Caesars Komet

Zusammenfassung und Erweiterung

Zunächst meinen Dank an Ravenik für seinen schnellen Hinweis auf Cicero’s Bemerkung zu der seinerzeit üblichen Deutung von Kometenerscheinungen. Denn darauf will ich hinaus!

Sodann hier eine Aufzählung aller römischen Berichte zur Erscheinung der Kometen nach Caesar’s Tod. Die Aufstellung stammt von A.A.Barrett, ‚Observations of Comets in greek and roman sources before AD 410’, University of British Columbia, Vancouver, 1978.
Die Textauszüge sind daher alle in Englisch. Barrett’s Aufzählung zum Jahr 44 BC lautet:
Seneca, 7.17.2: ‚(the comet) that appeared after the death of the divine Julius during the games of Venus Genetrix about the eleventh hour of the day.‘
Suetonius, Caesar 88: (during the games) ‚a comet shown for seven continuous days, rising about the eleventh hour’.
Plinius, 2.93: (the comet) that appeared at the beginning of his reign (i.e. Augustus) at the games he was holding for Venus Genetrix not long after the death of Caesar, his father’.
Plutarch, Caesar 69.3: ‚among the divine portents there was also the great comet; it appeared very bright for seven nights after the murder of Caesar, then disappeared.‘
Cassius Dio, 45.7.1: ‚but when a certain star appeared during all those days in the north towards evening, some calling it a comet …‘
Calpurnius Siculus, 1.83: ‚when, on the murder of caesar, a comet pronounced fatal war for the wretched people‘
Obsequens, 68: ‚a bright star blazed for seven days’
Servius, on Aeneid 8.681: ‚for three days a star appeared in the north‘
Servius, on Eclogue 9.46: ‚Baebius Macer says that about the eighth hour, a very large star, covered with ribbon-like rays, rose in the north‘.

Soweit A.A. Barett, er übersah aber noch einen wichtigen, echten Zeugen und Akteur:
Octavian Augustus, Memoirs, fr. 6: ‚On the very days of my games (the ludi Venus Genetrix), a comet (sidus crinitum) was visible over the course of seven days, in the northern region of the heavens. It rose about the eleventh hour of the day and was bright and plainly seen from all lands. The common people believed, that this star (sidus) signified that the soul of Caesar had been received among the spirits of the immortal gods. On this account, it (a star, sidus) was added as an adornment to the head of the statue that I not long afterwards dedicated in the forum.‘ (Zitiert n. Ramsey, Licht, The Comet of 44 BC and Caesar’s Funeral Games, University of Illinois, Chikago 1997)

Als Anhang hierzu noch eine Textstelle von Cassius Dio, 45.17.4, die in das Jahr 43 BC datiert wird: (‚a torch moved quickly from east to west and a new star could be seen for several days‘.) This was included among the portents of the civil war that followed the death of Caesar. Octavian, the future emperor Augustus, was suffect consul in the second half of this year. (A.A.Barrett)
Dieser Kommentar von Barrett als ein weiterer Hinweis zur Frage der Deutung von Kometenerscheinungen: ‚portents‘ sind ‚böse Omen‘, s.o. Cicero.

Wozu die Aufzählung?
Es ist die Zusammenfassung wohl aller schriftlichen Berichte, die wir dazu haben. Dabei muß man berücksichtigen, daß keiner der Autoren das Ereignis selbst erlebt hat und alle wohl von einander abgeschrieben haben, mit Ausnahme von Octavian. Seine Ausführung dazu ist auch als die eines sich im richtigen Licht wissenden Akteurs zu werten. Aber alles in allem läßt sich doch folgendes konstatieren:

Es muß am Himmel ein außergewöhnliches Ereignis stattgefunden, daß sich in seiner Art deutlich von einem ‚normalen‘ Verlauf einer Kometenerscheinung unterschied. Denn die römische Gesellschaft, die sicherlich durch den Mord bereits höchst sensibilisiert war, stellte sich, vorgewarnt durch den Kometen nach den Iden des März (Plutarch), nun auf kommende, schwere Zeiten ein.

