Die Römer in Mittelhessen ¹

Nachtrag zur Amöneburg, Mühlsteinreste Latène von der archäologischen Untersuchung der latènezeitlichen Brücke:

"Die im Brückenbereich gefundenen Mahlsteine wurden entweder als Müll entsorgt oder dienten in Zweitverwendung als Trittsteine bzw. Schotterung. Eine Deutung als Opfergaben erscheint im Fundzusammenhang nicht plausibel. Interessanter für die Fundstelle von Kirchhain-Niederwald ist die Beobachtung, dass aus der Verbreitung von latènezeitlichen Handdrehmühlen darauf geschlossen werden kann, dass die Distribution entlang von Flüssen und der Transport also höchstwahrscheinlich zu Wasser erfolgte. Auch wenn der ehemalige Flusslauf nicht gut befahrbar war, liegt es nahe, im Umfeld der Brücke einen Umschlag- bzw. Verladeplatz zu vermuten. Rückschlüsse auf die Bedeutung der Brücke für den überregionalen (Waren-)Verkehr dürfen dennoch nur unter Vorbehalt gezogen werden. Möglicherweise wurden die Mahlsteine im Amöneburger Becken nur rund 10 km südlich von Niederwald hergestellt. Es gibt Hinweise auf einen Steinbruch und eine Fertigungsstelle westlich der „Mardorfer Kippe/Kuppe“ in der Gemarkung Mardorf, von der Halbfabrikate von Mahl- oder Mühlsteinen aus Basalt stammen sollen. Die genaue Lage des Ortes und die Zeitstellung dieser Funde sind jedoch ungeklärt. Insgesamt muss Mardorf wohl als Produktionsort von lokaler, allenfalls regionaler Bedeutung eingestuft werden, dessen Erzeugnisse überwiegend im Umkreis von 25 km verhandelt wurden."
aus:
Die latènezeitliche Brücke mit Siedlung bei Kirchhain-Niederwald, Landkreis Marburg-Biedenkopf -Interdisziplinäre Forschungen zur eisenzeitlichen Siedlungslandschaft des Amöneburger Beckens, 2021

In dem umfangreichen Fundbericht werden 18 Mühlsteinfragmente aus Basalt erwähnt, die im Siedlungs - und Brückenbereich gefunden wurden.
Die Mühlsteine können auf der Ohm von Mardorf nach Niederwald transportiert worden sein.
Screenshot 2026-06-27 at 16-24-05 Die latènezeitliche Brücke mit Siedlung bei Kirchhain-Nieder...png
 
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Nochmal zurück zu Reimershausen: War ja klar, daß dort die Römer sein müssen, zumal der Ort 1524 als Romershawsen
erwähnt wurde. :p

Aus den wenigen Informationen über die Lager in Reimershausen habe ich den Artikel über das Dorf bei Wikipedia ergänzt: Reimershausen – Wikipedia

Zu den römischen Funden im westlichen Mittelhessen hatte ich mir vor Jahren eine (unvollständige) Liste gemacht:
- Mittenaar-Offenbach, Lahn-Dill-Kreis: Wangenklappe von Paradehelm mit Inschrift - thrakischer Name / Thraker
- Herborn-Merkenbach: Römische Münzen
- Herborn-Sinn: Scherben von Terra Sigillata [meist Bilderschüsseln vom Typ Dragendorff 37]
-- Bei Grabungen wurden Anfang der 1950er Jahre Scherben, Reste von Nutzwerkzeugen, Hausgrundrisse, Feuerstellen und auch ein Schmuckstein aus römischer Zeit gefunden.
- Herbornseelbach: Terra Sigillata-Scherben von der Niederungsburg „Alt-Dernbach“
- Herborn-Guntersdorf: Im Mittelalter wurden in Guntersdorf historische Funde der Römer geborgen, die heute im Privatbesitz sind.
- Katzenfurt: Römische Münzen aus der Zeit von 103 bis 194 nach Christi. Sie sind unter der Inventar Nr. 2009/87 des LDA Wiesbaden eingetragen, gefunden wurden sie von Hermann Wahl in der Gemarkung Katzenfurt im Jahre
- Grube Fortuna (Solms-Oberbiel): 1881 Römische Gewandspangen und Tierknochen gefunden

Besitzt jemand die Ausgaben 1/2026 und 3/2026 der Heftreihe "Archäologie in Deutschland" und könnte mir kurz die Artikel (unter der Rubrik "Neues aus der Landesarchäologie"?) zu den Lagern in Reimershausen und Amöneburg zur Verfügung stellen? Leider habe ich mein Abo der AiD im letzten Jahr schon beendet. Gab es auch zum Lager in Niederweimar eine entsprechende Veröffentlichung in der AiD?
 
