Abenteuer Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Imperial, 20. Dezember 2005.

  1. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Timo: Ich habe mal eine Hausarbeit über solche "Reality Soaps" geschrieben, in der es auch um das "Schwarzwaldhaus" ging, dass ja mit Formaten wie "Abenteuer..." vergleichbar ist. Nach meinen Erkenntnissen verzichten die Macher bewusst darauf, Menschen zu casten, die irgendwie Ahnung von den dargestellten Epochen haben. Aus dramaturgischer Sicht ist es interessanter, wie die Kandidaten sich gegenüber dem fremden Subjekt verhalten und damit zurecht kommen, als ein realistisches Reenactment.
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Danke für diese Information.
    Es wird Dich vielleicht überraschen, daß ich damit nicht einmal grundsätzlich ein Problem habe.
    Für mich wird die Sache eben nur dann zwiespältig, wenn die zuständige Redaktion es vorher - zumindest nach außen - ankündigt "als Zeitreise, die uns einen Einblick in das Leben in vergangenen Zeiten gewähren soll" (um das Zitat von Lord Raglan, 27.12. 2005, 11:56, aufzugreifen, weil ich selbst nicht besser wiedergeben kann).
     
  3. Faye

    Faye Neues Mitglied

    hm, da magst du wohl recht haben. Ich glaube sie wollten einfach (haben versucht) den Menschen das Mittelalter ein wenig näher bringen, weil doch ein beträchtlicher Anteil der deutschen Bevölkerung nich sonderlich interessiert ist an geschichte.
    Sie haben ja auch eine menge an (hintergrund)informationen gar nicht eingebracht. Eine große Anzahl von TV-guckern, wollen unkomplizierte serien/filme, wo man einfach nur zugucken kann ohne nachzudenken.
    Ich würde sagen sie haben mit der serie an der Oberfläche gekratzt. -.-

    Ausserdem sollte es eine, ich sage mal 'Gegenserie' zu "Die Burg" mit diesen ganze Bekloppten sein. Das lief ma auf pro7. Ich bin mir nich sicher, aber ich glaub das hat mit der chef erzählt... Also ohne gewähr... :)

    *greetz
     
  4. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Ich gehe mal davon aus Thimo, dass das angepeilte Ziel darin bestand Leute zu haben die Personen repräsentieren die den entsprechenden Horizont hatten und nicht mehr.

    Nimmt man leute aus "Reenactment" Gruppen so wir da jeder ein breites Wissen über alle Gesellschaftschichten haben, was wohl kaum der historischen Realität entspricht. Wie dieses Ziel dann letztendlich umgesetzt wurde, sei mal nicht berücksichtigt, aber wenn ich sowas drehen würde, wäre genau das mein Ziel und damit fallen Reenacter leider raus.
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Das kann durchaus sein.

    Wie schon geschrieben, habe ich die Umsetzung gemäß dem kritisiert, was vorher nach außen angekündigt bzw. verkündet wurde.
    Die "Kritiker" hätten doch gar nichts gesagt, wenn man es gleich als "Reality Soap" o. dgl. angekündigt hätte und eben nicht als "Zeitreise".
    Aber gut, lassen wir das beiseite...

    Hmm, das mit dem breiten Wissen über alle Gesellschaftsschichten stimmt so nicht ganz, denn normalerweise befassen sich Reenacter bzw. Living History Leute primär mit dem Stand und dem Umfeld der Person, die sie darstellen. Sicherlich gibt es auch andere, die es etwas weiter fassen, aber das ist bestimmt nicht die Mehrheit...

    Ich erlaube mir einmal, ein Beispiel herzunehmen - allerdings bitte ich, mich nicht zu zwingen, Namen zu nennen...

    Eine Magddarstellerin einer befreundeten Gruppe hatte sich dort beworben, obwohl sie mit ihrem Darstellungszeitraum (Mitte 13. Jh.) auch deutlich abweicht.
    Sie weiß bspw. genau das, was uns bzgl. des Alltags jener Menschen bekannt geworden ist - ich nenne bloß einmal die Fähigkeit, ohne Streichhölzer u.ä. Feuer zu machen (also mit Schlageisen, Flint und Zunder).
    Ihre Kenntnisse zu Details bei Adel und Klerus/Orden sind aber wiederum begrenzt - jedenfalls gemessen daran, eine derartige Rolle darzustellen.
    Was sie aber beherrscht, wäre ja schon einmal essentiell, um dies glaubhaft und einigermaßen "realistisch" darzustellen.

