Der Aton-Kult und Echnaton

Dieses Thema im Forum "Das Alte Ägypten" wurde erstellt von Solidarnosc, 20. November 2004.

  1. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ich will das nicht unbedingt in extenso diskutieren, aber worauf basierst du deine Spekulation, er habe den Aton-Kult erst eingeführt, nachdem er nicht durchsetzen hatte können, als einziger Gott anerkannt und verehrt zu werden? Es klingt ein bißchen so wie ein Verkäufer in einem Touristenressort in Ägypten, der mir vor ein paar Jahren gerne eine Reproduktion des Reliefs (Abbildungen Echnatons & Familie in den unteren Links in den Sonnenstrahlen stehend) verkauft hätte, indem er behauptet die abgebildete Person sei der Sonnegott Aton.
    Es ist schwierig ohne die entsprechende Literatur das gründlich zu diskutieren, aber irgendwo hatte ich gelesen, daß sein Vater schon Aton verehrte, er also mit einer speziell gebahnten religiösen Erziehung aufgewachsen sein dürfte; ich mutmaße von daher, daß er entsprechend selbst auch an Aton glaubte.
    Wie dem aber auch sei, nur weil man einen verstorbenen Pharoen nicht mehr fragen kann, kann man nicht völlig unbahängig von biographischen Informationen über dessen Interessen spekulieren. Also was wären deine Argumente?

    Google-Ergebnis für http://www.mein-altaegypten.de/internet/Alt_Aegypten_2/echnaton/bilder/as-atonkult-relief.jpg
    Google-Ergebnis für http://www.bibelwissenschaft.de/typo3temp/pics/046f5e9ae9.jpg
     
  2. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Schon in der Wiki kann man lesen, das Aton älter ist als Echnaton.
    Ergo wurde Aton nicht durch Echnaton "eingeführt", sondern zum Obergott erhöht.
    Gem. der Wiki hat Mentuhotep II (11. Dynastie) den Namen Aton für die Sonnenscheibe eingeführt.
    Das wäre dann viel früher als Echnaton (18. Dynastie) gewesen.
    In der Wiki sind auch genügend Literaturhinweise ...
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wollen wir mal mit dem nochnichtakademischen Nachwuchs ein wenig nachsichtiger umgehen. ;)
     
  4. P.Scheer

    P.Scheer Neues Mitglied

    Die Pharaonen wurden doch als Reinkarnation der Götter gesehen. Und auch die Götter selbst wurden teilweise als Reinkarnation eines anderen Gottes oder eine Verschmelzung gesehen. So kamen Namen wie Amun-Re und Re-Harachte zustande. Wenn also Amenhotep IV als Gott gesehen werden wollte, wäre ein Aton-Kult gänzlich unnötig gewesen.
    Meine Theorie (auch wenn ich sie noch nicht durch allzuviel Lektüre abgesichert habe) ist, daß der Amun-Kult zu mächtig geworden ist. Überleg dir mal, welchen Aufstieg diese Priesterschaft hatte, erst mit der Vertreibung der Heka-chaset gewann die Priesterschaft überhaupt an Bedeutung, zuvor war Amun praktisch bedeutungslos. Gerade mal 70 Jahre später spielte die Priesterschaft eine nicht unwesentliche Rolle bei der Frage, wer Pharao wird, Hatschepsut oder Thutmosis III. Von der großen Macht der Amun-Priesterschaft ist hinreichend vieles bekannt, und einem Pharao, der für sich selbst die absolute Macht in Anspruch nahm mußte sich entweder arrangieren (also auf einen Teil seiner Macht verzichten) oder die Konfrontation suchen und seinen Gegner ausschalten. Letzteres hat meiner Meinug nach Amenhotep IV/Echnaton verscht und für einen begrenzten Zeitraum geschafft. Interessant wäre die Überlegung, was wäre gewesen, wenn Tut-ench-Aton älter gewesen wäre und nicht in Wirklichkeit andere für ihn bestimmt hätten. Vielleicht hätte sich der Aton-Kult durchgesetzt, wenn es aber mitder Außenpolitik von Echnaton so weitergegangen wäre, dann wäre es wohl nur eine Frage von kurzer Zeit gewesen, bis Ägypten wieder unter Fremdherrschaft geraten wäre.
     
