Bildverarbeitung und Künstliche Intelligenz in der Archäologie

Pardela_cenicienta

Aktives Mitglied
Zur Abhilfe meiner natürlichen Boshaftigkeit nun ein wohlwollender Artikel über Künstliche Intelligenz, aus der FAZ:

Wir werden in absehbarer Zeit als Laien oder als Professionelle diese Verfahren genau so routiniert in der Archäologie einsetzen wie jetzt das LIDAR.
Freuen wir uns, dass wir derzeit unsere eigene Intelligenz noch hier im Forum bei unleserlichen Feldpostbriefen und Urkunden anwenden können.

Als Junge hatte ich die riesigen Scherbenhaufen vor den Stadtmauern des römischen Ampurias an der Costa Brava gesehen und gedacht, dass man doch mit Computerhilfe all diese Scherben wieder zu Gefäßen zusammensetzen könnte.
Damals, 1972, gab es schon Zeitungsartikel, die im Militärbereich die künftigen Möglichkeiten der automatisierten Bildverarbeitung andeuteten.

In der Archäologie habt Ihr ja im Rahmen der Papyrusforschung und der Diskussion über die verkohlten Schriftrollen aus Herculaneum und Pompej dieses Thema angeschnitten.
 
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Teilweise ist das ganz sinnvoll, aber es gibt ja auch Projekte, wo KI dafür eingesetzt wird, ganz normale Archivalien zu lesen. Klar, Zeitersparnis. Aber ist das alles? Ich befürchte, dass dabei Kulturtechniken verloren gehen (wie das Lesen alter Handschriften) bzw. ich empfinde das Entziffern von Archivalien durchaus als befriedigend. Wir bringen uns mitunter durch den Einsatz von KI um die eigentliche Entdeckerfreude. (Die Herculaneum-Papyri sind eine andere Baustelle.)
 
Was bei "Künstlicher Intelligenz" verloren geht, ist die Kompetenz, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit eines Experten oder Wissenschaftlers, der mit seiner hart erarbeiteten Reputation für die Qualität seiner Aussagen einsteht.

Ich sehe ja auch in den kritischen Anmerkungen, z.B. von @Sepiola, die Sorge, dass in Diskussionsforen und im Internet Faktoide sich ausbreiten wie Quallen, wenn die hochwertigen Fische in der Nahrungskette nicht mehr da sind. Hier wird im Forum ja noch nach Belegen gefragt, bei "Künstlicher Intelligenz" wird oft einfach nur noch geglaubt.
 
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Künstliche Intelligenz (KI) und Provenienzforschung / Klassifikationssysteme:

Bislang ist mir nicht bekannt, dass künstliche Intelligenz in der metallurgischen Analyse (wo wurde die Gürtelschnalle gegossen?) oder in der Klassifikation von Gefäßen und Gefäßscherben eingesetzt wird.

Dabei wäre es eine sehr lohnende Aufgabe, Keramikfragmente (und zwar alle Fragmente, meinetwegen auch den gesamten Monte testacchio in Rom, automatisch und umfassend zu klassifizieren, und dies sowohl in der Formanalyse (z.B. Dressel), als auch in der Spurenanalyse des Tons, eventueller Glasur, und in den organischen Spuren (Öl, Fisch).

Sind Euch da irgendwelche Projekte bekannt?
 
Künstliche Intelligenz (KI) und Provenienzforschung / Klassifikationssysteme:

Bislang ist mir nicht bekannt, dass künstliche Intelligenz in der metallurgischen Analyse (wo wurde die Gürtelschnalle gegossen?) oder in der Klassifikation von Gefäßen und Gefäßscherben eingesetzt wird.

Dabei wäre es eine sehr lohnende Aufgabe, Keramikfragmente (und zwar alle Fragmente, meinetwegen auch den gesamten Monte testacchio in Rom, automatisch und umfassend zu klassifizieren, und dies sowohl in der Formanalyse (z.B. Dressel), als auch in der Spurenanalyse des Tons, eventueller Glasur, und in den organischen Spuren (Öl, Fisch).

Sind Euch da irgendwelche Projekte bekannt?
Als Übersetzungshilfe/Zusammensetzhilfe bei Keilschrifttontafelscherben.
 
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