Die Shoa als Rechtfertigung

Nein, das sehe ich hier anders, das Land wurde zuerst einmal regulär gekauft, auch mit der Gründung des Staates Israel änderte sich daran Prinzip
nichts. Die "Vertreibungen"/ die Flucht der Einheimischen Bevölkerung waren unmittelbare Kriegsfolgen. Ich sehe im Falle Israels bis kurz nach der Gründung keinen "Kolonialismus".
Stimmt, die neuen Settlers die in Kolonien lebten, arbeiteten, kauften hunderttausende Dunams von arabischen Landeigentuemern die gewoehnlich in Beyruth lebten oder sich dort aufhielten. Leute die in Kolonien lebten nannte man eben Kolonisten. Siehe dazu auch die Informationstafel in Haifa bezueglich der 'German Colony' oder 'The American Colony'.
 
Nein, das sehe ich hier anders, das Land wurde zuerst einmal regulär gekauft, auch mit der Gründung des Staates Israel änderte sich daran Prinzip
nichts. Die "Vertreibungen"/ die Flucht der Einheimischen Bevölkerung waren unmittelbare Kriegsfolgen. Ich sehe im Falle Israels bis kurz nach der Gründung keinen "Kolonialismus".
Deine Perspektive stimmt nicht mit den historischen Tatsachen ueberein.
 
des ehemaligen osmanischen Reiches, mit seiner nun staatenlos gewordenen Bevoelkerung.
Nein, das Osmanischen Reiches. Das Osmanische Reich selbst existierte ja bis 1922 weiter und war ja durchaus noch vertragsschließende Partei in Sèvres gewesen, die französisch-britischen Teilungspläne wurden lange vorher ausgearbeitete und ausverhandelt.
 
Mancher wird wohl meinen das das was ich schreibe absoluter Quatsch sei.
Hier nun ohne meine Quatsch hinzuzufuehren :

BERICHTE UND URKUNDEN

VÖLKERRECHT

I Entstehung des Staates Israel

(Teil 2)

ix.

© 1950/51 Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht


Der folgende Auszug ist aus einer deutschen Berichterstattung die zwei Jahre nach dem Geschehen zusammengestell wurde, also noch relevante Aspekt erwaehnte. Zufaelligerweise wird hier in klarer Sprache bestaetigt , dass die arabische Zivilbevölkerung Palästinas sich zu

einem großen Teil in ungeordneter Flucht befand .


Dieser Satz bestaetigt zwei Grundtatsachen:

wurden Araber nicht von Juden vertrieben

Bewirkte Englands Warnung an arabische Staaten sich bis zur Stunde Null nicht auf Britischem Mandatsgebiet blicken zu lassen *, dass arabische Staatsarmeen (vs. ‘Freiwillige’) Israel volle Pulle am Abend des 14. angegriffen hatten ( was natuerlich einer langzeitigen Vorbereitungszeit bedurfte , besonders im Fall Irak.

hatte es den kuenstlichen Begriff ‘Palaestinenser’ noch nicht gegeben , man sprach ganz richtig von “arabische Zivilbevölkerung “

*(was einer Kriegserklaerung an G.B. gleichgekommen waere)


806 Berichte und Urkunden'- Völkerrecht

Das Ergebnis jener Kämpfe war, daß der arabische Widerstand bereits im wesentlichen gebrochen war und die arabische Zivilbevölkerung Palästinas Sich zu einem großen Teil in ungeordneter Flucht befand, noch ehe die von Großbritannien vor einer bewaffneten Intervention vor Ende des Mandats gewarnten arabischen Staaten mit ihren Armeen aktiv in den Kampf eingriffen.

Re Israel’s offizielle Anerkennung

Völkerrecht

808 Berichte und Urkunden - Staats- und Verwaltungsrecht

war Israel, wie der Außenminister Israels nach der Aufnahme in die Vereinten Nationen vor der Generalversammlung mit Stolz betonte, bereits in, allem, außer dem Namen nach, ein Staat (158)

Diese Tatsache fand in der unmittelbar 'danach folgenden de-facto-Anerkennung durch die Vereinigten Staaten und der am 17. h erfolgten de-iure-Anerkennung durch Sowjetrußland
einen für die weitere Zukunft des Landes bedeutungsvollen Ausdruck

l").

