Untersuchungsergebnisse zu Straßenstationen Südrätiens

Sternbach

Neues Mitglied
Neue Untersuchungsergebnisse römischer Straßenstationen in Südrätien könnten überprüft werden: Sie werden zusammen mit anderen Beiträgen voraussichtlich erst in über einem Jahr publiziert und müssen bis dahin unter Verschluss bleiben. Dennoch könnte einer begrenzten Anzahl von interessierten Forschern (rund 4–6) ein Vorabeinblick und die Gelegenheit zur Evaluierung der Ergebnisse gewährt werden. Um die geeignetsten Interessenten dafür auszuwählen, bitte den entsprechenden Hintergrund (in Unterhaltungen) mitteilen. Sobald sich vier geeignete Personen gemeldet haben, erhalten sie das vollständige Dokument (S. 110, Abb., Kart., Tab., PDF, 15 MB). Gekürzte Zusammenfassung:

Abstract
In der längst überfälligen Untersuchung der in spätantiken Quellen erwähnten römischen Straßenstationen der Hauptstrecken Südrätiens werden methodische Fehler bei der Beurteilung und Auswertung historischer Parameter aufgezeigt, die bereits zu gravierenden Fehllokalisierungen und entsprechend fehlerhaften (musealen) Ausstellungen geführt haben.
Eine erste Metaanalyse zu diesen Parametern ergab, dass das Itinerarium Antonini die methodisch vorrangige Primärquelle für das Untersuchungsgebiet darstellt, während die Tabula Peutingeriana ergänzend herangezogen werden sollte.
[...]
Im Rahmen der erweiterten Reliabilitätsprüfung der Hauptquellen wurden weitere signifikante Zuordnungsanomalien festgestellt. Dies führte zu einer Neuverortung folgender zwölf Stationen (von Süd nach Nord): Matreio, Masciaco, Scarbia, Albiano, Parthano, Ad pontes Tesseni(n)os, Abuzaco, Damasia, Escone, Urusa, Bratananio, Ad novas – mit einer durchschnittlichen Abweichung von 15 km zu den bisherigen Verortungen.
So erweisen sich bei differenzierteren historisch-topographischen Streckenanalysen nach Primärquellenpriorität insgesamt achtzehn Lokalisierungen römischer Militärstationen Südrätiens als inkonsistent. Seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten werden sie vor allem den nächstgelegenen Hauptorten oder/und relativ uneindeutigen, anonymen archäologischen Zufallsfundstellen zugeordnet, anstatt sie systematischer anhand der eindeutigeren Primärquellen-Parameter zu ermitteln.​
 
Dennoch könnte einer begrenzten Anzahl von interessierten Forschern (rund 4–6) ein Vorabeinblick und die Gelegenheit zur Evaluierung der Ergebnisse gewährt werden.
Interessierte Forscher wird man am ehesten an Universitäten finden, da, wo es Lehrstühle für Alte Geschichte oder für Provinzialrömische Archäologie gibt. In der Universität Eichstätt-Ingolstadt beschäftigt man sich z. B. intensiv mit der Tabula Peutingeriana, es seien mehrere Doktoranden eingebunden:

Ich bin zwar am Thema interessiert, aber ich betreibe keine Forschungen.


Dies führte zu einer Neuverortung folgender zwölf Stationen (von Süd nach Nord): Matreio, Masciaco, Scarbia, Albiano, Parthano, Ad pontes Tesseni(n)os, Abuzaco, Damasia, Escone, Urusa, Bratananio, Ad novas – mit einer durchschnittlichen Abweichung von 15 km zu den bisherigen Verortungen.

Leider ist dem Abstract nicht zu entnehmen, nach welcher Methode die Neuverortung erfolgt. Um das Beispiel Abodiacum/Abodiaco/Abuzaco zu nehmen:
Wenn ich die Angabe des Itinerarium Antonini "Item ab Augusta Vindelicum ... Abuzaco mpm xxxvi" nehme, lande ich von Augsburg aus auf möglichst geraden Wegen nach 36 Meilen ziemlich genau bei Epfach.
In Epfach haben wir dem archäologischen Befund nach eindeutige Belege für einen römischen Verkehrsknotenpunkt mit militärischer Besatzung und kontinuierlicher ziviler Siedlung, die sich in der Merowingerzeit fortsetzt.
Und wir haben sogar eines der seltenen Beispiele für eine Namenskontinuität der Siedlung.

Um diese geballte quellenmäßige, archäologische und onomastische Beweislage aus den Angeln zu heben, bedürfte es einer sehr überzeugenden Beweisführung in allen drei genannten Disziplinen.
 
Interessierte Forscher wird man am ehesten an Universitäten finden, da, wo es Lehrstühle für Alte Geschichte oder für Provinzialrömische Archäologie gibt. In der Universität Eichstätt-Ingolstadt beschäftigt man sich z. B. intensiv mit der Tabula Peutingeriana, es seien mehrere Doktoranden eingebunden:
Danke für den Hinweis. Hierzu ergänzend: Der Beitrag wurde bereits monatelang von der RGK-Redaktion intern diskutiert (Die Einreichung erfolgte auch aufgrund eines Vorschlags), mit dem Ergebnis, dass bei ihnen die zahlreichen Grabungsberichte Vorrang haben. Offenbar besteht die Redaktion aus lauter Archäologen. Die Arbeit kann nämlich vonseiten der Archäologen teils als zu kritisch aufgefasst worden sein, da sie es mit den erwähnten Primärquellen bzw. deren Streckenanalysen meistens nicht so genau nehmen. Vielleicht waren sie auch von den Ergebnissen erschüttert, denn für diese Antwort hätte man schließlich keine Monate gebraucht. :confused:

Leider ist dem Abstract nicht zu entnehmen, nach welcher Methode die Neuverortung erfolgt.
Doch, wird im gekürzten Abstract erwähnt: ...differenziertere historisch-topographische Streckenanalysen nach Primärquellenpriorität… weitere Details sind dem gesamten Beitrag zu entnehmen.

Um das Beispiel Abodiacum/Abodiaco/Abuzaco zu nehmen:
Wenn ich die Angabe des Itinerarium Antonini "Item ab Augusta Vindelicum ... Abuzaco mpm xxxvi" nehme, lande ich von Augsburg aus auf möglichst geraden Wegen nach 36 Meilen ziemlich genau bei Epfach.
Epfach-Augsburg-Süd macht rund 33 Meilen. Die Militärstationen befanden sich im 3./4. Jahrhundert (Phase der Messung) bereits außerhalb der Stadt, außerhalb des Pomarium.
Aber was noch entscheidender ist: Epfach müsste auch mit dem Meilenabstand von Isunisca-Abodiaco (37 m.p., TP) übereinstimmen. Dies ist jedoch bei weitem nicht der Fall.
Entscheidender ist auch, dass Epfach an der Via Claudia Augusta liegt, hingegen liegen Abodiaco/Abuzaco an der relativ gut dokumentierten Via Raetia, die nicht der VCA-Route entpricht. Die VCA ist uns aber leider in keiner der Streckendokumentationen erhalten. Dementsprechend gibt es dazu keine Stationsnamen mit Meilenabständen, sonst wäre uns bestimmt auch der tatsächliche antike Name von Epfach fundierter positioniert überliefert.

