Lass doch bitte endlich einmal das lehrerhafte "Ich weiß es besser und habe Recht" beiseite. Das wäre hilfreich.
Wo bitte habe ich Karthager zu Waisenknaben erklärt? Könntest du mir bitte die entsprechende Textpassage zeigen.
Ich dämonisiere die Römer nicht, ich notiere hier lediglich Fakten und verwende dazu zusätzlich m.E. passende Adjektive.
Vielleicht müsstet du bitte einmal den Tatsachen ins Auge sehen, nämlich das die Römer in der Antike zu einer Brutalisierung des Krieges beigetragen haben. Bis die Römer auf der Bildfläche erschienen, war es "gute Sitte", das eine Kriegspartei irgendwann erkennt, das sie unterlegen ist und dann mit der anderen Partei einen Verhandlungsfrieden abschließt. Nicht so die Römer. Als Hannibal im 2.Punischen Krieg die Römer mehrfach vernichtend geschlagen hatte, hätte wohl jede antike Macht um Frieden nachgesucht.
Die Römer holten Verbrecher, Mörder aus ihren Gefängnissen und stellten diese Hannibal entgegen. Der römische Senat war bereit den Untergang des eigenen Staates in Kauf zu nehmen, aber auf keinen Fall um Frieden zu bitten.
Und so sah auch die Kriegführung aus. Ich kenne keine andere antike Großmacht, die sich wie Römer aufgeführt haben und ganze Städte den Erdboden gleichgemacht haben. Auch wenn du dies offenkundig nicht hören willst, ist dies ein Beleg für die Brutalität, ich weiß nicht warum du das nicht erkennst, für die römische Kriegsführung.
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Eine Steigerung der Brutalität der Kriegführung durch die Römer sehe ich ehrlich gesagt nicht. Die assyrischen Könige, die sich in Inschriften rühmten, soundso viele Nasen, Ohren und Genitalien abgeschnitten zu haben, die Militärs des Peloponnesischen Krieges, Alexander und die Diadochen haben lange vor den Römern eine Marke gesetzt.
Im Peloponnesischen Krieg kam es auf beiden Seiten zu einer Verwilderung der Kriegsführung und mehrfach zu unglaublichen Grausamkeiten. Athen hat gegen Bündner und gegen neutrale Städte äußerst brutale Strafexpeditionen geführt so 427 v. Chr. gegen Mytilene auf Lesbos und 416 v. Chr. gegen die neutrale Insel Melos und hatte das mit dem Recht des Stärkeren gerechtfertigt. Thukydides widmet den Meliern einen besondere Dialog in seinem Geschichtswerk.
Die Spartaner standen aber Athen nicht nach. 427 v. Chr. nahmen die Spartaner Platäia nach zweijähriger Belagerung ein und ließen alle Verteidiger über die Klinge springen. Der "übliche Standard" an Grausamkeit wurde im Peloponnesischen Krieg mehrfach von beiden Seiten überschritten.
Alexander ließ die Bewohner Thebens in die Sklaverei verkaufen und schonte nur Pindars Geburtshaus und seine Nachkommen. Dieses Vorgehen gegen Hellenen galt schon Zeitgenossen als Barbarei. Nach der überaus schwierigen Belagerung von Tyrus ließ Alexander die überlebenden männlichen Verteidiger kreuzigen.
Die assyrischen Könige rühmten sich soundso viele Ohren, Nasen und andere edle Körperteile abgeschnitten zu haben.
Hannibal hat in Italien nicht eine einzige Schlacht verloren. Man kann auch nicht sagen, dass er bei der Erreichung seines Zieles, Rom zu besiegen etwas versäumt hat. 15 Jahre hatte Rom Hannibal auf dem Hals. Es gab keinen Kommandeur, der Hannibal das Wasser reichen konnte, und Rom war zu einer Ermattungsstrategie gezwungen. Die physischen Anstrengungen, die Rom währen des 2. Punischen Krieges auf sich nahm, waren enorm- Vergleichbar allenfalls mit der Mobilisierung auch noch der allerletzten Reserven durch den "totalen Krieg" während der Weltkriege. Zeitweise hatte Rom 25 Legionen unter Waffen (ca. 200.000 Mann), und dazu kam noch das Aufgebot für die Flotte, schwankend zwischen 50-100.000 Mann. Das entsprach einer Mobilisierung von 10% der Bevölkerung. Da jedoch Sklaven, die ein Viertel der Bevölkerung ausmachten, nicht wehrfähig waren, war die Mobilisierung sogar noch weit höher. Nach Cannae musste Rom sogar Sklaven (8000) und Kriminelle aufstellen. Die Abgänge an hohen Offizieren und Beamten waren enorm, und der Senat wurde durch Cannae bedenklich gelichtet.