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  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wie kommst Du denn darauf? Im Neuen Reich verstand sich der Pharao als Sohn des Ra, der von den Göttern in sein Amt eingesetzt wurde.
     
  6. ferbitz

    ferbitz Gesperrt

    Amenophis IV ist sicher durch seinen Vater bereits zu einer monotheistischen Weltsicht inspiriert worden. Die Grabschändungen an und nach Amenophis IV vorgenommen wurden (Norfretete, an ihm selber, an Tut anch Amon) sollten den Armarna-Klüngel beseitigen und dazu waren nur die wiedererstarkten Amun-Priester in der Lage.
    Warum wurde der Tempel Amenophis III bis auf die Grundmauern abgetragen ? , warum die Tempel von Amarna als Füllmaterial für andere Bauwerke verwand ?
    Nichts sollte mehr an die verhassten Amarnaer erinnern, das war eine damnatio memoriae, compl. nicht die, die man bisweilen noch für Hatschepsut erkennen kann (Außmeißeln der Kartuschen und ihrer Körperdarstellung auf den Reliefs)
    Der Gedanke, dass es nun nur noch einen einzigen, vorherrschenden Gott geben sollte, raubte wohl den bisher allmächtigen Amun-Priestern die Besinnung.
     
  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Nicht nur die Besinnung sondern auch die Lebensgrundlage, wenn man bedenkt wie viel von Ägypten den Tempel gehörte.
     
  8. ferbitz

    ferbitz Gesperrt

    ich hatte das vorsichtig formuliert, in jedem Fall war der Gedanke von Amenophis III revolutionär und eigentlich auch ganz natürlich.
    Warum ist eigentlich nicht früher schon einmal jemand darauf gekommen, die Sonne, ATON, die ja ein alter Gott war, nicht als den Hauptgott zu verehren.
    ATON hätte ohne Probleme AMUN ersetzen können.
    ATON bestimmte fühlbar und offen für alle zu sehen das Leben Aller
    (nicht Isis, Osiris, Thot, Mut, Anubis, und, und und. )
    Aton zerstörte Leben in der Wüste, Aton kam jeden Morgen und ging jeden Abend, Aton brachte das Licht und die Wärme, Niemand außer Aton konnte auf die Menschen sehen (außer vielleicht sein kleiner Bruder nachts)
    Aton war doch prädestiniert, der Hauptgott Ägyptens zu werden.

    Offensichtlich ging es in der 18. Dxnastie wirklich nur um die Präsentation der Macht und das waren nun mal die Amon-Priester, denen sich wohl auch ein Pharao zu beugen hatte (trotz manigfalitiger Privilegien des Pharao als Inkarnation anderer Götter. salopp gesagt: die Amun Priester spielten die Musik, nach der der Pharao tanzen musste)
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Amenophis III. verehrte zwar Aton und förderte den Aton-Kult (wofür vermutlich auch politische Erwägungen eine Rolle spielten, um die Macht der Amun-Priester zu schwächen), aber er errichtete auch anderen Göttern Heiligtümer. Bei ihm kann man also wohl noch nicht einmal von Henotheismus sprechen, geschweige denn Monotheismus.
    Aber auch Amenophis IV. war kein Monotheist, sondern nur Henotheist, denn auch wenn Aton bei ihm zum zentralen Gott wurde, ließ er andere Götter in untergeordneter Funktion weiterbestehen. Sogar in seinem berühmten Sonnenhymnus erwähnt er die Göttin Maat.

    So neu war das doch gar nicht. Im Alten Reich war der Sonnengott Re noch die Hauptgottheit und wurde immer wichtiger. Erst im Mittleren Reich wurde er dann von Amun verdrängt, weil die 11. Dynastie ihre Basis in Theben hatte, wo auch der Amunkult sein Zentrum hatte.

