Im Allgemeinen denke ich vor dem Schreiben nach.
Dann sollte es Dir ein Leichtes sein, mir zu erklären, was Du Dir bei der Formulierung dieses Satzes gedacht hast:
Du hast aber schon mal von Schrittzählern und so gehört?
Du weißt, dass sich durch Schrittzählung Wegstrecken systematisch ermitteln lassen, aber keine Koordinaten. (Es sei denn, man marschiert seine zehn Leugen immer in Luftlinie). Abgesehen davon gab es in der Magna Germania noch nicht einmal eine systematische Wegstreckenvernessung, außer vielleicht entlang militärischer Routen. Und falls es eine solche gegeben haben sollte, stand sie Ptolemaios nicht zur Verfügung, sonst hätte ihm zumindest die Straße entlang der Lippe bekannt sein müssen. Er kennt aber noch nicht einmal die Lippe, und Aliso hat er nach allem, was wir wissen, falsch lokalisiert.
Die Autoren erwähnen zwar die Bedeutung der Ortsnamenkunde für die Identifizierung antiker Orte, sie wird von ihnen jedoch sträflich vernachlässigt. Mangels grundlegender Kenntnisse auf diesem Gebiet sind sie dann auch nicht in der Lage, wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse von Bullshit zu unterscheiden. Zwei Beispiele (das eine hatte ich bereits verlinkt):
Zu
Tarodunum/Zarten schreiben sie, die Gleichsetzung sei "aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit des Namens" erfolgt. Natürlich ist lautliche Ähnlichkeit kein Argument. Hier geht es aber nicht um lautliche Ähnlichkeit, sondern um genaue lautgesetzliche Entsprechung:
- Wir haben die gemanisch/althochdeutsche Akzentverlagerung auf die erste Silbe, wodurch sich die nachfolgenden Silben abschwächen bzw. schwinden.
- Wir haben die erste Phase der zweiten Lautverschiebung: Aus dem anlautenden
T- wird ein
Z-
- Wir haben die dritte Phase der zweiten Lautverschiebung: Aus dem inlautenden
-d- wird ein
-t-
- Und wir haben sogar ein urkundliches Zeugnis mit dem Beleg
Zarduna aus dem Jahr 765, das haargenau die Situation zwischen den beiden Phasen zeigt.
Aus namenkundlicher Sicht haben wir also eine praktisch lückenlose Beweiskette. Auch der archäologische Befund ist überdeutlich: "Handel und Handwerk, Austausch und Produktion zeigen, dass am Ausgang des letzten vorchristlichen Jahrtausends auf dem Gebiet des heutigen Kirchzarten eine Großsiedlung überregionaler Bedeutung existierte."
Zu
Carrodunum, das sie bei Rýmařov/Römerstadt lokalisieren, schreiben sie: "Ob der deutsche Name 'Römerstadt' in einem Zusammenhang mit einer antiken Siedlung steht, bleibt offen." Das bleibt beileibe nicht offen, sondern das lässt sich eindeutig klären: Der Ortsname lautete bei der Ersterwähnung 1351
Raymarstat; die Verballhornung zu
Römerstadt fand erst im 16. Jahrhundert statt.
Das ist übrigens kein Einzelfall:
Es gibt übrigens auch ein Römershofen ohne -t-, auch dafür können natürlich die Römer nichts:
"Römershofen kommt übrigens nicht von den Römern, es ist also kein Hinweis auf die Antike wie man eigentlich denken könnte. Bis ins 18. Jahrhundert hat es auch nicht Römershofen, sondern Reimarshofen geheißen, das bedeutet ganz einfach die Höfe des Reimar."
Von Winden, Bächen und Höfen