Beide Seiten wendeten die Taktik der verbrannten Erde an. Der Hannibalkrieg wurde für Rom nicht nur eine enorme materielle, sondern auch eine nervliche Belastung. In der Not gingen die Römer alle möglichen Götter um Hilfe an. Man schickte Abgesandte nach Delphi, richtete neue Festspiele wie die ludi Magni und ludi Apollinares aus. Als das noch nichts half, gingen die Römer selbst die Magna Mater um Beistand an und drückten alle Augen zu, als sie deren orgiastischen Kulte nach Rom. Sie griffen sogar auf altertümliche Bräuche wie das ver sacrum und selbst auf Menschenopfer zurück. Als die Not am größten, wurden in Rom gallische und griechische Kriegsgefangene geopfert, um die Götter zu versöhnen.
Auf die Phase von Hannibals siegreichem Einbruch in Italien (218-216) folgte ein Abnutzungskrieg. Capua (216 v. Chr.) und Syracus (215 v. Chr.) gingen zu Hannibal über und Tarent (213 v. Chr.) wurde eingenommen. Darauf folgte ein zähes Ringen der Römer um die Rückeroberung der verlorenen Territorien (212-207 v. Chr.). 212 eroberten die Römer Syracus, 211 Capua und 209 v. Chr. Tarent. Hasdrubal wurde 207 von den Römern am Metaurus gestellt und geschlagen, bevor er sich mit Hannibal vereinigen konnte. Damit neigte sich die Waage zugunsten Roms.
Hannibal hat Rom unterschätzt, und er unterschätzte die Stabilität der Bundesgenossenschaften. Es lösten Hannibals Siege keine Massenreaktion des Abfalls aus. Capua und Tarent und viele andere Orte öffneten ihm die Tore, aber der Übertritt war meist nicht freiwillig und geschah unter dem Eindruck Hannibals militärischer Stärke. Sofern die Bundesgenossen Rom preisgaben, taten sie es eher, weil sie dafür diese Opfer nicht Belastungen tragen wollten, als wegen ihrer Freiheit und Selbstständigkeit.
Die Samniten, zu Pyrrhus Zeiten noch der gefährlichste Feind der Römer blieben mit Ausnahme der Hirpiner und Pentrier loyal zu Rom. Vor allem blieben die latinischen Bündner, d.h. die latinischen Kolonien loyal zu Rom . 209 v. Chr. erklärten sich zwar 12 von 30 Kolonien außerstande, die Bundeslasten weiter zu stemmen, aber es kam keinem in den Sinn, zu den Karthagern überzugehen.
" Es wäre aber nicht korrekt, Hannibal die falsche Einschätzung des Gegners vorzuwerfen. Jeder andere antike Staat, Karthago selbst nicht ausgenommen, wäre unter diesen Belastungen zusammengebrochen. Rom erwies sich als ein Gegner sui generis. Aber das zu erkennen, ist allenfalls die rückschauende Betrachtung, in der Lage, den Zeitgenossen des damaligen Geschehens musste diese Einsicht verschlossen sein." (Alfred Heuss Römische Geschichte 8. Auflage S. 86).
Bei Karthago machte sich auch verhängnisvoll bemerkbar, dass der kriegerische Einsatz ungünstig koordiniert war. Hannibal und die Regierung in Karthago führten den Krieg auf weite Strecken nebeneinander her. Karthago setzte Kräfte für die Rückeroberung Sardiniens und Siziliens ein, die unter Kommando Hannibals vielleicht die Entscheidung in Italien hätte bringen können.
Hannibal hatte Rom in Italien mehrfach geschlagen, hatte die Römer dort gebunden und hatte den geplanten Feldzug in Afrika verhindert. Er konnte aber nicht Roms Angriff auf Spanien verhindern, und damit war das Kraftreservoir, das die Barkiden für Karthago aufgebaut hatten, gedrosselt. Spanien war von Hannibal abgeriegelt. 218 war Gn.Cornelius Scipio über die Pyrenäen gegangen, und im folgenden Jahr stieß sein Bruder P. Cornelius Scipio zu ihm. Als Hannibals Bruder Hasdrubal 215 versuchte, mit einer Armee durchzubrechen, wurde er am Metaurus geschlagen.
Vor allem konnte die karthagische Flotte im 2. Punischen Krieg die Armee kaum angemessen unterstützen. Zu Beginn des Krieges dominierte Rom das Meer. So wurde Hannibal überhaupt zu dem kühnen Plan der Alpenüberquerung gezwungen. Das Naheliegende eine ständige Seeverbindung mit Hannibals Invasionsarmee musste unterbleiben. Nur einmal (215 v. Chr.) erreichte ihn mal ein Konvoy.
Hannibals Invasionsarmee, war ständig durch die römische Flotte blockiert. Als Süditalien verwüstet wurde, konnte Rom sich in den schlimmsten Jahren von 217-207 v. Chr. durch den Import von Getreide aus Sizilien und Sardinien, einmal auch aus Ägypten über Wasser halten.