Gleichzeitig begannen die arabischen Heere aus Agypten, Libanon, Syrien, Transjordanien - und dem Irak sich in Bewegung zu setzen, um Israel sein Lebensrecht als Staat streitig zu machen.
(158)
(Abgeschlossen am 1. 1. 1950) Dr. Günther W e, i s s
Referent -am Institut.

the Charter limits the use of the United Nations force expressly to threats to and breaches of the peace and agression, affecting

international peace".



Professor Kenneth Stein of Emory College, a scholar of land tenure systems under the Ottoman Turks and the British Mandate, points to the lack of social cohesion, coupled with a long history of unscrupulous money lenders, real estate brokers, and dishonest village leaders (mukhtars) robbing Palestinian villagers of their lands well before the arrival of the first Zionist:

“By 1947, Palestinian Arab society had become highly susceptible to insecurity and flight. Indeed, a combination of reasons caused hundreds of thousands of Arabs to leave Palestine after November 1947, not the least of which was the internal societal changes that led to slow disintegration of communal bonds. Although Palestinians became refugees in [the] 1947-48 period, the origins of their social collapse can be partially attributed to the fractious nature of Arab society and its steady dissolution over the previous century.”5

In fact, like the elite, a vast number of other Palestinians fled before the outbreak of hostilities, and still larger numbers fled before the war reached their doorstep, according to Efraim Karsh, a scholar of the 1948 war at the Department of War Studies and head of the Mediterranean Studies program at London University’s King’s College:

“By April 1948, a month before Israel’s declaration of independence, and at a time when the Arabs appeared to be winning the war, some 100,000 Palestinians, mostly from the main urban centers of Jaffa, Haifa, and Jerusalem, and from villages in the coastal plain, had gone. Within another month those numbers had nearly doubled; and by early June, according to an internal Hagana report, some 390,000 Palestinians had left. By the time the war was over in 1949, the number of refugees had risen to between 550,000 and 600,000.”

In January 1948, Hussein Khalidi, Secretary of the Arab Higher Committee (AHC) – a coalition of six political factions established at the start of the Arab Revolt in 1936 and the Palestinians’ only representative framework – complained to the Mufti:

“Forty days after the declaration of a jihad, and I am shattered.... Everyone has left me. Six [AHC members] are in Cairo, two are in Damascus – I won’t be able to hold on much longer.... Everyone is leaving. Everyone who has a check or some money – off he goes to Egypt, to Lebanon, to Damascus.”



As the flight of the leadership spread, the stampede effect spread to the middle classes and the peasantry, as the last British High Commissioner for Palestine General Sir Alan Cunningham noted in his report to London as the Mandate era wound to a close:

“The collapsing Arab morale in Palestine is in some measure due to the increasing tendency of those who should be leading them to leave the country.... In all parts of the country the effendi class has been evacuating in large numbers over a considerable period and the tempo is increasing.”8
Gelber, whose volume Palestine 1948 traces the disintegration of Palestinian Arab society, recapped the domino effect that set mass flight in motion in an article written for the History News Network – “Why Did the Palestinians Run Away in 1948?”11

“When riots broke out, middle-class Palestinians sent their families to neighboring countries and joined them after the situation further deteriorated. Others moved from the vicinity of the front lines to less exposed areas in the interior of the Arab sector. Non-Palestinian Arabs returned to Syria, Lebanon and Egypt to avoid the hardships of war. First-generation rootless emigrants from the countryside to urban centers returned to their villages. Thousands of Palestinian government employees – doctors, nurses, civil servants, lawyers, clerks, etc. – became redundant and departed as the mandatory administration disintegrated. This set a model and created an atmosphere of desertion that rapidly expanded to wider circles. Between half to two-thirds of the inhabitants in cities such as Haifa or Jaffa had abandoned their homes before the Jews stormed these towns in late April 1948. Dependence on towns that had fallen, the quandaries of maintaining agricultural routine and rumors of atrocities exacerbated mass flight from the countryside. Many hamlets that the Haganah occupied were empty.”



 
Der folgende Auszug ist aus einer deutschen Berichterstattung die zwei Jahre nach dem Geschehen zusammengestell wurde, also noch relevante Aspekt erwaehnte. Zufaelligerweise wird hier in klarer Sprache bestaetigt , dass die arabische Zivilbevölkerung Palästinas sich zu

einem großen Teil in ungeordneter Flucht befand .


