10 wichtigsten Schlachten für die Geschichte Europas

Das ganze ist ja auch Ansichtssache. Wenn ich das aus Sicht meines Schwagers (Ungar) beantworte ergibt sich folgendes Bild:
Das Fundament und die osmanische Bedrohung
  • Lechfeld (955): Die ungarische Niederlage beendet die Streifzüge in Europa. Sie zwingt die Ungarn zur Sesshaftigkeit und führt zur Staatsgründung und Christianisierung unter Stephan I.
  • Muhi (1241): Die Mongolen vernichten das ungarische Heer. Die Schlacht führt zur fast vollständigen Verwüstung des Landes und zwingt zum massiven Bau von Steinfestungen.
  • Belgrad / Nándorfehérvár (1456): János Hunyadi stoppt den osmanischen Vormarsch auf Europa. Das Mittagsläuten der Kirchen erinnert bis heute weltweit an diesen Sieg.
  • Mohács (1526): Die Osmanen vernichten das ungarische Heer, König Ludwig II. fällt. Die Schlacht besiegelt das Ende des mittelalterlichen Großreichs und führt zur Dreiteilung Ungarns.
  • Szigetvár (1566): Zrínyi verteidigt die Festung heldenhaft gegen Süleyman den Prächtigen. Der Kaiser stirbt während der Belagerung, was den osmanischen Vorstoß auf Wien um Jahrzehnte verzögert.
  • Zenta (1697): Prinz Eugen von Savoyen besiegt die Osmanen entscheidend. Die Schlacht bereitet den Weg für den Frieden von Karlowitz und die Befreiung Ungarns von der Türkenherrschaft.

Die Freiheitskämpfe
  • Pákozd (1848): Die junge ungarische Revolutionsarmee besiegt die Truppen des kaiserlichen Banus Jelačić. Sie rettet die Märzrevolution und stärkt den Kampf gegen die Habsburger.
  • Temesvár (1849): Die entscheidende Niederlage der Ungarn gegen die Österreicher. Sie führt kurz darauf zur Kapitulation von Világos und dem Scheitern des Unabhängigkeitskrieges.

Das 20. Jahrhundert
  • Isonzo-Schlachten (1915–1917): Blutige Abwehrschlachten im Ersten Weltkrieg gegen Italien. Der darauffolgende Zusammenbruch der Monarchie führt direkt zum traumatischen Vertrag von Trianon (1920).
  • Budapest (1944/45): Eine der brutalsten Belagerungen des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt wird zwischen der Roten Armee und deutsch-ungarischen Truppen fast völlig zerstört.
Wie gesagt......
 
Manchmal denken wir meines Erachtens aus einer heutigen Sicht auf die Dinge. Oder eben aus unserer eigenen Perspektive.
Wenn wird die Schlachten in ihrer Wirkung und Bedeutung bewerten wollen läßt sich das nicht vermeiden, anders wird es nicht funktionieren.

Bevor das ausartet oder es hier Mißverständnisse gibt, ich z.B. bewerte in erster Linie nach den politischen Folgen einer Schlacht, nicht nach "Quantität" der teilnehmenden Mengen. Einfaches Beispiele sind hier Midway und Leyte.
 
Wien ist für mich fraglich im Ergebnis
Für mich nicht.
Wären Wien gefallen und das Habsburgerreich ganz oder großteils von den Osmanen erobert worden, hätten sie in Mitteleuropa keinen ernstzunehmenden Gegner mehr gehabt, sondern nur noch einen Haufen kleinerer Staaten in Italien und Deutschland als Nachbarn (die wohl in der einen oder anderen Weise zu Vasallen des übermächtigen Nachbarn worden wären). Ein Zurückdrängen der Osmanen, eine Befreiung Ungarns hätte es aus dieser Richtung nicht gegeben. Das Osmanische Reich in Mitteleuropa wäre wohl erst durch innere Probleme und/oder den Aufstieg Russlands zusammengebrochen. Bis dahin wäre das Osmanische Reich aber vielleicht Jahrhunderte lang die bestimmende Kraft nicht nur in Ungarn und in Österreich, sondern auch in weiten Teilen Deutschlands und Italiens gewesen.
 
So einfach ist das nicht, die Osmanen sind im zeitigen Frühjahr aus ihren Winterquartieren im Süden mit dem großen Heer nach Norden gezogen und mußten im Herbst wieder den Rückmarsch antreten. Die in Ungarn und anderen "besetzten" Gebieten stehenden Einheiten waren zur Verteidigung stark genug aber zum Angriff recht schwach.
 
Im September 1683 war die Lage in Wien schon recht kritisch. Ich glaube nicht, dass sich 1529 wiederholt hätte, sondern gehe eher davon aus, dass ohne Entsatzheer Wien noch vor der schlechten Jahreszeit gefallen wäre. (Zumal Kara Mustafa schon aus Angst vor seinem Herrn den Rückzug wohl keinesfalls auch nur einen Tag früher als unumgänglich "freiwillig" angetreten hätte.)
 
Mein Kommentar "Winterquartiere" bezog sich auch lediglich auf die türkische "Offensivkraft, so weit von ihrer Basis entfernt. Ohne Entsatzheer wäre in kürzester Zeit "Feierabend" gewesen, daran habe ich auch keine Zweifel, war eine knappe "Kiste".

Zudem, taktisch und militärtechnisch hatten die türkischen Heere zudem Zeitpunkt schon ihren Höhepunkt überschritten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich will ja nicht besserwisserisch klingen, aber die ganze Threadfragestellung ergibt für mich nur so halb Sinn.

Denn schon winzigste Veränderungen in der Geschichte könnten die komplette Menschheitsgeschichte verändern.

Es müsste nur ein einziger steinzeitlicher Menschenaffe sterben und es wären Millionen bis Milliarden Nachfahren nicht geboren worden sein.

Eine kleine Schlacht, ein Stein, ja sogar eine Mücke kann Handlungsketten in Gang setzen, die die Geschichte verändern.

Daher können wir Schlachten gar nicht in eine Wichtigkeits-Reihenfolge bringen.

Wir wissen einfach nicht, wie sich die Welt ohne bestimmte Schlachten entwickelt hätte.
stimmt schon, nur geht die Chaostheorie am Thema vorbei/sorry, etwas spät reagiert
 
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