Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Dass es unter Muslimen viele Antijudaisten gibt (mit Antisemitismus als Begriff habe ich hier semantisch so meine Probleme, weil Araber ja nun auch unter den Begriff Semiten fallen), ist unbestritten und dass dieser ekelhaft ist, nicht minder. Ich habe es selber in Jordanien erlebt, wo wir als Deutsche begrüßt wurden mit "Deutsche sind super, Hitler ist super, der hat/ihr habt die Juden getötet."
Der moderne arabische/muslimische Antijudaismus hat sich deutlich beim Stürmer bedient. Also in israelfeindlichen Haltungen von Muslimen wird oft der europäische Antisemitismus kopiert.
Nur wenn Araber Semiten sind und Juden Semiten sind, finde ich es einfach semantisch schwer von Antisemitismus zu reden.
au contraire Wikipedia (Artikel Antisemitismus)
Historisch richtete sich das Wort nie gegen die „Semiten“, zu denen auch Araber gehören, sondern nur gegen Juden, sollte also deren Ausgrenzung und Verfolgung ursprünglich legitimieren, nicht kritisieren.[9]Der Ausdruck ist also eine etymologische Fehlprägung und vom Ursprung her rassistisch und pseudowissenschaftlich.[10]
Seit 1945 bezeichnet „Antisemitismus“ in kritischer Absicht alle Aspekte judenfeindlicher Ideologie, die den Holocaust ermöglicht, vorbereitet, begleitet und gerechtfertigt haben. Obwohl das eingebürgerte Wort historisch stets Feindschaft gegen Juden, nicht Semiten meinte, kritisieren Rechtsextreme oder Araber bis heute seine angebliche Unschärfe, sei es aus Unkenntnis, vermeintlicher Bauernschläue oder als Schutzbehauptung gegenüber einem Antisemitismusvorwurf.[12]
...damit können wir die semantische Spiegelfechterei doch ad acta legen.

Was die Formulierung vom "importierten Antisemitismus" betrifft:
Ich sage nur, was ich wahrnehme: Dass die am lautesten vom importierten Antisemitismus schwadronieren - den gibt es, ganz ohne Frage! - die gleichzeitig den Nationalsozialismus als Fliegenschiss der Geschichte bezeichnen.
und um nun auch "semantisch" zu jonglieren: wenn es ganz ohne Frage importierten Antisemitismus gibt, egal wer von ihm schwadroniert und egal wer sich vernünftig dazu äussert, dann ist der selbstverständlich antisemitisch (alles andere wäre satz- und begriffslogisch unsinnig)

Aber weder diese Faktenlage, noch der Umstand, dass auf #150 reflexartig reagiert wurde, klärt meiner Ansicht nach die titelgebende Frage dieser Diskussion hier. Ich kann nicht beurteilen, ob die Gründung der lächerlichen NPD 1964 und später ähnlicher Sumpfblüten in diesem Fahrwasser eine Folge der gescheiterten Aufarbeitung der Nazizeit ist (sofern die plakative immanente These im Titel überhaupt komplett haltbar ist)
 
Wenn die AfD an einem sonnigen Sommertag sagt, dass wir schönes Wetter haben, und ich sage "stimmt!", bin ich dann der AfD auf den Leim gegangen? Ein Klima-Leugner, ein AfD-Sympathisant?
Das geht doch etwas an der Realität vorbei. Wenn wir hier einen schönen Sommertag haben, wird die AfD nicht sagen, das wir schönes Wetter haben, sondern sie sie wird dann sagen "Wir haben das schlimmste Wetter in ganz Europa und dass liegt an den "linksgrün Versifften"/"Den illegalen Einwanderern","LGBTQ-Personen" oder wahlweiser der "halbkommunistischen" Merz-Regierung".

An welchem ihrer Feindbilder ist ja egal, Hauptsache durch Lügen die Bevölkerung aufhetzen, auch wenn es überhaupt keinen Anlass zum Aufregen gibt.

Du könntest vielleicht, einen Tag mit Scheißwetter, an dem es regnet und stürmt erwischen, an dem die ewigjammernde AfD schlechtes Wetter beklagt.
Der Unterschied ist nur, du würdest das Wetter beklagen. Die würde in erster Linie daran beklagen das Wind und Regen gut für erneuerbare Energien, Grundwasserspiegel und die zu erwartende Ernte sind

Die Beobachtung der AfD würde sich vielleicht zufällig mit deiner decken. Könntest du aber auch der umgekehrten Perspektive der AfD "wäre besser, wenn wir Flaute und brennende Hitze hätten, damit die Windparks bankrott machen und der Wassermangel die Bauern ins Lager der Unzufriedenen treibt" zustimmen?

Das ist doch die eigentliche Frage, denn was von der AfD kommt, das sind ja keine oberflächlichen Beobachtungen allein, sondern immer auch eine damit verbundene Agenda. Und um da nicht missverstanden zu werden, mir ist natürlich, wie auch allen anderen hier klar, dass du weit davon entfernt bist nach Schlumpfhausen zu gehören.
 
Ich kenne eine einzige liberale Moschee, die von Seyran Ates. Ich weiß gar nicht, ob es die überhaupt noch gibt, 1923 erklärte die Gemeinde, dass sie schließen müssen, weil sie sich die Security nicht mehr leisten können. Leute wie Hamed Ab del Samad und Ahmad Mansour leben 24/7 unter Polizeischutz. Den Islam zu kritisieren, ist lebensgefährlich.

Es muss natürlich heißen 2023.
 
Seit 1945 bezeichnet „Antisemitismus“ in kritischer Absicht alle Aspekte judenfeindlicher Ideologie, die den Holocaust ermöglicht, vorbereitet, begleitet und gerechtfertigt haben. Obwohl das eingebürgerte Wort historisch stets Feindschaft gegen Juden, nicht Semiten meinte, kritisieren Rechtsextreme oder Araber bis heute seine angebliche Unschärfe, sei es aus Unkenntnis, vermeintlicher Bauernschläue oder als Schutzbehauptung gegenüber einem Antisemitismusvorwurf.[12]
...damit können wir die semantische Spiegelfechterei doch ad acta legen.
Wir legen die Spiegelfechterei brav ad acta, und die meisten von uns werden sich nur noch heimlich darüber ärgern, dass ein wortwörtliches Verständnis von Antisemistismus nichts mit der Bedeutung zu tun hat, die das Wort tatsächlich hat - heimlich, weil die meisten von uns keine Araber sind und natürlich niemand mit Rechtsextremen in einen Topf geworfen werden möchte.
 
