Die Römer in Mittelhessen ¹

Nun darf ich Limburg nicht zu Mittelhessen rechnen, sonst zwingt mich @Lukullus in der Badewanne ¹ des Tiberius lahnaufwärts ² bis nach Bad Laasphe zu paddeln.
Nun sind diese Amphoren, falls gefüllt mit gutem Wein, wahrlich nicht für den Transport auf dem Eselchen oder Maultiergespann des Contuberniums geeignet.

Daraus kann man folgern, und erst recht mit dem dringenden Wunsch von @Shinigami

dass Mühlsteine und Weinamphoren mit dem Schiff lahnaufwärts gebracht wurden, und zwar schon zu spätrepublikanischer Zeit. Die Lahn war da keineswegs für die Römer terra incognita, sondern keltischer Verkehrsweg.
Für Mühlsteine lässt sich das bestätigen. Auf dem Dünsberg wurden zahlreiche Mühlsteine aus Mayener Basalt gefunden, die sehr wahrscheinlich die Lahn aufwärts getreidelt wurden. Zitat:
"Die 52 bekannten Exemplare des Dünsbergs wurden nach petrographischen Analysen zu 71,2 % (37 Exemplare; n = 52) in Steinbrüchen der Eifel gewonnen und importiert. Die restlichen Drehmühlen bestehen entweder aus Sandstein, der in der direkten Umgebung gewonnen worden sein könnte , aus Vulkanit, der durchaus den zahlreichen Aufschlüssen des Vogelsbergs zugeordnet werden kann 751, oder in einem Fall aus Rhyolith, der entweder aus Groß-Umstadt oder aus dem Thüringer Wald stammt(Abb. 49)."Mühlen im Kontext der Siedlungen, S.116.

Auch auf der Dornburg (am Limburger Becken) wurden Eifeler Mühlen gefunden:
Die zu 87,5 % (n = 8) aus phonolithischem Tephrit der Eifel hergestellten Drehmühlen der Latènezeit verdeutlichen, dass die Bewohner der Dornburg über Kontakte zu den Eifeler Steinbrüchen verfügten. Nicht nur ihre beträchtliche Größe von ehemals 37 ha umwehrter Fläche spricht daher für eine Einordnung als Oppidum. Der bisher einzige Unterlieger vom Typ B ist aus Olivinbasalt gefertigt, der in das Spektrum der Vogelsberg-Vulkanite passt."

Interessant wäre Amöneburg. Das Fritzlarer Land an der Eder erreichten die Basaltmühlen aus Mayen (z.B. die Alteburg bei Niedenstein) nicht, dort wurden Mühlsteine lokal in einem Borkener Steinbruch hergestellt. Im Oppidum Heidetränke wiederum gab es zahlreiche Mayener Mühlsteine, wahrscheinlich über den Rhein, Main und Nidda transportiert:
"Von insgesamt 172 aufgenommenen Drehmühlen ist etwa die Hälfte aus Steinbrüchen der Eifel importiert worden (51,46 %; n = 171) . Die andere Hälfte wurde aus Olivinbasalten des Vogelsbergs (36,3 %), aus Rhyolith (8,2 %), der durchaus in der Region Groß-Umstadt gewonnen worden sein kann, aus Tholeiit,(2,9 %), der im direkten Umfeld ansteht, und jeweils in einem Fall aus Sandstein bzw. Kalksteingefertigt (Abb. 53)"Wefers, Latènezeitliche Mühlen aus dem Gebiet zwischen den Steinbruchrevieren Mayen und Lovosice, 2012

Amphoren wurden nach meiner Erinnerung am Dünsberg nicht gefunden.
 
Amphoren wurden nach meiner Erinnerung am Dünsberg nicht gefunden.
Das wäre auch ein viel zu schöner Hinweis auf römisch - ubischen oder -germanischen Warenaustausch gewesen.

Nein, ich hatte die Amphoren vom Typ Dressel Ib aus dem spätrepublikanischen Lager in Limburg-Eschhofen gemeint.

Sollte das Lager im Lahnkies von Niederweimar sich jemals als Warenumschlagplatz erweisen, wären im schönsten Fall Amphorenreste zu finden, so wie in Paderborn.

Also nur in etwas länger genutzten Stützpunkten oder Wachtposten. In letzteren vermutlich eher Posca als Falerner Wein...

Ohne dass ich nachhaken konnte, deutete Frau Meiborg auch an, dass der Lagergraben in Niederweimar nicht planmäßig sondern nur alluvial verfüllt war, und auch dass das kleine (5 ha) Lager im Brücker Wald nicht erkennbar niedergelegt oder zerstört wurde.

Irgendwelche Spielverderber werden sagen dass das alles höchst vorübergehende Anlagen im Rahmen von Strafexpeditionen waren.

@El Quijote hatte für die obere Lippe ja auch einmal die Funktion einer Sammelstelle ins Spiel gebracht, ich finde nun einmal die Konzepte einer wirtschaftlichen Erschließung Mittelhessens viel interessanter. Ich bin da nicht unbefangen und lasse mich durch die süffige Schönheit und Vielfalt der Landschaft dort verleiten.
 
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Nachtrag zur Amöneburg, Mühlsteinreste Latène von der archäologischen Untersuchung der latènezeitlichen Brücke:

"Die im Brückenbereich gefundenen Mahlsteine wurden entweder als Müll entsorgt oder dienten in Zweitverwendung als Trittsteine bzw. Schotterung. Eine Deutung als Opfergaben erscheint im Fundzusammenhang nicht plausibel. Interessanter für die Fundstelle von Kirchhain-Niederwald ist die Beobachtung, dass aus der Verbreitung von latènezeitlichen Handdrehmühlen darauf geschlossen werden kann, dass die Distribution entlang von Flüssen und der Transport also höchstwahrscheinlich zu Wasser erfolgte. Auch wenn der ehemalige Flusslauf nicht gut befahrbar war, liegt es nahe, im Umfeld der Brücke einen Umschlag- bzw. Verladeplatz zu vermuten. Rückschlüsse auf die Bedeutung der Brücke für den überregionalen (Waren-)Verkehr dürfen dennoch nur unter Vorbehalt gezogen werden. Möglicherweise wurden die Mahlsteine im Amöneburger Becken nur rund 10 km südlich von Niederwald hergestellt. Es gibt Hinweise auf einen Steinbruch und eine Fertigungsstelle westlich der „Mardorfer Kippe/Kuppe“ in der Gemarkung Mardorf, von der Halbfabrikate von Mahl- oder Mühlsteinen aus Basalt stammen sollen. Die genaue Lage des Ortes und die Zeitstellung dieser Funde sind jedoch ungeklärt. Insgesamt muss Mardorf wohl als Produktionsort von lokaler, allenfalls regionaler Bedeutung eingestuft werden, dessen Erzeugnisse überwiegend im Umkreis von 25 km verhandelt wurden."
aus:
Die latènezeitliche Brücke mit Siedlung bei Kirchhain-Niederwald, Landkreis Marburg-Biedenkopf -Interdisziplinäre Forschungen zur eisenzeitlichen Siedlungslandschaft des Amöneburger Beckens, 2021

In dem umfangreichen Fundbericht werden 18 Mühlsteinfragmente aus Basalt erwähnt, die im Siedlungs - und Brückenbereich gefunden wurden.
Die Mühlsteine können auf der Ohm von Mardorf nach Niederwald transportiert worden sein.
Screenshot 2026-06-27 at 16-24-05 Die latènezeitliche Brücke mit Siedlung bei Kirchhain-Nieder...png
 
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