Zwei Aspekte wären zu diesem Thread m. E. noch zu ergänzen: Das
Zeugnis des Paulus als älteste überlieferte Quelle (insbes. 1. Korinther 15,1-8 u. 15,35-53), sowie die
Rezeptions- und Wirkungsgeschichte bezogen auf die - naturalistische vs. metaphysische - Deutung der Ereignisse im Zuge der rationalen Kritik vom 19. bis zum 21. Jahrhundert ("Scheindtodhypothese" <> "subjektive Visionshypothese" <> "Jesus ist im Kerygma auferstanden" <> "Jesus ist im (Massen-)Grab verrottet" <> "minimal facts" <> "non liquet", etc., vgl. auch
#35).
Ersteres wäre relativ zügig darstellbar, deshalb:
[3] Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; [4] und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; [5] und dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. [6] Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übrig geblieben, einige aber auch entschlafen sind. [7] Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; [8] am Letzten aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir. (1. Kor 15,3-8)
Verse [3], [4] und möglicherweise auch [5] werden i. d. R. als urchristliches, d. h. vorpaulinisches, formelhaftes Bekenntnis aufgefasst, von Paulus dann in den folgenden Versen [6] bis [8] um seinen eigenen Kenntnisstand ergänzt.
Interessant ist Vers [4] in Bezug auf die Diskussion um das "leere Grab": Es wird teils als Indiz dafür interpretiert, dass Paulus die Erzählung vom leeren Grab nicht kannte (letztendlich ein "Argumentum e silentio"), teils genau anders herum in dem Sinne, dass die Formulierung ein leeres Grab fast zwingend impliziere (oft mit Verweis auf jüdische Begräbnispraxis im 1. Jh.).
Rätselhaft ist Vers [6], ein vergleichbares Ereignis wird in den anderen überlieferten Quellen (d.h. Evangelien und Apostelgeschichte) nicht belastbar erwähnt. Vorgeschlagen wird z. T. das Pfingstereignis (vgl. Apg 2,1-13), m. E. denkbar.
Interessant ist hier auch der Verweis auf z. Zt. der Abfassung noch lebende Augenzeugen - fraglich wäre, ob für diese für die Gemeinde in Korinth auch praktisch erreichbar gewesen wären (sofern man ein in Teilen sehr mobiles und stark vernetztes Früchristentum unterstellt, nicht zwingend zu verneinen).
Vers [7], die Erscheinung vor Jakobus, ist ausschließlich hier direkt bezeugt. Neben der Bekehrung des Paulus gilt auch die Bekehrung des Jakobus als einer der Punkte, welcher zu erklären wäre, sofern man die Erscheinungen des Auferstandenen insgesamt verwirft.
Vers [8] entspräche dem bekannten "Damaskus-Ereignis" (vgl. Apg 9,1-19, 22,3-16, 26,9-18). Diskutiert wird in der Bibelwissenschaft u. a., ob und in welchem Umfang sich das Erlebnis von Paulus mit den Erfahrungen der anderen Jünger deckt. Befürworter der "subjektiven Visionshypothese" (o. dgl.) bejahen dies i. d. R.; der Textbefund erlaubt jedoch m. E. kein belastbares Urteil in diese Richtung. Äußerst spekulativ könnte man das "Damaskus-Ereignis" alternativ z. B. im Sinne einer Nahtod-Erfahrung deuten (vgl. 2. Kor 12,1-4, sofern man unterstellt, dass Paulus diese Verse auf sich selbst bezieht).
Auffallend ist, was fehlt: Das Zeugnis der Frauen zum leeren Grab (vgl. Markus 16,1-8 und Lukas 24,1-11) sowie zur Erscheinung des Auferstandenen (vgl. Mätthaus 28,9-10, Johannes 20,14-18). Möglicherweise waren diese Paulus unbekannt, möglicherweise hat er sie bewusst verschwiegen.
Die Verse [35] bis [53], wegen der Länge hier nicht vollständig zitiert, beziehen sich auf die zükünftige Auferstehung aller Heiligen, werden jedoch vielfach auch unter dem Aspekt betrachtet, wie Paulus die Natur des Auferstandenen verstanden haben mag, bzw. wie es ihm gegenüber möglicherweise von den anderen Zeugen dargestellt wurde; "leibliche" vs "spirituelle" vs "ideelle" Auferstehung, etc. In Worten der Populärkultur: "Obi Wan Kenobi" aus "Star Wars" vs "Cenobites" aus "Hellraiser". Auszugsweise:
[43] Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft; [44] es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen. (1. Kor 15,43-44)