In Epfach haben wir dem archäologischen Befund nach eindeutige Belege für einen römischen Verkehrsknotenpunkt mit militärischer Besatzung und kontinuierlicher ziviler Siedlung, die sich in der Merowingerzeit fortsetzt.
Ähnliche archäologische Befunde gibt es auch anderswo, doch höchstens 5 % des ursprünglichen Bestands haben sich erhalten. Diese können für derartige Vergleiche im Kontext von Streckenanalysen nur sehr begrenzt herangezogen werden. Im Gegensatz dazu enthalten die Primärquellen noch über 95 % an Informationen, die für eine zielführende Streckenanalyse erforderlich sind. Daher müsste man sich für eventuelle Lokalisierungen in erster Linie an diesen halten (s.o.)
Und wir haben sogar eines der seltenen Beispiele für eine Namenskontinuität der Siedlung.
Mit derartigen "Namenskontinuitäten" wie Abuzaco-Epfach wäre ich vorsichtiger. Sie führten bereits häufig in die Irre. Vermutlich existieren von Abuzaco bis Epfach auch keine kontinuierlich stichhaltigen Urkunden. Die Verbindung Abuzaco-Eptiacu ist schwach, Eptiacu-Epfach ist schon nachvollziehbarer. Noch naheliegender wäre eine Verbindung zu Epfach-Epfal-Äpfel, zumal der Nachbarort "Apfeldorf" eine nicht so entfernte Namensvariante von "Epfach" darstellen könnte. Abodiaco/Abuzaco soll sich jedoch von einem keltischen Namen Abod/Abud ableiten. Von Abod- zu Epti- überzeugt auch nicht.

Ein Beispiel für eine besser überlieferte Namenskontinuität und Ortsverbindung bietet Scarbia-Scharnitz. Der Name taucht erstmals wieder im Jahre 763 bei der Gründung des Klosters Scharnitz auf: monasterium in solitudine Scarantiense. Die Überreste des Klosters sollen aber angeblich in Klais archäologisch zum Vorschein gekommen sein, aber wieder nicht "archäologisch eindeutig". Wo liegt nun Scarbia? In Scharnitz oder in Klais oder in Mittewald ? Weder die Namenskontinuität noch die Archäologie konnten hier bisher eindeutige Ergebnisse liefern. Am wahrscheinlichsten/effektivsten können auch hier nur differenziertere Streckenanalysen nach Primärquellenpriorität weiterführen.
Um diese geballte quellenmäßige, archäologische und onomastische Beweislage aus den Angeln zu heben, bedürfte es einer sehr überzeugenden Beweisführung in allen drei genannten Disziplinen.
"Erledigt" ;) vorläufig (mehr in der Dokumentation).
 
Epfach-Augsburg-Süd macht rund 33 Meilen.

In Luftlinie! Das römische Augusta Vindelicum lag allerdings fast 2 Meilen weiter nördlich.

Die Militärstationen befanden sich im 3./4. Jahrhundert (Phase der Messung)

Es wundert mich, dass es erst so spät eine "Phase der Messung" gegeben haben soll. In welche Primärquellen ist diese belegt? Die in Frage stehende Straße wurde unter Septimius Severus um das Jahr 200 vermessen, das ist inschriftlich gesichert:

Das Itinerarium Antonini basiert wohl kaum auf einer einheitlichen "Phase der Messung", sondern ist ein Konglomerat von Strecken, die zu ganz verschiedenen Zeiten angelegt und vermessen wurden.


Aber was noch entscheidender ist: Epfach müsste auch mit dem Meilenabstand von Isunisca-Abodiaco (37 m.p., TP) übereinstimmen. Dies ist jedoch bei weitem nicht der Fall.
Isunisca lässt sich nicht sicher verorten.
Man kann eine sichere Lokalisierung nicht aushebeln, indem man sich auf eine hypothetische Lokalisierung stützt.


Die Verbindung Abuzaco-Eptiacu ist schwach
Auszugehen ist von Abodiaco, und wenn man sowohl romanische Lautwandlungen wie auch die althochdeutsche Lautverschiebung in Rechnung stellt:

/k/ → /x/ = [xː~x] (geschrieben ⟨ch⟩)
/b/ → /p/
/d/ → /t/


Die Belegreihe (Abodiaco, Abuzaco, lies /abudjako/, locus Ephtaticus, lies /eptach/?, Epphach usw.) gibt mehrere romanische Lautwandlungen (Hebung /u/ > /o/, Synkope) zu erkennen. Die bairische Form des Namens geht von romanisch *Abdjak- (> *Eptach > *Eppach > Epfach) aus.​


Ein Beispiel für eine besser überlieferte Namenskontinuität und Ortsverbindung bietet Scarbia-Scharnitz.

Zunächst mal ist Scharnitz ursprünglich gar kein Siedlungsname, sondern im Gegenteil die Bezeichnung einer unbewohnten Gegend, wie die frühen Nennungen eindeutig belegen: 763 "in solitudine Scarantiensę", 772 "Scaritiae deserti". Zum zweiten hapert es, wie Du selbst schreibst, bei Scharnitz mit der genauen Lokalisierung, auch hier ist man auf löcherige Hypothesen angewiesen. Zum dritten ist nicht zu sehen, nach welchen Lautgesetzen Scarbia zu Scarantia mutiert haben soll.
 