Angesichts der Herausgabe der NSDAP-Archivalien neulich war in der 'New York Times' (!) zu lesen, dass sich selbst die Nachfahren der Opfer heute mitunter (negativ) verwundern würden, wie bereitwillig die Deutschen über die Taten ihrer Vorfahren redeten. Und ich muss gestehen, dass mir beim Mitlesen von 'Spiegel Debatte' spontan das Wort der "Nabelschau" in den Sinn kam. Da herrschte mitunter ein regelrechtes Ergötzen, wenn der eigene Name in der NSDAP-Kartei auftauchte, oft in Verkennung der Tatsache, dass eigentlich nur eine frühe Mitgliedschaft in der Partei wirklich aussagekräftig ist, und man durchaus kein Parteibuch brauchte, um zum Schlächter zu werden. (Vielen Deutschen scheint gar nicht bekannt zu sein, dass sich Wehrmachtssoldaten erst ab 1944 in der NSDAP betätigen durften.)

Ich muss in diesem Zusammenhang an Niklas Frank, den Sohn des Generalgouverneurs von Polen Hans Frank denken. Frank veröffentlichte 1987 eine Biographie "Der Vater" und später auch eine Biographie seiner Mutter Brigitte Frank und seines Bruders. Frank hat für die Biographie seiner Eltern sicher eine Menge von Quellen und Archivalien bearbeitet, aber Manches wirkt verstörend, etwa wenn Frank schreibt, dass er mastubiert habe beim Gedanken an die Hinrichtung von Hans Frank.

Die Sozialwissenschaftlerin Hanitzsch schrieb ein Buch über Täterkinder, in der sie sich sehr kritisch zu Niklas Franks Werk äußert.

Ralph Höß ist der Enkel von Rudolf Höß, dem Kommandanten von Auschwitz. Höß erfuhr erst als Jugendlicher, wer sein Opa war, er ging in Schulen, sprach zu Schülern. 2010 fuhr er mit Eldad Beck nach Auschwitz, der einen Dokumentarfilm drehte. Dadurch wurde Ralph Höß bekannt, wurde in Talkshows eingeladen. Höß ließ sich symbolisch von der Holocaust-Überlebenden Eva moses Kor adoptieren. Mit der Zeit sickerte aber einiges durch. Eldad Beck war nur auf Höß aufmerksam geworden, weil der Fotos aus Opas Familienalbum der Gedenkstätte Yad Vashem nicht etwa schenken, sondern sie verkaufen wollte. Eldad Beck und auch die Seite Gelsenkirchen werfen Höß vor, dass er sehr geschäftstüchtig versucht, Auschwitz als Geschäftsmodell zu nutzen. Zuletzt wurde er wegen Betrug verurteilt.
 
Um die Tagespolitik hinter uns zu lassen, würde ich das Thema Migration gerne aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Ein Viertel der Wohnbevölkerung Deutschlands stammt von mindestens einem eingewanderten Elternteil ab; 14,8% sind Ausländer ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Und diese Menschen sind in Masse keine "Gastarbeiter" mehr—Expats, die irgendwann wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren wollen, und denen man deshalb gemeinhin keine Integrationsbemühungen abverlangt. Nein, sie beabsichtigen zu bleiben. Meiner Ansicht nach hat man in Deutschland bisher völlig versäumt, diese Realität irgendwie mit der deutschen Erinnerungskultur in Einklang zu bringen.

Denn woran knüpft diese eigentlich an? Knüpft sie am "Staat" an, also an der Struktur und den Organen unseres Gemeinwesens? Das scheint mir nicht die richtige Antwort zu sein; denn die Bundesrepublik Deutschland ist als Gegenentwurf zum Nazi-Staat verfasst, und bei aller berechtigten Kritik an den "braunen Altlasten" der jungen Bonner Republik, gelang ihr doch das bemerkenswerte Kunststück, sogar Altnazis in den Dienst der Werte des Grundgesetzes zu stellen. Der "Staat" funktioniert, er gehört zu den demokratischsten und rechtsstaatlichsten weltweit.

Aus diesem Blickwinkel wäre die Aufarbeitung ein abgeschlossener Prozess.

Knüpft sie mithin am Begriff der "Nation" an? Das wäre mit erheblichen Definitionsproblemen verbunden, denn die "Nation" wandelt sich beträchtlich, nicht nur—aber insbesondere auch—in letzter Zeit. 14,8% Ausländer sind definitionsgemäß nicht Teil dieser Nation, selbst wenn sie hier ihr ganzes Leben verbringen sollten. Die Identität der anderen 85,2% ist durchaus nicht mehr uniform, wandelt sich stetig, und nicht wenige Menschen (ob autochthon oder migrantisch) haben mit der deutschen Nation wenig am Hut.

Was schließlich zur Frage führt, ob unsere Erinnerungskultur nicht sogar dediziert völkisch ist, weil sie am Ende ja irgendwie doch auf die Abstammung von den Tätern abstellt, die eine besondere Verantwortung begründete. Diese Verantwortung werden Einwanderer naturgemäß nicht fühlen. Manchen Berechnungen zufolge wird 2060 mehr als die Hälfte der Bewohner dieses Landes einen Migrationshintergrund haben. Was bedeutet das für den Umgang mit dem geschichtlichen Erbe?
Angesichts der Herausgabe der NSDAP-Archivalien neulich war in der 'New York Times' (!) zu lesen, dass sich selbst die Nachfahren der Opfer heute mitunter (negativ) verwundern würden, wie bereitwillig die Deutschen über die Taten ihrer Vorfahren redeten. Und ich muss gestehen, dass mir beim Mitlesen von 'Spiegel Debatte' spontan das Wort der "Nabelschau" in den Sinn kam. Da herrschte mitunter ein regelrechtes Ergötzen, wenn der eigene Name in der NSDAP-Kartei auftauchte, oft in Verkennung der Tatsache, dass eigentlich nur eine frühe Mitgliedschaft in der Partei wirklich aussagekräftig ist, und man durchaus kein Parteibuch brauchte, um zum Schlächter zu werden. (Vielen Deutschen scheint gar nicht bekannt zu sein, dass sich Wehrmachtssoldaten erst ab 1944 in der NSDAP betätigen durften.)
Meinen Kritikpunkt noch mal aufgreifend, eine aktuelle Schlagzeile des 'Spiegel':
Kein Treffer in der Nazi-Kartei? So können Sie weitersuchen
Wer in der NSDAP-Mitgliederkartei bisher nicht fündig wurde, muss nicht aufgeben. Hier eine Anleitung, wie Sie Ihre Familiengeschichte im Nationalsozialismus weiter recherchieren können.
"Muss nicht aufgeben", das klingt fast enttäuscht.
 