    Das ist es, was ich gemeint habe... :fs:
     
  6. St.Georg

    St.Georg Neues Mitglied

    Also ich würde mich mal darüber freuen wenn es mal eine längere Reportage über den Burgenbau bei Goudelon oder ähnliche Projekte im TV zu sehen gäbe. Das wär doch mal was. War da schobnmal jemand?Wie realistisch ist das ganze denn dort so?
     
  7. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Naja, es gab immerhin schon - und zudem mindestens auch bereits einmal wiederholt - die Reportage über die praktische Rekonstruktion des Trebuchets, s.a. dazu http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=9994

    Hotte143114 wollte sich es anschauen, wie er im Februar in diesem Strang hier schrieb: http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=143542&postcount=37

    Ich hatte meinen Kommentar bereits als Antwort zu seinem Beitrag abgegeben, daß das Projekt höchsten Respekt verdient... :fs:
     
  8. Hotte143114

    Hotte143114 Aktives Mitglied

    Hatte leider nicht geklappt, da ich eine andere Strecke nach Südfrankreich gefahren bin :rotwerd:

    Ausserdem waren meine zwei Mitfahrer total desinteressiert von der Sache :(
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sinn und Unsinn der Chose

    Hallo!

    Ich habe die Sendung zwar nicht gesehen aber das Landgut 1900 und einige Mitglieder der Company of Saynt George und 1476 haben mir davon erzählt. Wie die Mimik dann dazu aussah kann man sich vorstellen: :rofl: -> :motz: -> :autsch: -> :S Im Grunde genommen finde ich die Idee nicht schlecht, den Zuschauern in dem Format Geschichte nahe zu bringen, nur eben albern, wenn das nicht unter fachmännischer und bisweilen regider Führung geschieht.
    Ist das nämlich nicht der Fall sieht man nur einen Haufen Großstädter, die sich wie die Deppen anstellen, aber bekommt einen völlig falschen Eindruck von der Zeit, weil hier zum Teil Probleme aufgebauscht werden, die eben keine gewesen wären und die reelen Probleme werden nicht behandelt.
    Als Spielort wurde das Schloss Burgk ausgewählt, das meines Wissens (ich hatte selbst mal ein Reenactment zum Thema Gefecht bei Schleiz 1806) viel zu groß ist und auch von dem Bauzustand gänzlich ungeeignet, statt eine kleine überschaubare Anlage wie die Bachritterburg zu verwenden. Dass das Schloss Burgk eine sehr schöne Anlage ist, steht außer Zweifel.
    Als Living-History-Anhänger würde man ganz anders an die Sache gehen und ich kann mir vorstellen, dass man als solcher weit realistischer die tatsächlichen Spannungen darstellen könnte, die sich nämlich nicht gegen die jeweils höhere Rangstufe, sondern oftmals gegen die gleichhohe richtet, welche mit der höheren zusammenarbeitet.
    Ich kenne das als Butler-Darsteller des 18.Jh. (Rokoko), wobei man in dieser Rolle zwischen Herschaft und Dienerschaft eine recht isolierte Stellung hat.
    Also mein Fazit ist, dass die Form der Konzeption und der herbeibeführten Konflikte, eine realistische und sinnvolle Betrachtung der damaligen Zustände völlig zuwiderläuft.

    Übrigens in Deutschland gibt es Reenactment des Barocks als Szene im Rahmen des 30-jährigen Krieges. In England existiert eine Gruppe, welche sich noch mehr dem Zeitalter der Restauration (spätes 17.Jh.) beschäftigt und das u.a. im Bereich Ziviles - L'âge d'or. In England gibt es daneben noch eine Große Szene zum Bürgerkrieg zur Zeit Karl I.. Living-History bezüglich dieser Periode kenne ich nur aus den USA. In Deutschland ist mir nur ein Living-History im Rahmen der Mitte des 18.Jh. bekannt, was dann aber schon wieder nicht mehr barock wäre. Offen gestanden bin ich ganz froh, dass es zum Rokoko keine Reality-Soap à la Gutshaus 1900 gibt und das werde ich auch zu verhindern wissen. :gun: :rofl:
     
  10. St.Georg

    St.Georg Neues Mitglied

     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2006
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es kommt auf die Anzahl des Personals an, hier meines Erachtens zu wenige, und die Form der Koordinierung.
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich weiß nicht, ob ich schon mal daraufhingewiesen habe, aber es gibt hier die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Burg
    http://www.bachritterburg.de/

    Der Federsee mit Pfahlbauten ist nur 3-4 Kilometer weg, und die Heuneburg, Kelten, mit der einzigen Trockenmauer (teilweise rekonstruiert) nördlich der Alpen, vielleicht 10 km weg.

