Die Empirie bzw. die Wissenschaft spricht eine ganz andere Sprache. Schwarz-Friesel hat anhand tausender Netzkommentaren ganz klar herausgestellt, dass im modernen Antisemitismus des 21. Jahrhunderts uralte Erzählungen sehr lebendig sind.
Das im modernen Antisemitismus alte Erzählungen wieder aufgegriffen werden, belegt allerdings nicht, dass der moderne Antisemitismus in seinen Grundlagen konkret damit korrepsonideren würde, sondern nur, dass seine Anhänger bereit sind alte Erzählungen wieder aus der Mottenkiste zu holen, um sie gegen ihr Feindbild ins Feld zu führen.
Ich habe keine große Lust mit Dir zu diskutieren, wenn ....
Du diskutierst doch sowiso nicht, sondern haut einfach nur Postulate und Nebelkerzen in abwechselnder Folge raus, genau wie du es auch unter deinen vorherigen Pseudonymen "Belissima"/"Penelope" etc. getan hast.
Dich nicht auf Quellen oder wissenschaftliche Literatur beziehst.
In der wissenschaftlichen Debatte um die Anfänge des Kapitalismus gibt es 2 große Richtungen. Eine, die postuliert, der Beginn des Kapitalismus könne am "Kaufmannskapitalismus" des ausgehenden Mittelalters und der FNZ festgemacht werden, die andere, ein wenig mehr Marx folgende Richtung macht es an der "kapitalistischen Produktionsweise" sprich dem fortgeschrittenen Manufakturwesen und dem Beginn der Industrialisierung fest.
Beides passierte im wesentliche nach Luther, oder zeitgleich mit ihm, so dass er vielleicht den Wandel sah, dass aber noch nicht in ein Konzept "Kapitalismus" fassen konnte, während in der Zeit (Leibeigenschaft war ja durchaus ein Thema, mit dem Sich Luther im Rahmen der Bauernkriege zu befassen hatte), noch ganz andere Formen vormoderner Wirtschaft existierten, die mit für den Kapitalismus grundlegender freier Arbeit und freiem Spiel von Märkten nicht so viel zu tun hatten.
Insofern sind Behauptungen à la, bei Luther oder früheren antijudaistischen Ressentiments sie Antikapitalismus die Triebfeder gewesen genau so Bullshit, wie dein Monieren, dass keine große Religion je zu einer ausgereiften Kapitalismuskritik gefunden habe (wie denn, wenn ihre kanonischen Texte nichts dazu hergeben konnten, weil es bei ihrer Entstehung das Phänomen "Kapitalismus" überhaupt noch nicht gab?
Deine Aussagen sind insofern unsinnig, als z.B. in Berlin nur 20 bis 30% der Juden Arbeiter waren (meist aus Osteuropa, der große Rest war bürgerlich), während unter den Protestanten rund 70 Prozent Arbeiter waren.
Die Aussage, dass Antikapitalismus und Antisemitismus als Konzepte miteinander unvereinbar sind, glit logisch bereits, wenn es einen einzigen Juden gibt, der Arbeiter ist und sich im Konflikt mit einem nicht jüdischen Arbeitgeber oder Kapitalisten befindet.
In diesem Fall kann ein Dritter, der diesen Konflikt wahrnimmt, sich entwerder neutral verhalten, dann aggiert er nach überhaupt keinem Paradigma, oder er kann sich auf die Seite des jüdischen Arbeitnehmers schlagen, was dem antikapitalistischen Paradigma entspräche, dem Antisemitischen aber zuwiderliefe, weil er sich dann für die Rechte eines Juden einsetzte. Oder aber er kann sich auf die Seite, des Arbeitgeber/Kapitalisten schlagen, dann bedient er vielleicht das antisemitische Paradigma in dem er sich gegen die Interessen eines Juden stellt, fällt aber gleichzeitig aus dem Antikapitalismus raus, weil er die Interessen eines Kapitalisten/Unternehmers gegen einen Arbeiter/Arbeitnehmer vertritt.
Aus dem Widerspruch kommst du mit noch so viel Lamento nicht heraus.
Acht mal mehr Abitur als Katholiken vier mal mehr Abitur als Protestanten, entsprechend auch mehr Entrichtung an Steuern. Der wahre Grund für den Antisemitismus war der Neid.
Das mag ja in Teilen sein. Hat aber nichts mit Antikapitalismus zu tun, denn eine höhere Soziale Stellung, Reichtum o.ä. machen ja eine Person noch längst nicht zum Kapitalistien, jedenfalls nicht am Marxismus (als historisch dominierende Strömung der politischen Linken), gemessen.
Nach diesem Maßstab ist auch der Abiturient oder der Absolvent einer Hochschule, der als hochbezahlter Angestellter in irgendeinem Unternehmen tätig oder selbstständig ist, ohne aber selbst in größerem Stil bei sich Angestellte zu beschäftigen nach wie vor kein Kapitalist und betreibt keinen Kapitalismus.
Der Rassismus lebt davon, dass man als "Überlegener" auf andere herunterschaut, das ist hier gerade nicht der Fall.
Dementsprechend dürfte auch Hitler, als er in der Zelle in Landsberg "Mein Kampf" geschrieben hat von dir nicht als Antisemit betrachtet werden, denn seiner gesellschaftlichen Stellung nach war der H. ja als staaten- und arbeitsloser verurteilter Häftling, der definitiv am unteren Ende der Gesellschaftspyramiede rangierte, in sozialen Hackordnung ja definitiv mal weniger als die von dir angeführten, persönlich erfolgreichen jüdischen Abiturienten.
Ich überlasse jetzt dir zu entscheiden, ob du dich dafür entscheiden möchtest zu postulieren, dass der H. damals in Landsberg kein Antisemit gewesen sei, oder ob du das unsinnige Postulat lieber zurücknehmen möchtest.
Verse wie „Und der Jud mit krummer Ferse, / Krummer Nas' und krummer Hos' / Schlängelt sich zur hohen Börse / Tiefverderbt und seelenlos“ (Wilhelm Busch) haben mit Rassismus nichts zu tun.
Ich könnte mich nicht daran erinnern in irgendeiner Form Wilhelm Busch diskutiert oder eingeordnet zu haben.
Nö, weil Luther zwar gegen die Juden sehr ausfällig geworden ist, sie allerdings nicht für ihr sein, sondern für ihr (angebliches) Tun kritisierte und Konvertiten nicht die Anerkennung verweigerte.
Luthers Judenfeindlichkeit (und das ist in diesem Forum bereits x-mal durchgekaut worden), war theologisch, nicht rassistisch motiviert.