Knüpft sie mithin am Begriff der "Nation" an? Das wäre mit erheblichen Definitionsproblemen verbunden, denn die "Nation" wandelt sich beträchtlich, nicht nur—aber insbesondere auch—in letzter Zeit. 14,8% Ausländer sind definitionsgemäß nicht Teil dieser Nation, selbst wenn sie hier ihr ganzes Leben verbringen sollten. Die Identität der anderen 85,2% ist durchaus nicht mehr uniform, wandelt sich stetig, und nicht wenige Menschen (ob autochthon oder migrantisch) haben mit der deutschen Nation wenig am Hut.

Wenn ich mir die Frage erlauben darf: Wann war sie denn uniform?

Bis zum Ende des Kaiserreiches umfasste Deutschland Gebiete von nicht unerheblicher Ausdehnung (Posen, Teile Westpreußens, Masuren, Oberschlesien, Elsass-Lothringen), in denen Personen, die sich zur deutschen Nation zugehörig fühlten und von der Mehrheit auch als solche akzeptiert wurden, in der Minderheit waren.

Selbst in der Weimarer Republik, gibt es mit dem verbleibenen Oberschlesien und Masuren, noch immer zwei größere zusammenhängende Gebiete, wo man da ein Fragezeichen drann machen könnte, was die Bevölkerung betrifft.
Und hat anno sagen wir 1920 ein Bayer die gleichen Erinneringskulturen und Traditionen gehabt, wie jemand aus dem Freistaat Sachsen, aus dem Rheinland oder irgendwo aus Königsberg, wo man zwar kulturell irgendwie immer deutsch war, aber mit dem Zusammenhang der anderen Deutschen Staaten erst seit 1871 wirklich etwas zu tun hatte, während man noch in den Zeiten des Deutschen Bundes im 19. Jahrhundert, zwar Teil Preußens, aber bundesfremdes Territorium war?

Und kann man für die Zeit der deutschen Teilung von einer einheitlichen Nation und Erinnerungskultur/Tradition sprechen?

Ich stelle mal die provokante These in den Raum, dass man von einer einigermaßen gleichen Erinnerungskultur und nationalen Homogenität wahrscheinlich am allerehesten noch für die Zeit zwischen 1918 und 1938 sprechen kann, dass außerhalb davon aber in der deutschen Geschichte eigentlich immer ein Zusammenhang mit vielleicht 10-15 Prozent Personen bestand, die in die Schablone "deutsche Nation" als Selbstidentität (und auch in der Form, dass es von der Mehrheit akzeptiert wurde) nicht unbedingt reinpassten.
Und ob die Erinnerungskultur der EX-DDR-Bürger so ohne weiteres mit der der altbundesdeutschen zusammengewachsen ist, nun, ich habe meine Zweifel drann.

Du hast vollkommen recht damit, dass es diese Probleme gibt, Erinnerung und Umgang mit der NS-Zeit auch an Gruppen zu vermitteln, die über ihre eigene Familiengeschichte und ihre Herkunftsländer damit nicht unbedingt einen direkten Bezug haben.
Aber diese Problematik mit einer Geschichtserzählung und Erinnerungspolitik nicht alle mitzunehmen und einige Gruppen nicht erreichen zu können, ist ja nicht neu.
 
denn die Bundesrepublik Deutschland ist als Gegenentwurf zum Nazi-Staat verfasst, und bei aller berechtigten Kritik an den "braunen Altlasten" der jungen Bonner Republik, gelang ihr doch das bemerkenswerte Kunststück, sogar Altnazis in den Dienst der Werte des Grundgesetzes zu stellen. Der "Staat" funktioniert, er gehört zu den demokratischsten und rechtsstaatlichsten weltweit.
ich kann darin weder eine Leistung, noch ein Kunststück erkennen. Das waren Folgen von teilweise älteren Seilschaften, teilweise von personeller Notwendigkeit (keiner mit passender Qualifikation direkt sonst verfügbar), teilweise Vertuschung; und unter den nach 45 weiter beschäftigten Altnazis mag es welche gegeben haben, die entnazifiziert waren, die sich geändert hatten und etliche Opportunisten (ich habe den Verdacht, dass das die umfangreichste Gruppe unter diesen war)
Was schließlich zur Frage führt, ob unsere Erinnerungskultur nicht sogar dediziert völkisch ist, weil sie am Ende ja irgendwie doch auf die Abstammung von den Tätern abstellt, die eine besondere Verantwortung begründete.
pointiert gesagt statt Ariernachweis wäre ein ethnisch-genealogischer "Nazinachweis" nötig, wobei selbst dieser nicht unproblematisch wäre: abgesehen von der Frage, ob "Nazi" eine völkische ethnische Kategorie sein kann, muss man konstatieren, dass das NS Regime ein weitaus größeres Territorium als das von BRD und DDR beherrschte und dass an den Rändern quasi nicht unerheblich wenige Gruppen sich willfährig den Nazis anschlossen. Für letzteres als nur ein Exempel:
In zunehmendem Maße wurde die Vorstellung, Juden würden eine Bedrohung der polnischen Nation darstellen, zum grundlegenden Bestandteil der Programme und Rhetorik der nationalistischen Bewegung. In der Zeit zwischen den Weltkriegen verschärften und intensivierten sich antisemitische Narrative im öffentlichen Diskurs. Die Gewalt gegen die jüdische Minderheit nahm zu. Die Zeit der nationalsozialistischen Besatzung Polens 1939 bis 1945 hatte natürlich unmittelbare Auswirkungen auf die polnisch-jüdischen Beziehungen. Der von Nazi-Deutschland organisierte und durchgeführte Holocaust fand größtenteils in Polen statt.
Jüdinnen und Juden, die fliehen konnten und sich verstecken mussten, waren auf die Mithilfe ihrer polnischen Nachbarn angewiesen – dies unter dem Einfluss massiver antisemitischer Nazi-Propaganda und Gesetzen, die zu schweren Bestrafungen für jegliche Form der Hilfe für Jüdinnen und Juden führten. Gleichwohl gibt es viele Beispiele heroischen Einsatzes von Teilen der polnischen Bevölkerung, die in der Rettung ihrer jüdischen Nachbarn involviert waren. Und gleichzeitig gab es Menschen, die nicht halfen oder helfen konnten, die indifferent blieben und solche, die an der Verfolgung teilnahmen. Dies reichte von Denunziationen zum eigenen materiellen Vorteil, bis hin zu organisierten Pogromen und Massenverbrechen (beispielsweise in Radziłów und Jedwabne Zur Auflösung der Fußnote[10]).
zitiert aus: Antisemitismus in Polen | Antisemitismus | bpb.de
Um nicht falsch verstanden zu werden: das zitierte Beispiel ist keinesfalls eine Art deutsche-Nazis-Entlastung, sondern demonstriert, dass eine wie du formulierst "völkische" Betrachtung - egal, von wem - problematisch ist.
Mir scheint, bei allen unbestrittenen Mängeln, dass heutige deutscher Aufarbeitung (beginnend mit der sich wandelnden Aufarbeitung in der BRD seit grob gesagt 1960/70) noch am weitesten gediehen ist.
 