Nun gut, ich bin begeistert von den archäologischen Funden in Hessen. Aber: Die Überlegungen hierzu sind schon sehr alt.


Ich finde es eigentlich sehr schade, dass auch nach der Entdeckung von Waldgirmes und Dorlar wenig weiter reichende Folgerungen gemacht wurden. Oder habe ich sie nur nicht mitbekommen?

  • Warum ist die Schiffbarkeit der Lahn in der Latènezeit nicht vorher archäologisches Thema gewesen?
  • Warum sind alle von dem Fund der großen keltischen Hafenanlage in Aschaffenburg überrascht?
  • Warum ist die latènezeitliche Besiedelung des rechts- wie linksseitigen Rheinischen Schiefergebirges nicht primär unter wirtschaftsgeographischen Gesichtspunkten diskutiert worden? Ist das nicht ein überraschend homogener Wirtschaftsraum?
  • Und warum sollte das nicht für die römische Expansion in Germanien nicht motivierend gewesen sein, in einer schon erschlossenen Landschaft?
Natürlich werden @El Quijote, @Sepiola, @Biturigos und @Ravenik, die viel mehr archäologische und historische Lektüre hinter sich haben, ganz gelassen kontern: "Steht doch alles da, muss man nur lesen..."

Also:



Also, Georg Wolff schreibt da über die Ohmniederung. Er beschreibt die beeindruckende Landschaft der Hochwasser an der Ohm im Herbst 1913 und Frühjahr 1914 (und so habe ich das auch mal 1984 erlebt) und er erwartet ein Holz-Erde-Lager östlich der Amöneburg, an den Ohmfurten, und dies im Rahmen der Germanicus-Feldzüge:

"Apronius, und zwar in einer Weise, welche die Erklärung
nahe legt, daß der Legat mit einer fliegenden Kolonne an
verschiedenen Orten die ihm aufgetragenen Wegverbesser
ungen vornehmen ließ, mag er die dazu nötigen Mannschaften nun der Besatzung des neu erbauten Kastells [in monte tauno]
entnommen oder erst später für den speziellen Zweck erhalten haben. Im letzteren Falle würde man sein Lager mit Schumacher an der wichtigsten und beim Eintreten ungünstiger Witterung gefährlichsten Stelle in der Nähe der Amöneburg suchen konnen, die auch bei der erstgenannten Annahme eine besondere Beachtung in Anspruch nehmen darf. Auf andere Stellen kommen wir weiter unten zu sprechen."

Nun gut, jetzt haben wir ein Lager im Brücker Wald.

Und wenn er ein Lager in Niedermöllrich (heute OT von Wabern) an der Eder vermutet, so ist die Landschaft im Gebiet der Einmündung von Schwalm und Rhünda in die Eder im Luftbild und im LIDAR auch interessant.
 
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Leider ist bei diesem die Breite ermittelbar
fehlt da etwas im Satz (ist bei diesem nur die Breite), oder verstehe ich ihn einfach nicht?

(was die Aufnahme/Luftbild im Beitrag davor betrifft: ist dieses "Spielkarten"-Lager ein wenig asymmetrisch und oben links merkwürdig ausgebuchtet? liegt das am Gelände?)
 
Warum schaut man sich die zahlreichen "Fliehburgen", die größtenteils von Pfarrern und Dorfschullehrern (no offense intended) untersucht wurden, nicht mal etwas gründlicher an?
@Stilicho geben die denn in ihren Umrissen Anlass dazu, sie für römischen Ursprungs zu halten? Ich denke da an etliche echte wie auch vermeintliche "Keltenschanzen" und "Viereckschanzen", deren geringe Dimensionen eigentlich ausschließen, sie für römischen Lager zu halten.