    Fast zu viel für einen Sonntag.

    Grüße Repo
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gucke da! Sagt mir Bescheid, wenn meine Texte zu unübersichtlich sind.

    Ich war selber noch nicht dort, kenne aber Freunde, die sie beleben. Solche Akteure für eine Serie wie diese zu gewinnen, wäre ja schon wieder viel zu hochtrabend.
    :ironie:
    http://facing-the-past.com/Perioden/Bachritterburg/bachritterburg.html
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ohne mich mit den Reenactern hier im Forum anlegen zu wollen: Was ich so aus der Reenactment-Szene mitbekomme als Außenstehender - und ich denke, die ernsthaften Reenacter werden das selber mit Sorge beobachten - ist doch diese Vermischung von Fantasy und pseudohistorisierendem Kram in der Reenactmentszene. Kann man es da den Produzenten und der Regie verdenken, wenn diese auf Reenactment verzichten wollen? Zudem lassen sich mit der Thematik nicht vertraute Teilnehmer besser in das Sendekonzept pushen, als ein erfahrener ernsthafter Reenacter, der seine ganz eigenen Vorstellungen hat, die womöglich konträr zu denen der Regie sind. Zuletzt sollten wir auch sehen, dass es sich bie "Abenteuer Mittelalter" um nichts weiter als eine Art gehobenes Big Brother handelt, das historische ist also nur Beiwerk, die zwischenmenschlichen Konflikte stehen im Vordergrund. Sollte da ein Reenacter nicht sogar froh sein, draußen zu bleiben?
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2006
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich befürchte es ist so. Leider.
    Was man allerdings bedenken muss ist der Einwand, der mir mal von einer Freundin gebracht wurde. "Big Brother" schön und gut, aber wenn sowas mit unseren Steuergeldern finanziert wird, dann sollte der Anspruch doch ein anderer sein.
    :winke:
     
  16. St.Georg

    St.Georg Neues Mitglied

    Zu schwer wohl nicht , aber man will ja leute die versagen und nimmt deswegen nur die die keinerlei ahnung oder erfahrung mit der materie haben.Damit die leute ach auf ihre kosten kommen.Aber ich muss El Quijote beipflichten.Ich bekomm immer das heule wenn auf MA-Märkten o.ä. so Gothic Leute immer rummlaufen mit ihren ganzen Schwarzen kleidern und Schminke und denken das hätte was mit MA zu tun.So kleine dinge wie weissagungen für Gaudi gehen ja noch klar, das war damals schließlich auch so(also das die leute daran geglaubt habe) aber irgendwo hörts doch auf.Aber ich finde es ist eigentlich besser geworden in den letzten Jahren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2006
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Worin äußert sich das? Ich habe keine Veränderung, als Außenstehender, in der Szene feststellen können.
     
  18. St.Georg

    St.Georg Neues Mitglied

    ich bin ja auch nicht in der Szene, aber ich meine vor sagen wir mal 5 Jahren sind mehr so Mystic dinge und Gothic sachen auf den märkten gewesen als die letzten paar mal als ich dort war. Natürlich weis ich nicht ob das überall so ist, aber das hab ich ja auch nicht behauptet.
     
  19. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Leider war es mir nicht möglich, schon eher auf die heutigen Beiträge einzugehen; aber ich muß jetzt einige grundsätzliche Anmerkungen dazu machen...
    Zwar führt es jetzt vom ursprünglichen Thema ziemlich weg, doch ich kann an der Stelle nicht anders.

    Anm.: Dies ist kein Angriff gegen irgendeinen meiner Vorredner/-schreiber, sondern soll dem grundlegenden Verständnis dienen!

