Reinecke
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"Nicht mit Regen klar kommen" und "nicht so gut mit Regen klar kommenIch habe aber ein Problem damit, wenn man annimmt, dass die Römer, die von Nordafrika bis Schottland und vom Euphrat bis an den Atlantik sich ein Weltreich zusammenerobert haben, nicht mit Regen klarkamen.
Ich habe ein Problem damit, wenn für die Römer ein Sturm im Wald ein Problem darstellt, gleichzeitig aber für die Germanen, die sich in demselben Wald befinden, nicht.
Ich stimme zu, dass es (mit einer entsprechenden Begründung) legitim ist, manche Dinge in ein und derselben Quelle für plausibel zu halten, und andere nicht. Nur interpretiere ich diese Stellen anders als du. Die Dinge, die Cassius Dio anspricht, hatten eine reale Grundlage, waren bei aller vorhandenen Übertreibung Probleme an, die seinen römischen Lesern bekannt waren; namentlich der Unterschied zwischen leichten und schweren Truppen, und das diese von Wetter- und Geländebedingungen unterschiedlich betroffen waren. ME musste er hier nicht weiter ins Detail gehen, weil die Implikationen für seine Leser offensichtlich waren.
Zu den in den Quellen handelnden Personen (aber auch zur ganzen Ortsfrage) kann ich eigentlich nichts sagen. Zu dem militärhistorischem Kram trau ich mir eine Einschätzung zu, was plausibel ist und was nicht. Zu den Personen fehlt mir schlicht das Hintergrundwissen zur Beurteilung, und ehrlich gesagt auch das Interesse, mich entsprechend einzulesen. Es gab pro- und anti-römische Germanen, und einige, die im Vorfeld des Aufstands von pro nach anti gewechselt sind; reicht mir an der Stelle zum Verständnis.Mir fällt es eben auf, wenn eine Geschichte, die die Tischgenossengeschichte, umgebaut wird, Segestes, der die Quelle dieser Geschichte sein dürfte, rausfällt und durch Segimer ersetzt wird und die Funktion dieser Geschichte ("Ich, Segestes, habe Varus vor Arminius gewarnt") ausgetauscht wird.
Das halt ich für möglich. Zu den politischen Fragen enthalte ich mich wie gesagt einer Beurteilung, und wenn Cassius Wetterphänomene kennt, die Tacitus noch nicht erwähnt, kann das wahr oder erdichtet sein, auf jeden Fall ist es unverlässlich. Zustimmung.Ich habe ja schon oft an dieser Stelle die Schlacht von Sagrajas/az-Zallāqa als Bsp. gebracht.
(...)
Wir sehen hieran recht gut, wie mit fortschreitendem Abstand zum Ereignis die Quellen ausgeschrieben wurden. Und genauso sehe ich das auch bei Cassius Dio, der eben so viel mehr über die Schlacht "weiß", als die früheren Überlieferer.
Die für die Römer ungünstigen Geländebedingungen ziehen sich aber durch alle Quellen, mal mehr, mal weniger ausführlich. Auch hier mögen Details, die erst spät auftauchen, erfunden sein. Aber wenn man aus den Quellen irgendwas mitnehmen möchte, um die Frage "Wie haben die Germanen das nun eigentlich angestellt?" zu beantworten, dann doch mE das.
Und da, wie du auch festegestellt hast, Germanen und Römer sich auf dem gleichen Gelände bewegen mussten, muss es einen Unterschied zwischen Römern und Germanen gegeben, um das mit dem Gelände überhaupt wichtig und erwähnenswert zu machen. Jedem Römer, der auch nur oberflächlich was vom Militär verstand, wird es ohne große Erklärung klar gewesen sein: Solch unebenes, zerklüftetes, bewaldetes oder sumpfiges Terrain begünstigt leichte Truppen, und benachteiligt schwere, die sich am besten auf freiem Feld entfalten können.
Den Unterschied gab es, es gibt ihn (mit völlig anderer Waffentechnik natrprlich) bis heute, und er ist sowohl die Grundlage für die modernen Klischees und Übertreibungen a la Legolas und Robin Hood als auch für die bei Cassius Dio. Es ist aber auch die Erklärung (oder ein großer Teil davon), wie drei römische Legionen gegen viel schlechter bewaffnete Germanen verlieren konnten, die vermutlich keine große numerische Überlegenheit hatten.