Die alljährlich stattfindenden Festspiele zu Ehren der Venus Genetrix wurden kurzerhand von Octavian für Caesar’s Begräbnisfeierlichkeiten genutzt. Diese Umdeutung der Spiele konnte er ohne politische Gegenwehr durchsetzen, da die Spiele ohnehin ein paar Jahre vorher erst von Caesar ins Leben gerufen waren. Octavian (und die Parteigänger der Julier) wollten natürlich in der Frontenbildung der beginnenden Bürgerkriegsauseinandersetzung um die Nachfolge Caesar’s ein Ereignis mit möglichst großer öffentlicher Wirkung für sich nutzen.

In diesem Moment in der zweiten Hälfte des Juli 44 BC, in dem ohnehin alles schon auf’s Höchste gespannt ist, erscheint am Himmel ein (weiterer) Komet (s.o. unsere Kronzeugen). Der erste Komet zu den Iden des März ist - sicherlich wie immer schon - als böses Vorzeichen aufgenommen worden. Aber jetzt ist alles anders: Die Himmelserscheinung muß auf Grund ihrer besonderen ‚Ausformung’ das einfache Volk dazu bewegt haben, seine sonst skeptische Sichtweise einzutauschen gegen eine positive Deutung des laufenden Staatsakts zum Begräbnis Caesar’s.

Und dieses Ereignis hat so eine lang anhaltende Wirkung in der Erinnerung der Volksseele gehabt, daß Octavian sich ohne Glaubwürdigkeitsverlust in den Glanz dieses ‚sidus julius‘, des Stern Caesar’s, stellen konnte. Was er auch nutzte: Er heftete sofort einen Stern an Caesar’s Statue, s. Memoiren, als ein Zeichen der Apotheose Caesars. Weiterhin veranlassten seine Parteigänger die staatliche Münze Geld zu schlagen mit dem besonderen Motiv des ‚Divus Julius’ - ein geschickter Schachzug der Propaganda. Denn jeder Römer, der diese Münze jetzt in seiner Hand hielt, wurde dazu angeregt, sich selber ein Urteil zu bilden zu der Frage:
Ist Octavian glaubwürdig?

Und Glaubwürdigkeit ist essentiell in Zeiten eines weiteren aufkommenden Bürgerkriegs, nachdem Caesar und Pompeius sich schon über mehrere Jahre hinweg befehdet hatten.

Als Summenstrich ist zu sagen:
Wir suchen ein außergewöhnliches Ereignis am Himmel, wie man es vielleicht nur einmal im Jahrhundert geboten bekommt. Und dieses Ereignis hat im Juli/August stattgefunden und nicht - wie die Annalen der chinesischen Kometensichtungen melden - im Mai/Juni 44 BC.

Octavian und andere geben einen Hinweis: Der Komet war bereits am Tage zu sehen, ab der elften Stunde!

Kann mir da jemand folgen?
FR
 
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Ist das eventuell diese Münze: Münzkabinett der Staatlichen Museen Berlin (allerdings ist es nicht Pompeius, sondern Marc Anton)
Dann habe ich mich aus der Erinnerung heraus vertan. :cry:

Soweit A.A. Barett, er übersah aber noch einen wichtigen, echten Zeugen und Akteur:
Octavian Augustus, Memoirs, fr. 6: ‚On the very days of my games (the ludi Venus Genetrix), a comet (sidus crinitum) was visible over the course of seven days, in the northern region of the heavens. It rose about the eleventh hour of the day and was bright and plainly seen from all lands. The common people believed, that this star (sidus) signified that the soul of Caesar had been received among the spirits of the immortal gods. On this account, it (a star, sidus) was added as an adornment to the head of the statue that I not long afterwards dedicated in the forum.‘ (Zitiert n. Ramsey, Licht, The Comet of 44 BC and Caesar’s Funeral Games, University of Illinois, Chikago 1997)
M.E. hat er diese Stelle nicht übersehen. In den Res gestae, die uns ja in mehreren inschriftlichen Fassungen verschieden gut erhalten sind, kommt der Komet nirgends vor. Nur Plinius d. Ä., und den erwähnt Barett ja, zitiert daraus. Das ist im Prinzip die Plinius-Stelle.

Dabei muß man berücksichtigen, daß [...] wohl von einander abgeschrieben haben,...
Richtig. Allerdings gibt es Zeitzeugen, die in der Liste fehlen, allerdings von Augustus und dessen Freund Maecenas, dem Vater und Namensverleiher aller Mäzene, nicht unabhängig waren: Vergil und Horaz. Auch Ovid fehlt in der Aufstellung, gehört aber ebenfalls nicht zu den Zeitzeugen (er wurde ein Jahr nach dem Ereignis geboren).

