Deutsche Kolonien, Facharbeit, Quellen

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Rmys68, 3. Januar 2016.

  1. Rmys68

    Rmys68 Neues Mitglied

    Hallo,

    Ich besuche die 11. Klasse eines Gymnasiums und, wie es sich gehört, muss auch ich eine Facharbeit schreiben. Ich habe mich entschieden meine Facharbeit im Fach Geschichte zu schreiben. Mein Thema für die Facharbeit ist "Deutsche Kolonien - Haben die Kolonien Deutschland wirklich was gebracht? Waren die Kolonien von Vorteil, oder haben sie Deutschland auf lange Sicht sogar geschadet?"
    (Natürlich ist das nicht die offizielle Formulierung :rofl:)
    Meine Frage an euch wär ob ihr mir mit den Quellen bisschen weiterhelfen könnt. Bekannterweise sind Lehrer nicht wirklich von der Idee angetan, wenn die einzige Quelle das Internet ist. Außerdem finde ich nicht sonderlich viel für mein Thema. Könntet ihr mir vielleicht ein paar Bücher empfehlen, die mir weiterhelfen?
    Vielen Dank im Voraus :yes:
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es ist etwas schwierig, Dir Tipps zu geben. Denn die Suche nach Literatur und Quellen ist für den Historiker so grundlegend, dass es schon fast so ist, als ob man Dir die ganze Arbeit abnimmt.

    Deinem Wortgebrauch nach solltest Du zunächst einmal die Artikel Quelle (Geschichtswissenschaft) und Sekundärliteratur bei Wikipedia nachlesen.

    Dann kannst Du mal bei Wikipedia unter Deutsche Kolonien und Schutzgebiete nach der Literatur schauen. Na ja, ich gehe davon aus, den Artikel hast Du schon inspiziert, und bist von der Fülle der Literatur verunsichert. Auch, dass es einen Abschnitt 'Ökonomische Bilanz' gibt, wirst Du entdeckt haben. Die dort zitierte Literatur ist schon übersichtlicher: Du schaust also, welche Literatur in den relevanten Texten im Netz zitiert wird.

    Falls Du Zugang zu einer Enzyklopädie in Buchform hast, wird dort meist auch etwas Literatur zum Thema genannt.

    Wenn es bei Euch öffentliche Bibliotheken gibt, sind das natürlich gute Anlaufpunkte. Welche Literatur es dort gibt, hängt natürlich oft vom Zufall ab.

    Wenn Du immer noch das Gefühl hast, zu wenig zu haben, oder nicht sicher bist, die richtige Literatur zu haben, kannst Du ja noch einmal nachfragen. Da es nicht mein Schwerpunkt ist, sollten Dir dann andere Antworten.

    Einen Hinweis kann ich aber geben:

    Wenn Du nach einem Autor suchst, der der deutschen Kolonialpolitik einen gewissen Erfolg nicht versagen wollte, kann ich Hans Georg Steltzer, Die Deutschen und ihr Kolonialreich, Frankfurt 1984 nennen. Er betrachtet allerdings einen großen Teil an Problemen nicht, an denen heutige Autoren nicht vorbeikommen. Ihn zusätzlich zu lesen, dürfte aber von Nutzen sein.
     
  3. steffen04

    steffen04 Gesperrt


    Ich hab Wilfried Westphal, Geschichte der Deutschen Kolonien, Bertelsmann 1984. Ist schon älter, aber es taucht immer noch in vielen Wiki-Beiträgen über Kolonialgeschichte als Quelle auf.

    Es gibt eine Internetseite Deutsche Schutzgebiete. Da sind Fakten und Daten zu allen Kolonien aufgeführt, auch Siedlerzahlen. und ein verbundenes Forum Deutsche Kolonialgeschichte


    Netter Einstieg für so eine Arbeit und noch nicht zu abgedroschen:

    Es sind gerad einmal 20.000 Deutsche in die Kolonien ausgewandert (Westphal)
    Dagegen stehen: "Friedrich Naumann bezifferte 1916 die Zahl der zwischen 1821 und 1912 in die USA gegangenen deutschen Auswanderer auf 5,45 Millionen." (Wiki)
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Januar 2016
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Ich zitiere mal aus dem Bereich Kaiserreich einige Literaturempfehlungen:
    Da sollte was passendes bei sein.

