Bayern und Österreicher - Wieviel haben sie gemeinsam?

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Rabenstein, 26. Juli 2004.

  1. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    ... dort gibt es kein Maß und Doppelmaß:prost: , wenn wunderts da, dass diese nach paar Bier besoffen sind :still: .
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

    Echt, seit wann haben die Südbiere denn einen annehmbaren Alkoholgehalt?
     
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

  4. Valao

    Valao Neues Mitglied



    Ich will ja nicht Erbsen zählen ... aber hier wird oft mit Baier(n) und Bayer(n) herumgeworfen.

    Mit Bayern bzw. Bayer ist der heutige Freistaat und seine Bewohner gemeint.
    Das "y" wurde durch die philhellelinischen Wittelsbacher eingeführt.
    Es grenzt heute das politische Bayern vom kulturellen-sprachlichen Baiern ab.
    Nicht alle Bewohner Bayerns sind Baiern, es gibt auch Franken und Schwaben.
    Ober- / Niederbayern und die Oberpfalz sind bairisch.
    Als Sprecher der bairischen Sprache bezeichnet man neben den Altbayern die Österreicher (außer Vorarlberg) und Südtiroler.

    Also ...

    Bayer(n) - Bezeichnung für das Königreich ab 1825/heutiger Freistaat - mit seinen drei bzw. vier Volksstämmen (Franken, Schwaben, Altbayern (Baiern) und Sudetendeutsche

    Baier(n) - alte Bezeichnung bis 1825 des Herzogtums/Königreichs - Bezeichnung für den Volksstamm und ihre Sprache


    Streng genommen müsste die Frage dann ja heißen - was haben Baiern und Österreicher gemeinsam? Antwort: sehr viel!


    Die gestellte Frage- was haben Bayern und Österreich gemeinsam, bezieht ja auch Franken und Schwaben mit ein und die haben kulturell und sprachlich natürlich viel weniger mit den Österreichern gemeinsam.
     
  5. Rüdiger

    Rüdiger Mitglied

    Neugierige Frage: Sind nicht auch die Sudetendeutschen den Baiern (als Volksstamm) zuzurechnen?
     
  6. Valao

    Valao Neues Mitglied

    Stimmt Rüdiger! Allerdings nur teilweise und jetzt wirds etwas verwirrend. Die Sudetendeutschen (der Begriff ist übrigens noch relativ jung) waren je nach Randlage in Böhmen einem anderen Volksstamm zugehörig bzw. hatten den entsprechenden Dialekt.

    Link dazu: http://www.sudetendeutsche-heimatpflege.de/mundart/images/karte_mundarten.jpg

    Die Sudetendeutschen an den Randgebieten Bayerns und Österreichs waren natürlich Baiern bzw. sprachen bairisch (je nach Auffassung).
    Allerdings siedelten sich nach der Vertreibung der Sudetendeutschen nicht nur bairische Sudetendeutsche in Bayern an. Aber jetzt kämen wir halt dann wirklich zur Erbsenzählerei.
    Die Sudetendeutschen zählen aber auch offiziell seit 1954 als 4. Stamm Bayerns.
     
  7. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Passend dazu:

    http://www.orf.at/050916-91307/index.html
     
  8. ning

    ning Gesperrt

    Lieber Valao, stimmt natürlich, was du schreibst, was die Herkunfts-, Blick- und Sprachrichtung der jew. Angekommenen am "böhmischen Bogen betrifft", aber blei'b'ma genau für den bayr.-österr- Waldgrenzenverlauf:

    -> erste Welle (zaghaft ca. ab 1120) bairische Lehensnehmer, 1150 stärker (Oberpfälzer?)
    -> zweite Welle mehr Oberfranken und Rheingauer (1179 -1250), im Rheingau gings klimatisch-überschwemmungsmäßig ziemlich ab zu der zeit
    -> dann buntgemischt, Nachzügler, viele bereits in den österr. Landen zuvor Ansässige