Dieser Satz bestaetigt zwei Grundtatsachen:

wurden Araber nicht von Juden vertrieben
Also, die Haganah, aus der die heutigen IDF hervorgingen, haben selbst anderes berichtet und israelische Milizengruppen (Etzel und Lechi) des Terrors gegen Palästinenser bezichtigt.
 
Stimmt, die neuen Settlers die in Kolonien lebten, arbeiteten, kauften hunderttausende Dunams von arabischen Landeigentuemern die gewoehnlich in Beyruth lebten oder sich dort aufhielten. Leute die in Kolonien lebten nannte man eben Kolonisten.
Debatten darum, ob der Begriff "Kolonist" angemessen ist, halte ich in diesem Zusammenhang für müßig.

Denn wenn man diskutieren wollte, ob die Gründung des Israelischen Staates ein Akt Kolonialer Landnahme gewesen sein, was einige ja behaupten (ich für meinen Teil halte das für Quatisch), dann wäre der Terminus ohnehin nicht "Kolonist", sondern "Kolonisator".

Ich persönlich halte den Begriff "Kolonist" im Sinne von Binnenkolonisation, Landesausbau etc. nicht für besonders sinnvoll, wenn wir einfach nur davon reden, dass eine bestimmte Commonity (egal welche das ist), einfach nur Land aufkauft, um dort in irgendeiner Form gemeinsam zu leben.

"Kolonist" würde für mich wenigstens aktives, planvolles Erschließen neuen, bisher wenig bewohnten oder bearbeiteten Landes und dessen systematische Nutzbarmachung o.ä. umfassen und zusätzlich irgendeine Art von hierarchischer Unterordnung gegenüber einem Machtzentrum im Aus- oder Inland.
Für Personen, die einfach nur als irgendwie definierte Gruppe in der Diaspora leben, ohne besondere Loyalitäten gegenüber irgendeinem Zentrum, besonderen Rechtsstatus oder Erschließung bisher unerschlossener Territorien zu betreiben, erscheint mir der Begriff "Kolonist", zummindest im Deutschen unpassend (im Englischen mögen die Konventionen andere sein).

Die interessantere Frage dahingehend, ob man Zionismus und Kolonialismus irgendwie mitteinander in sinnvollen Zusammenhang bringen könnte, wäre aber die, ob man bei Zionisten sinnvollerweise von "Kolonisatoren", also Personen mit programmatischen Unterwerfungswillen oder jedenfalls Bereitschaft dazu reden kann und das würde ich für den historischen Zionismus (wie gesagt, ich bin kein Fan davon, den Begriff für Gegenwartsphänomene zu verwenden), negieren.
 
Das ist missverständlich bzw. undeutlich: was genau meinst du mit "modernem Antisemitismus"? Zum Vergleich der "neuzeitliches Antisemitismus" in der Formulierung bei Wikipedia*), welcher im "Rassenantisemitismus" quasi gipfelt

Weshalb "moderner Antisemitismus" ein "antikapitalistisches Welterklärungsmodell" sein, leuchtet mir nicht ein und ich verstehe auch nicht, was Bebels Rede/Analyse (spätes 19. Jh.) zur Entwicklung ab z.B. 1933 beiträgt oder erklärt.

__________
*) um keine ausufernden Romane zu schreiben ausgewählt
Weil Du ganz offenkundig nicht in die Thematik eingearbeitet bist, empfehle ich Dir ein bestimmtes Büchlein eines gewissen Henry Ford.
 
Ich glaube auch nicht, dass man die Shoa für eine Rechtfertigung des Staates Israels missbrauchen sollte. Das verlangen nach einem jüdischen Staat geht ja viel weiter zurück. Der Traum zur Rückkehr in das ehemalige Staatsgebiet welches 135 n. Chr. zerstört wurde, war lange in der Religion vorhanden. Eine Rückwanderung gab es aber weniger. Es gibt Schätzungen die sagen, dass im 19. Jahrhundert ca. 12 000 Juden in Palästina lebten.

Im 19. Jahrhundert entstand eine Bewegung die den Gedanken der Assimilation verwarf und nur eine Lösung sah indem man einen jüdischen Staat gründete. Dies war vor allem auf den zunehmenden Antisemitisus zurückzu führen. Eine entscheidende Organisation wurde 1897 in Basel auf dem Zionistischen Weltkongress gegründet, die Zionistische Weltorganisation. Ihr Führer war der österreichische Journalist Theodor Herzl (schrieb das Buch "Der Judenstaat"). Er verhandelte Jahrelang mit den Grossmachten, die im Nahen Osten Einfluss hatten über die Zuteilung eines Territoriums. Der 1. Weltkrieg und die Veränderungen der Machtverhältnisse in Europa wie im Nahen Osten brachte das zionistischen Projekt voran.