Danke für den Hinweis. Hierzu ergänzend: Der Beitrag wurde bereits monatelang von der RGK-Redaktion intern diskutiert (Die Einreichung erfolgte auch aufgrund eines Vorschlags), mit dem Ergebnis, dass bei ihnen die zahlreichen Grabungsberichte Vorrang haben. Offenbar besteht die Redaktion aus lauter Archäologen. Die Arbeit kann nämlich vonseiten der Archäologen teils als zu kritisch aufgefasst worden sein, da sie es mit den erwähnten Primärquellen bzw. deren Streckenanalysen meistens nicht so genau nehmen. Vielleicht waren sie auch von den Ergebnissen erschüttert, denn für diese Antwort hätte man schließlich keine Monate gebraucht.
Ich habe vor Jahren mal für einige Monate im Marketing eines archäologischen Museums gearbeitet. Ich bin kein Archäologe, aber man bekommt mit, was im Haus passiert. Da haben sich mehrmals wöchentlich Leute gemeldet, die meinten, sie hätten bedeutende Entdeckungen gemacht. Also jetzt keine Funde von Artefakten, sondern Interpretationen. Die meisten davon waren schlicht nicht diskursfähig, die Hypothesen waren nicht tragfähig. Wenn die vier Archäologen des Museums sich damit immer ernsthaft auseinandergesetzt hätten, dann wären sie ihrer tatsächlichen Arbeit nicht mehr hinterher gekommen.
Daher ist es nicht verwunderlich, wenn du keine Antworten erhältst, denn so ganz tragfähig scheint deine Hypothese nicht zu sein. Sicherlich kann man einzelne Zuordnungen der TP oder der Streckenverläufe des IA diskutieren, ob diese so korrekt sind. Aber letztlich hat Sepiola es auf eine gute Formel gebracht:

Um diese geballte quellenmäßige, archäologische und onomastische Beweislage aus den Angeln zu heben, bedürfte es einer sehr überzeugenden Beweisführung in allen drei genannten Disziplinen.
Nun ist natürlich zuzugeben, dass die onomastische Beweislage nur dort klar ist, wo eine Ortsnamenkontnuität besteht oder Bestand, sofern der Namenswechsel dokumentiert ist (Chemnitz > Karl-Marx-Stadt > Chemnitz, Petrograd > Leningrad, Wolgograd > Stalingrad, Lutetia > Paris, Tenochtitlán > Ciudad de México, Edo > Tokyo, Argentorate > Straßburg, Iulia Traducta > ???, Yahtrib > Madina)




Aber was noch entscheidender ist: Epfach müsste auch mit dem Meilenabstand von Isunisca-Abodiaco (37 m.p., TP) übereinstimmen. Dies ist jedoch bei weitem nicht der Fall.
Die TP ist oft sehr ungenau. Die Meilenangaben zwischen der CUT und den Vetera-Lagern (Veteribus) passt beispielsweise überhaupt nicht, zudem existierten sie überhaupt nicht gleichzeitig, überhaupt gibt es in der TP mehrere Anachronismen (also Orte die etwa beim Vesuvausbruch untergegangen sind neben Orten die erst Dekaden später begründet wurden oder den in der TP dokumentierten Namen bekamen).
Und zu beachten ist bei der TP, dass manche Orte auch doppelt auftauchen. Gerade das diskutierte Avodiaco/Abodiaco ist so ein Bsp. Das liegt natürlich auch an der Beschaffenheit der TP, die ja nun keine genaue topgraphische Karte ist.

Die Verbindung Abuzaco-Eptiacu ist schwach, Eptiacu-Epfach ist schon nachvollziehbarer. Noch naheliegender wäre eine Verbindung zu Epfach-Epfal-Äpfel, zumal der Nachbarort "Apfeldorf" eine nicht so entfernte Namensvariante von "Epfach" darstellen könnte.
Eher nicht. Aus Silbenvokal /a/ wird, wenn Silbenvokal /i/ folgt, leicht /e/ ("regressive i-Umlautung"). Abodiacum.
Vgl. auch Tolbiacum > Zülpich, Turiacum > Zürich, Iliacum > Jülich > die -cum-Edung wird gregelmäßig zu -ch
Dass hingegen aus einem /e/ ein /a/ wird, wäre recht ungewöhnlich. Zudem wäre Apfeldorf ein Hybridname, was möglich ist, aber eher selten.
 
Die Militärstationen befanden sich im 3./4. Jahrhundert (Phase der Messung) bereits außerhalb der Stadt, außerhalb des Pomarium.
Freudscher Vertipper: Pomerium assoziierte ich (korrekt) mit Pomarium, in das die "Römer" bisher auch noch nicht vordringen konnten. Sie würde dem ahd.-mhd. Rosengarten entsprechen. Bekanntestes Beispiel: Laurins Rosengarten, der ebenfalls kein normaler Garten war, sondern der Schutzgürtel seiner Wehrsiedlung/Festung. Er wird in Caesars Gallischen Krieg bei den Kelten erwähnt. Damit ist der "Laurin" auch als politische Dichtung entlarvt, wo der Angegriffene erstmal als Gartenzwerg verspottet wird. In der Altgermanistik wird der "Laurin" aber leider noch immer der "Märchendichtung" zugeordnet. Einfach nur unverständlich.
In Luftlinie! Das römische Augusta Vindelicum lag allerdings fast 2 Meilen weiter nördlich.

Nö, "auf möglichst geraden Wegen"… Das Zentrum lag 2–3 m.p weiter nördlich, wo im 1. Jh. tatsächlich das Militärlager stand. Hätte die Messung im 1. Jh. auf der VCA stattgefunden, wären 35–36 Meilen von Epfach aus akzeptabel. Aber 200 Jahre später war Augsburg eine Stadt und kein Militärlager. Die kleineren Militärlager haben sich deutlich außerhalb angesiedelt, z.B. in Friedberg-Kissing, Bobingen...
Es wundert mich, dass es erst so spät eine "Phase der Messung" gegeben haben soll. In welche Primärquellen ist diese belegt? Die in Frage stehende Straße wurde unter Septimius Severus um das Jahr 200 vermessen, das ist inschriftlich gesichert:
Überliefert sind jeweils die letzten Streckenredaktionen von IA (Ende 3. Jh.) und TP (Ende 4. Jh.), wo mitunter auch ältere Messungen enthalten sein könnten. Aber keine, die sich auf die VCA beziehen.
Das Itinerarium Antonini basiert wohl kaum auf einer einheitlichen "Phase der Messung", sondern ist ein Konglomerat von Strecken, die zu ganz verschiedenen Zeiten angelegt und vermessen wurden.
Das habe ich auch nicht behauptet – im Gegenteil: Eine kohärent-differenzielle Streckenanalyse führt zur Erkenntnis, dass jede Hauptstrecke einer Streckeneinheit zugeordnet gewesen sein muss. Wir haben es hier also mit militärischen Unternehmen zu tun, die auch in Konkurrenz stehen konnten, wie beispielsweise zwischen der VCA- und der VR-Einheit. Die VR-Einheit ging schließlich als dominanteres Unternehmen hervor und könnte für die vollständige Verdrängung/Vernichtung der VCA-Streckendokumentation verantwortlich sein.