    (fast ident verlief die Kolonisierung des südl. darunter liegenden Mühlviertels!)


    und dazu erlaube ich mir, diese Geschichte hereinzustellen


    Viele Böhmerwaldler schafften nach dem 2. Weltkrieg im darunterliegenden Mühlviertel und Oberösterreich einen Neubeginn. Stadtteile, wie "Neue Heimat" in Linz zeugen zwar von einer gewissen Bereitschaft seitens Österreich, die heimatvertriebenen ehem. Deutschböhmen (sogen. Alt-Österreicher) aufzunehmen, meiner bescheidenen Meinung nach, hat diese Verpflichtung Deutschland und im besonderen Bayern viel großzügiger wahrgenommen als meine Republik.
     
  9. Valao

    Valao Neues Mitglied


    Natürlich kolonisierten nicht nur die "Rand-Baiern" Böhmen, sondern Menschen aus verschiedenen Gebieten in Deutschland.
    Aber das ist natürlich ein großer Sprung von 1945 ins Jahr 1120. Dazwischen ist viel passiert. Soweit hab ich in meiner Argumentation gar nicht gedacht. :)

    Da meine Oma selbst eine "Suaderin" ist, wie die Egerländer die Sudetendeutschen nennen, interessiere ich mich sehr für dieses Thema.

    Aber da hätten wir doch gerade eine große Gemeinsamkeit zwischen den Bayern und den Österreichern gefunden: Die Sudetendeutschen.
    :winke:
     
  10. ning

    ning Gesperrt

    ... wo es viel zu bewältigen, aufzuarbeiten, er-klären und zu versöhnen gilt. das schlimme dabei ist, dass die betroffene generation auch die stumme generation ist. man erzählte mir kleinigkeiten, unschuldige alltäglichkeiten.
    aber der schmerz und die überraschung sind anscheinend gefühle, die sofort wieder da sein können, so "als wär's gestern gewesen".
    hoffentlich kannst du deiner oma noch viele erzählungen entlocken, valao.

    servus!
     
  11. Valao

    Valao Neues Mitglied

    Servus ning.

    Seh ich genauso wie du. Beschäftige mich sehr mit meiner böhmischen Abstammung und dabei nicht nur mit der deutschen Geschichte und Kultur sondern auch mit der tschechischen.
    Finds traurig, dass die meisten Menschen Böhmen bzw. Tschechien nur als billiges Einkaufsland betrachten oder dort sonstigen zwielichtigen Vergnügungen nachgehen. Es gibt kaum Interesse für die gemeinsame bayerische-tschechische Geschichte/Kultur.

    Viele Sudetendeutschen scheinen auch heute noch unversöhnlich. Der Schmerz sitzt wie du schon erwähnt hast, noch immer sehr tief in der betroffenen Generation.
    Einen Hauch dieses Gefühls kann man erahnen, wenn man in einer Wüstung eines zerstörten deutsch-böhmischen Dorfes steht und nur noch ein Grabstein der Vorfahren zu sehen ist.
    Dass sich aber einige Tschechen wieder dieser gemeinsamen Geschichte besinnen ist mir auch aufgefallen, indem nämlich einige Tschechen diesen alten umgestürzten Grabstein wieder aufstellten und restaurierten, auch wurde den ehemaligen Bewohner erlaubt das umgestürzte Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges wieder aufzustellen und wieder herzurichten.

    Gibts hier eigentlich schon einen Thread zum Thema Sudetendeutsche oder Böhmen etc.?

    Gruß Valao
     
  12. CrisP

    CrisP Neues Mitglied

    Hallo Valao,

    danke für die Klarstellung! Ist sicherlich im ersten Moment eine unzulässige Verkürzung bzw. Diskriminierung, "Bajuwaren/Bayern" zu schreiben, in meinem Fall waren aber wirklich nur die Bayern (auch mit den fränkischen,... Anteilen) gemeint, ging es doch um eine Aussage eines bekannten Politikers...