    Das halte ich dann doch für übertrieben. Erst in der fortgeschrittenen 20. Dynastie erlangten die Hohenpriester des Amun eine problematische Stellung.
    Dass sie zur Zeit der 18. Dynastie noch nicht die von Dir beschriebene Macht hatten, sieht man schon daran, dass Echnaton die Amunpriester kaltstellen konnte, und das, obwohl er nicht gerade die energischste Herrscherpersönlichkeit war.
     
  10. ferbitz

    ferbitz Gesperrt

    Das ist nicht ganz richtig, was du schreibst, ,jedoch schwer zu erklären.
    am besten mit einer für manche von uns unerklärlichen und für andere wiederum klaren Erklärung von
    Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist

    Zwischen einem imaginären Sonnengott namen Re/Ra und der personifizierten Sonnenscheibe gibt es einen Unterschied.
    Hast Du gelesen, dass ich in meinem Beitrag von Hauptgott schrieb ? Andere Götter hatten untergeordnet Bestand, auch bei Amenophis IV

    Aber selbstverständlich hatten die Amunpriester in der 18,Dynastie diese erhebliche Macht, wäre sonst Amonophis IV als Ketzer diskreditiert worden ? oder Tut anch Aton wieder in den Schoß der Mutter Amon zurück geführt worden ?
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. November 2012
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  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich habe auch nicht geschrieben, dass die beiden identisch gewesen wären.
    Übrigens ist genaugenommen auch die personifizierte Sonnenscheibe imaginär, da die Sonne weder eine Scheibe noch eine Person ist. Re andererseits war auch die personifizierte Sonne, die tagsüber über den Himmel fuhr, also ähnlich wie Helios in der griechischen Mythologie.
    In Ägypten gab es verschiedene Sonnenkulte, die - teilweise regional bedingt - teilweise nebeneinander existierten, teilweise wurde auch eine Synthese versucht.

    Ja, und wenn es noch andere Götter gibt, liegt kein Monotheismus vor, sondern bestenfalls ein Henotheismus.

    Wenn die Amunpriester diese Macht gehabt hätten, hätte Amenophis IV. erst gar nicht zum Ketzer werden können, weil ihn die Amunpriester sofort beseitigt hätten, und nicht nur ihn, sondern schon vor ihm seinen Vater. Stattdessen aber konnte Amenophis IV. trotz Ketzertums ca. 17 Jahre lang regieren und allem Anschein nach eines natürlichen Todes sterben.
    Bei Tutenchaton hatten sie dann freilich leichtes Spiel, da er noch ein Kind war.
     
  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun das Verhältnis Priesterschaft -Pharao war wohl ähnlich kompliziert wie das von Kaiser und Papst im Mittelalter.
    Mit Beginn der 18.Dynastie wurde u.a. für die Gattin des Pharao der Titel "Gottesgemahlin des Amun" eingeführt.Ahmes-Nefertari,die Gattin des Ahmose führte als Erste diesen Titel.
    Der Thronfolger erhielt damit seine Legitimation zum einen vom Pharao,dem Sohn des Re und zum anderen von der Gottesgemahlin des Amun.
    Das zeigt m.E die Bedeutung des Amun und seiner Priesterschaft bereits zu Beginn der 18.Dynastie.
    Auch Amenophis IV. wurde ,wie Herrscher- und Thronname zeigen durch diese duale Legitimation von Re und Amun zum Pharao und begann ja erst ,nachdem er etabliert und legitimiert war im dritten Regierungsjahr mit der Schaffung des Aton-Kultes. Dadurch konnten ihn die Amunpriester nicht mehr legal von der Macht verdrängen oder beseitigen , ohne sich gegen den vermeintlichen Willen ihres eigenen Gottes zu wenden. Erst nachdem er gestorben war, also nicht mehr unter dem Schutz des Gottes stand, konnte die damnatio memoriae beginnen.Bei Hatschepsut war das ähnlich, wenn auch aus anderen Gründen.

    Aton war ursprünglich die Bezeichnung für die Sonnenscheibe und wurde später zum Thron des Re, aber der Gott den Amenophis IV einführte hatte m.E damit nur peripher zu tun. Dessen vollständiger Name lautete m.W.: "Es lebt Re-Harachte,der im Horizont jubelt in seinem Namen als Licht,das der Aton ist "
    Das bedeutet,daß hier alle Erscheinungen der Sonne in einer Gottheit vereint sind und sich nicht personifiziert sondern ausschließlich in der Erscheinung des Lichts offenbarte.Sprecher und Prophet Atons war der Pharao.Die politische Königsideologie wurde damit zu Lasten der Stellung der Priesterschaft in eine kultisch-reliiöse Sphäre übertragen.