Gaza wurde regelrecht platt gemacht, die Bewohner in Kollektivschuld genommen und die des Westjordanlandes gleich mit. Es sind dort sind Hunderttausende gestorben.


Laut Wikipedia sind 15.000 Hamas Angehörige getötet worden. 71.000 wurden getötet, 171.000 verletzt. Das sind die Zahlen, die von der PNA dem Hamas-Gesundheitsministerium stammen oder denen von der OSHA. Ich denke, dass da eine gewisse Skepsis durchaus angebracht ist. Ganz sicher sind in den besetzten Gebieten schon Araber unter skandalösen Umständen getötet worden von jüdischen Siedlern. Es sind aber auch Araber getötet worden, nicht weil sie Gänseblümchen gepflückt haben, sondern weil sie abscheuliche Verbrechen begangen haben, weil sie abscheuliche Taten geplant haben und es die einzige Möglichkeit war, sie daran zu hindern noch mehr Menschen zu töten und zu vergewaltigen.

15.000 Hamas-Angehörige wurden von den Israeli getötet, diese Zahlen hat Israel selbst bestätigt, diese können wohl als gesichert gelten-


Es gibt inzwischen eine Studie des deutschen wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestags, die enthüllt, wie die Hamas Statistik als politische Waffe einsetzt, aber auch wie viele westliche "Qualitätsmedien" ungeprüft Zahlen und auch Formulierungen der Hamas übernommen haben. Fakt ist doch, dass es in Gaza gar keine Medien gibt, die der Hamas nicht genehm sind, gäbe es welche, würden sie nicht lange berichten.

Eine ganze Reihe von Medien, ein Rudel von NGOs hat unkritisch über Monate die Meldungen des Hamas Gesundheitsministeriums übernommen.
In der Studie des WD (Aktenzeichen WD2-3000-016/25 Fachbereich: WD2: Auswärtiges, Völkerrecht, Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Verteidigung, Menschenrechte und humanitäre Hilfe) heißt es, dass die Meldungen der PNA die einzige Quelle war für Angaben über Todesopfer in Gaza. Internationale Organisationen und NGOs greifen auf diese Zahlen zurück, ohne sie wie in früheren Konflikten selbst überprüfen zu können. Die OCHA, das Büro der Uno für die Koordination humanitärer Angelegenheiten räumte in seinem ersten Bericht ein, dass es gar nicht in der Lage sei, die Angaben der PNA zu überprüfen.

Die OCHA und andere NGOs stützten sich auf diese Zahlen, versah sie nur mit dem Hinweis, dass sie sich nicht unabhängig verifizieren lassen.
Der Hamas die Erhebung von Daten über Todesopfer zu überlassen, das ist ungefähr so, als würde man Clanchefs die polizeiliche Kriminalstatistik ausarbeiten lassen, die dann bemerkenswert niedrig niedrig ausfallen würde. Die Autoren der Berichts über die zivilen Todesopfer in Gata geben akribisch Auskunft, dass diese Zahlen nicht nur unzuverlässig sind, sondern auch propagandistisch eingefärbt. Da ist stets von "Märtyrern infolge israelischer Aktionen " die Rede, ein Begriff, der hochproblematisch und ideologisch vorbelastet ist. In einem Leitfaden für Social-Media Sprachgebrauch empfahl die Hamas schon 2014 alle Toten grundsätzlich als "Zivilisten aus Gaza oder Palästina" zu bezeichnen, bevor ihr militärischer Rang bei der Hamas oder ihr Status als Dschihadist thematisiert werde.
Bei allen Zahlen über Getötete bei israelischen Aktionen sollte stets die Bezeichnung "unschuldiger Bürger" oder unschuldiger Zivilist" hinzugefügt werden.

In den Zahlen des Gesundheitsministeriums wird gar nicht unterschieden zwischen Zivilisten, Kombattanten und tatsächlichen zivilen Opfern.
Auffällig an den Zahlen war auch, dass bei den Statistiken der Gesundheitsministeriums es immer wieder zu einem auffälligen Anstieg, einem sprunghaften Anstieg der Opferzahlen, besonders bei Frauen und Kindern kam, der statistisch auffällig war. kam. So erhöhte sich am 26-10. 2023 die Zahl der getöteten Frauen und Kinder um 626, obwohl die Gesamtzahl der Todesopfer insgesamt nur um 481 anstieg.

Auffällig auch ein sprunghafter Anstieg der gemeldeten Todesfälle des Al Aqsha-Hospitals. April 2024 meldeten die in einer einzigen Woche 1600 Tote, die Hälfte davon Kinder. Das sind die plumpen Fälschungen wie man sie von einer Terrororganisation erwarten kann.

Als die Krankenhäuser ausfielen, ging das PNA über "zuverlässige Quellen" heranzuziehen, welche das sein sollten und wie sie die Zahlen ermittelten, ist unklar, das Health Information Center, eine Unterabteilung der PNA teilte nur mit, das journalistische Arbeit nicht als Datengrundlage diente. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass da einige Tote drei, vier oder fünf mal gezählt wurden, dass gefälscht und manipuliert wurde, vor allem überhaupt nicht differenzier wurde zwischen Kombattanten und Zivilisten. Vom Ministerium wurden vorgedruckte Google Formulare herausgegeben, in denen Leute selbst Todesfälle melden konnten, ohne das zu überprüfen. Auch diese vorgedruckten Formularen waren natürlich "reliable sources" verlässliche Quellen.

Die OCHA weiß gar nicht, wie viele zivile Tote es in Gaza gegeben hat, die OCHA hat im Grunde die Zahlen der Hamas genommen und hat einige Zahlen über getötete Frauen und Kinder, bei denen die Manipulation allzu offensichtlich war, nach unten korrigiert. Genaues weiß man nicht.
Es gibt keine überprüfbaren Daten, im Grunde ist man auf Schätzungen angewiesen.
Sicher ist bei dem Ganzen nur eines, da wurde manipuliert was das Zeug hält, gelogen, dass sich die Balken bogen. In die Statistik ist wahrscheinlich so ziemlich jeder Palästinenser eingegangen, der in den letzten Jahren gestorben ist, ganz gleich an was. Die Hamas will uns glauben machen, dass in Gaza ein Völkermord geschieht, dass Israel einen brutalen Vernichtungskrieg gegen Zivilisten, Frauen und Kinder führt,

Nach den Zahlen der Hamas sind 71.000 Menschen getötet und 171.000 Menschen verletzt worden. Nach diesen Zahlen sind einige Zehntausend, aber nicht "Hunderttausende" gestorben.