    Apvar
     
  5. Rmys68

    Rmys68 Neues Mitglied

    Hallo leute,
    Leider konnte ich die oben genannte Fragestellung doch nicht benutzen und brauche eure Hilfe ein weiteres Mal. Mein Themengebiet habe ich schon festgelegt: Deutscher Kolonialismus. Wir müssen eine Fragestellung entwickeln und dürfen nicht nur Fakten 'abschreiben' sondern etwas 'analysieren' also ganz viel Eigenleistung mit einbringen. Ich habe mir überlegt über eine deutsche Kolonie zu schreiben, nur leider weiß ich nicht für welche ich mich entscheiden soll und wie die Fragestellung lauten soll. Kann mir da jemand behilflich sein?
    Danke im Voraus
     
  6. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    nun,da gibt es diverse Fragestellungen
    Herrschaftsstrukturen und Machterhaltung durch Einbindung der lokalen indigenen Eliten
    Wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien im Verhältnis zum Mutterland
    Entwicklung der Kolonien durch Verwaltungs- und Infrastrukturmaßnahmen
    Aufstände in den Kolonien -Ursachen und Verlauf
    Verhältnis Kolonisten-Einheimische
    Zusammensetzung und Sozialstruktur der Kolonisten
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie groß ist deine Motivation? Wie groß deine Frustrationstoleranz? Wie viel Zeit bleibt dir?
    Ich frage dich diese Frage, weil ich dir einen Vorschlag machen möchte, der sehr ambitioniert ist und den ich zugegebenermaßen selbst als junger Student aus lauter Respekt vor der Aufgabe nicht wahrgemacht hätte*: Nämlich ins Archiv zu gehen. Dafür wäre es aber erforderlich, dass du lernst Kurrentschrift zu lesen. Das ist kein Ding der Unmöglichkeit, das haben schon manche Schüler gemacht, aber leider ist nicht einmal jeder Historiker dazu in der Lage. Im Archiv (vorbehaltlich der in deinem Bundesland gültigen Archivorganisation) könntest du studieren, was der örtliche Kolonialverein, so es ihn denn gab, gemacht hat. Damit würdest du echte Quellenarbeit leisten und vermutlich sogar Quellen heben, die noch nie ein Historiker gehoben hat. Du hättest dann natürlich nur einen lokalhistorischen Bezug und womöglich gar nichts zu dem, was denn in der Kolonie abging, aber du hättest eigenständiges Material. Aber dazu benötigst du eben Zeit, Frustrationstoleranz und auch das notwendige Interesse, dich in die Kurrentschrift einzufuchsen.

    *Heute finde ich es einfach nur schade, dass ich meine Liebe zum Archiv nicht bereits früher entdeckt habe.
     
  8. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Oha, ein verschärfter Fall von "Ich hab keine Ahnung, was ich will - aber das mit aller Macht" ... :D :D :D

    Gehen wir das mal von der -äh: pragmatischen Seite an (Lehrer jetzt mal bitte drüber weglesen & nich hauen!).

    Du wirst dich ja bereits auf die eine oder andere Weise mit den verschiedenen Kolonien beschäftigt haben und die gute Nachricht dabei ist ja: die waren nicht sooo zahlreich. Also gehen wir erstmal den Bereich "Welche Kolonie?" an.
    Eine Möglichkeit wäre, daß du dir in der Facharbeit eine Kolonie vorknöpfst, zu der du bereits genügend Sekundärliteratur hast.
    Die andere Möglichkeit: du suchst dir eine Kolonie aus, die deinen Interessen am ehesten entspricht. Falls du dazu dann eher weniger an Sekundärliteratur vorliegen hast, mußt du nochmal in die Suche einsteigen.

    Das ist zwar ein Weg, den dein Lehrer vermutlich nicht ganz wirklich als das Gelbe vom Ei sehen wird - aber der Herr Kollege wird höchstwahrscheinlich in der täglichen Praxis auch einiges gewohnt sein :devil:.

    Wenn du soweit bist, gehen wir den zweiten Schritt an: du faßt hier mal kurz zusammen, was so die Besonderheiten bei der bestimmten Kolonie sind. Daraus werden sich vermutlich Fragestellungen und Themen für mehrere Arbeiten ergeben, also sollte das dann hinzubekommen sein.

    Wie du vielleicht bemerkt hast :winke:, geben wir hier sehr gerne "Hilfe zur Selbsthilfe", dh wir sind dir bei der Suche behilflich und unterstützen dich da gerne, aber so einfach à la "Habt ihr nich 'n goiles Thema im Ärmel" läuft es nicht... :eek:
     
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ganz naiv: gibt´s nicht dtv Geschichte in eurer Schulbiblio? ...da gibt´s leicht lesbare Bände über die Kolonialzeit drin... da findet sich auch ne Menge über die Kolonien des Kaiserreichs und deren Historie... das ist so ne Ansammlung von Taschenbüchern, das dtv Dings
     
  10. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Deku, wir sind inzwischen einen Schritt weiter, kuxtu Beitrag Nr 5.
     
  11. Rmys68

    Rmys68 Neues Mitglied

    Ich habe mir Gedanken gemacht und bin auf folgende Fragestellung gekommen:
    Inwiefern unterscheidet sich die deutsche Kolonialverwaltung von der Kolonialveraltung Frankreichs? (alternativ auch die Kolonialverwaltung Belgiens oder des Britischen Reiches)
    Ich habe mir überlegt, dass ich mir als Beispiel die Verwaltung im Bezug auf die Wirtschaft, Bildung- und Sozialpolitik und auf die Verwaltung der Kolonialkriege in den verschiedenen Kolonien genauer angucke und vergleiche.
    Über die dt. Kolonialverwaltung bin ich durch folgende Sekundärliteratur informiert:
    -Winfried Speitkamp- Deutsche Kolonialgeschichte
    -Horst Gründer- Geschichte der deutschen Kolonien
    Jetzt müsste ich mich für eines der oben genannten Länder entscheiden. Welches würde sich eher anbieten? Also wo könnte man die meisten unterschiede herausarbeiten?
     
  12. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied



    Gab es denn die deutsche Kolonialverwaltung?

    In Kiautschou (China) war das Marineministerium mit der Verwaltung der Kolonie betraut. Die Verwaltung, die Planung und der Aufbau der Infrastruktur hat sich von der anderer Kolonien unterschieden, so mein Kenntnisstand.

    Der Punkt, den ich verdeutlichen möchte ist, dass die kaiserliche Marine eine Institution war, die aufgrund ihrer technischen Sichtweise, technokratische Lösungen präferierte. Es wurde im Rahmen der rationaleren "protestantischen Ethik" die beste Lösung nach Lage der Fakten gewählt.

    Diese Sicht greift die Thesen von Bönker auf, der ähnliche "technokratische" Sichtweisen in den Kriegsmarinen von Deutschland und den USA meint, erkennen zu können.

    https://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=37011

    Somit ließen sich die "zivilen deutschen Verwaltungen" in beispielsweise Afrika mit der "militärischen" Verwaltung in China vergleichen. Das hätte den Vorteil, die bereits angeführte Literatur (Speitkamp, Gründer etc.) zu verwenden, ohne zusätzliche - englische oder französische - Literatur zu den Kolonialverwaltungen anderer Länder zu suchen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2016
  13. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Das ist viel, viel zu speziell. Du müsstest dich auch in die Verwaltungsstrukturen F, GB oder Bs einlesen. Du würdest feststellen, dass es riesige Unterschiede in der Verwaltung z.B. Franz-Algeriens und Franz-Louisiana gab. Und ebenso grosse Unterschiede in der Verwaltung von z.B. Deutsch-Südwest und Deutsch-Samoa. Und vergiss nicht, dass die Kolonialzeit lange dauerte und sich die Verwaltungsstrukturen auch innerhalb einer Kolonie beträchtlich änderten. Was willst du da vergleichen, ohne willkürlich zu sein?

