost nach West verlief."
Nun, von Ost nach West ist ok, weil sie dann auf das erste 3Legionenlager stoßen.(So habe ich es verstanden).Die Einleitung schreibt, Germanicus sei von Westen gekommen. Dann treffen sie auf das Schlachtfeld. Und wo ist hier das 3Legionenlager?Ist mit Schlachtfeld ggf. die gesamte Defileestrecke gemeint?
 
eine weitere Textstelle der Einleitung:"doch Tacitus läßt Germanicus sechs Jahre später von Westen kommend das Schlachtfeld aufsuchen"Annalen I 60f).
Daß Germanicus von Westen kommt, habe ich in den Annalen nicht gefunden..
Und wenn er von Westen kommt, müßte er dann nicht auf das erste Dreilegionenlager stoßen?
Du nimmst die Einleitung definitiv zu wichtig! Du solltest da nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Lutz Walther ist Literaturwissenschaftler und Herausgeber; er ist sonst nicht als intimer Kenner der Materie aufgetreten. Will sagen: Er hat nicht zur Varusschlacht geforscht oder so. Das ist keine Doktorarbeit, die, bevor sie in medias res geht, erst mal den Forschungsstand rekapituliert. Er hat einfach ein paar Texte zusammengestellt, diese mit einer EInleitung versehen und fertig. Leider hat er ein paar Passagen aus späteren Büchern der Annalen ausgespart (übersehen?).

Bei Tacitus solltest du beachten, dass der als Autor gewisse Bedürfnisse hatte bzw. die Bedürfnisse seines Publikums vor Augen haben musste.
Manche Interpreten haben die Stelle mit den beiden Lagern ja so gelesen, dass die Lager nahe beieinander gelegen hätten, im Extremfall sogar, dass sie ineinander gelegen hätten. Aber das geht natürlich an Tacitus - der hier das intakte Dreilegionenlager dem Ende der Schlacht gegenüberstellt - total vorbei. Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass Caecina/Germanicus tatsächlich zuerst das Dreilegionenlager fanden und dann das unfertige Lager, wo die Reste der Legionen niedergemacht wurden, genauso wenig, wie man davon ausgehen sollte, dass ihnen zuerst gezeigt wurde, wo die Legaten fielen, dann wo die Adlerträger erschlagen wurden und schließlich, wo Varus sich das Leben nahm. Das ist ganz klar ein auf ein Klimax sich zuspitzender Bericht, der wohl kaum dem Chaos der Schlacht entspricht, zumal man wohl kaum davon ausgehen kann, dass die Legaten sich jeweils an einem Ort und die Adlerträger sich jeweils an einem Ort befanden. Tacitus versucht hier zwei sechs Jahre auseinander liegende Ereignisse, Schlachtfeldbegehung durch Germanicus und Dramatik der Schlacht in einem zu erzählen.
 
Egal von wo Germanicus kam, er kam von Westen...

Fädele die Teile seiner Feldzüge chronologisch auf, betrachte die genannten Stämme und deren gesichertes oder vermutetes Siedlungsgebiet, und dann wirst Du zu dem Schluss kommmen, dass Germanicus nicht den Weg des Varus vom nicht bekannten, vielleicht sogar noch nicht einmal existenten Sommerlager bis zum Ort der Niederlage abgetingelt hat.

Sein Feldzug war nicht der Weg des Varus. Seine Truppen hatten ja auch keine Schwierigkeiten den Ort der Niederlage zu finden, haud procul teutoburgiensi saltu.

Wenn wir Tacitus wörtlich nehmen, Amisia und Lupia als Ems und Lippe verstehen, lag das Schlachtfeld jenseits des verwüsteten Gebietes im Dreieck von Lippe und Ems, und damit auch östlich ihrer kurzen und kleinen, orographisch rechts liegenden Nebenflüsse.

Wir drehen uns also um Kreis, solange es nicht archäologische Befunde gibt, die die geltende und schlüssige Meinung der Archäologen und Historiker in Frage stellen oder gar verändern.

Es gibt keinen anderen Fundort östlich des Rheins, der ein solch komplexes und zugleich geschlossenes Fundbild ergibt wie die beiden Fundorte Harzhorn und Kalkriese.
 
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Danker, ElQuijote,Pardela,ers ist wohl so, daß Tacitus 2 zeitliche unterschiedliche Ereignisse etwas vermischt. Das macht die Sache für jemand, der sich einliest, ziemlich komplex.

Ich bin im übrigen nicht davon ausgegangen, daß Germanicus "herumtingelte" auf dem Rückreiseweg des Varus, weil der Weg eben nicht belegt ist. sondern von Westen ausgehend. ElQuijote hat mit seinem letzten Satz den Punkt getroffen.

Im Kreis gehen trifft es, wo ist Anfang, wo ist Ende.
 
ElQuijote...Beitrag 345
"Leider hat er ein paar Passagen aus späteren Büchern der Annalen ausgespart (übersehen?).
Sagst Du mir bitte die Passagen in welchen Büchern?
 
ElQuijote...Beitrag 345
"Leider hat er ein paar Passagen aus späteren Büchern der Annalen ausgespart (übersehen?).
Sagst Du mir bitte die Passagen in welchen Büchern?
Es fehlen: Tac. ann. II, 15, Tac. ann. II, 25 (Walther setzt bei Tac. ann. II, 26 wieder ein). Tac. ann. XII, 27 ff.
Tac. hist. IV, 17, Tac. hist. V, 9, Germania 37.
Insbesondere Tac. ann. XII, 27 fehlt, da hier von der Gefangenenbefreiiung durch Publius Pomponius 40 Jahre nach der Schlacht berichtet wird.

Von Sueton zitiert Walther lediglich aus dem Buch Divus Augustus. Aber auch aus Tiberius 17, Gaius 3 und 31 erwähnen die Varusniederlage. Insbesondere Gaius 3 ist dabei interessant.

Und dann gibt es noch eine Passage bei Flavius Josephus, welche die Varusschlacht(?) indirekt anspricht. (Der Bataveraufstand kann es aufgrund der Zeitstellung nicht sein.)


Ferner: eine Anklage gegen Varus' Sohn durch Domitius Afer in Tac. ann. IV, 66
 
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