In ganz Gaza gibt es etwas über 2 Millionen Einwohner. Wenn "Hunderttausende gestorben" sind, würde das bedeuten, dass es wenigstens zweihunderttausend Tote gab. Das wiederum würde bedeuten, dass Gaza etwa 10% seiner Gesamtbevölkerung verloren hat. Im 1. Weltkrieg gab es entsetzliche Verluste, bei Verdun, an der Somme, in Flandern sind Zehntausende von Menschen getötet oder verletzt worden. An einem einzigen Vormittag, am 1. Juli 1916 hatten die Briten mehr als 50.000 Mann Verluste, darunter fast 20.000 Tote. Dennoch hat im Ersten Weltkrieg keine einzige kriegsführende Nation auch nur annährend Verluste von 10% der Gesamtbevölkerung erlitten. Im 2. Weltkrieg hat einzig die SU solche Verluste gehabt, eher noch ein bisschen mehr, insgesamt mehr als 20 Millionen.

Das ist die Größenordnung, in der wir uns bewegen. Kann das sein? Hat Israel in Gaza einen Rasse- und Vernichtungskrieg geführt, wie ihn die Wehrmacht in der SU geführt hat?

Im Gazakrieg ist es unglaublich schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden, belastbare Zahlen zu recherchieren und irgendwie aus all den verwirrenden, sich widersprechenden Informationen die objektive Wahrheit herauszufiltern. Was ist die Wahrheit? Ich fürchte, die ganze historische Wahrheit werden erst Historiker in 30-50 Jahren herausfinden, wenn wirklich einmal belastbare Zahlen und Informationen vorliegen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es sind in Gaza mehrere Tausend Menschen ums Leben gekommen, nach Angaben des israelischen Militärs sind 15.000 Hamas-Angehörige getötet worden. Laut Angaben der Hamas sind in Gaza 71.000 Märtyrer, unschuldige Bürger und unschuldige Zivilisten ums Leben gekommen und 171.000 verletzt worden. Genaues weiß man nicht, wie man die Sache betrachtet, hängt auch davon ab, was man glauben will.
Oder auch, was man glauben kann.
Die Hamas will uns glauben machen, dass Israel in Gaza einen Rasse- und Vernichtungskrieg führt, so wie ihn die Wehrmacht in der SU geführt hat. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat Gaza auch ziemlich ähnliche Verluste erlitten wie sie die SU in einem totalen Krieg, in einem Rasse- und Vernichtungskrieg erlitten hat.



Leiden Zivilisten in Gaza, in Palästina? Diese Frage kann man nur mit einem klaren Ja! beantworten. Natürlich leiden Zivilisten, natürlich bekommen Unschuldige etwas ab, die gar nichts getan haben, deren ganzes Vergehen darin besteht, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Natürlich hinterlässt auch ein Islamist, ein Terrorist und solche, die es erst noch werden wollen, Angehörige, die trauern. Die Eltern des Palästinensers, der mit dem geraubten Handy einer Jüdin seine Eltern anrief-sie werden um ihn trauern. Natürlich haben Palästinenser, die einfach nur ihr Leben leben wollen zu leiden weil sie mit den Terroristen in einen Topf geworfen werden. Das war zu allen Zeiten und in allen Kriegen so, und es wird in Gaza nicht anders sein, kann gar nicht anders sein.
 
Und unterdessen ist Deutschland vor dem IGH wegen der Beihilfe zum Völkermord angeklagt, wenn man sich die Aussagen der entsprechenden Sachverständigen anschaut wohl zu recht...
 
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Ebenso könnte man fragen, ob die Lehre aus dem Nationalsozialismus wirklich lautet, zu verhindern, dass in Deutschland die AfD regiert. Ich sage nicht, dass dieses Ziel falsch wäre, aber zwei Fragen müsste beantworten können, wer es vertritt: Im Reigen der weltweit erstarkenden rechten Parteien ist die AfD nicht wirklich einzigartig. Kommt es für die Gefährlichkeit einer politischen Meinung wirklich darauf an, ob bspw. ein Deutscher oder ein Franzose sie vertritt? Und findet sich das, was rechtspopulistische Parteien wie die AfD gefährlich macht, wirklich nur dort?

Will sagen: Könnte es sein, dass sich die deutsche Erinnerungskultur zu sehr in Details verliert—was vielleicht typisch deutsch sein mag—, anstatt die grundsätzlichen Fragen zu stellen, auf die es ankommt? Diese Problemstellung hat für mich das Zeug, das Selbstverständnis dieses Landes in seinen Grundfesten zu erschüttern. Blicken wir nämlich nach Japan, sehen wir eine Nation, die im zwanzigsten Jahrhundert ebenfalls schwerste Verbrechen begangen hat, diese Vergangenheit aber größtenteils ignoriert, und sich dennoch zu einer stabilen, pluralistischen (und zumindest nach internationalen Maßstäben liberalen) Demokratie gemausert hat. Sind die zivilisatorischen Errungenschaften, die wir heute an diesem Land wertschätzen, also wirklich das Verdienst einer wie auch immer gearteten deutschen Erinnerungskultur?

In Mitteleuropa sind die europäischen Nationen zu eng verbandelt, und es war die Barbarei, nicht nur die Kriegsverbrechen, sondern die vor allem die Verbrechen gegen die Menschheit einfach zu groß, zu krass, die Kulturbrüche der Kulturnation D einfach zu krass, um einfach so zu tun als sei nichts geschehen. Nicht nur die Welt, die Nachbarn, sondern auch die eigenen Nachkommen mussten einmal nach den Leichenbergen fragen. Wenigsten ein Minimum an Aufarbeitung das musste D leisten, wenn es mit seinen Nachbarn überhaupt jemals wieder Beziehungen pflegen wollte. Die Verbrechen waren zu krass, die Regeln des Zusammenlebens zu sehr gestört als das D einfach hätte so tun können, als wäre der NS und der 2. WK nie passiert

Ich denke, gegen die Leute, die die eigentliche "Erinnerungskultur" leisten, die Museen oder Gedenkstätten leiten, auch gegen die vielen ehrenamtlichen Helfer, die kleine Museen am laufen halten, die Gräber pflegen, Ausstellungen organisieren, die wissenschaftliche Dokumentationszentren leiten, wird man nicht viel sagen können. Um eine größere Gedenkstätte zu leiten, ist eine wissenschaftliche Qualifikation nötig, eigene Publikationen und Sachkenntnis wird erwartet.

