Wasser und Brot-Konstanten bei Varus `Rückkehr?

Sie wurden auch nicht in die Pontes longi gelockt, es war eine Entscheidung des Germanicus: Eine Fehlentscheidung.

Es gab halt drei grundsätzliche Möglichkeiten:

1. Den Rückweg über eine bereits verkehrstechnisch erschlossene Trasse zu nehmen, auf der zügiges Vorwärtskommen möglich war
2. Den Rückweg über unerschlossene Umwege zu probieren, sumpfige Flussauen an Stellen zu überqueren, wo es keinerlei Brücken gab etc.
3. Den Rückweg gar nicht erst anzutreten, sondern an der Ems zu bleiben und dort auszuprobieren, wie lange man mit den begrenzten Vorräten dort überwintern konnte.
 
Das ist eine maliziöse Antwort: Als guter Ratschlag des treuen Ratgebers Arminius ist das sehr schön formuliert und mit einem leichten Lächeln serviert.

Germanicus hat sich dann so verhalten wie es die Germanen erwartet hatten. Oben auf dem Berg singen die Germanen, spielen an den Hydranten, unten in Sumpf und Tal schanzen die Römer.

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Natürlich sind die Einwände alle richtig: Die schriftlichen Quellen geben nicht mehr her, und es gibt keine erhellenden oder beweisenden archäologischen Funde.

Es stellt sich mir eine andere Frage: Wenn die Truppen des Caecina von Xanten aus, auf dem Hinweg zur Ems, auf einer nördlich der Pontes longi liegenden Strecke, unbehelligt auf gangbaren Wegen oder Trassen gezogen waren, dann hätten sie auf dem Rückweg doch viel besser diese bekannte und sichere Trasse tangential schneiden und auf ihr den Rückweg fortsetzen können?

Waren die Pontes longi u.U. nur eine Stichstraße, zu diesem Hinweg hin, und eher in Nord-Süd-Richtung gelegen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Germanicus hat sich dann so verhalten wie es die Germanen erwartet hatten.
Er hat die Truppen nach Hause geschickt, wie es zu erwarten war, und er hatte auch keine andere Wahl, als das mit einem Rückweg verbundene Risiko einzugehen: Die Germanen wussten, wohin die Römer unterwegs waren. Ich schreibe immer wieder dasselbe...

Die Lebenswirklichkeit sieht so aus, dass, wenn man riskante Örtlichkeiten ausschließen will, gar nicht erst zum Feldzug aufbrechen darf. Wenn man längere Strecken über Land marschiert, liegen früher oder später Berge, Wälder, Flüsse oder Sümpfe im Weg, die man durchqueren muss. Und wenn der Feind damit rechnen kann, dass man irgendwo ein Nadelöhr passieren muss, kann er das ausnutzen.

Bei den Feldzügen in Germanien war es regelmäßig so, dass den Römern überraschende Vorstöße gelangen (die germanische Spionage scheint auch nicht richtig funktioniert zu haben, da sie den Marschweg nie genau im Voraus kalkulieren konnten); auf dem Rückweg war es anders, die Germanen wussten ja, wohin die Römer wollten (natürlich zurück in ihre Standlager), daher konnten sie sich auf die Engstellen konzentrieren. So ist es vor Varus schon Drusus ergangen und nach Varus dann auch wieder Germanicus bzw. Caecina...

Drusus kam 11 v. Chr. zur Weser, dann musste er laut Dio umkehren, da die Vorräte nicht für ein weiteres Ausgreifen nach Osten gereicht hätten. Die Engstelle war ein Tal bei Arbalo, schreibt Dio, da wurden die römischen Truppen eingekesselt und wären um ein Haar vernichtet worden.

Germanicus überfiel 14 n. Chr. die Siedlungen der Marser, um ein sich über 75 km erstreckendes Massaker zu veranstalten. Auf dem Rückweg musste das Heer durch einen bewaldeten Höhenzug, diesen hatten die Brukterer, Tubanten und Usipeter besetzt, um hier die Römer in die Zange zu nehmen.

Und letztlich lese ich auch nichts anderes bei Wolters: Weder Drusus noch Caecina hatten die Option, sich wieder zur Weser bzw. zur Ems zurückzuziehen oder gar einen für die Gegner unkalkulierbaren bzw. unerreichbaren Umweg z. B. übers schöne Oberfranken zu nehmen. In solchen Situationen waren die Römer stets gezwungen, sich an Ort und Stelle auf die Auseinandersetzung mit den Wegblockierern einzulassen.
 
Exkurs für einen Bekannten, bitte durchgehen lassen

Für Noêl

Die Varusschlacht

Die Varusschlacht war keine örtliche beschränkte Schlacht, sondern eine mehrtägige Zermürbungsschlacht mit punktuellen Angriffen auf- und entlang eines Heerzuges.

Ausgangspunkt war eine Täuschung des Varus. Dieser sollte sich wie in einem befreundeten und sicheren Land fühlen, und mit dieser vermeintlichen Sicherheit im Rückeneinen Aufstand entfernt lebender Germanen befrieden.

Die Befriedung eines Aufstandes gehörte zu den Ordnungsaufgaben, die Varus zu erledigen hatte.

Man kann annehmen, daß der behauptete Aufstand lediglich als Lockmittel dienen sollte, um Varus zum Aufbruch in dieses Gebiet zu bewegen. Ob Arminius einen Aufstand lediglich vortäuschte oder ob er tatsächlich seinen eigenen geplanten Aufstand meinte , kann dahinstehen.

Allerdings ist es belustigend zu überlegen,daßArminius gelogen hat, als er dem Varus von einem Aufstand berichtete, der tatsächlich nie vorlag, aber die Wahrheit sagte, als er seinen eigenen Aufstand meinte(eigene Meinung).



Über die Schlacht selbst, dem Beginn der Feindseligkeiten, berichten in der Hauptsache Cassius Dio sowie Tacitus bei der Schlachtfeldbegehung durch Germanicus.
Es ist aber zu berücksichtigen, daß beide römischen Verfasser ihre eigenen Vorstellungen von der Schlacht hatten und Tacitus 100 Jahre und Dio 200 Jahre später schrieben.
Eine weitere Unsicherheit ergibt sich durch die Übersetzungen der Originaltexte.

Man kann also sagen, daß wir aus zweiter oder dritter Hand lesen.Dazu kommt noch, daß sowohl Tacitus als auch Dio auf Berichte von Dritten zugegriffen haben, die auch über das Varusereignis berichtet haben. Ob Senatsberichte auch eine Grundlage waren, kann ich nicht sagen.

Tatsache ist aber, daß das Ereignis in Rom bekannt wurde und Augustus zur Auflösung seiner Bataverleibwache und zur zwangsweisen Aushebung neuer Soldaten zur Auffüllung der Lücke zwang, die der Verlust von drei Legionen, sechs Kohorten und drei Alen mit sich gebracht hatte.



„Dem Untergang des Varusheeres kommt im Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit nicht nur der Platz eines radikalen Wendepunktes in der Beziehung zwischen Römern und Germanen zu,sondern ihm werden auch bis in die Gegenwart reichende Konsequenzen für die europäische Geschichte, wenn nicht für die Weltgeschichte überhaupt, zugemessen.

Um die Perspektive der Zeitgenossen handelt es sich dabei freilich nicht:Die Varuskatastrophe stellte weder militärisch noch politisch einen Einschnitt dar.Fraglos machte der Verlust von drei Legionen sie zu einer der besonders schweren Niederlagen des Römischen Reiches. Doch wegen eines einzigen militärischen Mißerfolges aus einem vormals beherrschten Gebiet zurückzuweichen, entsprach keineswegs römischem Selbstverständnis, und es war auch keine von Rom geübte Praxis“.

. (Suet.Aug, 23,2,vgl Dio 56,23,1 ff, Oros 6,21,26 f, in:Die Schlacht im Teutoburger Wald, Reinhard Wolters,1. Akt. Auflage 2017, Verlag C.H.Beck)
:)
 
Und letztlich lese ich auch nichts anderes bei Wolters: Weder Drusus noch Caecina hatten die Option, sich wieder zur Weser bzw. zur Ems zurückzuziehen oder gar einen für die Gegner unkalkulierbaren bzw. unerreichbaren Umweg z. B. übers schöne Oberfranken zu nehmen. In solchen Situationen waren die Römer stets gezwungen, sich an Ort und Stelle auf die Auseinandersetzung mit den Wegblockierern einzulassen.
Sepiola hat trefflich beschrieben, unter welchen Bedingungen das Wörtchen "stets" verwendet wird.....ElQuijote auch.
Ist aber interessant, wie so ein Wörtchen Widerspruch erregt und vor allen Dingen...welchen.
Stets-situationsbedingte Optionslosigkeit.
 
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