In diesem Moment in der zweiten Hälfte des Juli 44 BC, in dem ohnehin alles schon auf’s Höchste gespannt ist, erscheint am Himmel ein (weiterer) Komet (s.o. unsere Kronzeugen). Der erste Komet zu den Iden des März ist - sicherlich wie immer schon - als böses Vorzeichen aufgenommen worden.
Noch einmal zur Erinnerung: Von einem Kometen oder geschweiften Stern schreibt Plutarch vor den Iden des März nichts, er schreibt von nicht näher spezifizierten Lichtern am Himmel. Diese nicht näher spezifizierten Lichter am Himmel sind die einzige bisher vorgebrachte Quelle für einen ersten Kometen.


Als Summenstrich ist zu sagen:
Wir suchen ein außergewöhnliches Ereignis am Himmel, wie man es vielleicht nur einmal im Jahrhundert geboten bekommt. Und dieses Ereignis hat im Juli/August stattgefunden und nicht - wie die Annalen der chinesischen Kometensichtungen melden - im Mai/Juni 44 BC.
Der Wikipedia-Artikel - der in der englischen Fassung die Münze im Eingangsbeitrag im Übrigen auf 19-18 v. Chr. datiert (ohne Begründung, ich mutmaße, dass das mit dem Vorkommen in Fundkontexten zusammenhängt) - merkt (einschließl. Literaturangabe) an, dass es Thesen gibt, dass der Komet in Rom nicht früher gesehen wurde, weil es einen Ätnaausbruch [und dementsprechend Asche in der Atmosphäre] gegeben habe.

Ich würde das gar nicht unbedingt damit begründen. Die Frage ist doch, seit wann die Tradition genau wollte, dass der Komet während der Spiele erschienen ist... Zeitzeugen sind, wenn sie aus der Erinnerung heraus berichten, unzuverlässige Quellen, sie sind eben auch nur mittelbar.

Ein Dokument ist unmittelbar: Heute am 25. Januar 2016 schreibe ich einen Text. Das ist hiermit dokumentiert. Wenn ich aber in fünf Jahren über diese Diskussion nachdenke, wer weiß, mit welchem Ereignis ich sie dann verknüpfe. Und das muss gar nicht mal geschehen, weil ich die Wahrheit verbiegen möchte, sondern weil mein Gehirn das von ganz alleine macht. Ein reales Beispiel: Ich war 1989, etwa einen Monat vor dem Mauerfall über die Herbstferien mit meinen Eltern in Berlin. Wir wollten in Berlin-Friedrichsstraße nach Ostberlin, aber die Grenzbeamten haben abgezählt: 1-2-3-rein-1-2-3-nicht-rein-1-2-3-rein-1-2-3-nicht-rein. Mein Vater und ich waren 2 und 3 und hätten reingedurft, meine Mutter war 1 und durfte nicht mehr rein. Und so habe ich das vorwendezeitliche Ostberlin nur ausschnitthaft am Bahnhof Friedrichstraße erlebt. In meiner Erinnerung habe ich diese Geschichte jahrelang mit dem 40. Jahrestag der DDR kognitiv verknüpft. Ich habe tatsächlich gedacht, wir wären, wenn wir reingekommen wären, zu den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag gegangen... Als ich aber irgendwann einmal dazu recherchierte, stellte ich fest, dass das gar nicht sein konnte, da der 40. Jahrestag der DDR und meine Herbstferien gar nicht übereinanderlagen. Ich habe also ein Erlebnis mit einem Großereignis verknüpft, ohne das zu wollen und war damit unwillentlich ein unzuverlässiger Zeitzeuge. Genau das kann theoretisch auch Augustus passiert sein. Er kann in der späteren Erinnerung, vielleicht schon ein oder zwei Jahre später, das Kometenereignis mit der politischen Großveranstaltung der Spiele zu Ehren der Venus Victrix kognitiv verknüpft haben, ohne das zu wollen. Sicher ist natürlich, wie du ganz richtig schreibst, dass er das propagandistisch zu nutzen wusste.
 
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@ El Quijote:
Du gehst auf mein Argument nicht ein und baust stattdessen drumherum eine andere 'vermeintliche' Beweiskette!