Es kommt natürlich vor, dass bockige, renitente Jugendliche Pflichtbesuche machen müssen, und da fruchtet der Pflichtbesuch oft nicht viel. Die Kommentare in Gästebüchern, die lassen erschauern. Doch das ist nicht Schuld der Leute, die Gedenkstätten leiten. Die arbeiten historisch wissenschaftlich. Auf dem Gebiet lokalhistorischer Forschung ist viel geforscht und geleistet worden. Es stößt durchaus auch auf Interesse nicht nur von Fachkollegen. Es sind ja nicht nur Schulklassen, die sich das ansehen (wollen).
Sie arbeiten wissenschaftlich, sie arbeiten mit Kollegen zusammen, sie kennen die Geschichte, und sie arbeiten korrekt arbeiten wissenschaftlich korrekt.

Ich denke, diesen Leuten kann man nichts vorwerfen. Die meisten, die ich kenne, sind didaktisch geschickt genug, zu wissen, dass Schuldgefühle oder moralische Keulen nicht geeignet sind, Empathie zu wecken.

Ich finde, der Vorwurf ist der Politik auch einigen Medien zu machen. Die deutsche Erinnerungskultur verliert sich nicht in Details, aber die deutsche Politik bedient sich der NS-Zeit, sie verwendet sie als Waffe im politischen Kampf, um politische Gegner zu diffamieren und zu diskreditieren. Die AfD provoziert immer mit unsäglichen Äußerungen, und eine wirklich überzeugende Positionierung der AfD zum Holocaust, zur Einstellung zum NS habe ich bisher noch nicht gehört.
Es wird aber auch die NS-Zeit von Politikern von SPD, CDU, Grünen und Linken permanent funktionalisiert für den Wahlkampf, für den politischen Kampf, um den (politischen) Gegner zu diffamieren zu diskreditieren. Besonders Leute, die extrem unsympathisch und intellektuell schwach auf der Brust sind, tun sich dabei besonders hervor. Sie beschwören die Vergangenheit und tun so als wäre die BRD anno 2026 die Weimarer Republik kurz vor der Machtübernahme, die AfD die NSDAP, sie selbst aber Widerstandskämpfer, Antifaschisten. Das ist sehr edel aber anders als in den 1930er, 1940er Jahren erfordert es keinen Mut, es bringt keine Nachteile. 1990 kurz vor und nach der Wende erforderte es schon noch ein gewisses Stehvermögen, sich mit der NPD, oder der damals noch legalen FAP anzulegen.
Heute ist das anders, es braucht keinen Mut dazu, es ist Gratismut.

Beim Kampf gegen rechts, da frage ich mich wie weit das noch gehen soll, wie weit manche Leute gehen wollen. Da wirken mitunter selbsternannte Antifaschisten gruseliger noch als die Leute, die sie bekämpfen. "Nazis jagen ist nicht schwer, mit Hammer Sichel und Gewehr" stand auf einem Transparent bei den Gießener Demonstrationen. "Gejagt" wurden u. a. Max Tichy und Paul Ronzheimer, und die sind nun auch nicht gerade das, was der klassischen Definition eines Nationalsozialisten entspricht. Klar, man diskreditiert Leute mit Nazi-Vergleichen, aber irgendwie verharmlost man ja damit auch die echten, originalen Nationalsozialisten.

Ich finde, die NS-Zeit und der NS das ist ein Thema, das meiner Ansicht nach zu ernst ist für Wahlkämpfe, für das politische Tagesgeschehen oder auch um politische Gegner zu diffamieren. Damit befördert man die Spaltung, trägt auf beiden Seiten zur Radikalisierung bei, dreht an der Eskalationsschraube und letztendlich konterkariert man damit auch die Arbeit und die Verdienste der Leute, die oft ehrenamtlich ihre Freizeit opfern, um die nötige Arbeit zu leisten, die für Grabpflege, wissenschaftliche Dokumentation, museale Präsentation nun einmal nötig ist. Man verspielt damit
 
Es kommt natürlich vor, dass bockige, renitente Jugendliche Pflichtbesuche machen müssen, und da fruchtet der Pflichtbesuch oft nicht viel. Die Kommentare in Gästebüchern, die lassen erschauern. Doch das ist nicht Schuld der Leute, die Gedenkstätten leiten. Die arbeiten historisch wissenschaftlich. Auf dem Gebiet lokalhistorischer Forschung ist viel geforscht und geleistet worden.
Das Problem ist doch aber, dass die Ergebnisse historischer Forschung einen Großteil der Bevölkerung nicht wirklich interessieren, weil deren Zukrenntnisnahme, im Besonderen, wenn man sich da durch die Fachliteratur lesen muss mühselig ist.

Und eben, dass in Konkurrenz dazu über das Fernsehen und Internet eine Dauerbeschallung mit Inhalten stattfindet, die was ganz anderes vermitteln.
Die Arbeit der Leiter und Mitarbeiter von Gedenkstätten ist selbstverständlich grundsätzlich honorig. Die Vermittlung, vor allem analog und vor Ort heute angesichts der Konkurrenz aber Inadäquat, wenn man im Zeitalter "alternativer Wahrheiten" die Deutungshoheit behalten möchte.

Das Problem, gerade bei Jugendlichen ist doch, dass denen (was überhaupt nicht ihre Schuld ist), der Überblick über das Methodenset und damit eine Vorstellung des Wertes wissenschaftlicher Arbeit und ihrer Ergebnisse fehlt und darüber hinaus, die Schule ohnehin eher nach dem Prinzip "Kommando und Gehorsam" funktioniert, als alles andere.
Wer als Schüler möglichst wenig Scherereien und gute Noten haben möchte, der lernt halt brav auswendig, was der Lehrer so erzählt und der Lehrer ist am Ende, trotz theoretisch anderer Vorgaben genau daran interessiert, weil er um so größere Chancen hat, mit dem Stoff in der vorgegebenen Zeit auch durchzukommen, wenn er möglichst wenig diskutieren muss, weswegen dann einzelne interessierte Nachfragen schonmal mit "das können wir hier nicht diskutieren" abgewimmelt werden.

Verhält sich ein Kind im Unterricht zu störrisch, werden die Eltern einbestellt und anschließend bekommt der Schüler von den genervten Eltern einen eingestielt, dass es gefälligst auf den Lehrer hören und keine Widerworte geben soll, damit man keine Scherereien hat. (so jedenfalls die Erfahrungen meiner Schulzeit).


Wenn man sich anschaut, was die Anhänger und Verbreiter "alternativer Wahrheiten" so von sich geben, wird da das Ettikett "Wissenschaftlichkeit" oder "Die Wissenschaft" gerne an alles dranngepappt, dass sie gerne als Glaubenssatz bestätigt sehen wollen, scheiß Egal, wie weit das im Zweifel von Wissenschaftlichkeit entfernt ist.
Warum aber funktioniert das und erreicht große Gruppen von Personen, die das so auch annehmen? Ganz einfach deswegen, weil der Großteil mit Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten nie Berührung hatte (hat man ja de facto aller frühestens in der Sekundarstufe II im Leistungskurs, aber die Sek II durchläuft ja ein Großteil der Bevölkerung nie) und vor allem das Prinzip "Autorität/Kommando und Gehorsam" bekannt ist.