Isunisca lässt sich nicht sicher verorten.
Man kann eine sichere Lokalisierung nicht aushebeln, indem man sich auf eine hypothetische Lokalisierung stützt.
Streckenanalytisch lässt sich Isunisca im Raum Großhelfendorf-Kleinhelfendorf verorten, das übrigens eindeutig an der Via Julia liegt. Das wird inzwischen auch vonseiten der offiziellen Archäologie mit höchster Wahrscheinlichkeit angenommen. Somit spricht fast nichts gegen diese These. Ganz anders im Falle Abodiaco… Wie willst Du bitte mit den 37 m.p. von Großhelfendorf nach Epfach oder mit 30 m.p. von Parthano nach Epfach kommen… ? Die stringentere Streckenanalytik hält übrigens Abweichungen von 2–3 % noch als zulässig. Größere Abweichungen müssten entschieden in Frage gestellt werden. Davon gibt es leider mehrere. Würde man alle erwähnten und festgestellten 18 gravierenden Streckenabweichungen im Raum Südrätien als akzeptabel hinnehmen, müsste man Asterix und Obelix auch als historische Quelle für spinnende Römer akzeptieren, die 200–300 Jahre lang sich an relativ viele falsche Streckenparameter gehalten haben müssen. Die Frage bleibt dann: wofür die ganze Arbeit? Wäre nicht logisch erklärbar.
Auszugehen ist von Abodiaco, und wenn man sowohl romanische Lautwandlungen wie auch die althochdeutsche Lautverschiebung in Rechnung stellt:
Sich hier allein auf altgermanistische Lautverschiebungen zu verlassen ist mir zu dünn und nicht so zielführend wie geometrische Parameter. Die sind unbestechlicher. Bei Scarbia unten siehst Du beispielsweise keine Verbindung. Eine Verbindung lässt sich aber Strecken-analytisch herstellen, d.h. dass der Name im Frühmittelalter verdorben und möglicherweise auch verwechselt wurde. Hinzu kommt, dass man in der Merowinger-Karolingerzeit besonders "kreativ" war, wenns ums "Anpassen" und Fälschen ging. In diesem Sinne lässt sich Abodiacum mit etwas linguistischer Kunstfertigkeit so hinbiegen, dass es auch für Epfach passt. Wenn sich dies vonseiten der unbestechlichen Streckenanalyse belegen ließe, wäre es ok. Auf diese anderen maßgeblicheren historisch-topographischen (Gegen-)Argumente gehst Du aber erst gar nicht ein. Dazu ein weiteres Gegenargument: C. Ptolemaios verortet in seiner Geographie Abodiacum auch korrekt östlich des Lechs, wo die Via Raetia verlief. Hätte er dafür einen Ort am Lech gemeint, dann hätte er Abodiacum bestimmt am Lech positioniert, wie er das mit Augusta Vindelicum machte. Seine Geographie ist zwar nicht meilengenau wie die römischen Streckendokumentationen, aber sie reicht als zusätzliche Indikation und Orientierung.

Zunächst mal ist Scharnitz ursprünglich gar kein Siedlungsname, sondern im Gegenteil die Bezeichnung einer unbewohnten Gegend, wie die frühen Nennungen eindeutig belegen: 763 "in solitudine Scarantiensę", 772 "Scaritiae deserti".
Es handelt sich eindeutig um einen "Ortsnamen" in einer abgelegenen Gegend. Das reicht an sich schon. Der Rest ist linguistische Dialektik.
Zum zweiten hapert es, wie Du selbst schreibst, bei Scharnitz mit der genauen Lokalisierung, auch hier ist man auf löcherige Hypothesen angewiesen.
Das gilt für Abodiacum umso mehr. Denn diese tatsächliche Scarbi-Scaranti-Scariti-Scharniti-Verbindung lässt sich wenigstens mittels Streckenanalytik auch nachvollziehen und näher lokalisieren. Das gelingt im Falle Abodiacum leider nicht mehr. Das ist hier das Entscheidende.
Zum dritten ist nicht zu sehen, nach welchen Lautgesetzen Scarbia zu Scarantia mutiert haben soll.
Also wer im Falle Abodiaco zu Epfach eine Verbindung sieht, aber bei Scarbia zu Scarantia keine sehen will, ist entweder befangen (Lokalpatriotismus?) oder will sich nur an grob-schematische Lautgesetze halten. Dass dazu u.a. auch weniger bekannte bis unbekannte regionale und örtliche Unterschiede zu berücksichtigen sind, will ich nur erwähnt wissen. Darauf brauch ich jetzt aber nicht näher eingehen, zumal hier, wie schon mehrmals betont, die differenziertere Streckenanalytik den eigentlichen "Ton" angibt. Siehe nur oben erwähntes Fallbeispiel zu Laurins Rosengarten, den die Altgermanistik seit 200 Jahren zur "Märchendichtung" zählt. Die differenziertere historisch-topographische Streckenanalytik und Textanalyse belegt aber eindeutig: es geht tatsächlich um genau lokalisierbare, politische Dichtung (Investiturstreit, Kaiser-Papst-/Staufer-Welfen-Konflikt). Somit lässt sich auch für die Altgermanistik feststellen, dass man hier zumindest die letzten 100 Jahre leider verplempert hat.
 
Ich habe vor Jahren mal für einige Monate im Marketing eines archäologischen Museums gearbeitet. Ich bin kein Archäologe, aber man bekommt mit, was im Haus passiert. Da haben sich mehrmals wöchentlich Leute gemeldet, die meinten, sie hätten bedeutende Entdeckungen gemacht. Also jetzt keine Funde von Artefakten, sondern Interpretationen. Die meisten davon waren schlicht nicht diskursfähig, die Hypothesen waren nicht tragfähig. Wenn die vier Archäologen des Museums sich damit immer ernsthaft auseinandergesetzt hätten, dann wären sie ihrer tatsächlichen Arbeit nicht mehr hinterher gekommen.
Daher ist es nicht verwunderlich, wenn du keine Antworten erhältst, denn so ganz tragfähig scheint deine Hypothese nicht zu sein. Sicherlich kann man einzelne Zuordnungen der TP oder der Streckenverläufe des IA diskutieren, ob diese so korrekt sind. Aber letztlich hat Sepiola es auf eine gute Formel gebracht:
Dann ist es andererseits auch nicht verwunderlich, wenn in der Altgermanistik-Mediävistik etwa im Fall Laurins Rosengarten (s.o) mindestens 100 Jahre verplempert wurden. Dies könnte auch im Falle der klass. Archäologie im Kontext der erwähnten Primärquellenparameter zutreffen. Nicht tragfähige Hypothesen lassen sich außerdem schnell und mühelos widerlegen, wenn sie einmal klar ausformuliert sind.
Die TP ist oft sehr ungenau. Die Meilenangaben zwischen der CUT und den Vetera-Lagern (Veteribus) passt beispielsweise überhaupt nicht, zudem existierten sie überhaupt nicht gleichzeitig, überhaupt gibt es in der TP mehrere Anachronismen (also Orte die etwa beim Vesuvausbruch untergegangen sind neben Orten die erst Dekaden später begründet wurden oder den in der TP dokumentierten Namen bekamen).
Meine Arbeit bezieht sich ausschließlich auf Südrätien. Jeder Bereich müsste eigens detailliert untersucht werden, warum vereinzelt Auslassungen etc. in der TP vorkommen. Für den gesamten römischen Raum fehlt mir einfach die nötige Zeit. In der TP für den Raum Südrätien gibt es beispielsweise auch Auslassungen manchmal aufgrund von Platznot, die aber in der Einschätzung der Primärquellen insgesamt keine große Rolle spielen.
Und zu beachten ist bei der TP, dass manche Orte auch doppelt auftauchen. Gerade das diskutierte Avodiaco/Abodiaco ist so ein Bsp. Das liegt natürlich auch an der Beschaffenheit der TP, die ja nun keine genaue topgraphische Karte ist.
Eben: Avodiaco/Abodiaco indiziert im Streckenplan der TP eine Kreuzung zweier Hauptstrecken an der Via Raetia und nicht an der VCA.
Eher nicht. Aus Silbenvokal /a/ wird, wenn Silbenvokal /i/ folgt, leicht /e/ ("regressive i-Umlautung"). Abodiacum.
Vgl. auch Tolbiacum > Zülpich, Turiacum > Zürich, Iliacum > Jülich > die -cum-Edung wird gregelmäßig zu -ch
Dass hingegen aus einem /e/ ein /a/ wird, wäre recht ungewöhnlich. Zudem wäre Apfeldorf ein Hybridname, was möglich ist, aber eher selten.
Und was ist, wenn man damit im Falle Abodiacum-Lokalisierung am Ende trotzdem irrt? Dann nützt der ganze sprachwissenschaftliche Zugang wenig, wenn man in der gesamthistorischen Auswertung Entscheidendes übersieht. Es gibt Beispiele dazu und Abodiacum könnte ein weiteres Paradebeispiel sein/werden.
 