    Gruß, CrisP
     
  13. Valao

    Valao Neues Mitglied

    Hallo CrisP,

    naja als Diskriminierung hab ich es jetzt nicht aufgefasst :).

    aber du hast ja vor kurzem, übrigens sehr treffend, die Ethnogenese der Bajuwaren beschrieben, also die der Baiern und nicht der Bayern. Denn die Franken waren daran nicht beteiligt.

    Gruß Valao

     
  14. ning

    ning Gesperrt

    genau, für den eintopf woit i a nu an scheen daung sågn, cris! Was hältst du von einem "Volks-Kochbuch" (verwegen, verwegen, dieser Titel, Subtitel: "Breie, Strudeln, Soßen, Eintöpfe. Die echten Rezepte der Ethnogenese" ;)
    (thread?)

    In aller Bescheidenheit, diese Rezepturverfeinerung für den Bairischen Eintopf bitt'schen net vagessn (sonst kaaft mauncha då dös buach ned!):
    (...) Nun die "Einbrennsoße" (800n.Chr.) löschen und verfeinern: Gießen Sie nun am rechten, oberen Eck des bayerischen Topfs kurz mit einem guten, halbtrockenen slawischen Cuvee auf, Hauptrebenanteil sollte ein würziger Sorbe sein, besonders gute Jahrgänge waren die 900er Jahre ((so Illigo, der Boarische Behm nicht doch irgendwie Recht hat... hihi..) ...

    ;-)

    -
    Lieber Valao (und aufrichtigen Dank auch ;-))

    Hm... Ein neuer Pfad... Sudendeutsche...
    oder eigentlich: Deutschböhmen, Altösterreicher, Suader (sehr nett, kannte ich nicht), Preussen (bzw. das tschech. Wort dafür - Tatsache, kann ich gern erklären, falls Bedarf), Böhmerwaldler...
    oder wie auch immer sie sich selbst nannten oder verallgemeinernd :motz: benannt wurden ... ach Worte.. und in "anderer" Köpfe gebrandmarkt, beschimpft und quer-durch-dieBank-alle-in-einem-(Ein-)Topf ge(ruf)mordet ...

    und ihr Schicksal im ersten slawischen Königreich (...jenes an der Grenze zu den "Nicht Sprechenden"*)

    Irgendwas in der Art wäre eine gute Idee. Aber ich finde es sehr schön, das er gerade hier aufkam (auch danke an den Einwerfer und weiterhin bitte so unbeschwerte fragen!! ;-))
    warten wir einfach einen allfälligen und leicht zu bewerkstelligenden umbau der geschichtsbereiche ab. aber in jedem fall muss ich als braver österreicher dann schon darauf bestehen, dass dies nicht aus "ethnischer" sicht eingeordnet werden, die Behm, also irgendwo im "deutschen geschichtsraum" zu stehen kommt, sondern zur österr. monarchiegeschichte bzw. den nachfolgestaaten gesellt werden!
    und das ist gar kein geschichtschauvinismus. ich möchte, dass gerade österreicher, die gerade dieses thema aus verschiedensten gründen verdrängen und zwar vornehmlich, weils ihnen zu "anstrengend ist" (selbstkritik is nämlich a gaunz gaunz schware såch...) sich mal mit dem thema auseinandersetzen. und natürlich die tschechen, ungarn, juden, grafen, doren und kirgisen. ;) ;)

    belle dimanche. (wei heid is wirkli sunda) ning

    ps: ich hab übrigens direkt-familiär keinen schaden aus der deutschenvertreibung zu beklagen. na, wenigstens was.
    -----
    *immer diese fußnoten...*s* ... ihr wisst es eh, aber zur Vollständigkeit: Nemetzki (oder so)
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. September 2005
  15. CrisP

    CrisP Neues Mitglied

    @Valao:

    Die armen Oberfranken (die ja nichts dafür können, in den ba-y|i-rischen Eintopf geworfen worden zu sein [Baiern im Sinne aller Baiern, Bayern im Sinne jener staatlichen Organisationseinheit - äh - Staatseintopf, dem sie heute angehören, wenn auch erst seit 1825 so geschrieben... :) ] ) können nichts dafür, fallen aber nichtsdestotrotz unter die Definition der modernen (falls mich das rehabilitiert) Bajuwaren im Sinne einer bestimmten Partei, die, so es sich mir darstellt, die Baiern aussen vor lässt und sich ganz auf die innerdeutschen Bayern beschränkt...