Wenn die eigenen Erfahrungen mit dem Bildungssektor darauf beruhen, dass die Autorität eines Lehrers gilt, nicht aber das Sachargument, weil Elternhaus und ggf. auch ein gestresster Lehrer Autorität verlangen und Ungehorsam mit schlechten Noten oder anderen Scherereien sanktioniert wird, ist doch völlig klar, dass das Modell Autorität, dann eben auch auf den Bereich Wissenschaft übertragen wird.

Nach dem Motto: Ich habe eingetrichtert bekommen, dass das was der Lehrer sagt stimmt, weil es sonst Ärger gibt, also muss ja wohl auch dass stimmen, was der Dr. XY und Wissenschaft muss wohl vor allem das sein, was Wissenschaftler sagen.
Wenn aber der Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen These und der Behauptung eines Wissenschaftlers nicht verstanden wird ist doch klar, was daraus folgt.
Wenn jemand nur für das Autoritätsargument erreichbar ist, weil er es nie anders gelernt hat und die Diskussion- und Aushandlungsprozesse innerhalb der Geschichtswissenschaft (und anderen Fachdisziplinen), ihm gänzlich unbekannt sind, wie wird der dann verschiedene Lesarten und Erklärungsansätze zu betimmten Themen auffassen?
Doch dahingehend, dass das alles beliebig sei, weil ja die Richtigkeit nur auf Autorität fuße und die Autoritäten mit den entsprechenden Titeln sich nicht einig sind.

Dann braucht's halt nur noch eine Hand voll Leute, mit akademischem Titel, die irgendwann mal auf die schiefe Bahn geraten sind und schon sind alle Zutaten für die Welt alternativer Wahrheiten und Verachtung der Wissenschaft im Allgemeinen gegeben.

Mit der korrekten wissenschaftlichen Arbeit, erreicht man vielleicht das Drittel der Bevölkerung, dass entweder allgemein gutgläubig ist, oder mit wissenschaftlichem Arbeiten mal zu tun hatte.
Die anderen 2/3 sind für Internetauftritte, von Personen mit irgendeinem Titel, die auf der Klaviatur der Autorität spielen und damit Rattenfängerei für ihre eigenen Zwecke betreiben, mindestens ebenso empfänglich.

Ich finde, der Vorwurf ist der Politik auch einigen Medien zu machen. Die deutsche Erinnerungskultur verliert sich nicht in Details, aber die deutsche Politik bedient sich der NS-Zeit, sie verwendet sie als Waffe im politischen Kampf, um politische Gegner zu diffamieren und zu diskreditieren. Die AfD provoziert immer mit unsäglichen Äußerungen, und eine wirklich überzeugende Positionierung der AfD zum Holocaust, zur Einstellung zum NS habe ich bisher noch nicht gehört.
Also mich hat der "Vogelschiss" und das "Denkmal der Schande" durchaus davon überzeugt, welche Position die AfD zum Holocaust einnimmt.

Es wird aber auch die NS-Zeit von Politikern von SPD, CDU, Grünen und Linken permanent funktionalisiert für den Wahlkampf, für den politischen Kampf, um den (politischen) Gegner zu diffamieren zu diskreditieren.
Bei der Problematik gebe ich dir in gewissem Rahmen durchaus recht, nur dass es weder ein Phänomen der NS-Thematik ist, noch sich auf die Parteien von der Linken bis zur CDU beschränkt.

Zum einen wird auf der rechten Seite des politischen Lagers, wenn sobald irgendjemand was in Richtung "Vermögenssteuer" o.ä. fordert, direkt der Ostblock von der DDR über Stalin bis Mao bemüht wird, um solche Diskussionen sofort abzuwürgen. Das ist genau so der mit viel verve vorgetragene Griff ins Klo, was Instrumentalisierung der Geschichte/Erinnerungskultur für politische Zwecke angeht, nur eben in die andere Richtung.

Zum anderen, Versuche den NS und die Erinnerung daran als Waffe gegen den politischen Gegner zu instrumentalisieren, gibt es ja durchaus auch aus der AfD heraus.
Frau Weidel ist ja vielleicht eher amoralisch unterwegs, aber ganz gewiss nicht dumm. Und wenn die sich, womit sie ja nicht die Erste ist, vor die Kameras stellt und behauptet, die Nazis wären politisch eine linke Veranstaltung gewesen, dann haut das doch ganz genau in die gleiche Kerbe, nämlich die, den politischen Gegner in irgendeine nähere Verbindung mit den Gräueltaten der Nazis setzen zu wollen.
Es ist nur natürlich noch wesentlich perfider, weil natürlich die politische Linke und diverse Gruppen, deren Interessen in der Vergangenheit tendenziell eher von der politischen Linken vertreten wurden, wie zum Beispiel Homosexuelle, natürlich im Vergleich zu rechten und konservativen Interessengruppen in viel größerem Maße Opfer der NS-Verbrechen wurden.
Es findet also nicht nur der Versuche einer Umdeutung der Täter statt, um die NS-Verbrechen gegen den politischen Gegner instrumentalisieren zu können, sondern es wird damit dann implizit auch noch "victim blaming" betrieben, denn die Schlussfolgerung aus Weidels Behauptung, nach der die Nazis links gewesen wären, wäre ja dann konsequent weiterdedacht, dass sich die Opfer des NS auf der linken Seite des politischen Spektrums ihre Mörder da selbst gewählt hätten.

So weit, so widerlich das ganze.

Und ich bitte an dieser Stelle nicht falsch verstanden zu werden. Wie gesagt, ich weiß dass du politisch nicht in Schlumpfhausen oder mit schlumpfhausen verwandten Ecken beheimatet bist.
Aber wenn du hier einseitig beklagst, dass die AfD da von Beführwortern aller anderen politischen Parteien in eine bestimmte Ecke gerückt wird und dass mehr oder weniger als eine unfaire politische Masche betrachtest, ohne dabei zu sehen, dass die AfD selbst versucht mit genau den gleichen Mitteln zu arbeiten und (siehe Frau Weidel) das mitunter auch mit NS-Bezug (den "Kommunismus"-Bezug bespielt die Partei ja ohnehin regelmäßig als politische Waffe), dann bist du meiner Meinung nach in dieser Beziehung dabei ihrem Opfernarrativ auf den Leim zu gehen.

Ich finde, die NS-Zeit und der NS das ist ein Thema, das meiner Ansicht nach zu ernst ist für Wahlkämpfe, für das politische Tagesgeschehen oder auch um politische Gegner zu diffamieren.
Naja, es wäre sicherlich wünschbar, wenn das (und andere historische Themen) weniger politisch instrumentalisiert würden und Politik mehr auf der Sachebene stattfände, aber die Realität sieht ja nunmal anders aus.