    1. "Abenteuer Mittelalter"
    Brissotin hat es noch einmal gut auf den Punkt gebracht, was ich auch bereits mehrfach hier angesprochen hatte: alles lief auf das "jetzt schauen wir mal, wie sich heutige moderne Menschen - am besten aus der (Groß-)Stadt - ziemlich dämlich anstellen, wenn es das Fleisch nicht aus dem Supermarkt gibt/sie nicht unter die warme Dusche steigen können/sie Feuer ohne Streichhölzer machen müssen/..." hinaus.
    Und ein solches Konzept hat nun einmal mit dem Darstellen des damaligen Alltags nur am Rande zu tun!

    2. "Bachritterburg"
    Diese Burgbelebung kann gar nicht genug hervorgehoben werden, denn dort sind nur Gruppen zugange, die nicht "einfach nur gut", sondern erstklassig sind.
    Eine mir befreundete Darstellergruppe hat es geschafft, dort mitzuwirken, und die haben über mehrere Jahre sehr hart an ihrer Darstellung gearbeitet.
    Zum Vergleich: unsere Johannitergruppe gilt als gute Gruppe, doch angesichts dessen, was wir noch zu verbessern haben, haben wir derzeit noch nicht das Niveau, welches dort nötig ist...

    3. Die sogenannte "Mittelalter-Szene"
    Ich betone hier nochmals, daß es die "Mittelalter-Szene" so nicht gibt; denn es handelt sich genaugenommen um zwei sehr diametrale "Lager" (die wiederum in sich auch noch differenziert sind).
    Diejenigen, welchen wirklich Reenactment/Living History am Herzen liegt, bemühen sich, aufwendig und mit einigem Eifer anhand von Recherche und Belegen ihre Darstellung zu entwerfen, umzusetzen und immer wieder zu verbessern.
    Aufgrund dieser Einstellung sind sie mitunter als "Authentiker" bis "Brachialauthentiker", "A-Päpste" u. dgl. fast schon verschrien, zeigen aber, das es eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema nur auf dieser Ebene geben kann!
    Leider sind solche nur sehr selten, sporadisch oder auch nie auf öffentlichen Marktveranstaltungen zu sehen...

    Die anderen, welchen Recherche, Belege, Quellen anscheinend schnurz ist, weil sie eh "irgendetwas machen, was irgendwie nach Mittelalter aussieht", bezeichnet man in Darstellerkreisen als "Grobmittelalter", und sie sind leider oftmals auf Marktveranstaltungen sehr vordergründig zugegen - weswegen sich dafür auch der Begriff "Marktmittelalter" eingebürgert hat.
    Das eigentlich Schlimme daran ist, daß deren Hauptargument, daß "es die meisten Besucher eh nicht besser wissen", so trügerisch wie bedenklich ist - und zwar aus folgenden Gründen: erstens gibt es auf Märkten sehr wohl Besucher, die mehr wissen und auch bestimmte Details kennen, zweitens diese Pseudodarstellung reiner Etikettenschwindel ist (der woanders geahndet werden würde) und drittens genau die Besucher, die eben nicht so viel über diese Zeit wissen, solche Dinge, die sie gesehen haben, tatsächlich für bare Münze nehmen!

    4. Entwicklungen in den letzten Jahren
    Einige - mE aber noch zu wenige - Veranstalter sind in letzter Zeit dazu übergegangen, die teilnehmenden Gruppen diesbezüglich auszusortieren und legen durchaus immer mehr Wert auf "Authenzitätsnähe".
    Dafür ist es auf anderen Veranstaltungen aber umso schlimmer geworden...
    Kurzum: Die "Szene" polarisiert sich noch mehr!

    Zum Schluß möchte ich noch anfügen, daß ich eventuelle Rotbewertungen für diese Sätze in Kauf nehme...

    In diesem Sinne

    Timo
     
  20. Aswin

    Aswin Neues Mitglied

    Ob man Schwarzgewandete und sog. "Gromis (Grobmittelalterliche)" sieht, hängt ganz vom jeweiligen Lager / Markt bzw. dessen Qualität ab. In den guten Veranstaltungen sehen wir sowas eigentlich kaum. Die meisten "mittelalterlichen" Veranstaltungen haben mit dem MA kaum was zu tun, aber damit trage ich hier wahrscheinlich Eulen nach Athen. Es gibt Veranstaltungen (als Besucher), bei denen ich noch auf der Rückfahrt das Kopfschütteln einfach nicht wegkriege (Schauder).
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2006

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