Die Römer in Mittelhessen ¹

  • Es lohnte nicht.
  • Zu viel Fläche.
  • Zu wenig nutzbare Wasserwege für eine intensivierte Erschließung.
  • Es gab zuwenig Menschen dort, v.a. zu wenig Fachleute in der Montanindustrie: Die waren abgewandert.
  • Zu große Investitionskosten!
  • Zu wenig erkennbarer Nettoertrag!
Und das bedeutet: Die Region war, oder wurde, wirtschaftlich weniger interessant!
Ich würde vorschlagen, leider habe ich heute keine Zeit, die Limesforschung und ihre Ergebnisse zu Rate zu ziehen.
Ausgangsfrage war, warum z.B. Lahn-Dill als Montan-Region nicht wiedererobert wurden. Ich greife als Beispiel Wetzlar Dalheim heraus.
Außer Erz gab es fruchtbare Lössböden westlich von Wetzlar, die für eine Besiedlung attrativ waren.

1. Es lohnte sich nicht: der latènezeitliche Bergbau und Erzverhüttung hatte sicher leicht erreichbare Erzvorkommen verbraucht, der Holzverbauch war jedenfalls ein zunehmendes Problem - jedoch wurde z.B. in Wetzlar Dalheim im Frühmittelalter wieder Eisen produziert. Erschöpft waren die Erzvorkommen noch nicht - möglicherweise musste tiefer gegraben werden. Zu Wetzlar-Dalheim:
https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/ufga/Dateien/Verhuettung_Artikel_Schaefer_klein.pdf.

2. Zu viel Fläche: Der Wetterau-Limes (Kastell Butzbach) war jedoch auch nur einen Tagesmarsch von Wetzlar Dalheim entfernt.
Das Kastell Butzbach lag am Grenzübergang der Weinstraße, die hier den Limes passierte, das Lagerdorf nutzte die Fernstraße als Hauptstraße.
Die Verschiebung der Grenze an die Lahn wäre aus meiner Sicht möglich gewesen - daher denke ich, dass eher strategische und politische Gründe bei der Grenziehung eine Rolle gespielt haben, weniger ökonomische.

3. Zu wenig nutzbare Wasserwege: es mag eine Rolle bei der Grenziehung gespielt haben, dass die Lahn (vom Rhein aus) bis Bad Ems ausgezeichnet befahrbar ist. Der Limes umfasst bei Bad Ems zusätzlich Silbervorkommen. Eine politische Rolle könnte gespielt haben, dass der Limes altes Gebiet der Mattiaker umfasste, und der Limes zur Nordgrenze der Civitas Mattiacorum wurde. bei der Gründung von Waldgirmes schien die schwierige Befahrbarkeit der Lahn im schluchtartigen Abschnitt zwischen Diez und Bad Ems keine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Logistisch war die Rheinnähe sicher vorteilhaft. Der Wetteraulimes soll über die Zuflüsse der Nidda versorgt worden sein. Allerdings: dies war sicher nur eingeschränkt und saisonal möglich. Ganzjährig ist die Nidda nur bis Hedderheim sicher befahrbar. Nida, der Zentralort der Civitas Taunensium, lag genau dort. Nach keltischen Münzfunden war dort sehr wahrscheinlich eine keltische Vorgängersiedlung, der "Hafen" des Heidetränkoppidums, das am dort in die Nidda mündenden Urselbach, der aus dem Hochtaunus abfließt, liegt. Hier ist die Nähe des Mains für die Logistik ein Vorteil, das für den nördlichen Limesbogen des Wetteraulimes. Das Kastell Butzbach liegt 42 km vom Main entfernt.

4. Zu wenig Menschen: ja, richtig, das traf jedoch auch auf die Wetterau nach 20 n.Chr. zu. Nach meiner Erinnerung gab es eine Abwanderung, ob sukzessive oder mit dem Abzug des römischen Militärs, kann ich nicht sagen. An den Pollendiagrammen müsste sich dieser Rückgang abzeichnen.
Die Vegetationsentwicklung in der Wetterau und im Lahntal in den Jahrhunderten um Christi Geburt. Ein Vergleich der palynologischen Ergebnisse, Januar 2000, in: A. Haffner/S. von Schnurbein (Hrsg.), Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen (Bonn 2000) 201–219.

Die neue Civitas Taunensium wurde überwiegend druch Einwanderer aus Gallien besiedelt. Nur vereinzelt finden sich namen aus dem griechischsprachigen Raum, und nur einen, der für einen Zuwandererfamilie aus Numidien spricht.
 