Und was ist, wenn man damit im Falle Abodiacum-Lokalisierung am Ende trotzdem irrt? Dann nützt der ganze sprachwissenschaftliche Zugang wenig, wenn man in der gesamthistorischen Auswertung Entscheidendes übersieht.
Übersieht man denn was?
  • Name lässt sich sauber herleiten ✓
  • Entfernung passt ✓
  • Es gibt die notwendigen archäologischen Funde ✓
Wie Sepiola sagte, du müsstest schon extrem gute Argumente gegen diese vorlegen. Du sagst zwar, dass du in dem der RGK vorgelegten Text diese Argumente brächtest, uns lässt du die aber unbekannt.
Was sollen wir also glauben, eine sprachwissenschaftlich saubere Herleitung, wo Entfernung passt und archäologische Funde das Übrige ergeben oder einer Vertröstung auf ein undefiniertes Später?
 
Bisher kennen wir weder deine Methode noch irgendwas von deinen Belegen, bislang müssten wir die auf treu und Glauben folgen.
 
Sich hier allein auf altgermanistische Lautverschiebungen zu verlassen ist mir zu dünn

Also wer im Falle Abodiaco zu Epfach eine Verbindung sieht, aber bei Scarbia zu Scarantia keine sehen will, ist entweder befangen (Lokalpatriotismus?) oder will sich nur an grob-schematische Lautgesetze halten.

Wenn wir die regelmäßig feststellbaren Lautgesetze weglassen, wird es nicht nur "dünn", dann haben wir aus namenkundlicher Sicht gar nichts mehr in der Hand.
Wenn es keine sprachgeschichtliche Erklärung dafür gibt, wie aus Scarbia Scarantia wird, sondern zu Hilfsypothesen gegriffen werden muss, ist der Name als Argument für eine Lokalisierung halt nicht zu gebrauchen.
Einen Zusammenhang Scharnitz/Scarbia schließe ich deswegen nicht aus; die plausibelste Möglichkeit wäre, dass "Scarbia" schlicht auf einem Schreibfehler beruht.


Auf diese anderen maßgeblicheren historisch-topographischen (Gegen-)Argumente gehst Du aber erst gar nicht ein.
Aber 200 Jahre später war Augsburg eine Stadt und kein Militärlager.

Ich verstehe nicht recht, wofür oder wogegen damit argumentiert werden soll.


Eine kohärent-differenzielle Streckenanalyse führt zur Erkenntnis, dass jede Hauptstrecke einer Streckeneinheit zugeordnet gewesen sein muss. Wir haben es hier also mit militärischen Unternehmen zu tun, die auch in Konkurrenz stehen konnten, wie beispielsweise zwischen der VCA- und der VR-Einheit.
Das verstehe ich überhaupt nicht. Sollen TP und IA eine militärische Funktion gehabt haben? Da sind wir im Bereich spekulativer und bestenfalls umstrittener Hypothesen.


Dazu ein weiteres Gegenargument: C. Ptolemaios verortet in seiner Geographie
... eine große Anzahl von Orten im rätisch-norischen Raum grob falsch ein. Zum norischen Gebiet hatte ich das schon mal im Einzelnen aufgelistet:

Ich gebe einen kurzen Gesamtüberblick über die norischen Siedlungsnamen. Zunächst nach der Sortierung bei Kleineberg et al. nach der Sicherheit der Identifkationen:

"unsicher"
6 Claudivium (Wallsee)
7 Gabavodurum (bei St. Pölten)
8 Gesodunum (bei Steyr)
9 Bedacum (bei Strass im Zillertal)
11 Vacorium (Treffen)
15 Idunum (Gurina)

"wahrscheinlich"
5 Arelate (bei Linz)

"sicher"
10 Aguntum (Dölsach)
12 Poedicum (Bruck an der Mur)
13 Virunum (Zollfeld)
14 Teurnia (St. Peter in Holz)
16 Sianticum (Villach)
17 Celeia (Celje)
18 Iulium Carnicum (Zuglio)

Wie bereits oben erwähnt, ist Bedacum sehr wahrscheinlich mit Bedaium gleichzusetzen (und damit bei Seebruck am Chiemsee zu lokalisieren). Außerdem Vacorium mit Vocarium (nicht genau lokalisierbar, aber gemäß der Peutingertafel nach Salzburg und Kuchl die nächste Station, also ca. 25 km südlich von Kuchl zu suchen.
Dass die Lokalisierung von Arelate auf der Peutingertafel (zwischen dem Ybbsübergang und Traismauer) von den Autoren schlichtweg unterschlagen wird, hatte ich auch bereits erwähnt.