Die Zionisten hatten in dieser Zeit viel für eine Einwanderung in Palästina getan. Zwischen 1882 und 1903 wurden ca. 25 000 Juden aus Osteuropa in landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina angesiedelt. Bis 1923 wanderten dann ca. 75 000 osteuropäische Juden nach Palästina aus. In dieser Zeit 1900 bis 1923 werden Kibbuze und Moschawim gegründet. Tel Aviv wurde als erste jüdischer Stadt 1908 gegründet.
Das ist der Kommentar von "Ursi" von 2004, dies noch mal zur Erinnerung
 
Nein, das Osmanischen Reiches. Das Osmanische Reich selbst existierte ja bis 1922 weiter und war ja durchaus noch vertragsschließende Partei in Sèvres gewesen, die französisch-britischen Teilungspläne wurden lange vorher ausgearbeitete und ausverhandelt.
Nein, stimmt nicht.
Siehe dazu Artikel 7
Text of Mandate [for Palestine] : note / by the Secretary-General
Transmits text of the Mandate for Palestine, confirmed by the Council of the League of Nations on 24 July 1922, and the memorandum by the British Goverment relating to its app[...]

ARTICLE 7. The Administration of Palestine shall be responsible for enacting a nationality law. There shall be included in this law provisions framed so as to facilitate the acquisition of Palestinian citizenship by Jews who take up their permanent residence in Palestine.​
Daraufhin promulgierte King George das 'Nationality Law' dass den Einwohnern des Mandats freistellte einen Loyalitaetsschwur auf die Regierung des br. Mandats - nicht auf den Koenig - abzulegen und einen Pass des Mandats Palestine zu erhalten.
 
Das Konzept "Kapitalist" im modernen Sinne kannte Luther überhaupt noch nicht. Luther stand sicherlich zum Teil in der Tradition des christlichen Zins-/Wucherverbots und mag auf dieser Ebene Ressentiments gegen Juden gehabt haben, so weit ich weiß hat Luther aber durchaus auch die Fugger für ihr Geschäftsgebaren kritisiert und die Katholische Kirche für ihren Umgang mit Geld ja generell.
Allerdings war Luther ja nun ansonsten so überhaupt kein Gegner des "Unternehmertums" an und für sich, im Gegenteil, er stammte ja selbst aus einer Familie, die im Bergbaugeschäft der mitteldeutschen Montanregion ganz gut investiert und situiert war.


Allerdings nur bei denen, die das christliche Zinsverbot noch ernst nahmen. In Luthers Zeit sind die größten Fische im "Bankgeschäft" ja keine anderen, als die Fugger, die Welser und die Medici und das waren allesamt christliche Familien.


Er funktioniert ja auch nicht als antikapitalistisches Welterklärungsmodell. Das ginge ja nur, wenn man davon ausginge, dass alle Juden irgendwie Kapitalisten wären. Das war aber zu keiner Zeit der Fall. Selbst im Mittelalter und in der FNZ als Juden vielfach der Zugang zu Landbesitz oder zünftigem Handwerk verboten war, gab es immernoch große Gruppen nicht zünftiger jüdischer Handwerker, Tagelöhner etc.
Die konnte ein irgendwie neutraler Beobachter wohl kaum "Kapitalisten" nennen und im 19. und 20. Jahrhundert, als Juden genau so Teile der sich herausbildenden Arbeiterklasse waren, wie Christen, dreimal nicht.
Antisemitismus als "antikapitalistisches Welterklärungsmodell" funktioniert nur dann, wenn die Realität völlig nach dem Pipi-Langstrumpfprinzip "ich mach mir die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt", ausgeblendet wird.

Wirf mal einen Blick in die "Nürnberger Rassengesetze". Da ist von deinem angeblichen "Antikapitalismus" nirgendwo die Rede. Aber sehr viel von astreinem rasseideologischem Zeug-


Wie sollten sie auch ein Phänomen chritisieren, das bei ihrer Entstehung überhaupt noch nicht existierte und zu dem die kanonischen Texte daher auch keine einhellige Lehrmeinung liefern konnten?