Ist eigentlich wegen des atypischen Grundriss Hedemünden eine sehr seltene Ausnahme, oder gibt es deutlich mehr solche im Grundriss eher frühmittelalterlich erscheinenden Römerlager?
 
Gabriele Rasbach sieht in Hedemünden auch kein kein Römerlager.

Archäologische Spuren einer Kultpraxis: Deponierungen im Mittelgebirgsraum, Ein grenzübergreifender Überblick 2022/ S. 255-282
 
Die Recherche ergab, dass die Lager bei Hochheim durch Luftbildbefund bereits bekannt sind. Jedoch fehlen die nötigen Ressourcen für weitere Grabungen. Ob die Lager bei Wallau und das Lager bei Breckenheim ebenfalls bekannt sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls fand ich keine Einträge.
 
Gabriele Rasbach sieht in Hedemünden auch kein kein Römerlager.

Archäologische Spuren einer Kultpraxis: Deponierungen im Mittelgebirgsraum, Ein grenzübergreifender Überblick 2022/ S. 255-282
Ich habe den Artikel von Frau Ransbach nicht gelesen, was ja die Grundvoraussetzung für einen Einwand ist.
Aber das was Klaus Gote geschrieben hatte:

"mehrere Münzen: Nemausus-Asse bzw. -Dupondien (Nemausus Serie I, ca. 16 - 8 v. Chr.), z. T. gegengestempelt, ein silberner Quinar (republikanisch, ca. 90 - 80 v. Chr.), spätrepublikanische bis augusteische Denare, mehrere keltische Kleinerze (u.a. Aduatuker). Dazu eine unbekannte Anzahl römischer Münzen (Raubgrabungsfunde, verschleppt), angeblich Nemausus-Dupondien und republikanische Denare, eventuell als Depotfund entdeckt.
ca. 1500 römische Eisenobjekte, darunter Pilumreste, eine Gladiusklinge, ein Dolch, Tüllenlanzenspitzen (Form hasta und jaculum), Katapult-Geschossbolzen (massiv vierkantig, mit Tülle), Lanzenschuhe, Zeltheringe, Ledermesser, Sensen, Sicheln, Baubeschläge, Pfrieme und Durchschläge, Wagenteile und Anschirrungszubehör, sonstige Werkzeuge und Beschläge, Nägel, Kettenteile (mit 8-förmigen Gliedern), über 600 Sandalennägel.
Phallusamulett, Aucissafibel, steinerne Drehmühlen, Buntmetall- und Bleiobjekte."
  • Das klingt nun nicht im geringsten nach einem nicht-römischen Depot.
  • Und ja, sowohl die Drusus-zeitlichen Lager als auch und erst recht die Versorgungslager können einen von der üblichen Spielkartenform abweichenden Grundriss haben.
 
@Stilicho geben die denn in ihren Umrissen Anlass dazu, sie für römischen Ursprungs zu halten?

Das meine ich gar nicht. Aber zum Beispiel die Anlage Heunstein bei Dillenburg wird ins Spät-Latene datiert. Vielleicht also zeitgleich mit Dünsberg?
Auch mit Waldgirmes oder Reimershausen?? Zuletzt gründlich untersucht wurde das ganze meines Wissens .vorm Krieg...

Wäre ja interessant, mehr über die einheimische Besiedlung um die Zeitenwende zu wissen.
 
Auf dem Döttenbichl hat man auch über 200 Schuhnägel, Waffen und andere Sachen gefunden. Das alleine reicht nicht aus.


Eindeutige römische Lager in Hedemünden befanden sich auf dem heutigen Gewerbegebiet (6 nachgewiesene Spitzgräben! siehe Publikation Grote 2012). Vielleicht kam es in Hedemünden ja wie auf dem Döttenbichl ebenfalls zu einem Gefecht?. Einige Spitzen von Lanzen und Messern staken senkrecht in der Erde(!) oder wurden unter Steinplatten deponiert. Haargenau wie am Döttenbichl. Das ist kein Zufall m.E.
 
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