    Nun,das stimmt so nicht ganz,da vergisst Du, daß zwischen Amenophis IV. und Tutenchamun noch die Herrschaft vonKija bzw. Meritaton und Semenchkare lag, in der bereits die Abkehr vom Atonkult und die Wiederannäherung an Theben und die Priesterschaft eingeleitet wurde. Das war wohl primär der außenpolitischen Situation,nämlich der Auseinandersetzung mit dem Hethiterkönig Suppiluliuma,nach der Zannanza-Äffäre geschuldet,die Ägypten die Herrschaft in ganz Kleinasien kostete und innenpolitische Zugeständnisse forderte.

    Inweit der Einfluss der Amunpriesterschaft auf Tutenchamun so entscheidend war,wage ich allerdings auch zu bezweifeln. Dieser gab zwar Achetaton als Hauptstadt auf, machte aber nicht Theben,die Zentrale des Amunkultes sondern Memphis zur neuen Hauptstadt. Und Memphis war ein Zentrum des Militärs.
    Hinzu kommt,daß als Regenten für den minderjährigen Pharao Aja,der Schwiegervater von Amenophis IV. und Haremhab, der Generalissimus des ägyptischen Heeres agierten und beide später die Herrschaft übernahmen.
    Es scheint also damals kein Primat der Amunpriesterschaft sondern des Militärs bestanden zu haben.
     
  13. ferbitz

    ferbitz Gesperrt

    Deine Antwort zu meiner Fragem warum nicht schon früher einmal auf die Idee gekommen ist Die SonnenSCHEIBE als Gott zu verehrenm beantwortest Du damit, dass das schon früher geschehen ist, Du also RA und ATON gleichsetzt.
    Das hast Du zwar nicht explizit geschrieben, aber in Deiner Aussage gemeint.
    (man kann sich ja mal irren, habe nichts dagegen)

    Warum weist Du so vehement darauf hin, daß Amenophis IV keine Monotheismus vertrat ?
    Wer behauptet denn das ? zumindest nicht ich, darum Dein Hinweis zu meinem Beitrag nicht erforderlich.

    Beseitigung Amonophis III oder IV durch eine starke Amun-Priesterklasse ?
    Wenn sie es denn gekonnt hätten ?
    Ich denke, da unterschätzt Du die wirkliche Macht des Pharao.

    Folgte ich Deiner Sicht, hieße es Amenophis III und IV nur darum walten konnten , weil die Priester zu schwach waren ?.
    Nicht nachvollziebar was Du meinst, wenn Jahre später, bei weiterer Machtreduzierung des Amon Kultes durch Amenophis IV, diese nun plötzlich entscheidende Macht über Tut anch ATON erhalten sollten.
    (Wobei Du die mögliche Nachfolger von Amenophis IV - Nofretete, oder Merit ATON oder Semenchkare ausklammerst)

    Für mich ist Deine Sicht nicht schlüssig.
     
  14. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Wenn der Thronname von Semenchkare "Anch-Chepru-Ra" war, zeigt das ja schon die relativ schnelle Abkehr vom rigorosen Atonkult vor Tut-ench-Amun. Und wenn Semenchkare mit Nofretete identisch ist, dann muß der Druck schon zu Lebzeiten Echnatons da gewesen sein.

    Meinst Du mit Aja den Eje? Wieso war der denn der Schwiegervater von Amenophis IV., wenn Nofretete auch eine Tochter von Amenophis III. war?
     