Wer fabuliert denn dieser Tage was von böser Weltherrschaft amerikanischer Spekulanten?

Der Antisemitismus hat schon deswegen keine Wurzeln im modernen Antikapitalismus, da sich beides wechselseitig ausschließt. In dem Moment in dem der jüdische Arbeiter in die Realität tritt, der versucht seine Rechte und Interessen gegen einen nicht jüdischen Kapitalisten durchzusetzen muss sich jeder, der irgendwie Stellung dafür bezieht entscheiden, ober er gegen das Kapital oder gegen die Rechte eines Juden sein möchte. Beides gleichzeitig geht nicht.
Der Dritte, der diesen Konflikt wahrnimmt, kann entweder gegen das Kapital sein, dann ist er für die Interessen eines Juden, oder gegen dessen Interessen sein, dann ist er aber für die Interessen des Kapitals.


Nein, gelegentlich wurden sie auch einfach nur so verfolgt, weil der Mob mal wieder wegen irgendwas frustriert war und Sündenböcke suchte und gelegentlich (NS) wurden auch Personen, die sich selbst nicht als Juden definierten von anderen Verfolgt, weil diese sie Qua Abstammung gerne als Juden betrachten wollten.


Das ist offensichtlich nicht der Fall, sondern mehr ein billiger Versuch Antisemitismus als politisch links stehendes Phänomen zu framen und die politische Rechte und ihren Rassismus aus der Verantwortung zu nehmen.
Die Empirie bzw. die Wissenschaft spricht eine ganz andere Sprache. Schwarz-Friesel hat anhand tausender Netzkommentaren ganz klar herausgestellt, dass im modernen Antisemitismus des 21. Jahrhunderts uralte Erzählungen sehr lebendig sind. Sie hat auch explizit den linken Antisemitismus als Problem genannt. Das ist auch innerhalb der jüdischen Community in Deutschland weitgehend Konsens. Ich habe keine große Lust mit Dir zu diskutieren, wenn Du Dich nicht auf Quellen oder wissenschaftliche Literatur beziehst. Deine Aussagen sind insofern unsinnig, als z.B. in Berlin nur 20 bis 30% der Juden Arbeiter waren (meist aus Osteuropa, der große Rest war bürgerlich), während unter den Protestanten rund 70 Prozent Arbeiter waren. Soziologisch bedeutet das, dass Juden als wesentlich erfolgreicher wahrgenommen wurden. Acht mal mehr Abitur als Katholiken vier mal mehr Abitur als Protestanten, entsprechend auch mehr Entrichtung an Steuern. Der wahre Grund für den Antisemitismus war der Neid. Der Rassismus lebt davon, dass man als "Überlegener" auf andere herunterschaut, das ist hier gerade nicht der Fall.

Verse wie „Und der Jud mit krummer Ferse, / Krummer Nas' und krummer Hos' / Schlängelt sich zur hohen Börse / Tiefverderbt und seelenlos“ (Wilhelm Busch) haben mit Rassismus nichts zu tun. Mit Luther sehr wohl: „Jawohl, sie halten uns in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein […] sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.“ Na, wenn das keine Kontinuität ist, was ist dann eine Kontinuität?
 
Das ist der Kommentar von "Ursi" von 2004, dies noch mal zur Erinnerung
Ursi hatte bestimmt das Buch 'FROM TIME IMMEMORIAL' by JOAN PETERS gelesen. Ursi's Kommentar kann ich nur zustimmen weil ich ihre Aussagen literarisch bekraeftigen kann. Als das Buch erschien, loeste es einen beidseitigen Sturm der Entruestung aber auch Zuspruches aus. Ich habe mich bisher enthalten daraus zu zitieren, Meinungen sind noch zu sehr 'auseinander' :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Debatten darum, ob der Begriff "Kolonist" angemessen ist, halte ich in diesem Zusammenhang für müßig.

Denn wenn man diskutieren wollte, ob die Gründung des Israelischen Staates ein Akt Kolonialer Landnahme gewesen sein, was einige ja behaupten (ich für meinen Teil halte das für Quatisch), dann wäre der Terminus ohnehin nicht "Kolonist", sondern "Kolonisator".
Da stimme ich Dir bei.
Ich persönlich halte den Begriff "Kolonist" im Sinne von Binnenkolonisation, Landesausbau etc. nicht für besonders sinnvoll, wenn wir einfach nur davon reden, dass eine bestimmte Commonity (egal welche das ist), einfach nur Land aufkauft, um dort in irgendeiner Form gemeinsam zu leben.
Wie waere es mit 'einfach nur verwestes, vernachlaessigtes Land und Swamps aufkauft um sie urban zu machen mit dem Ziel um dort in irgendeiner Form gemeinsam zu leben'?
"Kolonist" würde für mich wenigstens aktives, planvolles Erschließen neuen, bisher wenig bewohnten oder bearbeiteten Landes und dessen systematische Nutzbarmachung o.ä. umfassen
Genau das geschah ja auch. Selbst Mark Twain war voll des Lobes und Erstaunen was die Kolonisten aus dem verwuesteten Boden gestampft hatten.
und zusätzlich irgendeine Art von hierarchischer Unterordnung gegenüber einem Machtzentrum im Aus- oder Inland.
Für Personen, die einfach nur als irgendwie definierte Gruppe in der Diaspora leben, ohne besondere Loyalitäten gegenüber irgendeinem Zentrum, besonderen Rechtsstatus oder Erschließung bisher unerschlossener Territorien zu betreiben, erscheint mir der Begriff "Kolonist", zummindest im Deutschen unpassend (im Englischen mögen die Konventionen andere sein).
??
Die interessantere Frage dahingehend, ob man Zionismus und Kolonialismus irgendwie mitteinander in sinnvollen Zusammenhang bringen könnte, wäre aber die, ob man bei Zionisten sinnvollerweise von "Kolonisatoren", also Personen mit programmatischen Unterwerfungswillen oder jedenfalls Bereitschaft dazu reden kann und das würde ich für den historischen Zionismus (wie gesagt, ich bin kein Fan davon, den Begriff für Gegenwartsphänomene zu verwenden), negieren.
Es ist nicht so kompliziert. Fuer Zionisten galt es lediglich 'to redeem our Eretz Isreal'. Dahin fuehrten viele Wege.
 
Die Empirie bzw. die Wissenschaft spricht eine ganz andere Sprache. Schwarz-Friesel hat anhand tausender Netzkommentaren ganz klar herausgestellt, dass im modernen Antisemitismus des 21. Jahrhunderts uralte Erzählungen sehr lebendig sind.
Das im modernen Antisemitismus alte Erzählungen wieder aufgegriffen werden, belegt allerdings nicht, dass der moderne Antisemitismus in seinen Grundlagen konkret damit korrepsonideren würde, sondern nur, dass seine Anhänger bereit sind alte Erzählungen wieder aus der Mottenkiste zu holen, um sie gegen ihr Feindbild ins Feld zu führen.

Ich habe keine große Lust mit Dir zu diskutieren, wenn ....
Du diskutierst doch sowiso nicht, sondern haut einfach nur Postulate und Nebelkerzen in abwechselnder Folge raus, genau wie du es auch unter deinen vorherigen Pseudonymen "Belissima"/"Penelope" etc. getan hast.

Dich nicht auf Quellen oder wissenschaftliche Literatur beziehst.
In der wissenschaftlichen Debatte um die Anfänge des Kapitalismus gibt es 2 große Richtungen. Eine, die postuliert, der Beginn des Kapitalismus könne am "Kaufmannskapitalismus" des ausgehenden Mittelalters und der FNZ festgemacht werden, die andere, ein wenig mehr Marx folgende Richtung macht es an der "kapitalistischen Produktionsweise" sprich dem fortgeschrittenen Manufakturwesen und dem Beginn der Industrialisierung fest.

Beides passierte im wesentliche nach Luther, oder zeitgleich mit ihm, so dass er vielleicht den Wandel sah, dass aber noch nicht in ein Konzept "Kapitalismus" fassen konnte, während in der Zeit (Leibeigenschaft war ja durchaus ein Thema, mit dem Sich Luther im Rahmen der Bauernkriege zu befassen hatte), noch ganz andere Formen vormoderner Wirtschaft existierten, die mit für den Kapitalismus grundlegender freier Arbeit und freiem Spiel von Märkten nicht so viel zu tun hatten.

Insofern sind Behauptungen à la, bei Luther oder früheren antijudaistischen Ressentiments sie Antikapitalismus die Triebfeder gewesen genau so Bullshit, wie dein Monieren, dass keine große Religion je zu einer ausgereiften Kapitalismuskritik gefunden habe (wie denn, wenn ihre kanonischen Texte nichts dazu hergeben konnten, weil es bei ihrer Entstehung das Phänomen "Kapitalismus" überhaupt noch nicht gab?

Deine Aussagen sind insofern unsinnig, als z.B. in Berlin nur 20 bis 30% der Juden Arbeiter waren (meist aus Osteuropa, der große Rest war bürgerlich), während unter den Protestanten rund 70 Prozent Arbeiter waren.
Die Aussage, dass Antikapitalismus und Antisemitismus als Konzepte miteinander unvereinbar sind, glit logisch bereits, wenn es einen einzigen Juden gibt, der Arbeiter ist und sich im Konflikt mit einem nicht jüdischen Arbeitgeber oder Kapitalisten befindet.

In diesem Fall kann ein Dritter, der diesen Konflikt wahrnimmt, sich entwerder neutral verhalten, dann aggiert er nach überhaupt keinem Paradigma, oder er kann sich auf die Seite des jüdischen Arbeitnehmers schlagen, was dem antikapitalistischen Paradigma entspräche, dem Antisemitischen aber zuwiderliefe, weil er sich dann für die Rechte eines Juden einsetzte. Oder aber er kann sich auf die Seite, des Arbeitgeber/Kapitalisten schlagen, dann bedient er vielleicht das antisemitische Paradigma in dem er sich gegen die Interessen eines Juden stellt, fällt aber gleichzeitig aus dem Antikapitalismus raus, weil er die Interessen eines Kapitalisten/Unternehmers gegen einen Arbeiter/Arbeitnehmer vertritt.

Aus dem Widerspruch kommst du mit noch so viel Lamento nicht heraus.

Acht mal mehr Abitur als Katholiken vier mal mehr Abitur als Protestanten, entsprechend auch mehr Entrichtung an Steuern. Der wahre Grund für den Antisemitismus war der Neid.
Das mag ja in Teilen sein. Hat aber nichts mit Antikapitalismus zu tun, denn eine höhere Soziale Stellung, Reichtum o.ä. machen ja eine Person noch längst nicht zum Kapitalistien, jedenfalls nicht am Marxismus (als historisch dominierende Strömung der politischen Linken), gemessen.

Nach diesem Maßstab ist auch der Abiturient oder der Absolvent einer Hochschule, der als hochbezahlter Angestellter in irgendeinem Unternehmen tätig oder selbstständig ist, ohne aber selbst in größerem Stil bei sich Angestellte zu beschäftigen nach wie vor kein Kapitalist und betreibt keinen Kapitalismus.

Der Rassismus lebt davon, dass man als "Überlegener" auf andere herunterschaut, das ist hier gerade nicht der Fall.
Dementsprechend dürfte auch Hitler, als er in der Zelle in Landsberg "Mein Kampf" geschrieben hat von dir nicht als Antisemit betrachtet werden, denn seiner gesellschaftlichen Stellung nach war der H. ja als staaten- und arbeitsloser verurteilter Häftling, der definitiv am unteren Ende der Gesellschaftspyramiede rangierte, in sozialen Hackordnung ja definitiv mal weniger als die von dir angeführten, persönlich erfolgreichen jüdischen Abiturienten.

Ich überlasse jetzt dir zu entscheiden, ob du dich dafür entscheiden möchtest zu postulieren, dass der H. damals in Landsberg kein Antisemit gewesen sei, oder ob du das unsinnige Postulat lieber zurücknehmen möchtest.

Verse wie „Und der Jud mit krummer Ferse, / Krummer Nas' und krummer Hos' / Schlängelt sich zur hohen Börse / Tiefverderbt und seelenlos“ (Wilhelm Busch) haben mit Rassismus nichts zu tun.
Ich könnte mich nicht daran erinnern in irgendeiner Form Wilhelm Busch diskutiert oder eingeordnet zu haben.

Mit Luther sehr wohl
Nö, weil Luther zwar gegen die Juden sehr ausfällig geworden ist, sie allerdings nicht für ihr sein, sondern für ihr (angebliches) Tun kritisierte und Konvertiten nicht die Anerkennung verweigerte.

Luthers Judenfeindlichkeit (und das ist in diesem Forum bereits x-mal durchgekaut worden), war theologisch, nicht rassistisch motiviert.
 