Und um den Bogen zur Erinnerungspolitik zurück zu schlagen, und zu etwaigen Versäumnissen von Vermittlern der Erinnerungskultur:

Ich vermisse da um ehrlich zu sein oft auch ein wenig Anstrengungen sich gegen die Vereinnahmung durch politische Narrative zur Wehr zu setzen.
 
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Das Problem ist doch aber, dass die Ergebnisse historischer Forschung einen Großteil der Bevölkerung nicht wirklich interessieren, weil deren Zurkenntnisnahme, im Besonderen, wenn man sich da durch die Fachliteratur lesen muss mühselig ist.
Glaube ich nicht. Gerade was das Dritte Reich anbelangt, das ist immer interessant, auch für Leute, die nicht primär historisch interessiert sind. Auch wenn das dann oft oberflächlich bleibt.

Das Problem, gerade bei Jugendlichen ist doch, dass denen (was überhaupt nicht ihre Schuld ist), der Überblick über das Methodenset und damit eine Vorstellung des Wertes wissenschaftlicher Arbeit und ihrer Ergebnisse fehlt und darüber hinaus, die Schule ohnehin eher nach dem Prinzip "Kommando und Gehorsam" funktioniert, als alles andere.
Wer als Schüler möglichst wenig Scherereien und gute Noten haben möchte, der lernt halt brav auswendig, was der Lehrer so erzählt und der Lehrer ist am Ende, trotz theoretisch anderer Vorgaben genau daran interessiert, weil er um so größere Chancen hat, mit dem Stoff in der vorgegebenen Zeit auch durchzukommen, wenn er möglichst wenig diskutieren muss, weswegen dann einzelne interessierte Nachfragen schonmal mit "das können wir hier nicht diskutieren" abgewimmelt werden.

Verhält sich ein Kind im Unterricht zu störrisch, werden die Eltern einbestellt und anschließend bekommt der Schüler von den genervten Eltern einen eingestielt, dass es gefälligst auf den Lehrer hören und keine Widerworte geben soll, damit man keine Scherereien hat. (so jedenfalls die Erfahrungen meiner Schulzeit).
Entschuldige bitte, aber das ist nun wirklich Unfug! Man mag am Geschichstunterricht in den Schulen viel auszusetzen haben, aber was du hier anektodetenevident berichtest, kann so fast nicht stimmen und wenn es tatsächlich so wie geschildert stimmen sollte, widerspricht es in allem den in Dtld. gängigen Schulverordnungen und Didaktiken.

Natürlich kann der Geschichtsunterricht kein wissenschaftliches Methodenset vermitteln, das ist auch nicht seine Aufgabe. Im Geschichtsunterricht sollen Kompetenzen vermittelt werden. Sachkompetenz (also im Falle von Geschichtsunterricht z.B. historisches Wissen), Methodenkompetenz (also Umgang mit Quellen, Umgang mit Sachtexten, aber auch eigene Darstellung), Sozialkompetenz (also Umgang mit anderen). Selbstkompetenz - jeder Handlungsschritt im Unterricht muss - wenigstens in der Theorie, mit einem Lernziel verknüpft sein, das auf eine oder mehrere Kompetnzen ausgerichtet ist. Natürlich unterscheiden sich Theorie und Praxis voneinander, aber ein Geschichtsunterricht, wie du ihn darstellst - der wohl am ehesten dem alten Klischee vom Geschichtsunterricht als Auswendiglernen von Jahreszahlen entspricht, was sicher kein Interesse an Geschichte weckt - sollte heute (in Deutschland) nicht mehr existieren.

Ich habe Geschichtsunterricht sowohl als Schüler, als auch als Referendar (da ich betrieblich in der Erwachsenenbildung tätig bin und nicht an einer Regelschule, kann ich natürlich nicht als Schullehrer reden) immer als diskursiv erlebt, also sowohl als Schüler bei diversen Lehrern, als auch als Referendar bei Ausbildungslehrern, als auch im BDU (bedarfsdeckender Unterricht) oder bei UBs (Unterrichtsbesuchen) bei Mitreferendaren. Und die (interessierten) Schüler waren auch alle im Diskutieren geübt.
Einen Geschichtsunterricht, in dem auswendig gelernt wird, was der Lehrer erzählt, den gibt es in Deutschland heute nicht mehr. Den mag es vielleicht noch 1965 gegeben haben.

Und wenn du meinst, dass wenn die Lehrer mit einem "störrischen" Schüler nicht fertig würden, die Eltern herangezerrt würden, und dann alles gut sei, dann bist du weit entfernt von dem, was a) in der Schule passiert und b) wie Eltern reagieren, wenn ihr goldenes Ei vom Lehrer kritisiert wird!

Also a) inhaltlicher Widerspruch von Schülern (Diskussion!) ist Lernziel (Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz)!
Wenn b) ein Schüler wirklich "störrisch" ist, dass die Eltern herbeizitiert werden, dann hat das zwar womöglich etwas mit schlechten Pädagogen/Didaktikern, aber sicher nicht mit inhaltlichem Widerspruch (nehmen wir mal extremistische Parolen aus) zu tun.

Es mag sein, dass Schüler sowieso, oder weil der Unterricht zu langweilig ist, "störrisch" sind. Wenn der Unterricht zu langweilig ist, liegt das mit am Lehrer, weil er entweder ein schlechter Didaktiker oder ein schlechter Pädagoge ist. Aber ein inhaltlich widersprechender/diskutierender Schüler ist systemisch erwünscht. Eines der Ziele unseres Bildungswesens (daneben, dass Schüler als zukünftige Arbeitnehmer möglichst ausbildungsfähig gemacht werden sollen), ist der mündige Bürger!

Ein Mantra meines Hauptseminarleiters in der Lehrerausbildung, was er uns in der ersten Seminarsitzung gesagt hat: "Schule ist für die Schüler eine Zwangsveranstaltung. Es ist Ihre verdammte Pflicht, dass sie aus Sicht des Schülers keine Zeitverschwendung ist!"
 
Natürlich unterscheiden sich Theorie und Praxis voneinander, aber ein Geschichtsunterricht, wie du ihn darstellst - der wohl am ehesten dem alten Klischee vom Geschichtsunterricht als Auswendiglernen von Jahreszahlen entspricht, was sicher kein Interesse an Geschichte weckt - sollte heute (in Deutschland) nicht mehr existieren.
mich hat diese Darstellung auch mehr an Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann (Ost- und Westgotenszene) und Schulepisoden aus den Buddenbrooks als an Schule nach 1970 erinnert.
 
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