  15. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ja Aja oder Eje meinte ich .
    Zumindest nach einer Theorie war Aja der Bruder der Teje und Vater der Nofretete.
    Auf einem Kasten der im Ägyptischen Museum Berlin steht ist nämlich Aja/Eje genannt und Teje als seine Schwester bezeichnet.Hinzu kommt,daß Aja zunächst den Titel "Gottesvater" trug, der während der 18. Dynastie dem Schwiegervater des regierenden Königs zukam.
    Ich kenne allerdings auch die Gegentheorie, nach der Aja mit einer Frau namens Tij verheiratet gewesen sein soll, die die Amme der Nofretete. gewesen sein soll und die wegen der Manensgleichheit mit Teje verwechselt worden sei.Zumindest wird sie in Inschriften im Grab Echnatons als "Große Amme" Nofretetes bezeichnet (was aber auch ein Titel für die Königinmutter gewesen sein könnte)

    die These,daß Semenchkare mit Nofretete identisch sein soll ist mir allerdings neu.
    M-W- war Semenchkare männlich und Gemahl der Meritaton/Mayati,der ältesten Tochter von Nofretete und Echnaton. Das geht zumindest aus den Amarna-Briefen so hervor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. November 2012
  16. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    In der aktuellen Ausgabe der "Antiken Welt" sind Berichte über die jüngsten Untersuchungen an den Mumien veröffentlicht (Studien von 2010). Die Autoren berichten, daß die Mumie KV 55 der Sohn von Amenophis III und Vater von Tut ench-Amun ist und somit wohl eindeutig Echnaton darstellt, die Mumie von KV 35 YL ist die Mutter von Tut und die Schwester von KV 55. Die Autoren folgern: wenn die Mumie in KV 55 Echnaton ist, fehlt jeder Beleg für einen Mann namens Semenchkare, der auch zeitweilig mit dieser Mumie identifiziert wurde. Semenchkare war wohl die Rolle von Nofretete als Nachfolgerin Echnatons, die Tochter Meritaton wurde als Große Königliche Gemahlin bezeichnet, wohl schon in Wartestellung für ihren kleinen Bruder.
     
  17. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Den Artikel kannte ich nicht.
    M.E. ist die Schlussfolgerung die die Autoren aus der Gen-Analyse ziehen aber zumindest gelinde gesagt diskussionswürdig.
    Zum einen gilt bei Tutenchamun im Gegensatz zu Normalsterblichen:" Der Vater ist bekannt,die Mutter wirdvermutet" ;)
    Zum anderen ist mein Problem ,daß Nofretete sich ab dem dritten Regierungsjahr fast gleichberechtigt neben Echnaton in Kult und Staat behauptet und ab dem 13. Regierungsjahr von jetzt auf gleich auf den erhaltenen Denkmälern nicht mehr erwähnt wird.Statt dessen tritt nun die bisherige Nebenfrau Kija in den Vordergrund. Teilweise sind ja wohl sogar Reliefs entsprechend umgearbeitet worden.
    Das alles deutet darauf hin,daß Nofretete zum Zeitpunkt des Todes Echnatons bereits 4 Jahre verstorben war. Also kann sie nicht identisch mit seinem Nachfolger Semenchkare gewesen sein, denn wer einmal tot da liegt wird nicht mehr lebendig :D
     
  18. ferbitz

    ferbitz Gesperrt

    Interessanter Gesic hgtspunkt, wenn Du aber nun aber einfach nur einmal gedanklich davon ausgehst, daß es nicht Nofretete war, die starb, sondern Echnaton, dann wird es plötzlich schlüssig.
    Über die Nachfolger Amenophis IV wird immer noch heftig spekuliert.
    1.) Nofretete als Mitregentin ihres Mannes, der sich ganz seiner religiösen Sendung hingab. In jedem Fall nimmt sie einen Platz ein, der dem des Pharao gleichgestellt ist, oft so dargestellt wie ein Pharao. (Erschlagen der Feinde mit der Keule, Lenkung des Streitwagens, Tragen des Zepters als höchste Befehlsinstanz.)
    2.) Nofretete in Personengleichheit mit Semenchkare , gleicher Krönungsname. Nefer neferu Aton
    Beides ist schlüssig, da mit der Abgabe/Teilung der Macht auch eine "Inthronisation" eines anderen Hohen Hauses gemeint gewesen sein kann.

    Für wichtig halte ich die folgenden Eckdaten: Nofretete "verschwindet" - stirbt für einige Ägyptologen 1338 nach 10 Jahren Ehe mit Amenophis IV, in Verbindung gebracht mit der zeitgleich in Ägypten grassierenden Pest.
    (1339 die letzte gemeinsame Darstellung Amenophis IV und Nofretete.
    1334 "verschwindet" Amenophis IV und zeitgleich Semenchkare

    Wenn nun das "Hohe Haus" des Amarna-Zweiges wie folgt verschwand: 1338 stirbt Echnaton, seine Frau wird Pharao in Personengleichheit mit Semenchkare und 1334 stirbt Nofretete, dann wird es plötzlich schlüssig und dann wären auch viele umgearbeiteten Teile aus dem Grab Tut anch Amons schlüssig.

    Neuerdings gibt es auch eine weitere Vermutung, daß Merit Aton, die 1. Tochter Amenophis IV mit Kleopatra als direkte Königslinie, in die Dahamunzu Affäre (also Witwe des Pharao in der keilschriftlichen hetitischen Umschreibung des Begriffes Witwe des Pharao ) gemeint sein kann.
    Ich tippe allerdings mehr auf Anchesenpaamon.
     
  19. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Dennoch scheint der Sturz eines Pharaos nicht unmöglich gewesen zu sein, zumindest wird bei Mentuhotep IV. vermutet, dass er möglicherweise von seinem Nachfolger Amenemhet I. gestürzt wurde, und zumindest in der Spätzeit kam der Sturz eines Pharao mehrmals vor. Daneben gab es natürlich immer noch die Möglichkeit, einen Pharao zu ermorden, was in der ägyptischen Geschichte auch mehrmals vorkam.

    Letztlich ist nicht einmal geklärt, wer in der Zeit zwischen Amenophis IV. und Tutenchamun regierte, somit lässt sich auch nicht wirklich sagen, was sich sonst dazwischen ereignete.

    Schön, dass Du so genau weißt, was ich meine.
    Allerdings hast Du nicht von der SonnenSCHEIBE geschrieben, sondern von der Sonne:
    Daraufhin habe ich geantwortet:
    Mit der Sonne hatten doch wohl beide, Re und Aton, zu tun, beide waren eine Form der Verehrung der Sonne als Hauptgottheit. Wie Du aber aus meiner Formulierung ableiten kannst, dass ich Re und Aton gleichgesetzt habe, weiß ich nicht.

    Du hast geschrieben:
    Wieso schreibst Du also von einer "monotheistischen Weltsicht", zu der Amenophis IV. inspiriert worden sei, wenn Du gar nicht der Ansicht bist, dass er eine monotheistische Weltsicht vertrat?

    Wieso soll ich die wirkliche Macht des Pharao unterschätzen? Du bist es doch, der ihn als eine Marionette bzw. einen Tanzbären der Amun-Priesterschaft hinstellt:
     
  20. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Der Artikel ist stark verkürzt, es wird auf eine Publikation desselben Autors verwiesen:
    Habicht, Nofretete und Echnaton. Das Geheimnis der Amarna- Mumien (2011),
    interessant wäre wohl auch F. Maciejewski, Echnaton. zur Korrektur eines Mythos (2010).

    Neben der wohl sicheren Genanalyse, die zumindest die Mumie KV 35 YL als Mutter von Tut bestätigt, gibt Habicht im Alte-Welt-Artikel folgendes an:

    "Im Königsgrab von Achet-Aton rekonstruiert Marc Gabolde die Inschrift im Grab [Gamma] wie folgt: >> Der leibliche Königssohn, den er liebt, Tutanchaton, geboren von der Großen Königsgemahlin Neferneferuaton, die leben möge für immer und ewig<<."

    (Antike Welt 6/2012, S. 25)


    Nun ist aber das Verschwinden aus den Quellen und der damit gleichgesetzte Tod Nofretetes ein Axiom. Man muß ja immer bedenken, daß unsere Datierungen Konstrukte sind.
    Bevor ich mich da aber festlege, würde ich gern mal in die angegebenen Bücher schauen, was, wenn ich mir den berg von ungelesenen Büchern vor mir so anschaue, wohl nur eine Frage von Jahren sein kann:D.
     

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