    @ning:
    Ein "Volks"-Kochbuch.... würde 'ne Mordsgaudi werden!

    Gruß, CrisP
     
  16. ning

    ning Gesperrt


    ... und nach seinem eintrag in die volksbestsellerliste (welch schröcklich wort) machen wir:

    "Unbekannte Vielvölkerstaaten"

    Kapitel 1
    Ba-jan (mit einem Frohwort von Herbert Rosendorfer)

    :winke:
     
  17. Valao

    Valao Neues Mitglied

    Auwei Cris jetzt wirds aber scho a weng verwirrend. Ich wollte eigentlich bloß nochmal festhalten, dass im Freistaat Bayern nicht nur Baiern/Bajuwaren leben sondern auch Franken und Schwaben (Alemannen) und natürlich noch viele andere die keine "Hiesigen" sind :yes:

    ... Cris und ning noch viel Spaß beim Köcheln, ich komm dann ab und zum Abschmecken vorbei =)

    Schöne Grüße Valao
     
  18. CrisP

    CrisP Neues Mitglied

    Jaja, je später der Abend, desto spaghettiartiger werden meine Sätze:S , belassen wir's dabei, Baiern und Bayern sind zwei verschiedene Paar Schuhe und ich lade demnächst zum Eintopfessen ins "Chez ning & CrisP"...

    Gruß, CrisP
     
  19. uffty

    uffty Neues Mitglied

    Also, wenn man einen Atlas aufschlägt und Rostock auf Rügen sucht, wird man scheitern *gg*
    Rostock liegt nicht auf Rügen, sondern an der Ostsee westlich von Rügen.

    :)
     
  20. uffty

    uffty Neues Mitglied

    Ich sag amal so:
    Deutsch(sprachig)e Österreicher sind bairisch in ihrer Abstammung und kulturellen Art, besonders im westlichen Gebiet um Salzburg, Tirol und Oberösterreich. Im Burgenland, Kärnten, der Steiermark und auch anteilmäßig in Wien hat sich das bairische jedoch mit Elementen des slawischen und des ungarischen vermischt, so wie zB bei den Sachsen, die sich mit Elementen des slawischen aus Polen und Tschechien vermischt haben. In der Lausitz leben ja zB die Sorben mit einer eigenen Regionalsprache als staatlich geschützte Minderheit.

    Auch der kulturelle Austausch mit dem Staat Bayern und Deutschland im Gesamten steigt stetig.
    Ich kann nicht nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die ewiggestrig der bairischen Sprache und Kultur nachjammern und sich wünschen, dass man sich am besten gegen alles Äußere isoliert.

    Der Lauf der Dinge ist nun mal so. Dinge ändern sich und Sprache und Dialekt passen sich an. Hätten die Menschen vor 400 Jahren genauso gedacht, würden vermutlich alle Protestanten heute sächsisch reden wollen (Luther schrieb die deutsche Bibel in sächsischem Dialekt).

    Wobei mir aber gerade einfällt, dass die Menschen eben so gedacht haben wie heute, denn das Sächsische ist auch ein oberdeutscher Dialekt, was letztlich vermutlich auch dazu beitrug, dass wir heute eben als Standardsprache das Hochdeutsche verwenden (konträr zum Niederdeutschen), stammend aus den süddeutschen Sprachgebieten.
    (Sachsen sind auch oberdeutscher Sprache und Kultur --> vergleiche Dresden [vor 1945]/Wien/München/Erfurt, Architektur-, Menthalitätsmerkmale).

    Also, nicht jammern, nach vorne schauen - gemeinsam :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. April 2006

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