Weil Du ganz offenkundig nicht in die Thematik eingearbeitet bist, empfehle ich Dir ein bestimmtes Büchlein eines gewissen Henry Ford.
Und da erhalte ich Auskunft darüber, was Bebels Rede mit der Entwicklung nach 1933 zu tun hatte?...
Egal, perspicaque wird ja auch Wilhelm Busch herangezogen, da wundert mich so manches nicht mehr...
 
Die Empirie bzw. die Wissenschaft spricht eine ganz andere Sprache. Schwarz-Friesel hat anhand tausender Netzkommentaren ganz klar herausgestellt, dass im modernen Antisemitismus des 21. Jahrhunderts uralte Erzählungen sehr lebendig sind.
Das mitunter dieselben Geschichten erzählt werden, ändert nichts daran, dass Antijudaismus religiös begründet ist und Antisemitismus rassistisch.

Der wahre Grund für den Antisemitismus war der Neid. Der Rassismus lebt davon, dass man als "Überlegener" auf andere herunterschaut, das ist hier gerade nicht der Fall.
Das ist eine sehr kurz gegriffene Definition von Rassismus.

Verse wie „Und der Jud mit krummer Ferse, / Krummer Nas' und krummer Hos' / Schlängelt sich zur hohen Börse / Tiefverderbt und seelenlos“ (Wilhelm Busch) haben mit Rassismus nichts zu tun.
Nicht? Es werden körperliche Merkmale hervorgehoben, religiöse Merkmale hingegen kommen gar nicht vor.

Mit Luther sehr wohl: „Jawohl, sie halten uns in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein […] sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.“ Na, wenn das keine Kontinuität ist, was ist dann eine Kontinuität?
Ja, der Rassenantisemitismus übernimmt nun mal die Narrative des Antijudaismus. Ist jetzt nicht so mega-überraschend. Wenn die Nazis von Rassenschande, Drei-Viertel-Juden und dergleichen sprachen - das soll kein Rassismus gewesen sein? Was dann fällt noch unter den Begriff Rassismus?!
Wenn Hitler über Kulturvölker schwadronierte und behauptete, dass die Deutschen ein Kulturvolk seien, wohingegen "der Jude" lediglich Kultur kopieren könne und nichts Schöpferisches an sich habe - ist das kein Rassismus? Was dann ist dann noch Rassismus?
 
Und 'Palästinenser' gab es weder damals noch heute, der Begriff entstand in 1964

The word “Palestinian” gained acceptance as a description of Palestine’s Arabic speakers during the first decade and a half of the 20th century. Khalīl Baydas first used the term in 1898, followed by Salīm Qub‘ayn and Najīb Naṣṣār in 1902. Then, after the 1908 Ottoman Constitutional Revolution eased press censorship laws, dozens of periodicals appeared in Palestine, and the term “Palestinian” exploded in usage as result. The newspapers al-Quds (1908–14), al-Munādī (1912–1913), Filasṭīn (1911–1914), al-Karmal (1908–1914) and al-Nafīr (1908–1914) use the term “Filasṭīnī” (in the available issues) about 170 times in more than 110 articles from 1908–1914 [...]​
 
Das mitunte rdieselben Geschichten erzählt werden, ändert nichts daran, dass Antijudaismus religiös begründet ist und Antisemitismus rassistisch.

Gib Dir keine Mühe, Rassismus ist von Grund auf kapitalistisch (Stolz des Überlegenen), Antisemitismus ist von Grund auf anti-kapitalistisch (Neid des Unterlegenen). So ist das nun mal in Piccobellissimos Welt definiert, mit Argumenten ist da nichts auszurichten.

Der wahre Grund für den Antisemitismus war der Neid. Der Rassismus lebt davon, dass man als "Überlegener" auf andere herunterschaut, das ist hier gerade nicht der Fall.
Das begünstigte den Glauben an den Erfolg des "Stärkeren" bzw. "Kompetiveren". Da viele "Reiche" und "Arrivierte" bereits damals keine besonders edle Vergangenheit hatten, wollte man sich über die "Tüchtigkeit", die besseren Werte oder eben gleich über die besseren Gene legitimieren. Im Grunde genommen ist der Rassismus des 19. Jahrhunderts nichts anderes als die Legitimationsideologie des liberalen Kapitalismus
Antisemitismus ist eine bestimmte Form des Antikapitalismus. Im 21. Jahrhundert [sic!] hat man ihn noch mit rassistischem Gedankengut angereichert, das macht aber seinen inneren Wesenskern nicht aus.
 
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