Wenn ich die unsicheren Identifikationen ausklammere und das sicher identifizierte Claudium Iuvavum sowie die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu identifizierenden Orte Bedacum, Vacorium und Arelate berücksichtige, ergibt sich folgendes Bild

5 Arelate (Pöchlarn): von Ptolemaios falsch lokalisiert
6 Claudivium (Salzburg): von Ptolemaios falsch lokalisiert
9 Bedacum (Seebruck): von Ptolemaios falsch lokalisiert
11 Vacorium (ca. Pfarrwerfen): von Ptolemaios falsch lokalisiert
10 Aguntum (Dölsach): von Ptolemaios falsch lokalisiert
12 Poedicum (Bruck an der Mur)
13 Virunum (Zollfeld)
14 Teurnia (St. Peter in Holz): von Ptolemaios falsch lokalisiert
16 Sianticum (Villach)
17 Celeia (Celje): von Ptolemaios falsch lokalisiert
18 Iulium Carnicum (Zuglio)

Das heißt: In einem Gebiet, das von römischen Straßen mit Meilensteinen und Meilenangaben durchzogen war, hat Ptolemaios fast zwei Drittel der Orte mit Sicherheit oder wahrscheinlich falsch lokalisiert.



Es handelt sich eindeutig um einen "Ortsnamen" in einer abgelegenen Gegend. Das reicht an sich schon.
Nicht für eine Lokalisierung. Der Name bezeichnete ja nicht die heutige Siedlung, sondern ein größeres Gebiet, dessen Grenzen wir überhaupt nicht kennen.


Leider wurde immer noch nicht erläutert, welche Methoden sich hinter der "unbestechlichen Streckenanalyse" verbergen.

 
:oops: dem Caesar ist allerlei zuzutrauen (siehe Brechts Romanfragment), aber das??? Ich staune wirklich!
Um Missverständnisse vorzubeugen: Gemeint ist, dass Caesar dieselbe Art von Schutzgärten um keltische Wehrsiedlungen beschreibt, wie sie in der hochmittelalterlichen Heldendichtung ebenfalls vorkommen und damals noch in Verwendung gewesen sein müssen.
 
Du sagst zwar, dass du in dem der RGK vorgelegten Text diese Argumente brächtest, uns lässt du die aber unbekannt.
Die RGK-Redaktion, darf eingesandte unveröffentlichte Manuskripte nicht weiterverbreiten.
Übersieht man denn was?
Oh ja
Name lässt sich sauber herleiten ✓
Nicht eindeutig, wenn dann schon zumindest zweideutig, was dementsprechend entscheidend ist und sich auch einfach nachweisen lässt. Dazu noch ein letztes Mal zur sprachwissenschaftlichen Lokalisierungsproblematik Abodiacum=Epfach:

Bisher vereinfachte Hypothese 1: "Abodiacum" soll sich über Eptiacus zu Epfach entwickelt haben, kommt jedoch mit einer stringenten Streckenanalyse nach Primärquellenpriorität in Konflikt.

Erweiterte Hypothese 2: "Aputiacum" – Aptiacum lassen sich aber noch besser über Eptiacus zu Epfach entwickeln, und kommen auch nicht mit der stringenten Streckenanalyse nach Primärquellen in Konflikt. "Aputiacum" unterstützt sogar die geomorphologische Lage Epfachs über lat. aput
"sich nahe kommen", wo die Lech-Schleife bei Epfach sich besonders nahe kommt, und steht auch nicht im Konflikt mit der stringenten Streckenanalyse nach Primärquellen, weil "Aputiacum" an der VCA in den Streckendokumentationen nicht vorkommt.

Fazit: Abodiacum (kelt. Abod) und Aputacum (lat. aput) ähneln sich zwar onomastisch, sind aber dennoch von unterschiedlicher etymologischer Bedeutung und von unterschiedlicher Lokalität. Sind zwar "nur" rund 20 km (Luftlinie) Unterschied, aber immerhin.

Hast du schon an diese sprachwissenschaftliche Variante mit unterschiedlichem Ausgang gedacht? Wenn nicht, wirds Zeit.

Entfernung passt ✓
Zum letzten Mal: mehrfach nein !
Es gibt die notwendigen archäologischen Funde ✓
Die gibt es mehrere Meilen weiter auch.
Was sollen wir also glauben, eine sprachwissenschaftlich saubere Herleitung, wo Entfernung passt und archäologische Funde das Übrige ergeben
ja wie gesagt, oberflächlich betrachtet ist deine Argumentation auch ok, aber eben unvollständig, nicht zu Ende gedacht.
oder einer Vertröstung auf ein undefiniertes Später?
Was ist schon ein Jahr gegen 100 versäumte Jahre, in denen man nicht tiefer in die Streckenanalytik eingestiegen ist?
Bisher kennen wir weder deine Methode noch irgendwas von deinen Belegen, bislang müssten wir die auf treu und Glauben folgen.
Ich wiederhole: Stringente historisch-topographische Streckenanalyse nach Primärquellenpriorität (Abweichungstoleranzgrenze 2-3%). Wer sich mit dieser Problematik bereits etwas näher beschäftigt hat, kann sich damit schon einiges vorstellen, ohne zu glauben.
 
Einen Zusammenhang Scharnitz/Scarbia schließe ich deswegen nicht aus; die plausibelste Möglichkeit wäre, dass "Scarbia" schlicht auf einem Schreibfehler beruht.
zum Beispiel
Ich verstehe nicht recht, wofür oder wogegen damit argumentiert werden soll.
Die Streckenmessungen können im zweiten Fall früher enden, 1-3 m.p. vor der Stadt. Sie wurden in den Provinzen von den Militärs durchgeführt und nicht von den Stadtverwaltungen wie im Kernland.
Das verstehe ich überhaupt nicht. Sollen TP und IA eine militärische Funktion gehabt haben? Da sind wir im Bereich spekulativer und bestenfalls umstrittener Hypothesen.
Die IA ist beispielsweise ein Projekt der Soldatenkaiser. Die Hauptstrecken in den Provinzen waren in erster Linie Militärstraßen. Es gab Straßenbaupioniere im Heer aber nicht zivile Straßenbauunternehmen.
Nicht für eine Lokalisierung. Der Name bezeichnete ja nicht die heutige Siedlung, sondern ein größeres Gebiet, dessen Grenzen wir überhaupt nicht kennen.
Man nahm Bezug auf den Stations- bzw. Ortsnamen Scarbia, auch wenn man ihn im 8. Jh. nicht mehr genau verorten konnte.
Leider wurde immer noch nicht erläutert, welche Methoden sich hinter der "unbestechlichen Streckenanalyse" verbergen.
s.o.... "unbestechlich" ist falsch zitiert.
 
Dazu noch ein letztes Mal zur sprachwissenschaftlichen Lokalisierungsproblematik Abodiacum=Epfach:

Bisher vereinfachte Hypothese 1: "Abodiacum" soll sich über Eptiacus zu Epfach entwickelt haben, kommt jedoch mit einer stringenten Streckenanalyse nach Primärquellenpriorität in Konflikt.