    Für die 11. Klasse brauchst du etwas griffigeres als Verwaltung.

    Ich würde nochmal auf meinen eigenen Vorschlag zurückkommen: warum wollte in Deutschland kein Schwein in die Kolonien auswandern, aber Millionen nach Amerika?

    Eine andere Idee: Warum gab es erfolgreiche und gescheiterte Kolonialisierungen? Warum hat Australien geklappt und Südafrika nicht? Warum hat Russland seine kolonialen Eroberungen bis heute behalten und England nicht?

    Da kannst du schön im Ungefähren bleiben, ohne dich in Verwaltungsvorschriften zu verlieren.

    Noch ein Tip: Am Kiosk liegt gerade "Der Spiegel-Geschichte - die Kolonialzeit". Kostet 7.80 Euronen und bietet mehr als genug Ideen für eine Facharbeit.
     
  14. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Da stellt sich aber die Frage, wie man "Erfolg" definiert und dazu die Frage "Erfolg für wen?" Frankreich verlor 1762-sein Kolonialimperium in Nordamerika und verkaufte Louisiana 1803 an die noch jungen USA, dennoch ist der kulturelle Einfluß Frankreichs in Kanada noch heute präsent. Die Republik Südafrika erhielt wie die anderen Dominions des britischen Kanada, Australien und Neuseeland des britischen Empire 1910 nach den Burenkriegen die Selbstverwaltung und das Ende der Apardheid in Südafrika führte weder zum Bürgerkrieg, noch zum zwangsweißen Exodus der Afrikaans sprechenden Minderheit der Buren, den man Ende des vergangenen Jahrhunderts durchaus hätte erwarten können. Die Republik Südafrika ist heute wirtschaftlich der erfolgreichste Staat Afrikas und einer der politisch stabilsten, kosmopolitischsten und kulturell heterogensten. Neben Englisch, Afrikaans werden dort fast ein Dutzend afrikanische Sprachen und Hindi gesprochen. Auch wenn Kapstadt und Johannesburg über eine erschreckende Kriminalitätsrate verfügen, sind sie doch Zentren der globalen Wirtschaft. In Punkto Landwirtschaft, Kultur und Tourismus hat die Republik Südafrika durchaus nicht den Vergleich mit Australien oder anderen Commonwealth- Mitgliedern zu fürchten. Ein Großteil des in europäischen Supermärkten erhältlichen Obstes und einige hervorragende Bourdeaux und Merlot- Weine werden in Südafrika kultiviert und erringen regelmäßig Preise. Nationalparks wie der Krüger-Park, aber auch die südafrikanischen Gewässer des Atlantischen und Indischen Ozeans ziehen jährlich Hunderttausende von Reisenden an.

    Die überaus wechselhafte Geschichte Südafrikas von den Burenkriegen über das Ende der Apardheid bis zur Gegenwart wird man durchaus als eine relativ erfolgreiche betrachten können. Nichts gegen den Spiegel, aber in einer globalisierten Welt, die immer komplexer wird, sollte man von Schülern und jungen Menschen durchaus erwarten können, dass sie mehr als 7,50 Euro investieren, um sich Informationen anzueignen, die sie in die Lage versetzen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Das Internet bietet dazu Möglichkeiten, die man sich vor 20-30 Jahren nicht hätte träumen lassen. Die sollte man nutzen und sich nicht damit begnügen, hübsch an der Oberfläche zu dümpeln.
     

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