Ich werde trotzdem mal auf den Franzosenwiesen schauen. Vielleicht finde ich ja einen Legionsadler oder sowas.
Ich glaube, viele von Euch kennen - und lieben! - diese Region. Der Burgwald, nordöstlich von Marburg, ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Hessen, und ich habe mich dort schon einmal mit dem Fahrrad sehr gründlich verfahren.
  • Sandsteingebiet.
  • Eiszeitliche Trockentäler.
  • Eisenhaltige Moorwiesen mit Staunässe.
  • Wolfsgruben.
  • In den aufgelassenen Sandgruben und Steinbrüchen sieht man die dicken Ascheschichten des Laacher See-Vulkans!
  • Lange und gerade Höhenwege, auch Fernwege.
Aber: es gibt keinerlei römische Spuren, und in der kargen und sauren Krume würden sich auch keine Spuren von Eisen oder Skelettresten erhalten.
 
Aber: es gibt keinerlei römische Spuren, und in der kargen und sauren Krume würden sich auch keine Spuren von Eisen oder Skelettresten erhalten.

Bisher nicht. Wobei z.B. der Eibenhardt am nördlichen Rand des Amöneburger Beckens/Ohmaue zu den erwähnten, kaum untersuchten Ringwallanlagen zählt. Mal findet man die Angabe 400 v., mal 100 v., genaues weiß man nicht.

Und der Christenberg? 200 v. aufgegeben, 1000 Jahre Leerstand, dann wieder genutzt? Wirklich?
Westlich des Burgwaldes noch mehr solcher Anlagen, und die Römer haben nie vorbeigeschaut?
 
Bisher nicht. Wobei z.B. der Eibenhardt am nördlichen Rand des Amöneburger Beckens/Ohmaue zu den erwähnten, kaum untersuchten Ringwallanlagen zählt. Mal findet man die Angabe 400 v., mal 100 v., genaues weiß man nicht.
Man weiß fast gar nichts über die Region. Interessant ist aber, dass in einigen dieser spätlatènezeitlichen Wallanlagen Eisen- und Buntmetallverarbeitung stattfand! Und dies vielleicht für überregionalen Absatz.

Den Eibenhardt kannte ich bislang namentlich gar nicht, habe ihn oft aber beim Fahren aus dem Auto heraus betrachtet und gedacht: "Klarer Standort für eine latènezeitliche Anlage mit Signalcharakter, markant am Lahnknie und an der Ohmmündung."

Und der Christenberg? 200 v. aufgegeben, 1000 Jahre Leerstand, dann wieder genutzt? Wirklich?
Westlich des Burgwaldes noch mehr solcher Anlagen, und die Römer haben nie vorbeigeschaut?
Jede Menge solcher Anlagen.


Meine Vorstellung ist:
  • Es gab vor 9 n. Chr. das Konzept einer wirtschaftlichen Erschließung des Lahn-Dill-Gebietes, und das vermutlich in befreundetem Gebiet.
  • Und es gab, v.a. bis 16 n. Chr., ein ideales Aufmarschgebiet und Versorgungsinfrastruktur in Richtung Werra und darüber hinaus. Da wurde Geld investiert!
  • Mit dem Ausbau des Wetteraulimes, oder zuvor mit dem Rückzug in die Wetterau, geht ein Verzicht auf direkte Beherrschung der Lahnregion einher, das Gebiet ist aber weiterhin jederzeit unter militärischer Kontrolle.
  • Es bleibt ein bekanntes und vor allem sicheres Aufmarschgebiet.
  • Man kontrolliert den Fernhandel, aber investiert nicht mehr direkt.
 
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Den Eibenhardt kannte ich bislang namentlich gar nicht, habe ihn oft aber beim Fahren aus dem Auto heraus betrachtet und gedacht: "Klarer Standort für eine latènezeitliche Anlage mit Signalcharakter, markant am Lahnknie und an der Ohmmündung."

Der "Eibenhardtpfad" ist ideal für eine kurze Wanderung.
Es gibt "Keltenstuhl" und "Keltenquelle", man hat von oben einen tollen Überblick über Ohm- und Wettschaftmündung in die Lahn.
 
Die Chattenkriege, das ist eine ganz andere Region.
Jetzt bin ich baff! Die Region um den Dünsberg, die Lahn. das Gießener Becken, die Montan-Region Lahn-Dill steht in diesem Thread doch im Mittelpunkt, mal wird die Wetterau mit einbezogen, mal das Amöneburger Becken. Wo sollen den die Chattenkriege sonst stattgefunden haben, als in diesem Gebiet?
 
  • Die Dünsbergregion ist so sehr noch römisches Kontrollgebiet, als dass ich dort romfeindliche Aktionen für möglich halte.
  • Bedenke, dass es aus der Wetterau nur ein Nachmittagsspaziergang ist.
  • Ich weiß allerdings nicht von wann die Kampfspuren der Belagerung am Dünsberg stammen.
  • Es gibt keine sonstigen Kampfspuren, auch keinen Zerstörungshorizont z.B. an der keineswegs leicht einzunehmenden Amöneburg.
  • Wenn aber von Frontinus über Kämpfe zwischen Ohm und Schwalm berichtet wird: Das genau ist die Durchgangsregion für die Verbindungen zu den Flußsystemen von Schwalm, Eder, Fulda, Werra und Weser, also nach Mitteldeutschland.
  • Wo überhaupt saßen die Chatten? Wer waren die Chatten, welche Gruppen tolerierten die Römer im Limesvorfeld?
 