Erweiterte Hypothese 2: "Aputiacum" – Aptiacum lassen sich aber noch besser über Eptiacus zu Epfach entwickeln, und kommen auch nicht mit der stringenten Streckenanalyse nach Primärquellen in Konflikt. "Aputiacum" unterstützt sogar die geomorphologische Lage Epfachs über lat. aput
"sich nahe kommen", wo die Lech-Schleife bei Epfach sich besonders nahe kommt, und steht auch nicht im Konflikt mit der stringenten Streckenanalyse nach Primärquellen, weil "Aputiacum" an der VCA in den Streckendokumentationen nicht vorkommt.

Fazit: Abodiacum (kelt. Abod) und Aputacum (lat. aput) ähneln sich zwar onomastisch, sind aber dennoch von unterschiedlicher etymologischer Bedeutung und von unterschiedlicher Lokalität. Sind zwar "nur" rund 20 km (Luftlinie) Unterschied, aber immerhin.

Hast du schon an diese sprachwissenschaftliche Variante mit unterschiedlichem Ausgang gedacht? Wenn nicht, wirds Zeit.

Hypothesen müssen auf Fakten basieren.
Hierzu einige sprachwissenschaftliche Fakten:

1. Das lateinische Wort aput (übliche Schreibweise apud) ist kein Verb, sondern eine Präposition und entspricht der deutschen Präposition bei. Sie benötigt als solche im Lateinischen ein Substantiv (oder ein Pronomen), das dann im Akkusativ steht. (Im Deutschen wäre es der Dativ: "bei dem Fluss", "beim Ufer") Also apud fluvium, apud ripam wäre eine lateinische Ortsangabe.
"(i)acum" ist allerdings kein Substantiv, sondern ein (ursprünglich keltisches! = akon) Suffix, das sehr häufig in Ortsnamen vorkommt und die Zugehörigkeit zu jemandem bezeichnet.
(Ein germanisches Pendant wäre das Suffix -ingen, das üblicherweise an einen Personennamen angehängt wird: Sigmar-ingen, Gundolf-ingen usw.)

Ein aus apud + iacum gebildeter Ortsname wäre ein Unikum.

2. Die antiken Belege zeigen klar die ursprüngliche lateinische Form *Abudiacum.
Ptolemaios: Ἀβουδίακον mit griechischer Endung (-on, die übrigens auch der keltischen entspricht): gesprochen Abudiakon.
IA: Abuzaco, gesprochen: Abudjako (Vergleichsbeispiel: DIEBUS wird auch als ZEBUS geschrieben: 11. Phonologie des Lateinischen und Vulgärlateinischen )
TP: Abodiaco, gesprochen: Abodjako, zeigt wie oben referiert die romanische Senkung u > o. (Beispiele für diese Regel: bucca 'Mund' wird zu bocca, musca 'Fliege' wird zu mosca vgl. Moskito)
Das -b- wurde sehr weich gesprochen und wird im späten Latein praktisch nicht mehr vom -v- unterschieden: taberna wird zu taverna, caballus 'Pferd' wird zu cavallus (vgl. Kavallerie) Das erklärt die zweite Form der TP: Avodiaco.

Ein *Aputiacum ist nicht belegbar, sondern eine Fantasiekonstruktion.
 
zum Beispiel

Die Streckenmessungen können im zweiten Fall früher enden, 1-3 m.p. vor der Stadt. Sie wurden in den Provinzen von den Militärs durchgeführt und nicht von den Stadtverwaltungen wie im Kernland.

Die IA ist beispielsweise ein Projekt der Soldatenkaiser. Die Hauptstrecken in den Provinzen waren in erster Linie Militärstraßen. Es gab Straßenbaupioniere im Heer aber nicht zivile Straßenbauunternehmen.

Für den Straßenbau wurde wohl das Militär herangezogen, genutzt wurden die Straßen natürlich nicht nur von Soldaten, sondern von zivilen Beamten, Kurieren, Warentransporteuren. Die Meilenzählung kann sich doch nur auf den tatsächlichen Zielort beziehen, nicht auf einen hypothetischen Punkt irgendwo fünf Kilometer außerhalb der Stadt.


Man nahm Bezug auf den Stations- bzw. Ortsnamen Scarbia, auch wenn man ihn im 8. Jh. nicht mehr genau verorten konnte.

Wie gerade geschrieben: Wenn "Scarbia" etwas mit Scharnitz zu tun haben sollte, muss die Form "Scarbia" auf einen Schreibfehler zurückgehen.

Ich würde halt empfehlen, ortsnamenkundliche Hypothesen zuerst auf den gesicherten Fakten aufzubauen und nicht falsch geschriebene Namen und selbsterfundene Namen zur Grundlage zu nehmen.



s.o.... "unbestechlich" ist falsch zitiert.

Hier das korrekte Zitat:

Wenn sich dies vonseiten der unbestechlichen Streckenanalyse belegen ließe, wäre es ok.

Wie die Methode funktioniert, wurde leider immer noch nicht nachvollziehbar erläutert.
 
Um Missverständnisse vorzubeugen: Gemeint ist, dass Caesar dieselbe Art von Schutzgärten um keltische Wehrsiedlungen beschreibt, wie sie in der hochmittelalterlichen Heldendichtung ebenfalls vorkommen und damals noch in Verwendung gewesen sein müssen.
Ich meine den Gallischen Krieg gut zu kennen, Schutzgärten erinnere ich nicht: er beschreibt beim Feldzug gegen die Nervier eine Art "Gebück":
"um daher die Beutezüge ihrer berittenen Nachbarn leichter abzuwehren, sägen sie junge Bäume an, biegen sie herunter und bewirken durch die vielen in die Breite nachwachsenden Äste, auch mit zwischengepflanztem Brombeer-und Dornengesträuch, dass diese Gehege Befestigungen mit der Wirkung von Mauern bilden, die nicht nur ein Durchkommen, sondern selbst einen Durchblick unmöglich machen." (Caes. BG Buch II, 17)

Allerdings erwähnt Cäsar keine Siedlung, die damit geschützt würde,sondern schreibt, dass sie durch solche Hecken im Marsch gehindert wurden. (II,17) Das klingt mehr nach einer Art Landwehr wie das Rheingauer Gebück: Rheingauer Gebück – Wikipedia
 
2. Die antiken Belege zeigen klar die ursprüngliche lateinische Form *Abudiacum.
Ptolemaios: Ἀβουδίακον mit griechischer Endung (-on, die übrigens auch der keltischen entspricht): gesprochen Abudiakon.
IA: Abuzaco, gesprochen: Abudjako (Vergleichsbeispiel: DIEBUS wird auch als ZEBUS geschrieben: 11. Phonologie des Lateinischen und Vulgärlateinischen )
TP: Abodiaco, gesprochen: Abodjako, zeigt wie oben referiert die romanische Senkung u > o. (Beispiele für diese Regel: bucca 'Mund' wird zu bocca, musca 'Fliege' wird zu mosca vgl. Moskito)
Das -b- wurde sehr weich gesprochen und wird im späten Latein praktisch nicht mehr vom -v- unterschieden: taberna wird zu taverna, caballus 'Pferd' wird zu cavallus (vgl. Kavallerie) Das erklärt die zweite Form der TP: Avodiaco.

