(Dis)Kontinuität von Kultstätten

um 609 soll das Pantheon in eine Kirche umgewandelt worden sein (das ist freilich schon zeitlich weit entfernt von den griechischen Göttern, die vermutlich vor ihrem Untergang römisch geworden waren)
Das ist wohl auch zeitlich schon ein ganzes Stück entfernt von den letzten Zeremonien, die zu Ehren der römischen Götter dort abgehalten wurden.

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Athenatempel Syrakus/Kathedrale Syrakus:
Pyramide von Cholula:
Qoricancha, Cusco:

Von diesen Beispielen dürfte wohl nur das letzte eine christliche Umnutzung unmittelbar nach dem Ende des heidnischen Kultbetriebs belegen.

Bei der Pyramide von Cholula ist zweifelhaft, ob sie von den Conquistadoren, die dort 1519 einmarschierten und ein grausiges Massaker anrichteten, überhaupt als Kultort wahrgenommen wurde. Sie war schon Jahrhunderte zuvor aufgegeben worden und komplett von natürlicher Vegetation überwuchert. Die prächtige Kirche wurde erst Jahrzehnte später errichtet.
 
Es war ja nicht so, dass in jede Kirche die Einwohnerschaft der jeweiligen Stadt hineinpassen musste. Zu allen Zeiten gab es größere und kleinere Kirchen (auch hellere und dunklere).
Ja, aber typisch für die sakralen Bauten der Spätantike ist doch die Basilika, und die orientierte sich an einem weltlichen Bautyp, der dazu diente, viele Leute in einem Innenraum zusammenzubringen.
 
Gleichwohl wurde so gut wie jeder andere Bautyp für Kirchen wiederverwendet: Villen, Thermen (einige Beispiele siehe weiter oben in diesem Thread), Principia, Lagerhaltung, Palastbauten, Theater, Synagogen, Tempel. Letztere halt erst relativ spät.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die ersten Kirchen waren ja Privathäuser, Hauskirchen, Titelkirchen (titulus ursprünglich der Grundeigentümer dann einem Heiligen umgewidmet). Synagogen waren Mehrzweckversammlungsräume, συνάγω συναγωγή syn-ago-ge bezeichnete wie ἐκκλησία ecclesia die Versammlung, erst im späten Hellenismus das Versammlungsgebäude. Die lassen sich deshalb archäologisch oft nicht so einfach nachweisen, in Dura-Europos ist eine Hauskirche, um 232 n. Chr. eingerichet. Synagogen in Palästina vor 70 seien nunmehr eine ganze Reihe gesichert, Inschriften, Schriftrollen, jüd. Symbole, Bad (Miqwe) gelten als Kennzeichen.
 
Da es so schön ins Thema passt eine Frage:

Auf dem Marienberg (Harlungerberg) in Brandenburg an der Havel soll es einen Tempel des elbslawischen Gottes Triglaff gegeben haben. Später stand dort ein Marienheiligtum, bzw noch später eine Kirche. Bisher hab ich nur gefunden, dass dieses Mitte des 12. Jh. errichtet wurde, nach der Rückeroberung der Gebiete im Wendenkreuzzug 1147. Mich würde interessieren, wie das zwischen der Eroberung Brandenburgs 928 und dem großen slawischen Aufstand 983 gewesen ist; ob es diesen Tempel noch gab, ob er schon damals durch eine christliche Stätte abgelöst wurde, bzw ob sich nach 983 dort erneut ein slawisches Heiligtum etablieren konnte.

Ich befürchte, die Quellenlage ist ziemlich schlecht, aber weiß jemand, ob es nicht doch was gibt, und seien es halbwegs belastbare Vermutungen?

Die Quellenlage ist in der Tat nicht üppig, 1954 hat sich Hans-Dietrich Kahl mit der Frage auseinandergesetzt: Das Ende des Triglaw von Brandenburg. Ein Beitrag zur Religionspolitik Albrechts des Bären, in: Zeitschrift für Ostforschung 3 (Wiederabdruck in: Heidenfrage und Slawenfrage im deutschen Mittelalter, Hrsg. Florin Curta, Leiden/Boston 2011).

Im Fragment einer Brandenburgisch-Brietzenschen Chronik heißt es:
"Idem Vrsus cum Swigero Episcopo Cathedralem Ecclesiam Brandenburgensem, diu destructam, cum adiutorio Dei reformauit et idolum, quod in Brandenburgk fuit ante Veterem ciuitatem in monte, et alia multa destruxit." = "In Gemeinschaft mit Bischof Swiger stellte derselbe Bär nach langer Zerstörung mit Gottes Hilfe die brandenburgische Kathedralkirche wieder her und zerstörte das Götzenbild, das in Brandenburg auf einem Berge vor der Altstadt war, und viele andere mehr."
Nach einer (laut Kahl weniger glaubwürdigen Quelle) soll das "ydolum quod in Brandenburg fuit cum tribus capitibus, quod Triglav Sclavice dicebatur et pro deo colebatur" bereits unter dem zum Christentum konvertierten Pribislaw (ca. 1127-1150) zerstört worden sein.
Bischof Swiger amtierte von 1138 bis 1160; Kahl datiert die Zerstörung des Triglav ins Jahr 1150.

Auf dieser Seite heißt es, eine erste Marienkireche sei schon 1166 gebaut worden:

Falls die Jahreszahl stimmt (auf welcher Quelle sie basiert, ist leider nicht angegeben) hätten wir immerhin einen Fall, wo schon 16 Jahre nach der Zerstörung eines heidnischen Heiligtums eine Kirche am selben gebaut worden wäre.
 
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