Es gibt die Ausgrabungen am Südostrand von Amöneburg bei der Anlage des Sportplatzes, mit Resten von Wohnpodien und Gräbern von (nicht-kaiserzeitlichen) Gräbern von Toten mit Parierverletzungen.

Und ansonsten: Jede Menge Gärten in Amöneburg, viel nicht-bebaute Fläche. Es gäbe Prospektionsansätze, aber kein definiertes oder lohnenswertes archäologisches Ziel, wo man für die Ausgrabungen Geld locker machen würde.
 
  • Die Dünsbergregion ist so sehr noch römisches Kontrollgebiet, als dass ich dort romfeindliche Aktionen für möglich halte.
  • Bedenke, dass es aus der Wetterau nur ein Nachmittagsspaziergang ist.
  • Ich weiß allerdings nicht von wann die Kampfspuren der Belagerung am Dünsberg stammen.
  • Es gibt keine sonstigen Kampfspuren, auch keinen Zerstörungshorizont z.B. an der keineswegs leicht einzunehmenden Amöneburg.
  • Wenn aber von Frontinus über Kämpfe zwischen Ohm und Schwalm berichtet wird: Das genau ist die Durchgangsregion für die Verbindungen zu den Flußsystemen von Schwalm, Eder, Fulda, Werra und Weser, also nach Mitteldeutschland.
  • Wo überhaupt saßen die Chatten? Wer waren die Chatten, welche Gruppen tolerierten die Römer im Limesvorfeld?
Hm. In jedem Standardwerk gibt es ein Kapitel zum Chattenkrieg des Domitian. Da sollte doch etwas vorhanden sein. Und Tacitus beschreibt in der Germania (30) das Land der Chatten über dem Limes (und dem Dekumatland) im hercynischen Wald, das nicht eben ist, sondern von Hügeln durchzogen. Ihnen folgen, dort wo der Rhein so breit wird, dass er als Grenze ausreicht, die Usiper und Tenkterer. Ich zögere jetzt ausführlicher auf den Chattenkrieg einzugehen. Gibt es dazu keinen eigenen Diskussionsstrang?

1. Ausgangspunkt war Obergermanien und Mogontiacum: „Als Kaiser Caesar Domitianus Augustus Germanicus das Bedürfnis verspürte, zu den Waffen zu greifen, und ihm bewusst wurde, dass die Feinde weitaus größere Kriegsvorbereitungen treffen würden, wenn sie die Ankunft eines so herausragenden Feldherrn wie ihm selbst voraussähen, verbarg er den wahren Grund für seinen Aufbruch aus Rom unter dem Vorwand, einen Zensus in den gallischen Provinzen durchzuführen. Unter dieser Tarnung stürzte er sich in einen plötzlichen Krieg, brach den wilden Trotz dieser ungezähmten Stämme und handelte so zum Wohle der Provinzen.“ Frontin. strat I,1,8

Nachdem Domitian wahrscheinlich im März aus Rom aufgebrochen war, wurden die Truppen über Gallien in Obergermanien zusammengezogen, es müssen schon im Winter 82/83 Vorbereitungen getroffen worden sein, um die Vexillationen aus Britannien heranzuziehen.
Die neu ausgehobene Legio I Minervia, Legio I Adiutrix (Mogontiacum), die Legio XIIII Gemina, (Mainz), Legio XXI Rapax (Bonn), Legio XI Claudia (Vindonissa) bildeten neben Auxiliarverbänden und den britannischen Vexillationen das Invasionsheer.

2. Vorbereitung: unter Vespasian war das Vorfeld der nassen Rheingrenze in der Wetterau abgesichert worden:
"Bereits in vespasianischer Zeit hatten die Römer in Obergermanien die Initiative ergriffen und nicht nur die 69/70 n.Chr. während Bürgerkrieg und sogenanntem Bataveraufstand verlorenen Positionen wieder zurückgewonnen, sondern auch den direkten römischen Herrschaftsbereich rechts des Rheines entscheidend erweitert. Der Mann, dem diese Aufgabe offensichtlich zufiel, war der obergermanische Legat Cn. Pinarius Cornelius Clemens, der die Provinz ca. 72/73-74/75 n.Chr. führte. Für seine Erfolge (ob res in Germania prospere gestas) erhielt er die ornamenta triumphalia. Die Operationen des Clemens sind in zwei geographischen Schwerpunkten faßbar, einmal im Süden Baden-Württembergs einschließlich des Baus der Kinzigtal-Straße und zum anderen im Rhein-Main-Gebiet und in der Wetterau. Während im Süden vor allem die Bautätigkeit von Arbeitskommandos mehrerer Legionen faßbar ist, werden wir die militärische Machtdemonstration, die wir wohl zumindest mit der Verleihung der ornamenta triumphalia verbinden können, im Nordosten der Provinz zu suchen haben. Hier wurden nicht nur die älteren Positionen wiederhergestellt, sondern von diesem Brückenkopf im Vorfeld von Mainz aus weit in die Wetterau hinein ausgegriffen, wo wir dann nach der Mitte der 70er Jahre ein gestaffeltes System von Lagern und Kastellen bis Friedberg feststellen können: Mainz-Kastel (sicher besetzt), Wiesbaden, Hofheim/Ts., Frankfurt-Heddernheim, Frankfurt-Domhügel, Höchst/Nied, Okarben und Friedberg."
(K.Strobel, Der Chattenkrieg Domitians,1987)

Reinhard Wolters nennt dieses Vorgehen im Kapitel "Die Chatten zwischen Rom und den germanischen Stämmen" (Feindliche Nachbarn,2008), diese Sicherungspolitik Vespasians, eine "engineering campaign" -die Wetterau war also schon vor dem Chattenkrieg militärisch gesichert, um die chattischen Einfallswege zu blockieren. Schon 48 n.Chr. wurde bei Koblenz eine Holzbrücke über den Rhein gebaut. Das direkte rechtsrheinische Ufer wurde direkt vom römischen Militär kontrolliert, außerdem operierte es auf dem mattiakischen Gebiet, z.B. wurde nach Silber geschürft (41 n. Chr. Tac. Ann 16,20,3 siehe auch Römische Minen in der Germania Magna

Diese Vorfeldaktivität und Sicherungspolitik Vespasians ist wahrscheinlich eine römische Reaktion auf die Beteiligung der Chatten am Civilis-Aufstand 69/70 n.Chr. und der Belagerung von Mogontiacum (Tac. hist. IV 37,3). Interessant für die möglichen Kriegshandlungen in den Chattenkriegen Domitians, deren Chronologie und Ablauf aus den literarischen Quellen nicht zu erschließen ist, sind Kampfhandlungen gegen die Chatten im Jahr 49 oder 50 n.Chr., die Tacitus beschreib Tac, Ann. 12,27). Der Legat Lucius Pomponius sendet Hilfstruppen der Vangionen und Nemeter gemeinsam mit bundesgenösslicher Reiterei in zwei Abteilungen mit dem Auftrag gegen plündernde Chatten vorzugehen und ihnen den Weg abzuschneiden und sie zu umzingeln. Tacitus schreibt, dass die, die links (vom Rhein aus gesehen?) marschiert sind, die beutebeladenen und schlaftrunkenen Zurückkehrenden umringten. Die rechte Marschsäule nahm den kürzeren Weg, und begegnete den Chatten, die eine Schlacht wagten. Diese Abteilung kehrte nach ihrem Sieg beutebeladen zum Taunusgebirge zurück, wo sie die Legionen mit Poponius in einer Auffangstellung warteten "ob nicht die Chatten aus Rachgier zu einer Schlacht Gelegenheit bieten würden."Pomponius erhielt für seinen Sieg die Triumphehre, die Chatten waren besorgt, und sandten Gesante und Geiseln nach Rom, um Frieden zu schließen.

Armin Becker ist der Auffassung, dass diese Kämpfe im oberen Lahntal und der Wetterau stattgefunden haben, er lokalisiert den Mons Tauno als Dünsberg (A. Becker, Adventus Chattorum: Zum Feldzug des P. Pomponius Secundus 49/50 n. Chr., MBAH 27, 2009). Für mich ist folgender Ablauf logischer: die Chatten plündern im Gebiet der Mattiaker, und überqueren den Rhein nicht - die römischen Truppen sammeln sich in Mogontiacum - die linke Säule ziehen über die Idsteiner Senke zum Goldenen Grund und ziehen dann Richtung Lahn (Hessenstraße?) und holen die Plünderer ein - die rechte Säule marschiert südlich des Hochtaunus auf der Elisabethenstraße Elisabethenstraße – Wikipedia durch das Rhein-Maingebiet in die Wetterau, und schlägt dort eine Schlacht gegen die Chatten. - die Legionen sind nachgezogen, und bilden am östlichen Taunus in der Wetterau, vielelicht bei Friedberg, eine Auffangstellung.

Tatsächlich sind das Vermutungen, noch weniger ist über den Chattenkrieg bekannt. Zum Chattenkrieg gibt es immerhin archäologische Funde: elf römischen Marschlager um und unter der Zivilsiedlung Nida sind gut dokumentiert. Neueste Ergebnisse: AUSGRABUNGEN IM ZENTRUM DES RÖMISCHEN NIDA IN FRANKFURT AM MAIN - HEDDERNHEIM Andrea Hampel, Rolf Skrypzak,2024

Unten Karte mit einigen der Marschlager und Militäreinrichtungen bei Nida (rot)

Nida_Heddernheim_Karte_cropped.jpg
 
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  • Wo überhaupt saßen die Chatten?


Hm. In jedem Standardwerk gibt es ein Kapitel zum Chattenkrieg des Domitian. Da sollte doch etwas vorhanden sein. Und Tacitus beschreibt in der Germania (30) das Land der Chatten über dem Limes (und dem Dekumatland) im hercynischen Wald, das nicht eben ist, sondern von Hügeln durchzogen. Ihnen folgen, dort wo der Rhein so breit wird, dass er als Grenze ausreicht, die Usiper und Tenkterer.

Dann haben wir noch die Schilderung des Tacitus über den Feldzug gegen die Chatten unter Germanicus und Caecina; dabei versuchten die Chatten vergeblich, die Römer daran zu hindern, eine Brücke über die Eder zu bauen.
 
Und das ist das Interessante: Die Abgrenzung der Chatten gegen die Marser, oder um 58 n. Chr. die Kämpfe der Chatten mit den Hermunduren um die Salzquellen der Werra oder Saale.

Ich denke, das man archäologisch die Stämme kaum abgrenzen kann.

Spätlatènezeitliche Wallanlagen im nördlichen Dünsberggebiet sind auch als defensiv gegen vordringende chattische Gruppen etikettiert worden, und @Biturigos hat ja auch schon einen Wandel der materiellen Kultur im Amöneburger Becken oder abgrezenden Regionen erwähnt. Aber es fällt mir schwer sich die Chatten als geschlossenen Verband vorzustellen.

Und ist Mattium, der Hauptsitz der Chatten, nicht sehr dicht am Herrschaftsgebiet der Marser?
 
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Und das ist das Interessante: Die Abgrenzung der Chatten gegen die Marser, oder um 58 n. Chr. die Kämpfe der Chatten mit den Hermunduren um die Salzquellen der Werra oder Saale.

Ich denke, das man archäologisch die Stämme kaum abgrenzen kann.

Spätlatènezeitliche Wallanlagen im nördlichen Dünsberggebiet sind auch als defensiv gegen vordringende chattische Gruppen etikettiert worden, und @Biturigos hat ja auch schon einen Wandel der materiellen Kultur im Amöneburger Becken oder abgrezenden Regionen erwähnt. Aber es fällt mir schwer sich die Chatten als geschlossenen Verband vorzustellen.
Ich meine, dass sich archäologisch vor allem der Übergang von einer elbgermanisch geprägten zu einer späteren rhein/Weser Germanischen Kultur erkennen lässt. Ob sich daraus jedoch eine eindeutige ethnische Abgrenzung bzw. konkrete Stammeszugehörigkeit ableiten lässt, ist fraglich. Archäologische Kulturgruppen sind schließlich nicht ohne weiteres mit den aus Quellen bekannten Stämmen gleichzusetzen. Für Nordhessen und Mittelhessen wird, soweit ich weiß, ein Wandel hin zu einer R/W Germanisch geprägten Kultur angenommen, der häufig mit der Zuwanderung der Chatten in Verbindung gebracht wird.

Interessant ist außerdem, dass Kelten entsprechende Abwehrzentren schon weiter nördlich eingesetzt haben. Ein weniger bekanntes Beispiel ist die Höckelsburg bei Vöhl. Teile ihres Walls sind stark verschlackt, was auf eine erhebliche Feuereinwirkung schließen lässt. Ob die Angreifer germanischen bzw. sogar chattischen Gruppen angehörten, ist allerdings nicht nachweisbar. Auch die genaue Datierung ihrer Errichtung und Zerstörung ist ungeklärt.

Und ist Mattium, der Hauptsitz der Chatten, nicht sehr dicht am Herrschaftsgebiet der Marser?
Mattium wird gewöhnlich im Bereich der Fritzlarer Börde vermutet. In dieser Gegend wird auch eines der Kerngebiete des chattischen Siedlungsraums angenommen. Eine genaue Lokalisierung Mattiums ist bislang nicht gelungen. Außerdem bezeichnet Tacitus Mattium als caput gentis. Ob damit ein politischer Hauptort, ein religiöses oder wirtschaftliches Zentrum oder lediglich eine bedeutende Siedlung gemeint war, bleibt offen...
 
Und das ist das Interessante: Die Abgrenzung der Chatten gegen die Marser, oder um 58 n. Chr. die Kämpfe der Chatten mit den Hermunduren um die Salzquellen der Werra oder Saale.

Ich denke, das man archäologisch die Stämme kaum abgrenzen kann.

Spätlatènezeitliche Wallanlagen im nördlichen Dünsberggebiet sind auch als defensiv gegen vordringende chattische Gruppen etikettiert worden, und @Biturigos hat ja auch schon einen Wandel der materiellen Kultur im Amöneburger Becken oder abgrezenden Regionen erwähnt. Aber es fällt mir schwer sich die Chatten als geschlossenen Verband vorzustellen.

Und ist Mattium, der Hauptsitz der Chatten, nicht sehr dicht am Herrschaftsgebiet der Marser?
Tja, wer sind die Chatten? Gute Frage! Würde das nicht diesen Strang sprengen?

Zur archäologischen Forschung über die Bevölkerung(swechsel) in Hessen oder besser in der rechtsheinischen Mittelgebirgszone wurde in diesem Thread diskutiert: Stamm der Chatten

@Maglor zitiert dort ausgiebiger aus einem kleinen Band "Hessen in der Antike" von 2006.
Jürgen Kneipp und Mathias Seidel schreiben in "Hessen in der Antike", der 20 Jahre alt ist, dass von 2006 bekannten 110 "germanischen" Siedlungsstellen nördlich der Linie Wetzlar - Gießen - Lauterbach - Fulda nur drei nach modernen wisschenschaftlichen Methoden intensiv untersucht wurden: Fritzlar-Geismar, Mardorf 23 (Amöneburger Becken) und im Lahntal Weimar-Niederweimar (südlich von Marburg). Weimar-Niederweimar existierte jedoch ab 70 v.Chr. und weist auf eine frühe Einwanderung von Menschen einer anderen Kultur hin, die plötzlich Langhäuser baut. Im gesamten Fundgebiet in Nord - und Mittelhessen waren bis 2006 keine Fundstellen bekannt, die eine eindeutige hohe Stellung der siedelnden Chatten, eine Elite nachweisen würden. Funde auf nur vier nordhessischen Befestigungen datieren auf spätere Jahrhunderte (2.Jahrhundert AD), es sind nur wenige Scherbenfunde, und bisher wurde kein Nachweis einer Befestigung aus kaiserzeitlicher Zeit erbracht (Amöneburg, Heiligenberg, Altenburg bei Römersberg und die Büraburg bei Fritzlar). Auch keines der bekannten neun Gräberfelder wurde bis 2006 mit modernen Standard ergraben. Bei den bisherigen Grabfunden, so Kneipp und Seidel, fehlen Bestattungen der höchsten Schicht, dreizehn Grabinventare bei Hersfeld-Rotenburg bezeichnen sie als einförmig. Nur ein Platz wird aufgrund römischer Goldmünzen, einem vergoldeten silbernen Gürtelbeschlag der frühen Völkerwanderungszeit(!) sowie römischer Keramik einer sozial hervorgehobenen Familie zugewiesen, die in Gudensberg-Obervorschütz seit dem 2.Jahrhundert lebte. Kann das nicht einfach Raubgut sein?

Weiterhin wichtig sind meiner Ansicht nach die Forschungsergebnisse, die ich schon erwähnte, die in diesem Band gesammelt sind: Alfred Haffner und Siegmar von Schnurbein (Hrsg.), Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen (Bonn2000) . Das sind die Ergebnisse eines Forschungsprojekts,dass seit1993/94, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, den»Kulturwandel unter der Einwirkung Roms« zwischen Luxemburg und Thüringen untersuchte.
Dort sind z.B. die Forschungsergebnisse der Untersuchung von drei germanischen Siedlungen auf dem nördlichen Lahnufer bei Wetzlar vom Ende des 1./Anfang des 2.Jahrhunderts enthalten: "Angelika Abegg-Wigg, Dörte Walter, Susanne Biegert Forschungen in germanischen Siedlungen des mittleren Lahntales". Die "Gießener Gruppe" siedelte sich unweit des Wetterau-Limes an, daher wurde reger Austausch und ein friedliches Klientel-Verhältnis angenommen, und damit ein Zugang Roms zur Erzverhüttung im Lahntal. Waren das (auch) Chatten?

Bei der Untersuchung der Gießener Gruppe und den Siedlungsstellen Naunheim, Krofdorf und Atzbach bei Wetzlar (Ende des 1. / Beginn 2.Jhdt. ) war besonders Naunheim ergiebig, und lieferte den Nachweis von Metallverarbeitung. Eigentümlich ist jedoch das Ergebnis zur Beziehung zwischen Rom und den hier siedelnden Germanen: "So hat die Auswertung der Funde und Befunde ergeben, dass derAnteil römischer Objekte relativ gering ist, obwohl das Untersuchungsgebiet in nur fünfzehn Kilometern Entfernung zum Limeskastell Butzbach liegt. Die Hauptmenge entfällt auf Keramik, vor allem auf Trinkgeschirr (Drag., Krüge, Becher), bei weitgehendem Fehlen von Tellern. Die Keramikspektren von Naunheim und Krofdorf sind dabei ähnlich, die anderen Orte liefern nicht genügend Material für einen Vergleich. Im Alltag scheint römische Keramik also keine große Rolle gespielt zu haben. Aber auch im Hinblick auf andere Bereiche möglichen Kulturtransfers bleiben die Aussagen eher negativ. So resümiert Angelika Abegg, dass die Lahntalgermanen im untersuchten Gebiet »ihre traditionelle Lebensart beibehalten zu haben scheinen« (S.359). »Für die Limeszeit ist archäologisch kein intensiver (provinzial-)römischer Einfluss und damit einhergehender Kulturwandel zu beobachten. Es gibt keine Hinweise auf die Umsetzung römischer Grundrissformen in einheimischer Bautechnik, auf römische Bauweise oder römisches Baumaterial. Damit
unterscheidet sich das Lahntal von anderen im unmittelbaren Vorfeld des Limes gelegenen, aber nicht –von gegenwärtig wenigen Ausnahmen abgesehen –von weiter entfernt liegenden Gebieten« (S. 359).

"Auch im archäozoologischen Bereich ist kein dauerhafter römischer Einfluss nachzuweisen. Die Untersuchungen der Knochenfunde ergaben, dass bei Dominanz der Hausrinder die kleinen germanischen Sorten Vorrang genossen, die größeren römischen Artgenossen aber zumindest im Fundmaterial aus Naunheim etwa dreißig Prozent ausmachten (überwiegend für die Arbeit genutzte Ochsen; Norbert Benecke, S. 122). Die Viehhaltung, die auf den Grünflächen der Lahnauen ideale Voraussetzungen fand, ist bei generell risikostreuender Mischwirtschaft als Hauptwirtschaftsfaktor der Siedlungsbewohner anzusehen. Ähnlich fallen die Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchungen aus. Römische Gartenobstsorten oder andere mediterrane Kulturpflanzen sind nicht nachgewiesen (S. 360). Das System der germanischen Landwirtschaft mit einem Schwerpunkt bei Sommerfruchtanbau und Viehzucht scheint in sich geschlossen, ein Bedarf für Neuerungen nicht gegeben (Angela Kreuz, S. 281)". Die Germanen und der Limes. Ausgrabungen im Vorfeld des Wetterau-Limes im Raum Wetzlar-Gießen, herausgegeben von Siegmar von Schnurbein. Römisch-Germanische Forschungen, Band 67. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2011.
 
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Resumee: die Archäologie kann bisher nur begrenzt beitragen, die kulturellen Verhältnisse und geschichtlichen Ereignisse zu klären. Selbst der Caput gentis Mattium, der im Fritzlarer Becken relativ sicher lokalisiert ist, hinterließ keine eindeutigen Spuren (Befestigung, Heiligtum). In den hessischen Beckenlandschaften siedelten Menschen, die jetzt im Gegensatz zur Latènezeit Wohnstallhäuser (zwei oder dreischiffig) bauten, und eine andere Landwirtschaft betrieben. Es kam zu kulturellen Veränderungen im archäologischen Befund, die auf einen Bevölkerungswechsel oder eine Veränderung in der Bevölkerung hinweisen:
"
Spätestens seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. kann fremdartiges Kulturgut mit Bezügen in den Raum der Przeworsk-Kultur zwischen Oder und Weichsel im einheimischen eisenzeitlichen Fundmaterial belegt werden. Diese Nachweise sind sehr spärlich und könnten für kleinere eingewanderte Gruppen sprechen. Der deutlich ansteigende Anteil germanischen Fundgutes in den materiellen Hinterlassenschaften der ausgehenden Latènezeit im nordmainischen Raum bezeichnet Jens Schulze-Forster als „Nivellierung der archäologischen Kultur“ hin zu einer „Germanisierung“, an dessen Entwicklungsende die „rhein-weser-germanische Einheitskultur“ steht.
Die unmittelbare Vorstufe dieser Entwicklung konnte zuletzt am augusteischen Fundplatz von Lahnau-Waldgirmes präzisiert werden. Nach Gabriele Rasbach zeigt die dortige einheimische Keramik einen typologischen Entwicklungsstand, bei dem die Annäherung der germanischen Gefäßformen an das einheimische eisenzeitliche Formengut bereits begonnen hatte, aber noch nicht abgeschlossen war. So fehlen beispielsweise die für die rhein-weser-germanische Keramik typischen Gefäße mit ausgeprägtem Schulterknick Typ Uslar I oder Stengelfüße. Diese beginnende Verschmelzung von einheimisch-eisenzeitlichem mit germanischem Formengut macht allerdings eine Trennung spätlatènezeitlicher von frühkaiserzeitlicher germanischer Keramik für diese Zeit nur bedingt bis gar nicht möglich und erschwert somit auch eine Beurteilung von Fundplätzen der Übergangszeit. G. Rasbach geht von einem Abschluss der Entwicklung rhein-weser-germanischer Sachkultur etwa eine Generation nach der Aufgabe der Siedlung von Waldgirmes 16 n. Chr. aus. Bestätigt wird diese Annahme durch weitere Fundplätze der Übergangszeit im westlichen Rhein-Main-Gebiet, wie bspw. durch die Funde aus einem Grubenkomplex bei Flörsheim-Weilbach (Main-Taunus-Kreis, Deutschland). Das daraus stammende germanische Keramikmaterial findet gute Entsprechungen in dem Fundinventar von Waldgirmes und war mit italischer Sigillata sowie Aucissa-, Langton-Down-, sowie Distelfibeln vergesellschaftet, anhand derer eine Datierung in die mittel- bis spätaugusteische Zeit angenommen werden kann."
Die civitas Ulpia Mattiacorum (CVM), Daniel Burger-Völlmecke und Thierry Groff, in GERMANIA 102, 2024

Die Ausgrabungen von Waldgirmes haben die traditionelle Vorstellung widerlegt, dass die Mattiaci als Vorfeldschutz der Rheingrenze in tiberischer angesiedelt wurden - rechtsrheinisch hat eine Provinzialisierung begonnen, das Rhein-Maingebiet war kein Vorfeld mehr. Weder ist die Einwanderung eines mehrere hundert Personen zählenden kriegerischen Traditonskerns der Chatten, so eine traditionelle Erzählung, nach den archäologischen Funden wahrscheinlich (warum sollten auch die Sugambrer 11 v.Chr. ihr komplettes Aufgebot gegen die Chatten marschieren lassen, wenn diese nur eine Kohorte stellen konnten?) noch die Einwanderung eines germanischen Stamms, der die Vorbevölkerung vertrieb, und verlassene Gebiete besetzte - nach Gabriele Rasbach und Jens Schulze-Forster ist es eher eine kulturelle Verschmelzung bei gleichzeitiger Retardierung der Vergesellschaftung von der Überproduktionserzeugung zur Subsistenz, von ausgeprägter Arbeitsteilung und Spezialisierung zu Selbstversorgung und saisonalem Handwerk, von "Proto-Industrieller Produktion" von Exportgut zur lokalen Produktion für einen kleinregionalen Markt, von der beginnenden Geldwirtschaft zum einfachen Warentausch, die die Gesellschaft in der Mittelgebirgszone veränderte. Die Ergebnisse der Archäologie zeigen hier eher negativ, was unwahrscheinlich ist.

Wie schwierig eine ethnische Interpretation anhand der archäologischen Funde und deren Verknüpfung mit schriftlichen literarischen Quellen ist, zeigt eindrücklich die Dünsberg-Gruppe. Nico Roymans, ein niederländischer Archäologe, interpretiert die Münzfunde silberner und kupferner Dreiwirbelstatere im Rhein-Maas-Delta zusammenhängend mit ihren goldenen Vorläufern, den Regenbogenschüsselchen der Nordgruppe vom Dünsberg, als nachwesi für die Verwandschaft der Bataver mit den Chatten:"the trans-rhenisch chattian origin of the batavians mentioned by Tacitus is reflected in the major shift in the circulation- and probably production - of the triquetrum coinages from the eastern Middle Rhine Region (where the Chatti were found in the early imperial period) to the Rhine/Meuse delta" Ethnic Identity and Imperial Power: The Batavians in the Early Roman Empire, Nico Roymans, 2004.
Die goldenen Dreiwirbelstater des Mardorfer Typs, die Roymans den Chatten zuordnet, werden jedoch ins frühe 1.Jhdt. v.Chr. datiert! Sie müssten dann die einheimische spätlatènezeitliche (keltische?) Bevölkerung der Nordostgruppe/Dünsberggruppe sein...

Johannes Heinrichs ordnet ebenfalls aufgrund der Münzfunde vom Dünsberg die Nordostgruppe den Ubiern zu - diesmal jedoch anhand der Münzserie der silbernen Quinare "Tanzendes Männlein", deren Prägung etwa um 65 bis 45/40 v. Chr. im Heidetränkoppidum und Dünsberg beginnt. Dann wären die Ubier die ursprünglichere spätlatènezeitliche Gens, und die Chatten Ergebnis der Germanisierung der einheimischen Kultur um die Zeitenwende?

Doch wie lässt sich dann die bestechende Argumentation Roymans, die eine Einwanderung von Batavern ins Rheindelta anhand der Numismatik aus dem hessisch-Westfälischen Bergland belegt, die sich mit der bei Tacitus überlieferten Verwandschaft mit den Chatten verträgt, mit den eben dort angesiedelten Ubiern vereinbaren? Sind Chatten und Ubier ein Stamm? Tac. Germ. 29 "omnium harum gentium praecipui Batavi non multum ex ripa, sed insulam Rheni amnis incolunt, Chattorum quondam populus et seditione domestica in eas sedes transgressus, in quibus pars Romani imperii fierent;"
Ist die Erwähnung der batavischen Insel bei Cäsar im Gallischen Krieg doch kein späterer Einschub? Sondern belegt eine Einwanderung der Bataver vor dem Gallischen Krieg?
 
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