Es geht um die Glaubwürdigkeit des Oktavian und seiner Partei in der römischen Gesellschaft. Hätte es den Kometen nicht gegeben, wäre er unglaubwürdig gewesen, schlechte Voraussetzung für einen beginnenden Bürgerkrieg!

Und dann war da ja noch die allgemeine Haltung zu den Kometenerscheinungen: schlechtes Vorzeichen! Eine solche Falle würde man doch nicht propagandistisch auswalzen und auch noch dazu Münzen prägen lassen, die ja sogar bis heute einen Nachweis von den Ereignissen abgeben.

Nein, in Sachen Propanganda wäre das höchst ungeschickt gewesen und hätte nicht verfangen können.
FR
 
Du gehst auf mein Argument nicht ein und baust stattdessen drumherum eine andere 'vermeintliche' Beweiskette!
Auf welches Argument gehe ich nicht ein? :confused: Ich habe überhaupt keine "Beweiskette" aufgebaut sondern auf Probleme hingewiesen. Probleme in der Deutung (ein oder zwei Kometen), in der Datierung (chinesische und römische) und bzgl. der Zeitzeugenschaft.

Es geht um die Glaubwürdigkeit des Oktavian und seiner Partei in der römischen Gesellschaft. Hätte es den Kometen nicht gegeben, wäre er unglaubwürdig gewesen, schlechte Voraussetzung für einen beginnenden Bürgerkrieg!
Von welchem Kometen sprichst du jetzt, von deinem ersten Kometen, dessen Beleg bisher einzig die nicht näher spezifizierten Lichter am Himmel bei Plutarch sind, oder von deinem zweiten Kometen, der, mit dem Augustuszitat bei Plinius beginnend sich in allen weiteren Quellen aber leider in Abhängigkeit voneinander wiederfindet?
 
Der Meinungsumschwung in der röm. Gesellschaft hat sich mit dem Erscheinen des zweiten Kometen, zum Zeitpunkt der Ludis Venus Genetrix, entwickelt. Dies merkt auch Octavian in seinen Memoiren an. Das kann nur durch eine außergewöhnliche Erscheinung bewirkt worden sein, warum hätte man sonst seine allgemeine Haltung zu Kometen in das Gegenteil verkehrt.
FR
 
Und welcher Komet hat den Meinungsumschwung eines Großteils unserer Bevölkerung zur Flüchtlingskrise bewirkt?

Oder verstehe ich Dich gerade falsch?
 
Der Meinungsumschwung in der röm. Gesellschaft hat sich mit dem Erscheinen des zweiten Kometen, zum Zeitpunkt der Ludis Venus Genetrix, entwickelt. Dies merkt auch Octavian in seinen Memoiren an. Das kann nur durch eine außergewöhnliche Erscheinung bewirkt worden sein, warum hätte man sonst seine allgemeine Haltung zu Kometen in das Gegenteil verkehrt.
FR

Du hast Octavians Memoiren? Wirklich? Nicht nur die res gestae, sondern seine komplette Autobiographie? Du solltest sofort zum nächsten Historiker gehen, sie könnte Millionen wert sein... :autsch:
 
Du hast Octavians Memoiren? Wirklich? Nicht nur die res gestae, sondern seine komplette Autobiographie? Du solltest sofort zum nächsten Historiker gehen, sie könnte Millionen wert sein... :autsch:

Er hat zumindest, das muss man ihm zugestehen, ein von Plinius überliefertes Zitat, das in den überlieferten Inschriften nicht erhalten ist und offensichtlich auch nie in den Inschriften enthalten war.
 
Octavian und andere geben einen Hinweis: Der Komet war bereits am Tage zu sehen, ab der elften Stunde!

Die elfte Stunde des Tages ist nach römischer Zeiteinteilung abends, Beginn der Dämmerung.





M.E. hat er diese Stelle nicht übersehen. In den Res gestae, die uns ja in mehreren inschriftlichen Fassungen verschieden gut erhalten sind, kommt der Komet nirgends vor. Nur Plinius d. Ä., und den erwähnt Barett ja, zitiert daraus. Das ist im Prinzip die Plinius-Stelle.

Die Autobiographie, die es von Augustus gegeben hat, ist nicht mit den Res Gestae identisch. Plinius hat wohl aus der Autobiographie zitiert.



Es geht um die Glaubwürdigkeit des Oktavian und seiner Partei in der römischen Gesellschaft. Hätte es den Kometen nicht gegeben, wäre er unglaubwürdig gewesen, schlechte Voraussetzung für einen beginnenden Bürgerkrieg!

Ich denke nicht, daß die Glaubwürdigkeit des jungen Octavian an dem Stern hing, da spielte vielmehr die Auszahlung der von Caesar gelobten Legate durch den jungen Erben eine Rolle.
 
Wikipedia will uns verkohlen!

Wikipedia hat eine eigene Seite für den Kometen Cäsars, die Tela bereits als erstes gepostet hatte:
https://de.wikipedia.org/wiki/C/-43_K1_%28Komet_Caesar%29

Ich würde doch zu gerne wissen, wer da so viel Unsinn zusammen geschrieben hat:
Caesar’s Todesjahr war 44 BC, die Spiele zu seinen Begräbnisfeierlichkeiten werden für den 20. - 23. Juli 44 BC (beginnend) genannt.

Zitat Wikipedia:
‚Es gibt auch Quellen, die von einer Sichtung des Kometen in China berichten. Bān Gù war der Hauptautor des Hàn Shū (100). In den Annalen berichtet er von einem „Besenstern“, der im Sommer -43 zwischen dem 18. Mai und dem 16. Juni gesehen wurde. Er gibt auch astronomische Details zu dieser Erscheinung, wie eine Schweiflänge von 8-10°. Ein koreanischer Bericht ist möglicherweise nicht original, sondern beruht auf den chinesischen Quellen.[1]

Ein neuerer Untersuchungsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass der chinesische und der römische Komet ein und derselbe waren.’

Das ist doch Unsinn im Quadrat! Und auch Tela merkt nicht, was da steht!
Aber Fakten widersprechen sich ja nicht!
FR
 
Wikipedia hat eine eigene Seite für den Kometen Cäsars, die Tela bereits als erstes gepostet hatte:
https://de.wikipedia.org/wiki/C/-43_K1_%28Komet_Caesar%29

Ich würde doch zu gerne wissen, wer da so viel Unsinn zusammen geschrieben hat:
Caesar’s Todesjahr war 44 BC, die Spiele zu seinen Begräbnisfeierlichkeiten werden für den 20. - 23. Juli 44 BC (beginnend) genannt.

Zitat Wikipedia:
‚Es gibt auch Quellen, die von einer Sichtung des Kometen in China berichten. Bān Gù war der Hauptautor des Hàn Shū (100). In den Annalen berichtet er von einem „Besenstern“, der im Sommer -43 zwischen dem 18. Mai und dem 16. Juni gesehen wurde. Er gibt auch astronomische Details zu dieser Erscheinung, wie eine Schweiflänge von 8-10°. Ein koreanischer Bericht ist möglicherweise nicht original, sondern beruht auf den chinesischen Quellen.[1]

Ein neuerer Untersuchungsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass der chinesische und der römische Komet ein und derselbe waren.’

Das ist doch Unsinn im Quadrat! Und auch Tela merkt nicht, was da steht!
Aber Fakten widersprechen sich ja nicht!
FR


Ich vermute, es geht um den vermeintlichen Wiederspruch zwischen 44 BC (= v. Chr.) und -43.

Dabei handelt es sich aber um dasselbe Jahr. Astronomisch gibt es ein Jahr Null, so dass die astronomische Jahreszählung von der traditionellen um genau Eins für Werte vor Christus abweicht.
siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_...oneller_und_astronomischer_Jahresz.C3.A4hlung
 
Astronomisch -43 ist gleich 44 v.Chr. des normalen Kalenders, der kein Jahr Null kennt.

Ups, Carolus war schneller. Daher noch die Erklärung:

Mit einem Jahr Null kann man besser rechnen.
 
Ja, und was ist mit den Monatszuschreibungen, das fällt ja wohl total auseinander! Wie macht man aus Mai/Juni dann Juli/August? Hier wird doch geschummelt, aber immer im 'Namen des Herrn'!
FR
 
Ich habe mich in erster Linie auf die Dinge mit Kometen und Unglückszeichen beschränkt und versucht darzulegen, was augustus Mut dem Kometen bezweckt haben könnte. Die Astronomie war mir eher egal. Aber du hast selbst ja auch einige Tage gebraucht, um irgendwas zu bemerken.
 
Ja, und was ist mit den Monatszuschreibungen, das fällt ja wohl total auseinander! Wie macht man aus Mai/Juni dann Juli/August?

Das steht doch da:

Sie kamen zu dem Schluss, dass der Komet ein relativ helles Objekt war, als er in China gesehen wurde, dann wurde er schwächer und konnte für einen Monat nicht gesehen werden. Danach gab es einen dramatischen Helligkeitsausbruch, der ihn zum Ende Juli wieder zu einem Objekt für die Beobachtung mit bloßem Auge machte.[2]
Als andere Möglichkeit, warum der Komet in China nur im Mai/Juni und in Rom nicht vor Juli gesehen wurde, wird auch ein historisch belegter Ausbruch des Ätna im selben Jahr diskutiert.[3]
Ob die Wiki-Autoren das richtig wiedergegeben haben, weiß ich zwar auch nicht, aber sie haben angegeben, wo es her ist.



Und wer sich wirklich dafür interessiert, kann sich gern selber informieren:



J. T. Ramsey, A. L. Licht: The Comet of 44 B.C. and Caesar’s Funeral Game, Scholars Press, Atlanta, 1997

D. A. J. Seargent: The Greatest Comets in History: Broom Stars and Celestial Scimitars. Springer, New York, 2009

Wer von "Verkohlen", "Unsinn" und "Schummelei"
 
Zunächst mal Wolken an den 7 Tagen im Sommer im Beobachtungsgebiet in China.

In der Mitte gab es, nachzulesen bei Wikipedia eine Zeit in der der Komet nicht mit bloßem Auge zu sehen war. Das kommt bekanntlich vor und ist meines Wissens nicht wirklich besonders.

Für die längere Sichtungs-Zeit im Frühling braucht man eine Erklärung. Zwar können natürlich auch über Rom Wolken hängen, aber einen Monat lang im späten Frühling? Die Wissenschaftler, wie ebenfalls bei Wikipedia zu lesen, gehen von einem Zusammenhang mit einem Vulkanausbruch aus.

Es kann aber noch eine sehr viel einfachere Erklärung geben. Der unter Cäsar eingeführte Kalender wurde unter Augustus nochmals korrigiert. Wie genau, wie umfangreich und wann genau müsste ich nachschlagen. Aber darin könnte auch ein Grund liegen.
 
Es kann aber noch eine sehr viel einfachere Erklärung geben. Der unter Cäsar eingeführte Kalender wurde unter Augustus nochmals korrigiert. Wie genau, wie umfangreich und wann genau müsste ich nachschlagen. Aber darin könnte auch ein Grund liegen.

Das macht den Kohl nicht fett, da geht es nur um wenige Tage. (Und 44 v. Chr. war der Julianische Kalender noch ganz "frisch").
 
Wie lange der Komet in China sichtbar war, geht (soweit mein laienhaftes Verständnis reicht) nicht aus der chinesischen Quelle hervor.

Im Kapitel über die Astronomie des Han Shu wird berichtet, dass der Komet im 4. Monat (entspricht Mai/Juni) des 5. Jahrs Chuyuan (entspricht 44 v. Chr.) im Nordwesten auftauchte, von rötlich-gelber Farbe war, eine Länge von 8 "Fuß" (keine Ahnung, welches Bezugssystem das war) hatte und einige Tage später eine Länge von über 10 "Fuß" erreichte. Er zeigte nach Nordost und befand sich im "Sternbild" "Shen".

五年四月,彗星出西北,赤黃色,長八尺所,後數日長丈餘,東北指,在參分

https://zh.wikisource.org/wiki/漢書/卷026
 
eine Länge von 8 "Fuß" (keine Ahnung, welches Bezugssystem das war) hatte und einige Tage später eine Länge von über 10 "Fuß" erreichte.

In der Cometography von Kronk wird dort das Grad-Zeichen benutzt. Möglicherweise wurde also der Winkel zwischen Anfang und Ende des Kometenschweifes gemessen.

Gruß
jchatt
 
In der Cometography von Kronk wird dort das Grad-Zeichen benutzt. Möglicherweise wurde also der Winkel zwischen Anfang und Ende des Kometenschweifes gemessen.

Das passt aber nicht wirklich. Im Text steht "Länge", und die Maßeinheiten sind Längenmaße: Chi (was ich als "Fuß" wiedergegeben habe) und Zhang (1 "Rute" = 10 Chi). Was schreibt Kronk denn genau?
 
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