Ein *Aputiacum ist nicht belegbar, sondern eine Fantasiekonstruktion.
Falls Abodiaco einen keltischen Ursprung hat, möglicherweise leitet es sich von altkeltisch abona - abu - ab Fluss) her (altirisch abann, bretonisch aven, walisisch Avon): von keltisch Abona heißen viele Flüsse in England Avon, aber auch in Frankreich Avon (Yerres) – Wikipedia
Auf Münzen der Bituriges Cubi gibt es Namenslegenden von Abodos und Abucatos. GALLIEN - BITURIGES CUBI (Region die Bourges) Bronze ABVDOS au pégase bga_218819 Keltische Münzen
 
Falls Abodiaco einen keltischen Ursprung hat, möglicherweise leitet es sich von altkeltisch abona - abu - ab Fluss) her (altirisch abann, bretonisch aven, walisisch Avon): von keltisch Abona heißen viele Flüsse in England Avon, aber auch in Frankreich Avon (Yerres) – Wikipedia
Auf Münzen der Bituriges Cubi gibt es Namenslegenden von Abodos und Abucatos. GALLIEN - BITURIGES CUBI (Region die Bourges) Bronze ABVDOS au pégase bga_218819 Keltische Münzen

Der Fluss würde das -d- nicht erklären. Der Name Abudos würde dagegen passen. Es sind auch römische Träger des Familiennamens Abudius bekannt:
 
Die RGK-Redaktion, darf eingesandte unveröffentlichte Manuskripte nicht weiterverbreiten.
Wer redet denn davon, dass sie das tun soll? Wie sollen wir deine Argumente bewerten, wenn du sie uns nicht gibst? Du behauptest, etwas sei falsch zugeordnet und jetzt kommst du und dank dir können wir alles über den Haufen schmeißen, was wir zu wissen glaubten. Ist ja okay, wissenschaftlicher Fortschritt funktioniert oft so, dass geglaubtes Wissen über den Haufen geworfen werden muss. Dazu bedarf es aber neuer und vor allem besserer Argumente. Und die hältst du uns bislang vor. Daher bleibt es dabei, wir müssten dir auf Treu und Glauben vertrauen.

Das ist leider keine Antwort, mit dem man etwas anfangen kann.


[*]Name lässt sich sauber herleiten ✓
Nicht eindeutig, wenn dann schon zumindest zweideutig, was dementsprechend entscheidend ist und sich auch einfach nachweisen lässt. Dazu noch ein letztes Mal zur sprachwissenschaftlichen Lokalisierungsproblematik Abodiacum=Epfach:
Die Sprachwissenschaft lokalisiert nicht. Sie schaut, ob die Wandlung der Lautgestalt plausibel ist und den Regeln folgt.

Bisher vereinfachte Hypothese 1: "Abodiacum" soll sich über Eptiacus zu Epfach entwickelt haben, kommt jedoch mit einer stringenten Streckenanalyse nach Primärquellenpriorität in Konflikt.
Ich sehe bislang de Konflikt noch nicht.

Erweiterte Hypothese 2: "Aputiacum" – Aptiacum lassen sich aber noch besser über Eptiacus zu Epfach entwickeln, und kommen auch nicht mit der stringenten Streckenanalyse nach Primärquellen in Konflikt. "Aputiacum" unterstützt sogar die geomorphologische Lage Epfachs über lat. aput
"sich nahe kommen", wo die Lech-Schleife bei Epfach sich besonders nahe kommt, und steht auch nicht im Konflikt mit der stringenten Streckenanalyse nach Primärquellen, weil "Aputiacum" an der VCA in den Streckendokumentationen nicht vorkommt.
Ich finde dein Aputiacum weder im Itinerarium noch in der Tabula.

[*]Entfernung passt ✓
Zum letzten Mal: mehrfach nein !
Wieso nicht?
Laut IA sind es von Augsburg bis Abuzaco 36 Meilen, das entspricht ca. 53 bis 54 km. Von Augsburg nach Epfach sind es 58 km.
Weiter nach Partano sind es 30 Meilen. Die Route führt dann weiter über Veldidena (Innsbruck-Wilten, 30 Meilen), Vipiteno (36 Meilen), Sublavione (32 Meilen, unbekannt), Endidae (24 Meilen, unbekannt), Tredento (Trient, 24 Meilen) und Ad Palatium (24 Meilen, Ala) nach Verona (36 Meilen).
Epfach liegt auf der Route, die überlieferten Meilenangaben sind ungenau, bewegen sich aber im Rahmen. Immerhin vertut sich das IA bei der Meilenberechnung um 36 Meilen, wenn man zwischen der Gesantstreckenangabe Augsburg-Verona und den aufaddierten Streckenangaben vergleicht.

Was sollen wir also glauben, eine sprachwissenschaftlich saubere Herleitung, wo Entfernung passt und archäologische Funde das Übrige ergeben oder einer Vertröstung auf ein undefiniertes Später?
Was ist schon ein Jahr gegen 100 versäumte Jahre, in denen man nicht tiefer in die Streckenanalytik eingestiegen ist?
Das ist keine Argumentation, das ist eine Vertröstung!

Dazu ein weiteres Gegenargument: C. Ptolemaios verortet in seiner Geographie Abodiacum auch korrekt östlich des Lechs, wo die Via Raetia verlief. Hätte er dafür einen Ort am Lech gemeint, dann hätte er Abodiacum bestimmt am Lech positioniert, wie er das mit Augusta Vindelicum machte. Seine Geographie ist zwar nicht meilengenau wie die römischen Streckendokumentationen, aber sie reicht als zusätzliche Indikation und Orientierung.
Es würde mich wundern, wenn Klaudios Ptolemaios so konkrete Angaben machen würde, wie hier beschrieben. Er nennt nämlich i.d.R. nur Münundg und Quelle der Flüsse, ihren Verlauf beschreibt er nicht. Zudem ist Ptolemaios nicht nur nicht meilengenau, sondern sogar ziemlich ungenau bzw. die überlieferten Texte weichen auch unheimlich voneinander ab. Hier eine Karte der Iberischen Halbinsel nach Ptolemaios und seine Abweichungen von der Realität bzw. die Abweichungen der verschiedenen "Rezensionen" seiner Geographie:

ptolemaios-verzerrt-png.23364

Quelle: Olivier Defoux.

Du siehst: Klaudios Ptolemaios ist keine echte Stütze.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben